Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92228
Momentan online:
350 Gäste und 22 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Das prophetische Gesicht
Eingestellt am 01. 05. 2009 06:05


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Hedwig Storch
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2005

Werke: 56
Kommentare: 61
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Hedwig Storch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Diesmal geht es um Hellseherei, also um etwas Paranormales. Dabei hat sich Ludwig Tieck in seiner gro├čen Novelle Die Aufruhr in den Cevennen ein ernstes Thema vorgenommen. Die Ursachen der Franz├Âsischen Revolution von 1789 will er suchen und findet eine Ursache in den schlechten Beratern des Sonnenk├Ânigs. Ludwig XIV. (1638 - 1715) widerruft 1685 das Edikt von Nantes und entfesselt damit einen blutigen Glaubenskrieg. 1703 erheben sich die Hugenotten - Kamisarden hei├čen sie in den Cevennen.
Aber wir sind keine Historiker, sondern m├Âchten blo├č herauskriegen, wie Tieck solch ein hinrei├čendes Werk (Wilhelm Schlegel am 30. M├Ąrz 1828 an Tieck) fertig brachte.

Der junge Edmund von Beauvais, ein eifriger Katholik, schlie├čt sich den Emp├Ârern an und findet in Jean Cavalier (1685 - 1740) - einem der Anf├╝hrer - einen Weggenossen. Beide K├Ąmpfer besitzen eine Gabe. Ab und zu haben sie ein prophetisches Gesicht. Da sehen beide Herren hinter den Bergen feindliche Kuriere, verhaften diese wenig sp├Ąter und kommen so in den Besitz der Aufmarschpl├Ąne der k├Âniglichen Truppen. Oder da bekommen sie mit, was in einiger Entfernung gefl├╝stert wird und so fort.

Alles kalter Kaffee, k├Ânnten wir das abtun. Eines der Gesichte, das hat es allerdings in sich. Edmunds Vater und die kleine Schwester m├╝ssen sich vor der Staatsmacht verbergen. Nach einer blutigen Schlacht f├╝hrt Edmunds Weg zuf├Ąllig an dem Versteck vorbei. Da hat er das Gesicht. Aber er begegnet seinen Lieben nicht. Er geht vor├╝ber. Das Vorbeigehen - es ist eine anr├╝hrende, fast unbeschreibliche Angelegenheit. Tieck, dem nachgesagt wird, er habe f├╝r seine Novelle die Quellen ausgiebig studiert, gelingt das Kunstst├╝ck der Fesselung des Lesers. Wir folgen hingerissen, um mit Schlegel zu sprechen. Und wir fragen: Warum?
Weil das nicht irgend einer geschrieben hat, sondern der K├Ânig der Romantik? Nein. Romantisch ist es nicht, das Lesegef├╝hl, welches uns w├Ąhrend der Lekt├╝re der o.g. en-passant-Episode beschleicht. Es hat etwas mit einer Kongruenz zu tun: Da kommt Edmund mit seinen Lieben zusammen - genauso, wie der Leser seinen Lieben mehr oder weniger gedankenlos begegnet. Es handelt sich um die Nichtkorrigierbarkeit von Edmunds Schritten in die falsche Richtung. Das besch├Ąftigt den Leser. H├Ątte Edmund bei seiner Familie bleiben sollen?

Ludwig Tieck wurde am 31. Mai 1773 in Berlin geboren und starb dort am 28. April 1853.

Das Buch
Ludwig Tieck: Der Aufruhr in den Cevennen.
Zenodot Verlagsgesellschaft 2007. 176 Seiten, ISBN 978-3-86640-212-6

Der Text der Novelle bei Zeno.org

Hedwig 5/2009

__________________
Hedwig

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!