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Leselupe.de > Gereimtes
Das rothaarige Mädchen
Eingestellt am 27. 04. 2002 13:34


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Mensch Version 1.0
Hobbydichter
Registriert: Apr 2002

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Das rothaarige Maedchen
Ó by ^Melly^

“Ja, bis gleich” das war das letzte was ich zu ihm gesagt hab. Ich hab ihm nicht gesagt das ich ihn liebe! Immer wieder geht es mir durch denk Kopf. Er weiß nicht, dass ich ihn liebe. Warum wollte ich nur unbedingt, dass er abends noch zu mir kommt. Wieso hab ich ihn nicht davon abgehalten als er gesagt hat, dass er angetrunken ist. Ich hätte das nicht zulassen dürfen. Dann wäre er jetzt noch bei mir. Ich weiß gar nichts mehr. Ohne ihn ist nichts wie es mal war. Und es wird auch nie wieder so sein. Nie wieder! Ich will sterben, das weiß ich! Ich hab keine Lust auf so ein Leben. WIESO NUR??? WIESO?
“Hast du mal Feuer?”
Ein Mädchen mit langen knallroten Haaren tippt mir plötzlich auf die Schulter und reißt mich aus meinen Gedanken. “Moment” Ich krame in meiner Hosentasche
herum. Ich weiß selbst nicht wieso.
“Da!”
Ich reiche ihr mein Feuerzeug, als ich es sehe schaue ich zu Boden, ich merke wie mir Tränen in die Augen steigen. Lukas hat mir das Feuerzeug mal geschenkt. Das Mädchen gibt mir mein Feuerzeug zurück. Ich schaue es mir genau an. Da steht noch mit Edding draufgeschrieben.
“Für meine Süße. I love U forever!”
Eine Träne läuft meine Wange runter.
“Hey, alles in Ordnung?”
Besorgt schaut das Mädchen mich an.
“Hm... eigentlich is nix in Ordnung...”
“Willst du reden? Ich meine, wir kennen us zwar nicht, aber wenn du willst...”
“Danke!”
Irgendwie ist sie mir vertraut. Als wenn ich sie schon jahrelang kenne. Ich weiß jedoch nicht ob ich mit ihr reden möchte, auf jeden Fall setze ich mich auf die Lehne der Bank die am Straßenrand steht und sie setzt sich zu mir. Diese Bank. Hier habe ich Lukas kennengelernt, ich war mit ein paar Freundinnen in einer Disco gewesen und nachher hatte wir noch von der Tanke zwei Konti`s geholt, die wir hier getrunken haben. Dann kann Lukas mit seiner Clique vorbei, ich weiß das noch als wärs gestern gewesen, als ich ihn gesehen hab wusste ich: Der oder keiner! Ihm ging`s genauso wie er mir nachher erzählt hat. Das ist jetz ungefähr dreieinhalb Jahre her. Ja das war ein paar Wochen vor meinem 15 Geburtstag wo ich dann mit ihm zusammengekommen bin. Und jetzt??? Damals war alles so schön, jetzt sitze ich hier heulend auf einer Bank mit einem fremden Mädchen, aber ich habe irgendwie vertrauen zu ihr. Sie ist so herzlich und ich weiß auch nicht wieso, aber es kommt mir vor als würde ich sie kennen. Ich weiß ganz genau, dass ich sie noch nie gesehen hab, aber trotzdem hab ich dieses Gefühl. Sie laechelnd ermutigend.
„Erzaehl wenn du willst“
“Also, wie soll ich anfangen, mein Freund... er ist...”
Ich lege meine Hände vors Gesicht und wische mir die Tränen weg.
Sie legt ihren Arm um meine Schultern.
“Also, ich habe vor ein paar Stunden erfahren das mein Freund tot ist... ich kann es nicht glauben... er hatte einen Autounfall.”
“Das tut mir leid!”
Sie nimmt mich in den Arm. Ich spuere Waerme. Ich fuehle mich wohl.
“Wieso passiert so etwas??? WIESO? Er hat doch nichts
getan!”
“Darauf weiß ich auch keine Antwort... meine Eltern sind vor einer Woche ums Leben gekommen, bei einem Flugzeugabsturz.”
Ich weiß nicht was ich sagen soll. Stumm sitzen wir beide nebeneinander auf der Bank. Mir laufen Tränen übers Gesicht. Ich weiß nicht wieviel Zeit vergangen ist.
“Ich muss gehn...”
Ehe ich was sagen kann ist sie auch schon im Wald verschwunden. Von einer Sekunde auf die andere ist diese Leere in mir wieder da. Ich friere und langsam wird es dunkel. Was soll ich jetzt tun? Ich lege mich auf die Bank. Eigentlich hab ich keine Ahnung was ich jetzt tun sollte.Ich weiß nicht wieso, aber ich will sie unbedingt finden.

“Hey, wach auf, Anna!!”
Irgendjemand rüttelt an meiner Schulter. Ich versuche meine Augen zu öffnen. Meine Mutter steht vor mir. “Wir haben uns solche Sorgen gemacht! Bist du die ganze Zeit hier gewesen?” Ich nicke nur.
“Komm, du bist ja ganz durchgefroren.”
Willenlos lasse ich mich von meiner Mutter mitnehmen. Sie bringt mich zu unserem Auto. Auf dem Weg nach Hause muss ich wieder an das Mädchen von gestern Abend denken oder war das alles vielleicht nur ein Traum?. Ich will wissen wer sie ist! Als wir zu Hause sind packt Mama mich erst mal ins Bett, wo ich auch für die nächsten Wochen bleiben muss, nachdem der Arzt da war ist klar das ich eine leichte Lungenentzündung hab. Das ist noch relativ harmlos wenn man bedenkt das ich im Januar die ganze Nacht draußen auf einer Bank verbracht hab! Ich beginne dem Mädchen die schuld für alles zu geben. Wenn sie nicht gekommen wäre und nach Feuer gefragt hätte, hätte ich es geschafft mich umzubringen. Dann läg ich jetzt nicht mit einer Lungenentzündung im Bett. Und dazu noch die ständigen Gedanken an Lukas, wie soll ich nur je wieder normal leben? Ich werde ihn nie vergessen können. NIEMALS!! er war die Liebe meines Lebens, wir hatten
sogar schon geplant nächstes Jahr zusammenzuziehen. Alle Pläne für die Zukunft, alles kaputt. Wie soll es nur weitergehen???

Zwei Wochen sind vergangen und ich darf wieder zur Schule. Ich habe viel vom Stoff verpasst. Wahrscheinlich werde ich dieses Schuljahr nochmal machen müssen. Aber ich habe wirklich keine Lust mehr. Ich spiele mit dem Gedanken
die Schule sausen zu lassen und einfach abzuhauen. Ganz weit weg. In 3 Tagen werde ich 18, dann kann ich tun und lassen was ich will und ich will einfach nur weg. Alles hier erinnert mich an Lukas. Ich war noch nicht mal an seinem Grab. Ich weiß auch nicht wieso. Ich glaub einfach, das ich das nicht verkraften würde. Ich bin immer noch nicht weit von dem Gedanken entfernt, dass ich mich umbringen will. Ich habe es während ich krank war sogar einmal versucht, ich wollte mir die Pulsadern aufschneiden, aber meine Mutter hat mich gefunden. Leider zu früh! Ich sehne mich so nach dem Tod. Ich weiß nicht ob ich an ein Leben nach dem Tod glaube, wo ich Lukas vielleicht wieder habe, ich will einfach nur von diesem schrecklichen Schmerz weg. Niemand scheint mich zu verstehen. Die einzige bei der ich das Gefühl hatte sie würde mich verstehen, war das Mädchen, mit dem ich auf der Bank saß. Ich will sie immer noch suchen, aber je länger ich das vor mir herschiebe, desto weniger glaube ich daran sie zu finden. Alles ist so hoffnungslos.
“Anna, du musst los, dein Bus fährt in 5 Minuten.”
Alle hier verhalten sich wie immer. Klar, sie versuchen sich zu bemühen und mich so gut es geht abzulenken, aber ich merke wie unsicher sie alle sind, sie wissen nicht wie sie mich behandeln sollen. Und um ganz ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht wie ich mich verhalten soll. Soll ich so tun als würd mir das alles nichts ausmachen. Aber das kann ich nicht.
“ANNA!”
“Ja ich komme!”
Ich schnappe meinen Rucksack und laufe die Treppe runter.
“Tschüss”
An der Bushaltestelle stehen viele von meinen “Freunden”, jetzt erst fällt mir auf, das sich keiner von ihnen bei mir gemeldet hat. Ich denke aber mal alle
wissen was passiert ist. Marie hat mich gesehen, sie sagt irgendetwas zu den anderen und schaut mich mitleidig an, ich bin aber noch zu weit weg und kann nicht verstehn was sie sagt. Auf einmal drehen sich alle zu mir um. Dann drehen sich alle wieder zurück und tuscheln. Wieder steigen mir Tränen in die
Augen, ich beiße mir auf die Lippe. Jetzt bloß nicht heulen! Hannah, ein anderes Mädchen aus meiner Stufe, mit der ich eigentlich nie sehr viel zu tun hatte stellt sich zu mir.
“Ähm...Anna, ich wollt dir mal sagen, das ich es furchtbar schrecklich finde, was passiert ist. Es tut mir so leid für dich!”
Ich versuche ein Lächeln über die Lippen zu bringen.
”Danke”
Jemand, mit dem ich vorher nie geredet hab, kommt und sagt wie schrecklich er findet was passiert ist, und die Leute, die ich für meine Freunde gehalten hab, sagen kein Wort. Das ist traurig! Der Bus kommt und alle steigen ein. Ich verhalte mich möglichst unauffällig und hoffe nur das mich niemand
anspricht.
Nach der Schule habe ich ploetzlich das Gefuehl das ich unbedingt zu Lukas’ Grab muss. Ich folge meinem Gefuehl. Als ich da so an seinem Grab stehe ist der Schmerz fast unertraeglich. Ich stelle mir vor wie er da unten liegt...tot. Ich falle auf die Knie und presse meine Haende vor mein Gesicht. Ich halt das nicht aus. Ich will sterben. Ploetzlich spuere ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehe mich um.
Das rothaarige Maedchen steht vor mir. Ohne ein Wort zu sagen nimmt sie mich in den Arm. Ich klammere mich an sie.
„Du wirst es irgendwann schaffen. Lukas haette nicht gewollt, dass du traurig bist. Leb dein Leben! Sterben wirst du schon frueh genug und ich weiss das Lukas bis dahin auf dich warten wird!“
Sie loest sich aus meiner Umklammerung dreht sich mit einem Laecheln um und verschwindet zwischen den Baeumen. Ich wuerde ihr so gerne nachlaufen, doch ich kann nicht. Meine Beine sind wie gelaehmt.
Langsam mache ich mich auf den Heimweg. Es hat furchtbar angefangen zu regnen und zu stuermen. Blaetter wehen an mir vorbei. Im Graben liegt ein Regenschirm. Das ist schon ein komisches Bild wie die alte Dame hinter ihrem kaputtem Schirm herrennt. Ich muss grinsen. Ploetzlich weiss ich das das was das rothaarige Maedchen gesagt hat stimmt. Mein Leben geht weiter und Lukas WIRD auf mich warten!
Ich werde aus den Gedanken gerissen als eine alte Zeitung an mir vorbeifliegt. Sie bleibt genau vor meinen Fuessen liegen. Ich hebe sie auf, sie ist schon ei paar Wochen alt. Ich drehe sie um und auf der Rueckseite ist ein Bild. Von dem rothaarigen Maedchen und ihren Eltern.

Sie sind alle drei bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.

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