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Leselupe.de > Humor und Satire
Das ultimative Photo
Eingestellt am 17. 01. 2007 18:19


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Raniero
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Das ultimative Foto

„Papa, aber nun setz dich doch endlich richtig hin!“ rief Anni Hofgrasser ungeduldig ihrem Ehemann zu.
Seit einigen Tagen befanden sie sich in Urlaub, die Beiden, im schönen SĂŒden der Republik, und so manche Erkundigungstour auf Schusters Rappen hatten sie bereits hinter sich.

FĂŒr diesen Tag aber hatten sie sich etwas Spezielles vorgenommen, denn das Wetter war derartig schön, dass man glauben könnte, Petrus selbst hĂ€tte die Absicht gehegt, an diesem Ausflug teilzunehmen.
Aus diesem Grund hatten sich Anni und Herbert, so hieß ihr Mann, den sie stets Papa nannte, obwohl er gar nicht so viel Ă€lter war als sie, frĂŒhzeitig am Morgen auf den Weg gemacht, ein sehr ausgefallenes PlĂ€tzchen aufzusuchen, um besonders schöne Urlaubsfotos zu schießen, fĂŒr sich selbst und fĂŒr die lieben Daheimgebliebenen.
Gegen Mittag, als die Sonne ihr Zenit erreicht hatte und unbarmherzig auf die schöne Naturwelt herunterstrahlte, hatten auch Anni und Herbert ihr Tagesziel erreicht, und beschlossen, als erstes eine zĂŒnftige Brotzeit zu veranstalten.
Hierzu packten sie das erforderliche Zubehör, das sie in ihren RucksĂ€cken bei sich trugen, aus; zwei winzige KlappstĂŒhle und einen ebenso winzigen Tisch, auf dem sie alles ausbreiteten, was zur StĂ€rkung dienen sollte.
Nach Beendigung ihrer ĂŒppigen Mahlzeit begannen sie schließlich, Vorkehrungen fĂŒr den eigentlichen Zweck des Unternehmens, der Aufnahme von ultimativen Urlaubsfotos, wie sie es nannten, zu treffen.
WĂ€hrend Anni, die begeisterte Hobbyfotografin, die dafĂŒr notwendigen GerĂ€tschaften vorbereitete, rĂ€umte ihr Mann die Reste der Brotzeit vom Tisch, um Platz zu schaffen fĂŒr das wichtigste Utensil, das er aus seinem Rucksack hervorzauberte; ein kleines Reiseschachspiel.
Behutsam stellte er es auf den Miniaturtisch und brachte die Figuren in die Ausgangsstellung.
„Ja, Anni“, strahlte Herbert sein Weib an, „so etwas hat nicht jeder vorzuweisen, aus dem Urlaub, und dann noch vor solch einer Kulisse.“
„Du hast Recht, so ein Foto hat nicht jeder“, gab Anni zurĂŒck, „Papa, aber nun setz dich doch endlich richtig hin, wie es sich gehört. Ich werde jetzt eine ganze Serie Bilder schießen und die Besten davon schicken wir an verschiedene Zeitschriften verschicken. Ob wir wohl einen Preis gewinnen?“
„Bestimmt, Anni, bestimmt“, erwiderte ihr Mann und setzte sich hinter dem kleinen Tisch in Positur wie ein Schachweltmeister vor dem ersten Zug, „wer kommt denn schon auf so eine ausgefallene Idee, außer uns?“ zwinkerte er ihr zu. „die Leute werden ins Staunen geraten!“
Bevor die Leute, wen immer er auch damit gemeint hatte, ins Staunen geraten konnten, staunte er selbst, der gute Herbert, wÀhrend seine Anni mit dem Fotoapparat im Hintergrund sehr nervös wurde.
Kaum nĂ€mlich hatte ihr Mann Platz genommen und sich fĂŒr die geplante Serie so richtig in Positur gesetzt, da gesellte sich ein vorbeikommender Wandersmann zu ihm und beugte sich ĂŒber das Schachbrett, offenkundig ein Kenner der Materie in Erwartung des ersten Zuges, den der Meister tun wĂŒrde.
Der Meister hatte jedoch gar nicht die Absicht, dieses zu tun, er posierte schließlich nur fĂŒr ein paar originelle Fotos vor atemberaubend schöner Kulisse, sonst nichts; außerdem konnte er gar nicht Schach spielen, sondern hatte alles ausschließlich nur als Urlaubsgag in Szene gesetzt, aber durfte er dieses dem fremden Schachfreund so ohne weiteres mitteilen? Was sollte der von ihm halten?
WÀhrend der Wanderer noch auf das Schachbrett starrte und der Eröffnung harrte, gesellte sich ein Zweiter hinzu und baute sich derart vor dem Tischchen auf, dass er Anni komplett die Sicht versperrte.
Nun aber wurde es Herberts Frau aber zu bunt:
„Könnten die Herren ein paar Schritte zurĂŒcktreten bitte“, rief sie voller Ungeduld, „damit ich ein Foto machen kann?“

Erstaunt blickten die beiden Wanderer zu ihr herĂŒber; sie hatten die fotografierwĂŒtige Anni im Hintergrund noch gar nicht bemerkt.
„Aber natĂŒrlich tun wir das, liebe Frau“, riefen beide unisono, und traten, wie gefordert, ein paar Schritte zurĂŒck, jedoch einen einzigen zuviel.

WĂ€hrend Anni auf den Auslöser drĂŒckte, fielen beide gleichzeitig kopfĂŒber mit markerschĂŒtterndem Geschrei nach hinten...

Anni hatte in der Tat ein ultimatives Urlaubsfoto geschossen, vor grandioser Gebirgskulisse, auf dem Gipfel des höchsten Berges der Region, aber dieses Foto war auch gleichzeitig ihr Ultimo; seitdem rĂŒhrte sie nie wieder einen Fotoapparat an, und auch Herbert, so wollen gut unterrichtete Kreise wissen, hat nach diesem Vorfall unverzĂŒglich sein Schachspiel weggeschmissen.

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