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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das verlorene Lachen
Eingestellt am 14. 04. 2013 15:34


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Biillii
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2013

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„Es zerbricht mir das Herz sie so traurig über die Strasse hinken zu sehen. Ihre wunderschöne Lockenpracht spielt lustig im Wind, ihr hellblaues Sommerkleidchen flattert dazu. Nur ihr warmes, charmantes Lächeln, das ist verschwunden. Wie vom Winde verweht.

Oh, sie kommt direkt auf mich zu. Doch wieso erwidert sie mein Lächeln nicht? Schon sind es über drei Monate her, dass sie ihr Lachen verloren hat. Wie lange will sie das noch durchziehen? Bitte mein Schatz, lache doch wieder! Du weisst doch, wie sehr ich dein herzhaftes Lachen geliebt habe.

Hey, du trägst ja noch immer das goldene Medaillon, das ich dir zu Weihnachten geschenkt habe. Wie wunderschön es in der Abendsonne glänzt. Ja, beinahe so schön wie du es bist, ist es. Ein kleines Medaillon in geschwungener Herzform. Man kann es aufklappen und dann auf jeweils beiden Seiten ein Foto hineinkleben. Als ich es dir letzte Weihnachten geschenkt habe, schnitt ich vorher eigenhändig unser Lieblingsfoto auseinander. Nun bist auf einer Seite des Herzens du zu sehen, in deinem über alles geliebten hellblauen Sommerkleidchen, auf der anderen Seite sieht man mich mit meinen kurzen, blonden Haaren und der Pilotensonnenbrille, die du mir gekauft hast.

Nicht nur ihr Lachen ist weg, auch ihre Abenteuerlust hat sie verloren. Wir haben so viel gemeinsam unternommen. Ich habe jede einzelne Stunde, Minute, ja sogar Sekunde, haargenau in meinem Kopf gespeichert. Nie werde ich diese Ausflüge vergessen. Vor allem aber unser letzter Ausflug nicht. Denn nun hinkt sie. Und das nur wegen mir. Ich möchte dir so gerne sagen wie viel du mir bedeutest. Doch ich kann nicht. Es geht nicht.

Ich hätte dir viel früher sagen sollen: „Ich liebe dich“. Spätestens an unserem letzten gemeinsamen Ausflug. Es war so ein wunderschöner Tag. Den ganzen Tag paddelten wir mit dem kleinen Boot auf dem See umher. Gegen Mittag setzten wir ans Ufer über und eröffneten unser romantisches Picknick. Ich werde diesen Tag nie vergessen. Nur gegen Abend, als wir das Boot schon wieder zurückgebracht hatten und Hand in Hand dem Quai folgten, wendete sich unser Glück. Ich sehe alles noch haargenau vor mir: die vier Jungs in ihren dunklen Klamotten, alle zwischen 15 und 20 Jahre alt, wie sie schnurgerade auf uns zukamen und dich blöd anbaggerten. Du hast zu mir noch gesagt: “Komm, lass uns ganz ruhig weitergehen. Beachte sie einfach nicht.“, doch es war schon zu spät. Der grösste von den vier Burschen wollte dein Medaillon. Wieso hast du es ihm nicht einfach gegeben? Und als du ihm dann eine Ohrfeige gegeben hast, weil er dich anfassen wollte, hat ein anderer schon seine Waffe gezückt. Alles ging so furchtbar schnell. Ich sehe nur noch wie er die Waffe direkt auf dich richtete und…“



Das Mädchen hinkte durch ein riesiges, eisernes Tor und blieb wenige Meter danach stehen. Es schaute auf die Blumen vor seinen Füssen. Eine Weile stand es dort wie versteinert. Dann griff das Mädchen unter Tränen an sein Medaillon. Es hielt es fest umschlungen. Schliesslich schloss es die nassen Augen langsam, küsste das Medaillon und flüsterte leise und mit zitternder Stimme: „Ich liebe dich!“ Die Augen noch geschlossen, drehte es sich um und hinkte mit bedrückten Schritten den Weg, den es gekommen war, wieder zurück.

Auch dem blonden Knaben kullerten die Tränen übers Gesicht, und sie tropften auf das blutverschmierte Shirt mit den drei Einschusslöchern. Er ging langsam auf das mit Blumen geschmückte Grab zu, vor welchem das Mädchen gestanden ist und verschwand. Verschwand über diesem Grab, auf welchem ein Foto eines Mädchens in hellblauem Sommerkleid, Hand in Hand mit einem blonden Knaben mit einer Pilotensonnenbrille auf der Nase hingestellt wurde.


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