Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92251
Momentan online:
281 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Das, was bleibt
Eingestellt am 28. 11. 2005 15:44


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
chrissieanne
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 65
Kommentare: 244
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um chrissieanne eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil




„And isn't it ironic? don't you think? and isn't iiit ironic? .... I said IYeahYeah......."
Alanis Morisette ekstatet durch und durch den Raum, entwurzelt die letzte Scham, rei├čt Marion mit durchs verrauchte Universum, schwei├čnasses Konzentrat des Jetzt. Ihr K├Ârper b├Ąumt sich hinein und f├Ąllt auf, kreist zuckend seine Bahnen.

„Hey, hast du Lust auf 'ne Line?", murmelt dunkel eine Stimme an ihrem Ohr.
Sie nickt, l├Ą├čt sich von warmer Hand dahin f├╝hren, wo es nach Urin und Abenteuer riecht.
Das Pulver bei├čt vertraut bitter. Sie kichert, er lacht und steckt die Kreditkarte wieder ein.
„Guter Stoff ist das, du wirst sehen."
Er k├╝├čt weit und tief, kurz und schnell, schleckt ihr Hirn v├Âllig leer.

„Wer war denn der s├╝├če Typ, mit dem du vom Klo gekommen bist, he?" Eine Frau, die sie von irgendwoher kennt, will sie aufhalten. „Keine Ahnung. Nie gesehen. Komm - tanzen." Sie umfa├čt eine weiche Taille und f├╝hrt sie auf eine Reise mit Nirwana ins. Taucht ihre ginwunde Zunge ins Amarettoland.
„Nicht doch, du bist ja v├Âllig verr├╝ckt!" Ein Gesicht wendet sich ab, ohne sie loszulassen.
„Yeahhh - entertain me", br├╝llt Marion, nicht ganz im Einklang mit Curt und schwebt zum Tresen, verfolgt von flirrender Begierde.

„Noch ein Bier f├╝r mich, bitte Jan." Sie steht und gr├╝├čt nach links und rechts in strahlend interessierte Augen.
„Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?" Eine m├Ąnnliche Stimme aus einem bekannten Gesicht fordert Diskussion, die sie brillant mitfiebert bis hin zum Elend der Massentierhaltung, dem Hickhack der gro├čen Koalition, dem F├╝r und Wider der Platonschen Ideen zum Staat, der Hysterie Vogelgrippe, dem Sinn und Zweck der selbstgew├Ąhlten Einsamkeit und dem Preis, den man daf├╝r zahlt, und dem Sinn des Lebens als solches, was ja im Grund genommen phantastisch ist. Da sind sich alle einig. Denn mittlerweile diskutiert der ganze Tresen mit sich selbst. Und sie ist mitrei├čend und unglaublich klug. Alle sind sich da einig.

Sie gibt aus und sie bekommt ausgegeben. Geht tanzen, quatscht hier, knutscht da.
Bis nur noch sie ausgibt.
„Ach, du willst schon gehen? Ach, koooomm. Ist doch grad so sch├Ân. Ein Bier geht noch. ├ťbrigens ... ich hab nochmal ├╝ber deine These vom Werteverfall in der Gesellschaft nachgedacht. Also....."
„Ne, ein anderes Mal. Ich bin m├╝de"
Irgendwann streichelt ihr jemand ├╝ber den Hintern.
„Tschau, war `ne sch├Âne Nummer. Hier - f├╝r dich."

Auf dem Klo schlie├čt sie sich ein. Nimmt ihre Sparkassenkarte um wei├čes Pulver zu hacken. Zieht es mit dem letzten F├╝nf-Euro-Schein in die Nase.
Das Leben ist geil, liegt bunt und schrill ausgebreitet vor ihr.

Louis Armstrongs Trompete weint. „The tables are empty - the dancefloor deserted..." Ella Fitzgerald begleitet sie zum Schafott.
„Wo sind denn Micha und Ulli? Und Silke? Ich wollte doch noch 'ne Runde geben?"
Jan poliert m├╝de Gl├Ąser. „Sind gegangen. Es ist sechs Uhr! Feierabend, Marion. Willste noch 'ne Pf├╝tze?"
Sie nickt ergeben und schnauzt den traurigen Menschen neben sich an.: „Nein danke - keinen Bedarf - bin schon vergeben."

Sie stapft verbrannt durch den Neuschnee. Ihr Kopf dr├Âhnt, die M├Âse brennt - ihr Gewissen schweigt noch still. Vertraute Entt├Ąuschung tr├Ągt sie durch die K├Ąlte. Alte Sehnsucht saugt die hellen Flocken auf.

Alles lange her. Alles wie gehabt.

Sie schlie├čt die Haust├╝r auf. Steigt drei Treppen. Schwer atmend ├Âffnet sie ihre Wohnungst├╝r. Stille wartet da und der Geruch nach einsam verkochtem Eintopf.

Im Bad reinigt und cremt sie ihr Gesicht. So stoned kann sie gar nicht sein, dass sie das vergi├čt. Mit f├╝nfundvierzig ist das so.

Im Wohnzimmer blinkt der AB. „Schatzi, ich hoffe du hast Spa├č heute nacht. Treffen wir uns morgen zum „Tatort"? Du kochst was Sch├Ânes, und ich bring Wein mit, wie immer, ja? Bis denn. Bussi."

Sie seufzt und l├Ąchelt z├Ąrtlich, gie├čt sich den letzten Schluck aus der Flasche, die noch auf dem Couchtisch steht, ein und geht auf den Balkon. Die Fenster gegen├╝ber schweigen finster, unten auf der Stra├če albert ein P├Ąrchen sich ins erste Mal.

Der Oleander ist erfroren. Sie hat vergessen ihn rechtzeitig ins Warme zu nehmen. Unter der frischwei├čen Haube sieht man den Tod nicht.
Sie prostet ihm zu.
„Verzeih mir, bitte. Es tut mir so leid. Erz├Ąhlst du mir nun die alte Geschichte von der Sch├Ânheit, die immer bleibt?"
Sie lauscht in den Schnee, breitet die Arme aus und verbeugt sich.
Nichts ist und alles stirbt.
Du bist, was bleibt und immer war.
„Bonjour tristesse,"fl├╝stert sie,
„bonjour tristesse, mein Leben."



__________________
Das Buch soll die Axt sein f├╝r das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

herrjeh, was f├╝r eine kunstwelt. gut zu lesen.

Bearbeiten/Löschen    


chrissieanne
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 65
Kommentare: 244
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um chrissieanne eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

nur durch zufall, weil kurz reingeschaut, hab ich deinen kommentar gesehen. warum auch immer funktioniert die e-mail benachrichtigung bei mir wohl nicht mehr.
also vielen dank, bonanza, f├╝rs lesen und kommentieren.
"herrjeh, was f├╝r eine kunstwelt." was meinst du mit kunstwelt? den rausch?

newdawnhawk (oder so), erkl├Ąrst du mir deine vier?
danke.
lg
chrissieanne

__________________
Das Buch soll die Axt sein f├╝r das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)

Bearbeiten/Löschen    


bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

die ganze szenerie wirkt auf mich k├╝nstlich.
eine dieser kunstwelten - mit drogen, flitter, styling,
sch├Ânheit ...
eine welt zum leichtnehmen mit dem bitteren nachgeschmack
der sinnentleertheit.

bon.

Bearbeiten/Löschen    


NewDawnK
???
Registriert: Sep 2005

Werke: 156
Kommentare: 2423
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um NewDawnK eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Chrissieanne,

ich kann Dir meine Wertung leider nur intuitiv erkl├Ąren.
Wenn ich meine Mitmenschen so lieblos und negativ sehen w├╝rde, wie Du sie hier beschreibst, w├╝rde ich mich vor den n├Ąchsten Zug werfen. Das ist alles.

Gru├č, NDK

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
und

es lebe die ewige jugend.
lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!