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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Dat iss Passion!!
Eingestellt am 16. 05. 2012 13:06


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Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

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Dat iss Passion!!

Bei PĂŒttmanns war seit Monaten dat Jagdgedöns Reizthema Numero eins. Berta plapperte immer noch vom Hobby, wat ich kĂŒnftig frönen wollte. So ging dat nich weiter. AufklĂ€rung tat Not.
Ich versuchte dat mit dem „Hobby“ heute endgĂŒltig im ruhigen Ton klarzustellen.
„Berta, stell ma die Glotze ab, ich muss ma mit dir reden. Ich reg mich schweinisch auf, wenne meine Jagdpassion „Hobby“ nennen tus. Die JĂ€gerei iss doch keine FreizeitbeschĂ€ftigung wie Skatspielen oder Kegeln! Nee, Berta, dat iss dat wirklich nich, du machs mich krank, wenne dat sagen tus!“
Berta warf drohend ihr Haupt auf, hörte aber noch aufmerksam zu.
„Pass ma gut auf: Totschießen kann doch niemals Hobby sein! Dat verstehsse doch?“ Berta nickte und grinste provozierend.
„Ja, und warum muss ich dann immer wieder mit dir ĂŒber dat Thema quatschen, verdorri noch ma! Dat versteht doch jedet Blag! Übersteigt dat dein Fassungsvermögen?
Jagen, Berta, dat iss PASSION. Dat iss Leidenschaft pur, die tief in dir stecken tut.
Tiere mĂŒssen erlegt werden, weil keine BĂ€ren, Wölfe und andere gefĂ€hrliche Biester mehr regelmĂ€ĂŸig in unsere WĂ€lder rumturnen, die dat Kaltmachen vonne Wildtiere erledigen.
Dat Wild, dat heute bei uns rumlĂ€uft, verwĂŒstet Mais- und Kartoffelfelder, Wiesen und schĂ€lt BĂ€ume. Dat bringt die Bauern in Rage und die Förster aufe Palme.
Stell dir vor, Berta, die Wildtiere verbreiten oft sogar Seuchen, Pest, Tollwut und die gefĂ€hrliche Vogelgrippe. Wie sich dat dann aufe Haustierkes und Menschen auswirken kann, steht fast jede Woche inne Zeitung. Millionen vonne armen Tiere werden dann vergast oder auf ne andere schreckliche Art ermordet. Keulen nennen die Politikers dann dat Massentöten, weil sich dat Wort „Umbringen“ nich gut bei die Bevölkerung verkaufen lĂ€sst.
Et wĂ€r ja auch jammerschade um dat wertvolle Ökofleisch, wat uns Menschen ohne Jagd tonnenweise durch die Lappen gehen wĂŒrde.“ Berta nickte wieder verstĂ€ndnisvoll.
„Und weil man nich jeden Blödmann mit ner Waffe und ohne Ahnung von Jagdgesetz- und Naturschutz durch Felder und WĂ€lder latschen lassen kann, musse zwölf Monate bimsen, bĂŒffeln, ochsen. Danach hassse ne staatliche JagdprĂŒfung abzulegen. Dann erst bisse son richtigen JĂ€ger. So wat kannze doch nich Hobby nennen! Berta, iss dat jetz von dir endlich verstanden worden?“
„Willi, soll ich dir ma ne Flasche Bier holen, du hass doch bestimmt ne dröge Zunge?“
„Gute Idee, bring besser zwei!“ Ich musste aber noch wat loswerden:
„Berta, musse dir ma vorstellen, keiner von die krakeelenden, selbsternannten NaturschĂŒtzer muss sonne harte Schule durchlaufen! Iss so wat gerecht? Die Arschgeigen haben immer die grĂ¶ĂŸte Schnauze und wissen allet besser, haben aber null Fachwissen im SchĂ€del.“
Meine deutlichen Worte hatten Berta stark beeindruckt. Sie konnte sich aber ihre fiesen Fragen nich verkneifen:
„Willi, weiße eigentlich wie alt du biss? Meinze, du schaffs die PrĂŒfung wirklich noch? Man hat auch schon ma gehört, dat Politikers und Akademikers durch die PrĂŒfung gerasselt sind.“
„Berta, iss doch klar, die Vögel haben geglaubt, die brauchten nix fĂŒr die PrĂŒfung zu tun, oder könnten von wegen Rang und Namen den JĂ€gerbrief fĂŒr lau kriegen. Miese Schiebung iss bei so wat normalerweise völlig ausgeschlossen. Die Behörden setzen sich doch keine LĂ€use im Pelz rein.“
Berta hatte immer noch schwere Bedenken und ließ nich locker:
„Hoffentlich tusse nich ĂŒber die ganze Lernerei dein Weibchen und dat GeschĂ€ft vernachlĂ€ssigen, Willi, sach mir, das du dat nich tus. Versprich mir dat inne Hand.“
Klar versprach ich ihr dat, auch inne Hand rein.
Auch dat musste ich mir noch anhören:
„Willi, und von dem vielen Geld, wat du bisher schon fĂŒr dein Hobby, ‚tschuldigung, fĂŒr deine Passion vergeudet hass, könnten wir drei wunderbare Urlaube buchen.“
„Ja, Berta, und sechs Waschmaschinen kaufen, ich weiß.“ Ich hatte schon wieder soon Hals!
Ich und Geld vergeuden! Ich stand wieder kurz vor nem Wutausbruch.
„Willi“, dachte ich „ruhig bleiben, Schnauze halten, trink noch ne Pulle Bier.“
„Von wegen dat viele Moos, Berta, da muss ich dir ja Recht geben.
Ich hab mich oft schon gefragt, wie lange so junge Leute brauchen, bisse dat Geld fĂŒrn Jagdlehrgang zusammengekratzt haben.
Die haben schließlich auch Jagdblut inne Adern drin. Die haben dat mit den Jagdgenen nur viel frĂŒher als dein Willi erkannt, und stehen, wenn se ihre Jagd-Erbgene im Balg spĂŒren, meist völlig mittellos inne Startlöcher.
Die armen Schweine sind doch gezwungen, Eltern und Großeltern anzupumpen. Wenn ich ma allet zusammenrechne, hasse bis zur PrĂŒfung fĂŒnftausend Euro anne Backe. Bei der vielen Kohle ĂŒberlegse dir als jungen HĂŒpfer dat mindestens dreimal mit die JĂ€gerei!
Diese Jugend wird sauer, kribbelig und vielleicht aus lauter Verzweiflung gemeingefÀhrliche Wilderer oder kriminelle Jagdgegner.
So kann man doch nich den JĂ€gernachwuchs aussem Urwald locken. Dat iss einfach zuviel Knete! Da mĂŒssen Förderprogramme her, wie damals son Kohlepfennig. Et mĂŒssten auch Notopfer-Jagd-Briefmarken fĂŒr mittellose JagdscheinanwĂ€rter/Innen eingefĂŒhrt werden.
Die Jagdoberen schießen sich mit den hohen GebĂŒhren und BeitrĂ€gen doch den Nachwuchs unterm Hintern weg. Wahrscheinlich laufen bald nur noch gutbetuchte Flintengreise durch den Busch! Wenn dat so weiter geht, entsorgen sich die JĂ€ger selbst.
‚Selber Schuld, Nachwuchs vergrĂ€mt und inne Pfanne gehauen’, heißt dann mein Nachruf!“
„Aber, Willi, so weit darf dat auf keinen Fall kommen. WofĂŒr hab ich denn die vielen schönen Trachtenklamotten im Schrank? Die will ich endlich tragen!“
Dat mit den vielen Klamotten ĂŒberhörte ich als Diplomatiker. Ich war noch nich fertig.
„Hömma, Berta, weiße eigentlich, wat dann noch passiert, wenn die JĂ€ger aussterben? Nee? Ich sach et dir:
Die Jagdgegner hÀtten endlich, ohne auch nur einen Schuss abzufeuern, den langersehnten Sieg gegen Jagd und JÀger inne Tasche. Horrido!
Son bissken wat Gutet hĂ€tte dat natĂŒrlich auch: die GrĂŒnen und militanten Jagdgegner wĂ€ren dann schwer inne Bedrulle. Die mĂŒssten dann ihre idiotologistischen Umtriebe gegen die Jagd aufgeben und sich endlich wieder auf ihre eigentlichen Themen besinnen. Die gesponserten autonomen „Jagdfreunde“ kĂ€men vonne Straße und wĂ€ren nach langer Faulenzerei endlich gezwungen, ma wieder ne ehrliche Maloche anzunehmen.
Aber da finden die Schmarotzer bestimmt wieder tolle Schlupplöcher auf Kosten von uns Steuerzahler. Berta, ich muss aufhören, ich reg mich bei dem Thema immer tierisch auf.“
„Also, Willi, dat mit die Jagd lassen wir uns von keinem kaputtmachen! Wenn et ĂŒberall so leidenschaftliche MĂ€nner gĂ€b wie dich, mein Williken, mein gutet Böckchen, wird et immer JĂ€ger geben!“
Endlich hatte meine Berta dat mit die Passion geschnallt. „Heiliger Hubertus, Waidmannsdank!“




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Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

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