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Leselupe.de > Kindergeschichten
David
Eingestellt am 09. 09. 2002 13:49


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D A V I D



"Ihr habt es mir versprochen!" Mit diesem Satz hatte er seine Eltern endlich ├╝berzeugt. Sie waren es, die ihm gelehrt hatten, ein Versprechen auch zu halten. Trotzdem war David dann ├╝berrascht, als seine Eltern nachgaben.

Schlie├člich, was konnte schon geschehen? Bis zur Tante Emmi waren es nur vier Kilometer. Keine unm├Âgliche Strecke f├╝r einen aufgeweckten F├╝nfj├Ąhrigen, der es gewohnt war auf sich aufzupassen. F├╝r David aber waren es vier Kilometer in seinem Leben, die er zum erstenmal ganz alleine gehen durfte.

Seine Tante Emmi und das bei ihr abzuholende Geburtstagsgeschenk waren jetzt nicht mehr sein gr├Â├čter Wunsch f├╝r diesen Tag. Aber vier Kilometer weit gehen ohne elterliche Aufsicht, ohne Ermahnungen, die sein Tr├Âdeln betrafen, weil er immer etwas entdeckte, das aufregender als alles andere war, diese vier Kilometer waren nun sein sch├Ânstes Geburtstagsgeschenk.

Seine Mutter gab ihm einen Beutel mit zwei selbstgebackenen Laib Brot f├╝r die Tante. Sein Vater dr├╝ckte ihm den Wanderstab in die Hand. Noch eine letzte Ermahnung, tr├Âdel nicht so, die Tante wird warten, dann marschierte er los.

Auf den ersten Metern konnte er sein Gl├╝ck noch ├╝berhaupt nicht richtig fassen. Er blieb stehen, drehte sich kurz um und winkte den Eltern noch einmal zu. Sie winkten zur├╝ck. David ging mit schnellen Schritten weiter. Erst als er um die Wegbiegung herum und damit aus dem Blickkontakt der Eltern war, sprang er vor Freude einmal in die Luft. Ausgerechnet heute musste eine Kuh kalben. Aus dem anf├Ąnglichen ├ärgernis war nun ein zus├Ątzliches Geburtstagsgeschenk geworden.




David marschierte munter immer am Stra├čenrand entlang. Vier Kilometer sind f├╝r einen kleinen Jungen eine gro├če Strecke.

Lange genug, um Schlachten zu schlagen, Abenteuer zu erleben und neue Kontinente zu entdecken. Die beiden Brotlaibe waren sein Proviant, der Wanderstab sein Schwert. David, der Unbesiegbare, auf seinem Kreuzzug gegen Unterdr├╝ckung und Unrecht.

Er sah die Welt um sich herum mit den Augen des Kindes. Niemand konnte ihm heute seine Tagtr├Ąume zerst├Âren. Wenn er seine M├Ąnner zum Angriff auf die Burg anfeuerte, rief keine Stimme mahnend, er solle nicht herumtr├Âdeln und das w├Ąre doch keine Burg sondern nur eine alte Scheune. Heute konnte er die Welt so sehen, wie er sie sehen wollte.

Nach vielen K├Ąmpfen und Siegen n├Ąherte er sich langsam einer Stelle, an der sein Vater immer sagte, dort an dem Zaun wenn wir sind, haben wir die H├Ąlfte geschafft. Er wusste es genau, denn aus Spa├č war er die Strecke einmal mit stechenden Schritten abgegangen. Von der Haust├╝re bis zu dem zerfallenen Zaun waren es genau zwei Kilometer und von dort bis zur Tante auch. Danach hatte Vater drei Tage lang Schmerzen in den Fersen gehabt. Auch darauf wies er David und seine Mutter jedes Mal hin, wenn sie die Tante besuchten.

F├╝r David war der Platz aber mehr. Aus dem morschen Zaun, der eigentlich gar kein Zaun mehr war, sondern nur noch einige Bretter und Balken die von rostigen N├Ągeln gehindert wurden ganz zusammenzufallen, wurde f├╝r David jedes Mal der Palisadenschutz von Robinson Crusoe.

David war jetzt Robinson. Er stellte sich mit dem R├╝cken zu dem wackligen Gebilde. Seine linke Hand st├╝tzte er auf den Stab, die rechte Hand streckte er l├Ąssig in die Hosentasche. Ernst sah er hinaus auf den Strand, ob denn niemand kommen w├╝rde, um ihn aus seiner Einsamkeit zu befreien. Da, was war das?


In der Ferne bewegte sich etwas. Dort kam jemand. Freitag, dachte er, das muss Freitag sein, auf der Flucht vor den Kannibalen.

Eine schwarze Gestalt kam immer n├Ąher. Aufgeregt hob er den Stab. "Hierher," rief er.

"David," rief die Gestalt und sein Name brachte ihn wieder zur├╝ck in die Wirklichkeit. Es war seine Tante, in schwarzen Kleidern geh├╝llt, die da auf ihn zukam.

David begriff nur sehr langsam. Doch genau in dem Augenblick, als seine Tante sich niederbeugte, ihn umarmte und an sich dr├╝ckte, begann er zu weinen. "Was ist denn los, David?" Die Tante strich ihm liebevoll ├╝ber das Haar. Und aus dem Scherbenhaufen zusammengefallener Zeiten und Welten presste er schluchzend die Worte heraus: "Du hast mir zwei Kilometer gestohlen."

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hera
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Hallo Android!

Ich kann den kleinen David gut verstehen. Allerdings hatte ich gehofft, dass er nicht den ganzen Weg allein zur├╝cklegt, sondern beobachtet wird. Gut, die Gro├čmutter kam ihm entgegen. Er ist ja doch noch recht klein.
Aber irgenwie hatte ich das Gef├╝hl, dass die Geschichte mehr f├╝r Erwachsene ist, um ihnen die Gef├╝hlswelt des kleinen Jungen nahe zu bringen. Oder?
"Er sah die Welt um sich herum mit den Augen des Kindes."
Irritiert mich. Wie sonst sollte er die Welt denn sehen? Hier erkl├Ąrst du praktisch einem Erwachsenen noch mal, dass es sich um ein Kind handelt.

Tsch├╝ssie, hera

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Android
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Registriert: Sep 2002

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Du hast Recht

Bei meinen Lesungen kommt diese Geschichte bei den Zuh├Ârern eigentlich immer gut an. Sie werden daran erinnert, dass sie auch einmal in Welten lebten, die sich nur Kinder ausdenken k├Ânnen und die wir dann, als Erwachsene, nur zu vorschnell ihnen wieder "ausreden".
Danke f├╝r Deine Antwort.

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Sternchen
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Wundersch├Ân!

Lieber Android!

Ich finde deine Geschichte wundersch├Ân, ich weis auch nicht genau warum...
Sie ist Bilderbuch m├Ą├čig beschrieben und daurch gut vorstellbar.
Der Traum eines kleinen Junge, der sich erf├╝llt aber auch zerbricht...
Obwohl ich 12 bin und eigentlich jetzt eher Liebesgeschichten lese bin ich fasziniert!

Jetzt kommt aber noch eine kleine Kritik:
1.Ich muss ich hera recht geben:Es ist keine richtige Kindergeschichte.
2.Ich weis ja nicht ab welchem alter du diese Geschichte gedacht hast aber ich glaube nicht das kleine Kinder viel Ahnung von Robinson und Freitag haben.

Sonst, echt Traumhaft!

Ganz liebe Gr├╝├če
Sonja/Sternchen

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