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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Dazwischen
Eingestellt am 24. 07. 2003 18:17


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Yakob
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2002

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Die Davors, Dazwischens und Danachs mĂŒĂŸt Ihr Euch fett- und kursivgedruckt vorstellen.



Dazwischen


Davor. Verbrachten wir ein weiteres gemeinsames Wochenende.
Waren ihre kĂŒhlen Blicke. Ihre halbherzigen ZĂ€rtlichkeiten. Ihr Schweigen.
Waren meine VorwĂŒrfe. Meine fordernden Umarmungen. War die Angst in meinen Augen.
Schwiegen wir beim FrĂŒhstĂŒck. Langweilten uns vor dem Fernseher. Hatten grauenvollen Sex.
Konstatierten wir die Fremdheit, die zwischen uns erwachsen war. Beschlossen, dass es so keinen Sinn mehr habe. Entschieden uns fĂŒr die Trennung.
Waren meine TrĂ€nen. Ihre TrĂ€nen. Waren sanfte, vorsichtige KĂŒsse.
Wurden Entscheidungen revidiert. VorwĂŒrfe zurĂŒckgenommen. ZĂ€rtlichkeiten ausgetauscht.
Schwiegen wir immer noch beim FrĂŒhstĂŒck. Vermieden es den Fernseher einzuschalten, langweilten uns aber trotzdem. Hatten immerhin besseren Sex.
Der sogar so gut war, dass wir es irgendwie schafften, das Wochenende rumzukriegen.

Dazwischen. Lehne ich im Speisewagen an einem Bistro-Tisch, trinke einen Kaffee mit wenig Milch und viel Zucker und rauche eine filterlose Zigarette. Lasse ich die brachliegenden, mit feinen Nebelschlieren benetzten Äcker an meinen Augen vorĂŒberziehen. Sitzt eine rothaarige Frau vor dreieinhalb leeren BierglĂ€sern. Ist ein junger, ziegenbĂ€rtiger Mann ĂŒber der ‚Zeit’ eingeschlafen. Sieht mir ein vielleicht fĂŒnfjĂ€hriger Junge, der an einem Wurstbrot kaut, mit großen Augen dabei zu, wie ich den Rauch aus meinen Nasenlöchern puste. Ich lĂ€chle ihn an. Daraufhin spuckt er sich das gerade zerkaute Brot auf die Hose und lĂ€chelt zurĂŒck.
Dazwischen. Muss ich an einem großen Bahnhof umsteigen. Esse ich, weil mir noch etwas Zeit bleibt, an einem Imbissstand eine Bockwurst mit Senf, obwohl ich so was eigentlich gar nicht mag. Stehen zwei MĂ€nner neben mir, die nichts essen aber Bier trinken und mit Sicherheit verschwommene TĂ€towierungen auf den Unterarmen haben, die ich aber nicht sehen kann, weil sie Jeansjacken tragen. Rauche ich noch eine Zigarette.
Dazwischen. Stehe ich auf dem Bahnsteig und sehe die Sonne untergehen. Ist es warm und orange und schön. Und still. Sogar die Rentner schweigen.
Dazwischen. Verabschieden sich glĂŒckliche PĂ€rchen. Macht mir das ĂŒberhaupt nichts aus.
Dazwischen. Sitzt ein Einbeiniger mit mir im Abteil. Und ein hollÀndischer Rucksacktourist. Und eine wunderschöne, traurig aussehende junge Frau, in die ich mich sehr verliebe.
Dazwischen. Sitze ich mit anderen Leuten auf dem Gang und rauche. Trinke ich eine warme Dose Bier und sehe dabei zu, wie der Fahrtwind die Spitze der von meiner Zigarette aufsteigenden RauchsĂ€ule erfasst und aus dem Fenster trĂ€gt. DrĂŒcke ich meine Wange an die kĂŒhle Fensterscheibe. Und sehe die Stadt nĂ€herkommen.

Danach. Werde ich in meine dunkle, leere Wohnung kommen. Wird keine Nachricht von ihr auf dem Anrufbeantworter sein. Werde ich sie anrufen. Unter dem Vorwand, ich wolle ihr sagen, ich sei gut angekommen. Und doch nur hören wollen, wie sehr sie mich vermisst.
Werde ich zu viel arbeiten, zu viel trinken. Manchmal onanieren.
Werde ich auf ihre Anrufe warten.
Zu viel arbeiten. Zu viel trinken.
Warten.
Warten.

__________________
yeah(!)

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

lieber yakob

ich fand den text eigentlich nicht so schlecht. eine spur zu selbstmitleidig vielleicht. zu egoistisch. ein beispiel: am ende ĂŒberlegt er nur, dass er gern hören wĂŒrde, dass sie ihn vermisst. er hat aber keinen gedanken daran, dass er sie vermisst.

und viele fragen stellens ich mir.
warum machen zwei menschen grauenvollen sex? ist es da nicht besser, gar keinen sex zu haben?
warum haben sie in der zeit nach dem davor plötzlich guten sex? zumindest so guten, dass sie ein wochenende rumkriegen?
was hat die zwei mal verbunden?
und was ist mit der frau, in die er sich sehr verliebt? die verschwindet mir zu schnell wieder. so schnell geht verlieben ja auch wieder nicht, oder?

im kapitel dazwischen sind mir zu viele dazwischen.

und warum mĂŒssen wir uns vorstellen, dass das fettgetdruckt ist und kursiv?
warum schreibst du es nicht fettgedruckt und kursiv?

Dazwischen - siehe faq (frequently asked questions): wie kann ich meinen text aufpeppen.

tja. alles in allem. du könntest mehr draus machen. manchmal ist weniger mehr.

die k.

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Yakob
One-Hit-Wonder-Autor
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liebe k.,
tja, das wĂŒsste ich auch gerne, warum zwei menschen grauenvollen sex haben, aber das passiert nun mal manchmal, wenn es zwischen den menschen nicht mehr passt. vielleicht wĂ€re es dann wirklich besser keinen sex zu machen, aber wer geht an sowas schon mit vernunft ran? ich jedenfalls nicht.

was die beiden mal verbunden hat steht hier nicht zur debatte, die geschichte soll keine entwicklung darstellen, sondern eine momentaufnahme sein. außerdem soll es vor allem um das dazwischen (in dem wirklich zu viele dazwischen stehen, das stimmt) gehen. ich weiß nicht ob das so rĂŒberkommt, aber primĂ€r soll es gar nicht so sehr um die liebesgeschichte gehen. es ging mir vor allem darum, dieses gefĂŒhl unterwegs zu sein darzustellen, weder an das davor noch das danach zu denken, nicht in seinen alltĂ€glichkeiten und sorgen gefangen, auf eine gewisse art und weise frei zu sein, wenn auch nur fĂŒr kurze zeit.

was die schöne, traurige frau angeht, du hast recht, vielleicht hĂ€tte ich kurz ihren abgang schildern sollen, aber sich so schnell zu verlieben geht durchaus, finde ich. passiert mir jedenfalls stĂ€ndig. ok., vielleicht ist ‚verlieben’ ein zu starkes wort, vielleicht sollte man besser von vergucken oder verknallen reden, aber wie hört sich das denn an, ‚...eine wunderschöne, traurig aussehende junge frau, in die ich mich sehr vergucke/verknalle.’? nee...
die tatsache, dass er sich verliebt, soll aber vor allem darauf hinweisen, dass er im dazwischen nicht in seinen sorgen und Àngsten verhaftet bleibt und sich von den schwierigkeiten der beziehung frei machen kann.

mag sein, dass der protagonist in mancher hinsicht egoistisch ist, aber es war auch nicht meine absicht einen fehlerlosen gutmenschen darzustellen.

dass ich die davors, danachs und dazwischens nicht hervorgehoben habe liegt daran, dass ich mit den feinheiten der leselupe nicht so vertraut bin und keine ahnung hatte wie man das macht. deshalb danke fĂŒr deinen tipp.

grĂŒĂŸe, yakob

__________________
yeah(!)

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Tanja_Elskamp
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Hallo, Yakob!

Habe mich bislang nicht zu der Geschichte gemeldet, weil ich erst nicht recht wusste, wie und ob ich meine EindrĂŒcke in Worte kleiden soll und dann hat kaffeehausintellektuelle das eigentlich schon sehr treffend formuliert (also aus meiner persönlichen Sicht).
Deine Antwort darauf lÀsst mich nun doch etwas antworten *grins*.

Ich glaube dir gern, dass du alle genannten Dinge so siehst, so rĂŒberbringen wolltest usw., aber ein Haken liegt halt schon da, dass es in der Story teils eben nicht selbsterklĂ€rend ist, sondern eine ergĂ€nzende ErklĂ€rung braucht. Ich kenne aber kein Buch, in dem der Autor nach den Geschichten oder Kapiteln seine Intention dazu erklĂ€rt, also es sollte schon "greifbar" sein, gell?

Der grauenvolle Sex hat mich persönlich jetzt nicht so gestört, den empfand ich als durchaus nachvollziehbar, aber mehr Background tÀte auch meiner Meinung nach dem Ganzen gut. Eben diese Dinge wie:

Wie lang sind sie zusammen gewesen? Was hat sie miteinander verbunden? (siehe k.) - und eben auch der Punkt mit der traurigen Frau, die nicht passt, weil sie es vorher und nachher nicht tut, also keine Bedeutung hat und eben auch wegen des Ausdrucks "sehr verliebe" - wie wÀre etwas wie "die ich als sehr attraktiv empfinde" oder so?
Ebenso Kritikpunkt: Die "dazwischen" im Mittelteil sind auch aus meiner Sicht zuviel verwendet worden.

Ich denke, da lÀsst sich noch ein bisschen was machen - zumal die sonstigen Beschreibungen sehr "nah" sind und sehr gelungen, wie ich finde.

Gruß,
Tanja

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Yakob
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liebe tanja,
das war ja genau der grund, warum ich die geschichte hier rein gestellt habe, weil ich wissen wollte, ob sie nachvollziehbar ist oder nicht. und anscheinend ist sie es nicht in allen punkten, denn natĂŒrlich sollte eine gute geschichte keine ergĂ€nzend erklĂ€rung brauchen. aber ehrlich gesagt habe ich darauf noch keine befriedigende antwort bekommen, weil ihr euch irgendwie alle an dieser beziehungsgeschichte festbeißt. wie gesagt, in dem text soll es nicht um die entwicklung der beziehung gehen, weder darum wie lange sie zusammen waren, noch darum was sie mal verbunden hat. ich will keine konkrete geschichte erzĂ€hlen, sondern die stimmungen im davor, dazwischen und danach nachfĂŒhlbar machen. aber ob mir das gelungen ist hat mir hier noch niemand gesagt.

zum ausdruck „sehr verliebe“ habe ich mich ja schon geĂ€ußert. ist das denn hier noch niemandem passiert, dass er jemanden den er ĂŒberhaupt nicht kennt angesehen hat und völlig hin und weg war? und ich meine nicht nur so vom Ă€ußerlichen, sondern von seinem ganzen wesen, auch ohne worte miteinander gewechselt zu haben. ein besserer ausdruck als sich verlieben fĂ€llt mir fĂŒr sowas jedenfalls nicht ein.
Was ich nicht ganz verstehe, ist was du mit „die nicht passt, weil sie es vorher und nachher nicht tut“ meinst.

dank fĂŒr deine kritik (und natĂŒrlich auch die lobenden worte am ende, die tun ja auch gut), gruß, yakob

__________________
yeah(!)

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Tanja_Elskamp
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Hallo, Yakob!

Ich versuchs also nochmal ein wenig anders.
Sicherlich kĂŒmmerst du dich um davor, dazwischen und danach und ja, das finde ich schon gelungen.
Aber...
Man kann es nicht greifen, man kann es nicht nachempfinden, eben weil man von dieser Beziehung nichts weiß.
Sex, Schmerz, eine Trennung, ein gemeinsames Wochenende, Sehnsucht etc., das sind alles Dinge, die davon abhÀngen, wie intensiv, wie lang andauernd usw. eine Beziehung ist.
Sie haben sich vor zwei Wochen erst kennen gelernt und irgendwie stellt sich jetzt an diesem Wochenende raus, dass es nicht das Wahre ist?
Das ist etwas völlig anderes als eine wasweißich Beziehung von drei Jahren, in der sie noch zwei Wochen von Kindern gesprochen haben.
Beide Situationen sind dem Beschriebenen nach durchaus möglich, aber völlig unterschiedlich ist ihr Empfinden.
Haben sie sich erst vor zwei Wochen kennen gelernt, dann liegt der Hauptschwerpunkt wohl auf der Onanie sozusagen, will heißen: Es ist traurig, das ist es immer, aber letztlich kommt man (wie immer) darĂŒber weg, vielleicht ein Hinweis auf Wiederholung des immer gleichen Schemas.
War es eine lange Beziehung, dann entwĂ€chst der Schluss vielleicht einer tiefen Verzweiflung, die gar nicht weiß, was sie ohne die andere HĂ€lfte nun machen soll.

Beides ist eben möglich, aber so wird man mit sich selbst nicht einig. Ich finde, du solltest dich da auf eine Variante (gibt ja auch noch mehr als meine beiden Beispiele) festlegen, dich entscheiden. Was möchtest du denn nun eigentlich aussagen? Das eine - oder das andere?
Möglicherweise meinst du, in dieser offenen Form mehr unterschiedliche Leute anzusprechen. Ich fĂŒr mich selbst kann nur sagen, dass das Gegenteil der Fall ist und es dadurch auf mich einfach viel zu seicht wirkt, halt einfach etwas inhaltslos (weil mir eben DIESER Inhalt fehlt).

Was das Verlieben betrifft: Du hast es an sich ja schon ganz gut angesprochen (verknallen, vergucken etc. trifft es eher, aber hey, wie klingt das...), genau da liegt doch der Punkt.
NatĂŒrlich kann ich auf die Straße gehen und jemanden sehen, wo es mich völlig aus den Socken haut. Aber das ist dann Sexappeal oder Ă€hnliches, denn in das Wesen der Person kann ich mich nicht verlieben, weil ich es gar nicht kenne und auch nicht im geringsten in wenigen Augenblicken, die ich mit der Gestik, Mimik... dieser Person beschĂ€ftigt bin erahnen kann.
Wenn du es auf die Optik beziehst - und anders geht es in diesem Fall ja nicht - dann trifft "attraktiv finden" es um LĂ€ngen besser. Aber selbst das ist unwahrscheinlich, weil man sich naturgemĂ€ĂŸ an Frohnaturen orientiert und nicht an traurigen Menschen, selbst wenn man selbst gerade traurig ist bzw. dann erst recht nicht.

Mit dem von dir zitierten Ausschnitt meine ich, dass diese Frau das ganze Bild ins Wanken bringen kann.
Gerade hat eine Trennung stattgefunden und nun soll es darum gehen, wie man sich eben vorher, nachher (und dazwischen) fĂŒhlt. Wenn da nun direkt eine Frau auftaucht, in die man sich mal eben so "verliebt", zeigt das zum einen eine hohe OberflĂ€chlichkeit und verbietet auch mir als Leser, die Emotionen und Geschehnisse im Ganzen irgendwie wirklich ernst zu nehmen, zum anderen negiert es praktisch auch sofort das "danach", denn wenn man sich schon eben so mittendrin (oder dazwischen) in eine andere "verlieben" kann, dann sehe ich ĂŒberhaupt keinen Anhaltspunkt mehr fĂŒr einen Anruf aus vorgeschobenen GrĂŒnden und auch nicht fĂŒr Sehnsucht, ein GefĂŒhl von Einsamkeit, eine Ablenkung durch zuviel Arbeit oder anderem etc.

Ich hoffe, ich konnte meine Meinung nun etwas klarer rĂŒberbringen.

Gruß,
Tanja

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