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Leselupe.de > Horror und Psycho
Dazwischen
Eingestellt am 12. 07. 2004 19:47


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lapismont
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Es ist ein Bestandteil meines Lebens, Dinge zu ignorieren. Meine Ignoranz umfasst alles, davon bin ich ĂŒberzeugt. Wenn ich ĂŒber die Straße gehe, schaue ich nicht nach Autos. Sie bremsen immer.
Fast immer. Dieses Auto braust einfach auf mich zu, und ĂŒberfĂ€hrt mich.
Das Licht des Tages beginnt zu verblassen, ich richte mich mit MĂŒhe auf. Jede Bewegung fĂ€llt mir schwer, dennoch stehe ich auf der Straße und schaue auf meinen Kadaver herunter.
Ich bin tot.
Aber ich steige nicht in den Himmel hinauf, fahre auch nicht in die Hölle ein. Etwas sollte geschehen. Darauf wird man nicht vorbereitet. Davon erzÀhlt einem keiner etwas. Es passiert einfach.
Ich gehe die Straße weiter. Eigentlich war ich auf dem Weg nach Hause. Das sollte ich nun fortsetzen. Doch es reizt mich nicht, meine Familie zu sehen. Immerhin bin ich tot und sie nicht. Das entfremdet.
PlĂ€ne sollte ich schmieden. Mein neues Leben nutzen. Nun ja, ob es ein Leben ist, muss sich erst herausstellen. An der nĂ€chsten Kreuzung steht das Mörderauto. Hat der Fahrer doch etwas bemerkt und grĂŒbelt nun, was er tun soll? Meine Hand durchdringt ohne Probleme die Scheibe des Autos. Sie zerbricht nicht. Ich spĂŒre nichts. Ein Geist bin ich also.
Auf der RĂŒckbank steht ein Einkaufskorb. Ohne Nachzudenken greife ich den Sixpack Bier. Er lĂ€sst sich anheben, bleibt aber an der Scheibe innen hĂ€ngen. Das Auto fĂ€hrt los, das Bier fĂ€llt zurĂŒck in den Korb und meine Hand bleibt ohne dass ich ein GefĂŒhl des Kontaktes mit dem Auto registrierte, bei mir.
Wieder stehe ich auf der Straße. Die Einsamkeit lĂ€sst mich kalt. Dieses Viertel ist mein Zuhause. Hier kenne ich die BĂ€ume am Straßenrand und die Pflastersteine, die ihren Lebensraum begrenzen.
Das Licht kehrt zurĂŒck. Mein Zeitempfinden unterliegt einer Störung, fĂŒrchte ich. Um diese Zeit fahre ich sonst zur Arbeit. Meine Beine tragen mich zur Bushaltestelle. Es stehen auch heute keine Leute davor, nur ich, wie sonst, und wie sonst interessiert es mich nicht.
Heute hĂ€lt der Bus. Das tut er selten. FĂŒr Einen unterbricht der Busfahrer nicht sehr oft seine letzte Tour vor der FrĂŒhstĂŒckspause. Diesen Witz hat er mir erzĂ€hlt, auf einer Nachmittagsfahrt, seiner letzten vor dem Feierabend.
Ich ĂŒberlege, ob mich der Busfahrer sehen kann. doch als er die TĂŒren öffnet, schaut er ĂŒberrascht durch mich hindurch in das WartehĂ€uschen.
Er gibt verwirrt Gas und ich stehe die ganze Zeit neben ihm, bis wir den S-Bahnhof erreichen.
Als die Leute auszusteigen beginnen, schiebe ich meinen Zeigefinger in seine Stirn. Das Weiche darin zuckt. Dann bricht der Fahrer zusammen. So kurz vor dem FrĂŒhstĂŒck.

Ich habe noch eine Erinnerung. Sie treibt mich die Stufen zum Bahnsteig hinauf. Die Menschen stehen in ihrer Gedankenwelt verborgen herum. Gleich holt sie der Zug ab. Sie steigen ein und fahren ihrem Leben entgegen. Mancher vergisst das Aussteigen.
Es ist leicht, sie zu finden. Sie steht im selben Abteil, in das ich jeden Tag nur deswegen einsteige, weil sie es benutzt.
Ihr LĂ€cheln traf mich manchmal, ich schluckte es herunter. DafĂŒr gab sie mit ihrem Körper an und meine Seitenblicke reduzierten die Zeit auf eine Erregung, die immer weniger mit Körperlichkeit zu tun hatte, dafĂŒr umso berechnender wurde.
Der Sommer bestimmt die Auswahl ihrer Kleidung. Ich trete an sie heran. Auch sie sieht mich nicht. Das Haar hat keinen Duft, obwohl ich ihr so nahe bin. In ihrem Nacken sind die TrĂ€ger ihrer Bluse zusammengebunden. Mit dem Zeigefinger und dem Daumen drĂŒcke ich durch das Band, es reißt und das Vorderteil klappt nach unten. Ihre BrĂŒste springen hervor. Sie schreit.
Das GerĂ€usch verliert sich, als ich ĂŒber das Weitere nachzudenken beginne.

Noch eine Frau.
Das Symbol des Unterganges.
Mehrmals muss ich mich neu orientieren, bis ich die richtigen ZĂŒge finde.
Dann stehe ich auf dem Platz. Das Parlament steht wie eine Einladung der Ewigkeit darauf.
Als ich es betrete, fĂ€llt mir die Ruhe auf. Obwohl viele Menschen die MĂŒnder bewegen. Vielleicht bleibt mir zuwenig Zeit.
Sie ist im Plenarsaal. Ich hatte nicht damit gerechnet. Dennoch sitzt sie in ihrem Sessel. Eine Königin aus einer Zeit, deren Triumphe dem Vergessen geopfert wurden. Das Geschrei und die LĂŒgen durchdringen mit Leichtigkeit und trotz des Fehlens aller Töne den Bau um mich herum und tragen die Kuppel mit ihrer Macht.
Als sie in einer Pause den Saal verlĂ€sst, folge ich. Hinter ihr betrete ich den Vorraum zur Toilette. Da ich sie nicht hören kann, beobachte ich die KabinentĂŒr. Sie kommt heraus und stellt sich vor den Spiegel. Der Friseur hat die Spuren des Alters aus ihrem Haar entfernt, doch das Rot in ihren Augen und die Falten darunter zeigen die Frau in einem Moment des Zerfalls.
Obwohl ich genau hinter ihr stehe, richtet sich der Fokus ihrer Pupillen nicht auf mich.
Mit beiden HĂ€nden fahre ich durch den Turmbau ihres Haares.
Sie erschrickt, Grauen reißt ihr die HĂ€nde vors Gesicht.
Ich gehe.

In dem Park bewegen sich Leute auf mich zu. Sie sehen mich. Sie sehen mich an. Dann haben sie mich eingekreist. Sind es JĂ€ger?
Einer tritt vor. Mit dem Zeigefinger durchbohrt er meine Brust. Seine Augen sind Glas und Himmel.

Mein Blick klĂ€rt sich. Meine Haut spĂŒrt ein Bett, in dem ich liege. Der Geruch ist voll Reinigungsmittel, es ist sehr hell. Ich bin in einem Krankenhausbett. Eine Schnur ragt von meiner Hand hinauf zu einem Tropf. Auf der anderen Seite sitzt jemand.
Eine Frau.
Sie.
Ihr Haar trÀgt jetzt das Silber einer MajestÀt, ihre Augen sind nichts als Entsetzen.

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Michael Schmidt
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Hallo lap,

ich verstehe kein Wort. Warum stirbt er? Wann ist er stofflich, wann nicht? Die Sache mit dem sixpack fand ich langweilig. Wo ist der Sinn des ganzen Textes?

Irgendwo bleibt mir der Wechsel zwischen lustig und makaber verschlossen. Passiert dies willkĂŒrlich oder bin ich nur in der falschen Stimmung?

Gruß,
Michael
__________________
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lapismont
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Hallo Michael,

da es in der Werkstatt keine VerstÀndnisfragen gab, dachte ich, der Text sei soweit.
Mhm.
Er stirbt, weil er ĂŒberfahren wird. Kein Grund.
Die Strafe der Ignoranz?

Anhand des Sixpacks sollte klarwerden, das er zwar Materie durchdringen kann, sie auch manipulieren kann, so wie er will, aber er den Sixpack nicht durch die Scheibe bekommt.
Der Sixpack ist ein Reflex. Eine rein pawlowsche Reaktion.
Wenn ich den Busfahrer töten will, muss ich irgendwie klarmachen, was der Protagonist vermag.
Lange ErklĂ€rungen schienen mir unpassend fĂŒr den Text. Ich wollte auch keine ĂŒbergeordnete ErzĂ€hlinstanz schaffen.

Der Sinn des Textes:
Ich wollte eine Gruselgeschichte schreiben.

Lustig soll der Text auf keinen Fall sein. Makaber passt schon eher, da fĂŒr mich Horror auf einer Sicht des Makabren aufbaut.

Welche Stellen fandest Du lustig?

cu
lap

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Kunst passiert.

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Michael Schmidt
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Es ist ein Bestandteil meines Lebens, Dinge zu ignorieren. Meine Ignoranz umfasst alles, davon bin ich ĂŒberzeugt. Wenn ich ĂŒber die Straße gehe, schaue ich nicht nach Autos. Sie bremsen immer.
Fast immer. Dieses Auto braust einfach auf mich zu, und ĂŒberfĂ€hrt mich.


Das wirkt auf mich witzig, zumindest scheint es so gewollt. Dort ist auch der Grund, die Wortspielerei, warum er ĂŒberfahren wurde oder nicht, wirkt auf mich recht unsinnig.

Warum tötet er? Wer ist die Prinzessin? Und warum will er ihre BrĂŒste sehen? Was passiert dann?

Gibt es einen Grund fĂŒr das Dazwischen? Ist er verflucht? Oder ergeht das jedem so, der stirbt. Und mordet dann jeder? Oder ist er eine Ausnahme.

Die Sache mit dem Sixpack ist mir schon klar, finde nur, das könntest du besser lösen.

Zum Teil wirken die SĂ€tze ein wenig abgehackt, aber wer weiß, vielleicht empfinde ich das nur heute so und morgen ist das schon anders.

Also insgesamt wÀre die Sinnfrage auf jeden Fall zu beantworten, wenn auch ein Horrortext nur bedingt sinnvoll ist.
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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flammarion
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auch

ich finde den text eher verwirrend als alles andere. danach kommt ein großer anteil komik, grusel zuletzt. leider bin ich kein autor von horrorgeschichten und kann nicht helfen, sorry.
lg
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Old Icke

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Anna Osowski
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Hallo lapis.
Ich finde nicht, dass der Text komisch wirkt; vielleicht hat er einen dezent sĂŒffisanten Unterton, aber in erster Linie ist er fĂŒr mich makaber. Was die "abgehackten" SĂ€tze betrifft: Die passen sich doch gut dem Bild des Protagonisten an. Das einizige, was mich stört, ist der Absatz mit der Frau in der U-Bahn. Ich will als Leser gar nicht unbedingt mehr wissen, aber mir hĂ€tten an der Stelle ein paar konkrete SĂ€tze besser gefallen. Z.B. "Der Sommer bestimmt die Auswahl ihrer Kleidung." - vielleicht -> "Sie trĂ€gt heute wieder ihre dĂŒnne, gelbe Seidenbluse." oder so was in der Art. Das empfinde ich beim ganzen Absatz so.

Diese leise Art des Gruselns gefÀllt mir sehr gut.

Lieben Gruß
Anna
__________________
"Große Geister mĂŒssen bereit sein, nicht nur Gelegenheiten zu ergreifen, sondern sie zu schaffen."
(Charles Colton, engl. Geistlicher 1780-1832)

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