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Leselupe.de > Feste Formen
Dein Name buchstabiert
Eingestellt am 09. 07. 2011 19:17


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Walther
Routinierter Autor
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Dein Name buchstabiert


Du sagst es in den Wind und sprichst es leicht:
Entschweben Worte den Gespensterlippen?
Pulsiert kein Herz mehr unter Deinen Rippen?
Da ist kein Odem, der dem Mund entweicht!

Die Finger können nicht mehr lÀssig schnippen,
Was sonst Dein Schwadronieren unterstreicht!
Vergeblich, weil nichts meine Welt erreicht,
Und mögen Deine Unterschenkel wippen,

Ich hÀtte alles nur imaginiert!
Du gibst den bösen Geist in meinen TrÀumen,
Der lÀchelnd meine Einsamkeit seziert.

Du fĂŒllst die Leere in den SeelenrĂ€umen.
Fast war von mir Dein Name buchstabiert,
Da rascheln kalte Winde in den BĂ€umen.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Bernd
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Der Name gehört mit zu den wichtigsten Eigenschaften, so wurde er auch schon oft besungen, wie zum Beispiel von Uschi BrĂŒning "Deinen Namen". Hier klicken
Und das Schreiben, angefangen vom Menetekel in der Bibel, bis hin zu Schlagern: Bitte schreib es mir in den Sand.

Hier aber haben wir eine Besonderheit.
Sie ist tot oder ein Geist oder eine Vision, leblos, die Bewegung eine Illussion, so ist der Name alles und die Gesamtheit. Hat das Buchstabieren die Magie, die Worten zugeschrieben wird? Es werde sein und es wird sein?
Oder bleibt es ein Traum?
Die Seele ist leer, zum Teil. Sie wird gefĂŒllt, aber es ist ein schwerer Traum, ein Alptraum. Der Name tröpfelt ins Leben, Buchstaben fĂŒr Buchstaben ...

... und wird ausgelöscht?
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Walther
Routinierter Autor
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Lb. Bernd,

danke fĂŒr Deinen Eintrag. Ich habe in diesem Sonett versucht, eine traumatische Beziehung nachzuempfinden, die den einen der beiden Beteiligten in einer unaufgelösten Seelenlage der Wut, EnttĂ€uschung, fast Rachsucht, zurĂŒckgelassen hat, wĂ€hrend der andere ging, ohne daß der ZurĂŒckgebliebene Satisfaktion erhalten hĂ€tte. die ihm den Seelenfrieden hĂ€tte bringen können.

Der Name, das genannt oder gerufen Werden, ist hier Synonym fĂŒr die Personifizierung. Obschon doch tot macht die Namensnennung auf eigentĂŒmliche Art "lebendig". Sie entreißt Tote dem Vergessen. Nicht umsonst werden in Jad Vashem die Namen der in der Shoa des Nazismus Ermorderten ausgerufen, um sie in Erinnerung zu behalten, um ihnen das Leben zu geben, daß ihnen die Todesmaschinerie von Hitlers Schergen nahm, als spĂ€ter Sieg der Ermordeten ĂŒber ihre Mörder, die ihrerseits in Vergessenheit geraten.

In diesem Gedicht darf im Gegensatz dazu deshalb der Name des LyrDu nicht zu Ende buchstabiert werden, damit der Andere nicht wieder obsiegt. Jetzt, inden das LyrIch ihn nicht nennt, beginnt der Akt des Vergessens, der Sieg des Lebens ĂŒber den Tod, der Überlebende hat nun die Chance zu einem Ausstieg aus dieser traumatisch-einseitigen Beziehung und damit zur Satisfaktion.

Ich weiß, dieser Text ist sperrig. Vielleicht habe ich mit dafĂŒr nicht geeigneten Mitteln zuviel gewollt. So geht es uns ja immer wieder, wenn wir lyrisch etwas wagen.

In diesem Sinne danke ich Dir fĂŒr Deine tiefgrĂŒndige Interpretation, die einem traurigen Text ein noch traurigeres Ende erspart, dem nĂ€mlich, nicht evoziert, nicht gerufen zu werden und sang- und klanglos unterzugehen.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Bernd
Foren-Redakteur
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Der Text hat mich beeindruckt, aber ich habe etwas lĂ€nger gebraucht, um ĂŒber ihn zu schreiben, In gewisser Weise bin ich Deinen Intentionen sogar gefolgt.
Denke ich.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Walther
Routinierter Autor
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Lb. Bernd,

Du hast gut herausgelesen, was ich sagen wollte. Allerdings scheint der Rest der Lupeleserschaft nicht ganz Deiner EinschÀtzung ("beeindruckt"!) zu folgen. Aber man kann nicht alles haben.

Vielen Dank fĂŒr das Verhindern, daß der Text frĂŒh der Vergessenheit anheimfiel!

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Vera-Lena
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Lieber Walther,

wenn man verletzt wurde, dauert es einige Zeit bis die Dinge dem Vergessen anheim fallen. Manchmal taucht der Beleidiger tatsÀchlich in den TrÀumen auf und wenn er sich einen Platz erobern kann, ist dies ein Zeichen, dass die Wunden noch nicht verheilt sind.

"Du gibst den bösen Geist in meinen TrÀumen,
der lÀchelnd meine Einsamkeit seziert."

Die Einsamkeit an sich ist schon schlimm genug. Wenn sie einem dann noch zusÀtzlich vorgehalten wird auf hÀmische Weise, wie soll man einen solchen Schmerz ertragen?

Ein fast verbitterter Text, wÀre da nicht der Schluss, welcher die böse Sache abbricht und zunÀchst zum Stillstand bringt.

Der Name ist immer ein Synonym fĂŒr den Menschen oder die Sache. Nicht umsonst ruft man in der Not einen Namen.

Ein gelungenes Sonett ĂŒber die Verletzungen, die man im Laufe seines Lebens auch manchmal einsammelt. Aber ein solcher Text ist bereits eine erste Hilfe, um die verwundete Seele wieder zu heilen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena




__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Walther
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Lb. Vera-Lena,

danke fĂŒr Deinen Eintrag und Deine Bewertung. Wie immer gehst Du sehr einfĂŒhlsam mit dem Protagonisten um, der - zu meinem GlĂŒck - nichts mit dem Autor zu tun hat. Ich habe versucht, eine solche GefĂŒhlsgemengelage zu erahnen und zu formulieren.

Wenigstens bei einigen Leser scheint das gelungen sein. DafĂŒr bin ich dankbar, zeigt es mir doch, daß der Text nicht ganz verunglĂŒckt ist.

Frohes Dichten und Werken.

Alles Liebe

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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