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Leselupe.de > Kurzprosa
Dein Pferd - Freund oder Feind 2
Eingestellt am 06. 03. 2001 13:16


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Fredy Daxboeck
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Das h├Âchste Gl├╝ck der Erde liegt auf dem R├╝cken der Pferde,
das h├Âchste Gl├╝ck der Pferde, liegt der Reiter auf der Erde.


"Hallo Pferd! Bist du aber eine Sch├Ânheit. Sieh dir nur diese gro├čen Augen an. Der schmale Kopf und diese sch├Ânen Formen. Sieh dir diese Beine an. Hast du schon einmal so vollendete Fesseln gesehen. Wie hoch sie den Schweif tr├Ągt. Und sie hat Temperament! Ich glaube, ich habe mein Traumpferd gefunden. Abgesehen davon liebe ich Falben."
"Also, ich sehe nur Z├Ąhne und Krallen an diesem Pferd." Ungl├Ąubig sch├╝ttelte Sabine, meine Freundin, den Kopf und hielt mich am ├ärmel meiner Jacke zur├╝ck, als ich noch einen Schritt n├Ąher treten wollte.
Die falbfarbene Stute, die kurz angebunden vor den Stallungen dieses gro├čen altehrw├╝rdigen Reitstalls mit den sch├Ânen Bogeng├Ąngen und dem ├╝berdachten Brunnen im Hof stand, den Kopf zornig nach vorn gestreckt, Z├Ąhne entbl├Â├čt, Ohren eng angelegt, verharrte reglos. Nur ein Zittern lief gelegentlich ├╝ber ihre Schultern. Der Schweif peitschte b├Âse. Die linke, uns zugewandte Hinterhand hob sich mit vor Wut verkrampften Muskeln in rhythmischem Gleichklang mit meinen Bewegungen, bereit bei der geringsten Gelegenheit auszufeuern. Als Fleisch gewordene Warnung, ihr nicht zu nahe zu kommen. Ein grollendes Abbild eines der gutm├╝tigsten, anmutigsten und ehrlichsten Gesch├Âpfe der Natur, auf┬┤ s ├╝belste von Menschenhand verdorben.
"Hallo Pferd!" Behutsam trat ich noch einen Schritt n├Ąher; im Vertrauen an eine festgezurrte Leine.
"Vorsicht! Kommen sie ihr nicht zu nahe." h├Ârte ich hinter mir eine Stimme, und im n├Ąchsten Augenblick das b├Âse Klacken zuschnappender Kiefer, die nur Zentimeter neben meinem abgewandten Gesicht in die Luft bissen. Die Leine hatte ein kleines St├╝ck nachgegeben; und mir beinahe den halben Kopf gekostet.
"Wow, sie hat Temperament, oder wie immer du das bezeichnest!" murmelte Sabine neben mir und betrachtete mich verdutzt; mit gro├čen ├Ąngstlichen Augen in denen leises Erschrecken spiegelte.
"Vertrauen sie ihr nie, sie ist heimt├╝ckisch und gemein." belehrte mich ihr Noch-Besitzer, ein gro├čer untersetzter Mann in blank geputzten Reitstiefeln und wuchtete einen Sattel auf den Balken an dem das Pferd angebunden war, aber au├čer Reichweite der Stute.
"Wage es nicht!" zischte er in ihre Richtung und trat neben sie, um ihr im n├Ąchsten Augenblick mit voller Wucht die Faust in die Nieren zu schlagen.
"Ich habe dich gewarnt." zischte er wieder. Das Pferd t├Ąnzelte nerv├Âs zur Seite und feuerte kraftvoll nach hinten aus.
"Komm schon, komm!" Grob zw├Ąngte der Mann das Gebi├č, eine Kandare mit bleistiftd├╝nnem Mundst├╝ck und langen Aufz├╝gen, zwischen die Z├Ąhne der Stute und grinste uns mit Todesverachtung an. "Ich bin der einzige im Stall, den sie n├Ąher als f├╝nf Meter an sich heranl├Ąsst."
"Warum wollen sie ihre Stute verkaufen?" quetschte ich die Frage hervor, die wohl jeden K├Ąufer als erstes unter den N├Ągeln brennt, und ignorierte den hei├čen Zorn, der in meinem Bauch zu rumoren begann. Ich mag es nicht, wenn jemand Pferde schl├Ągt oder auch nur r├╝cksichtslos behandelt. Sie haben es nicht verdient. In keinem Fall.
"Weil sie nicht zu reiten ist", erstaunt sah er mich an. "Habe ich das am Telefon nicht erw├Ąhnt?"
"Oh doch, oh doch", beeilte ich mich zu versichern. "Nur habe ich das nicht wirklich ernst gemeint." War dies doch die Frage, die sicherlich nur in den seltensten F├Ąllen ehrlich beantwortet wird.
"Nein, nein" meinte der Mann ziemlich selbstbewusst und mit abf├Ąlligem Unterton in der Stimme. "Sie ist nicht zu reiten, vertrauen sie mir. Ich erz├Ąhle ihnen keinen Schei├č, wenn ich das sage. Sie ist nicht nur ein Mistst├╝ck, wie es im Buche steht ÔÇô nein, sie hat den Teufel im Leib!"
Verbl├╝fft betrachtete ich erst diesen Kerl und dann die Stute. Das sie den sprichw├Ârtlichen Teufel im Leib hatte, glaubte ich ihm auf┬┤ s Wort. Obwohl mich diese Tatsache erst reizte.
Aber dass er so ohne weiteres zugab, die Stute nicht reiten zu k├Ânnen, das verwunderte mich doch sehr. Aus langer und leidvoller Erfahrung wei├č ich, dass zuallererst immer dem Pferd die Schuld untergejubelt wird, wenn┬┤ s mal mit dem Reiten nicht so klappt.

Kurz und gut; nachdem niemand in diesem Reitstall zu bewegen war, die Stute zu reiten oder auch nur zu f├╝hren oder zu longieren, habe ich mich dazu entschlossen, entgegen meinen sonstigen Gepflogenheiten, sie zu reiten. Es ging mir nicht darum zu beweisen, dass ich sie reiten k├Ânnte; na ja vielleicht ein kleiner schelmischer Wunsch im Hinterkopf, sondern ich wollte ihre Bewegungen sehen oder sp├╝ren.
Und das war dann schlie├člich auch der Fall. Im allerw├Ârtlichsten Sinn. Sie lie├č mich ca. f├╝nf Minuten sp├╝ren, dann gewann die Fliehkraft die Oberhand und ich sa├č im Dreck. Danach durfte ich sie noch einen Augenblick in voller Aktion bewundern, ehe sie auf mich losging und ich mich mit einem Hechtsprung und einer seitlichen Rolle aus dem eingez├Ąunten Viereck in Sicherheit brachte.
"Na, was hab┬┤ ich ihnen gesagt?" und: "He, so sportlich und schnell kenne ich dich gar nicht?" waren die einzigen Kommentare die ich im n├Ąchsten Augenblick zu h├Âren bekam und auf die ich auch leicht h├Ątte verzichten k├Ânnen. Mit einem gequ├Ąlten Grinsen rappelte ich mich hoch und sah zu Sabine hin├╝ber. "Sag nichts, ich kann ┬┤s mir denken", nickte sie mir zu und sch├╝ttelte den Kopf. Sie wusste, dass unsere freie Zeit in den n├Ąchsten Wochen einer falbfarbenen Stute geh├Âren w├╝rde.
Drei Tage sp├Ąter zog die Stute in unserem Stall ein. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ihr vorheriger Besitzer als Abschiedsgru├č nur den Kopf sch├╝ttelte und irgend etwas von "selber schuld" murmelte.
Ich habe meinen Entschluss damals, diese Stute zu kaufen, niemals bereut. Wenn ich es auch manchmal, aber nur die ersten Tage und sehr leise und nur f├╝r mich, in Frage gestellt habe.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

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lisa
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hallo fredy

ich habe dein profil gelesen, und vermute, dass deine geschichte schnurstracks aus deinem leben gegriffen und erz├Ąhlt ist.
drum kann ich sie gut nachvollziehen, denn auch meine leidenschaft galt und gilt immer noch (nur heute in heimlicher sehnsucht schlummernd) den pferden.

auch ich habe oft schmerzlich mitansehen m├╝ssen, wie menschen sich erdreisteten ├╝ber derart sensible, wundervolle tiere zu richten, indem sie sie mit aller verachtung und unverbesserlicher unwissenheit auf qualvollem wege in den schlachthof katapultierten...
tr├Ąnen des zorns und der trauer sind getrocknet, doch die der ohnmacht sind mir geblieben.

sag, hast du der stute wirklich ein neues zuhause gegeben?!?

hoffnungsvoll, lisa

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Fredy Daxboeck
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Hallo Fumme



also erst mal . . . ich habe diese Geschichte aus keiner Pfarrnachricht, es w├Ąre mir lieber solche Dinge passierten nur in den K├Âpfen talentierter Schreiber
ich bin ├╝berzeugter Atheist, meinen Glauben habe ich l├Ąngst verloren
wenn diese Geschichte bei dir Gef├╝hle hervorrufen sollte, mit denen du nicht klar kommst, nehme ich dich gerne mal auf eine Tour mit . . . nein, nicht durch Schlachth├Âfe, Mastbetriebe, oder Fleischfarmen
sondern durch stinknormale Privat-, Reit- und Verkaufsst├Ąlle, wie du sie immer wieder finden wirst . . . und wo Pferde und andere Tiere unter Umst├Ąnden gehalten werden,
dass ich mich daf├╝r sch├Ąme,
mich Mensch zu nennen
Ich habe in zwanzig Jahren, in denen ich Pferde wieder gesund pflege, sie ausbilde, und versuche, ihnen das Vertrauen in den Menschen wiederzugeben, mehr gesehen, als ich in hundert Leben wieder gutmachen kann,
und es waren immer Menschen, arrogant, gro├čkotzig oder dumm, die dieses den Tieren antaten
. . . daf├╝r m├Âchte ich kotzen

----------------------------------
ich m├Âchte mich hiermit bei allen anderen f├╝r meinen Zorn,
der mich wieder einmal mit kalter Faust packte
entschuldigen,
aber auch bei allen jenen bedanken, die ihre Tiere so behandeln, wie sie es verdienen,
denn sie sind nicht unsere Gefangenen, sie sollten nicht unsere Opfer sein,
sie sind uns in Obhut gegeben und wir sind f├╝r sie verantwortlich

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Fredy Daxboeck
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Hallo Lisa


w├╝rde ich dir blo├č Worte schreiben . . . w├╝├čte ich nicht welche
w├╝rde ich versuchen dir Trost zu geben . . . fehlt mir im Moment die Kraft
da ist nur Zorn
ich versuche es mit ein paar Gedanken, die ich dir niederschreibe
aber nicht jetzt, sorry, aber da ist nur . . . rot und schwarz

liebe Gr├╝├če und bis bald

fredy

-----------------------------
sie sagen, du sollst stark sein . . . aber wer sagte das ihm

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Fredy Daxboeck
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Hallo Lisa

ich m├Âchte dies hier posten, weil es auch f├╝r andere bestimmt ist, werde dir aber auch pers├Ânlich antworten
sobald ich damit klar komme . . .

Ich kann dich verstehen, hab zu oft in Augen geblickt, die brachen, und jedesmal starb ein Teil von mir.
Du darfst nicht daran zerbrechen. Ich bin ein Mensch, dem Freiheit alles bedeutet, deshalb denke ich manchmal, zu wissen, wie Pferde f├╝hlen. Diese Tiere, die ├╝ber Millionen von Jahren frei waren.
Bis der Mensch kam, sie zu domestizieren.

Ohne dem Pferd w├Ąre so mancher Menschheitstraum nie in Erf├╝llung gegangen.
auch heute noch machen sie Tr├Ąume wahr.

Deshalb m├╝ssen wir ihnen das zur├╝ckgeben, das sie uns immer schon, freiwillig, und ohne jegliche egoistische Hintergedanken gegeben haben; grenzenlose Liebe und Vertrauen. Durch ihr freundliches und sensibles Wesen.
Vielleicht kommst du im Moment nicht zum Reiten. Schau trotzdem gelegentlich in einem Pferdestall vorbei, sie freuen sich ├╝ber jedes nette Wort. Sie bekommen oft nicht genug davon, und brauchen es so sehr.

in diesem Sinne

liebe Gr├╝├če

nice to see you

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wir besitzen unsere Pferde nicht
wie k├Ânnen wir uns anma├čen
ein Lebewesen zu besitzen
wir sorgen nur f├╝r sie
weil wir ihnen die Freiheit genommen haben


Tatjana l├Ą├čt dich gr├╝├čen
sie w├╝rde dich m├Âgen

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