Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92195
Momentan online:
332 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Dein Pferd, Freund oder Feind
Eingestellt am 19. 02. 2001 12:35


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 82
Kommentare: 229
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fredy Daxboeck eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wer Pferde wirklich verstehen will, muss lernen, die Welt aus ihrer Perspektive zu betrachten !

Ein strahlend sch├Âner Fr├╝hlingstag Mitte Mai. Bei der Fr├╝hst├╝ckslekt├╝re am Morgen war mir beim ├ťberfliegen der Kleinanzeigen ein kurzer Eintrag unter dem Begriff 'Pferdesport' aufgefal-len:
'Verkaufe schweren Herzens Warmblutstute, etwas schwierig im Handling, aber brav beim Rei-ten.' Telefonnummer lag bei. Preis nach Vereinbarung.
Geistesabwesend legte ich die Zeitung weg. Wir hatten im Moment Platz im Stall. Meine Zeit lie├č sich einteilen. ├ťber die Probleme, die der Besitzer des Pferdes mit seinem Liebling hatte, machte ich mir keine Sorgen. Seine wahren Probleme w├╝rde mir das Pferd selbst erz├Ąhlen.
Ohne mir dar├╝ber selbst im Klaren zu sein, eilten meine Gedanken bereits weit voraus, w├Ąh-rend ich zum Fenster in den jungen Morgen hinausblickte. Zwei Amseln h├╝pften gesch├Ąftig in der Wiese des Gartens umher auf der Suche nach K├Ąfer und Larven. Ein schmaler Streifen aus glei├čendem Sonnenlicht zauberte eine Bahn von tanzendem Goldstaub zwei Handbreit ├╝ber dem Boden meiner K├╝che. Die sanften Ger├Ąusche des neuen Tages, der hei├č zu werden versprach, Vogelzwitschern, das Brummen eines Autos, Hundegebell; sickerten an mir vorbei. Einer Einge-bung folgend griff ich zum Handy.
"Guten Tag, sie kommen sicher wegen der Stute, nicht wahr? Sie steht dort hinten. Zwei M├Ąd-chen sind auch im Moment hier, um sie anzusehen." wurde ich schon beim Aussteigen aus dem Wagen von einer jungen, hochaufgeschossenen Reiterin, die mir mit ihrer Reitgerte die Richtung wies, begr├╝├čt. Sie ├╝berquerte den Platz, ohne sich weiter um mich zu k├╝mmern.
"Danke!" rief ich ihr hinterher, war aber nicht ├╝berzeugt, dass sie mich noch h├Ârte; bis sie mit der rechten Achsel zuckte und die Gerte ein wenig hob. In einer l├Ąssig leichten Bewegung, bei der ich unwillk├╝rlich l├Ącheln musste. Sie hatte mir mit dieser Geste unbewusst mehr ├╝ber sich selbst verraten, als sie ihren Freunden je anvertrauen w├╝rde.
"Steh! Verd..., wirst du wohl jetzt stehen bleiben! Vorsicht! Scheint, als w├Ąre sie heute wieder einmal unausstehlich." Im kr├Ąftigen Befehlston, die rechte Hand erhoben, die linke umklam-merte fest die Z├╝gel, versuchte ein ├Ąlterer, verschwitzt aussehender Herr eine sichtlich nerv├Âse Stute zu beruhigen, die zwischen einer kleinen Schar junger M├Ądchen herumt├Ąnzelte.
Neugierig trat ich ein paar Schritte n├Ąher heran, ohne allerdings so nahe zu kommen, da├č ich die Aufmerksamkeit der Gruppe auf mich lenkte.
Um die Probleme eines Pferdes zu verstehen, beobachte ich sie am liebsten in seiner nat├╝rli-chen Umgebung, in ihrem Zuhause. Wenn die Stute erst einmal bei uns im Stall war, w├╝rde sie mir bei der t├Ąglichen Arbeit im Laufe der Zeit ihren Kummer, ihre ├ängste und ihren ├ärger er-z├Ąhlen. Aber jetzt und hier, wo sie allem was sie wirklich st├Ârte, unmittelbar ausgesetzt war, konnte ich in kurzer Zeit mehr ├╝ber sie erfahren, als zu Hause in langen Wochen.
Zwei der M├Ądchen steckten leise fl├╝sternd die K├Âpfe zusammen, vermutlich die Interessenten. W├Ąhrend die kleinere der beiden beinahe hektisch auf ihre Freundin einsprach, zuckte diese nur hilflos mit den Schultern. Mit kurzen, bestimmten Handbewegungen unterstrich das M├Ądchen ihre Worte; offenbar ohne Erfolg. Immer wieder blickte ihre Freundin auf, sah unsicher auf die Stute, auf ein drittes M├Ądchen, das sch├╝tzend einen Sattel vor sich hielt, und wieder auf ihre Freundin.
"Steh endlich still du Mistst├╝ck!" W├╝tend schlug der Mann mit der flachen Hand auf die Schulter des Pferdes, was dieses sofort mit einem ├Ąrgerlichen Tritt nach hinten quittierte.
Diese Stute war nicht nur nerv├Âs, sie war auch zornig. Sehr zornig.
Der Nachmittag w├╝rde noch einiges Interessantes an den Tag bringen.
Unschl├╝ssig, teils ├Ąrgerliche, teils mitleidige Blicke in Richtung des Pferdes und deren Besitzerin werfend, standen noch zwei M├Ądchen etwas abseits, wobei ich mir nicht ganz sicher war, wem die ├Ąrgerlichen und wem die mitleidigen Blicke galten.
"Wenn sie erst einmal gesattelt ist, wird sie brav wie ein L├Ąmmchen." versuchte der Mann die beiden M├Ądchen, die immer weniger Kaufinteresse zeigten, die Reiterin, die nach wie vor ihren Sattel umklammerte, und wohl auch ein wenig auch sich selbst, von den Qualit├Ąten der Stute zu ├╝berzeugen. Seine linke Hand hielt dabei eisern die Z├╝gel fest, w├Ąhrend er mit der rechten auf die empfindlichen Wangenknochen des Pferdes klopfte. Was dieses zwar verzweifelt durch Zu-r├╝ckziehen des Kopfes zu verhindern suchte, ihr aber nicht gelang. Der Schmerz im Maul, verur-sacht durch den Druck der Z├╝gel, war offenbar st├Ąrker als die unangenehm - derbe Ber├╝hrung durch die Hand des Mannes.
F├╝nfzehn Minuten, viele b├Âse Worte und einige derbe Schl├Ąge die das Pferd noch abbekam sp├Ąter, war es endlich gesattelt und bereit zur Vorf├╝hrung. Aber jetzt hatten die beiden M├Ąd-chen bereits die Nase voll und verabschiedeten sich, nerv├Âs und unbehaglich bedauernd aber sichtlich erleichtert und ziemlich eilig.
Ich habe mir diese Stute angesehen; ein gesundes, charaktervolles Pferd in den besten Jahren, das einfach ein wenig Zutrauen, viel Verst├Ąndnis und eine sichere Hand brauchte.
Keine starke und keine schlagende Hand, sondern eine Hand, die mit sich selbst und mit dem Kamerad Pferd im Reinen war.
Die Stute war bis zum Herbst in unserem Stall. Das M├Ądchen, eine zarte, damals vierzehnj├Ąhri-ge Teenie, das sie sp├Ąter gekauft hat, kommt noch immer, wenn sie gelegentlich bei mir vorbei-schaut, ins Schw├Ąrmen ├╝ber ihr Pferd. Zwei Freunde f├╝rs Leben, die sich gefunden hatten.

Lerne dein Pferd zu verstehen, und es wird dir mit Liebe und Respekt danken,

Vom lange ersehnten Traum vom eigenen Pferd, bis zur Verwirklichung sind es manchmal nur ein paar Schritte - oft genug in die falsche Richtung. Von der Faszination f├╝r dieses ├╝beraus sensible und liebenswerte Tier bis zum gegenseitigen Verstehen sind es aber meist endlose Meilen, die selten genug zueinander f├╝hren.
Warum dein Pferd vom Freund zum Feind wird, dazu bedarf es nur ein paar kleiner Unstimmig-keiten - manchmal mehr, zumeist aber weniger.
Die h├Ąufigsten Probleme, die der Reiter mit seinem Pferd hat, basieren auf Verst├Ąndigungspro-blemen. Die Kommunikation stimmt nicht. Genaugenommen haben nicht wir Menschen mit den Pferden Schwierigkeiten, sondern die Pferde mit uns.

Bei der Pferd - Mensch Beziehung kollidieren zwei grundverschiedene Interessengebiete aufein-ander. Denn das Pferd ist ein Fluchttier, dessen einzige wirkliche Verteidigung und oberstes Prinzip bei Gefahr die Flucht ist. Ein Weidetier, das t├Ąglich lange Strecken zur├╝cklegt und ein Herdentier, das Gesellschaft zum Leben und ├ťberleben braucht; und trotzdem wir es vor rund f├╝nftausend Jahren gez├Ąhmt und domestiziert haben, trotzdem wir es seitdem in die verschie-densten Richtungen gez├╝chtet haben, hat es seine Nat├╝rlichkeit, seine Instinkte, seine ├ängste nicht wirklich verloren.

Der Mensch hingegen ist ein Raubtier; hochgez├╝chtet, arrogant, abgestumpft gegen├╝ber seiner Umwelt, aber trotz allem ein Raubtier.
Der Mensch will als Raubtier die Situation beherrschen, will alles im Griff haben, die Kontrolle und den Z├╝gel in der Hand halten. Nur dann ist f├╝r ihn die Welt in Ordnung.
Gleichzeitig will er aber auch seinen Spieltrieb befriedigen, und seinen Jagdtrieb; das Gef├╝hl sich ein anderes Wesen untertan zu machen; und sei es nur um unseren Spa├č und unsere Frei-zeit freundschaftlich mit ihm zu teilen.

Wenn wir diese zwei Aspekte ein klein wenig n├Ąher beleuchten, kommen wir auf zwei verschie-dene Gesichtspunkte, mit denen wir leben m├╝ssen.

Punkt eins: Das Pferd und seine Eigent├╝mlichkeiten !

Hier m├╝ssen wir erst einmal das wildlebende Pferd etwas genauer beobachten, um wenigstens seine mindesten W├╝nsche und Bed├╝rfnisse zu kennen.

Das Pferd w├Ąchst im Herdenverband auf. Es hat Spielkameraden, mit denen es herumtollen kann, es wird von seiner Mutter besch├╝tzt und es hat Onkel und Tanten, die auf ihn aufpassen, die ihn aber auch wenn n├Âtig zurechtweisen. Ansonsten hat es im gro├čen und ganzen so
ziemlich alle Freiheiten, die sich ein kleines Kerlchen nur w├╝nschen kann. Es hat Sonne, frische Luft und den ganzen Tag Bewegung.
Andererseits muss es sein Futter selbst suchen. Es verbringt gut zw├Âlf Stunden mit Nahrungs-aufnahme.
Wenn es aus dem Fohlenalter heraus ist, muss es seinen Rang in der Herde bestimmen und wenn n├Âtig verteidigen. Und das wird es sp├Ąter kompromisslos, auch durch den Einsatz von K├Ârperkraft, denn Kompromissbereitschaft, wie wir sie kennen, gibt es beim Pferd nicht.
Das ist wichtig, denn da geht es um die besseren Futterpl├Ątze, um die Reihenfolge an der Tr├Ąnke und um das Sexualverhalten.
Also um die angenehmen Dinge des Pferdelebens.
Die Rangordnung, mit der wir uns im Laufe dieser Lekt├╝re immer wieder auseinandersetzen werden; sie ist f├╝r den Fluchtinstinkt und damit f├╝r alle unsere sogenannten Probleme verant-wortlich, wird im Herdenverband bestimmt und ist beinahe unver├Ąnderlich. Ver├Ąnderungen
sind nur durch heranwachsende Jungtiere, die sich ihren Rang erst erk├Ąmpfen m├╝ssen, gege-ben. Tr├Ąchtige Stuten steigen unwidersprochen auf, ├Ąltere Pferde werden abgedr├Ąngt; die Leitstute erk├Ąmpft sich ihren Platz nicht, sie wird dazu bestimmt. Den Leithengst, wie wir ihn aus unz├Ąhligen B├╝chern und Filmen kennen, gibt es nicht.
Wann die Herde, wohin und wie schnell zieht, bestimmt allein die Leitstute. Der Hengst, der die Herde begleitet, steht meist etwas abseits. Er darf sich der Herde nur dann n├Ąhern, wenn die Stuten rossig, also aufnahmebereit, werden.
Geschlechtsreife Junghengste folgen der Herde in sicherem Abstand, um gelegentlich den Hengst herauszufordern, oder ihm Stuten abzuwerben.
Warum aber folgen alle Tiere einer Herde ihrer Leitstute, dem sogenannten Alpha-Tier?
Was pr├Ądestiniert dieses Pferd, die Befehlsgewalt ├╝ber die Herde zu ├╝bernehmen?
Es ist weder Kraft noch Gr├Â├če oder Schnelligkeit, sondern die Erfahrung und sicheres Auftreten, das Charisma.
Es ist der Instinkt, im entscheidenden Augenblick das Richtige zu tun.
Das Herdentier will in der Regel nur zweiter in der Gemeinschaft werden. Es genie├čt damit sei-nen hohen Status ├╝ber die anderen, sowie den Schutz des Anf├╝hrers, aber es ist nicht bereit, dessen Pflichten zu ├╝bernehmen. Zum Chef wird es nur dann, wenn die Alpha-Stute ausf├Ąllt und es in die F├╝hrungsrolle gedr├Ąngt wird.
Beim gem├Ąchlichen Schlendern und Weiden treten Freund - Feind Beziehungen, Vorlieben und Abneigungen am ehesten zutage. Denn bei Bedrohung und Gefahr sind sich alle einig. Dann geht die Post ab.
Wann Bedrohung und Gefahr droht, bestimmt aber nicht irgendein Mitglied der Herde, sondern nur die Leitstute. Fl├╝chtet die Herde zu fr├╝h oder unn├Âtig, ist das vergeudete Kraft. Fl├╝chtet die Herde zu sp├Ąt, bedeutet das den sicheren Tod f├╝r zumindest ein Herdenmitglied.
Deshalb liegt die volle Verantwortung beim Alpha-Tier.

Punkt zwei: Der Reiter und seine Vorstellungen !

Du mu├čt dein Pferd irgendwo einstellen. Zu Hause klappt das nur in den seltensten F├Ąllen. Also kommt es in den n├Ąchst gelegenen Reitstall. Nat├╝rlich mit Boxenhaltung. Zweimal F├╝tterung pro Tag, und einmal ausmisten. Vielleicht sogar im Sommer gelegentlich auf die Weide?
Es soll bei Bedarf zur Verf├╝gung stehen. Das hei├čt du willst es putzen, satteln und reiten. So drei - viermal die Woche. Eine Stunde wenigstens. Zumindest nimmst du dir das anfangs vor. Und gelegentlich nat├╝rlich ins Gel├Ąnde. In die Freiheit hinaus. Durch die Natur zu reiten, nur du und dein Pferd; mit dem Wind galoppieren, in der Sonne spazieren, den Alltag hinter dir lassen. Ausspannen und ein wenig Zeit f├╝r dich selbst finden; mit deinem Kamerad Pferd.
Nat├╝rlich m├Âchtest du, da├č dein Pferd dein Freund ist, es soll dir vertrauen und dich m├Âgen; gleichzeitig aber es soll es dich auch akzeptieren und respektieren. Ja, du erwartest von deinem Pferd, da├č es macht, was du von ihm verlangst. Wieso auch nicht, es geh├Ârt schlie├člich dir. Es ist sozusagen dein Spielzeug.
Du verbringst immerhin deine kostbare Freizeit mit ihm.
Es hat zu gehorchen. Es hat zu wissen was du von ihm willst, von ihm erwartest. Es hat ganz einfach zu funktionieren.
Und wenn nicht! ├ärgerlich, aber du wei├čt dir sicherlich zu helfen.
Das werden wir ihm schon irgendwie abgew├Âhnen! Wozu gibt es schlie├člich Reitgerte und Spo-ren? Klappt noch immer nicht wirklich? Ein sch├Ąrferes Gebi├č mu├č her?

In der modernen Pferdehaltung ist das alles so einfach. Das Futter wird bereitgestellt, nat├╝rlich im ausgewogenen Verh├Ąltnis, Wasser ist st├Ąndig vorhanden, f├╝r Bewegung wird gesorgt, und sogar das Sexualleben wird geregelt.
Also braucht es nur mehr zu machen was, und vor allem wie wir das wollen.
Da├č das Pferd ein Eigenleben hat, da├č es Stimmungen und Launen unterworfen ist, da├č es sei-ne eigenen ├ängste und Sorgen hat, das bedenken nur die allerwenigsten Reiter.
Man soll blo├č ein Tier nicht vermenschlichen. Und das Pferd ist nur ein Tier!
Oder etwa nicht?
Der am h├Ąufigsten zu beobachtende Fehler, den ich bei Menschen im Umgang mit Pferden fest-stelle, ist die Tatsache, da├č sie versuchen, mittels eigener K├Ârperkraft, sei es ├╝ber Z├╝gel, Ge-bisse, mittels Gerten oder Sporen etc., ein Pferd zu dirigieren, kontrollieren oder ihm die er-w├╝nschten Verhaltensweisen beizubringen.

Schlichtweg absoluter Unsinn.

Das zweite Problem, das ich in dieser Hinsicht immer wieder beobachten kann, ist, da├č Reiter ihren Alltagsfrust mit zum Pferd nehmen, oder f├╝r ihre Fehler das Pferd verantwortlich machen. Du machst einen Fehler beim Reiten, beim Umgang, das Pferd gehorcht, wie auch immer; und du bestrafst es daf├╝r.
Ein reines Kommunikationsproblem, aber f├╝r die Pferd - Reiter Beziehung

eigentlich unverzeihlich.

Wie aber k├Ânnen wir die Instinkte, ├╝ber die unsere Pferde verf├╝gen, f├╝r uns n├╝tzen?
Wie k├Ânnen wir die Kommunikation mit unseren Pferden auf einen Level bringen, auf dem wir beide uns verstehen?

Du musst lernen zuzuh├Âren, und zwar nicht nur mit den Oh-ren, sondern mit deinem K├Ârper.

Du musst die nat├╝rlichen Verhaltensweisen des Pferdes ber├╝cksichtigen, um sie beim Umgang mit ihnen anzuwenden. Das hei├čt aber auch, du mu├čt dich mit einigen Eigenheiten von ihnen auseinandersetzen. Du mu├čt sie kennen, und gegebenenfalls akzeptieren; ihre individuellen Charaktereigenschaften in deinen Umgang mit ihnen, und eventuell in die Ausbildung mit einbe-ziehen.

Das Pferd ist ein Fluchttier und ein Herdentier. Um aber in der Herde jederzeit fl├╝chten zu k├Ân-nen, mu├č es sich eine gewisse Distanz zum Nachbarn bewahren. Es braucht Platz zum Wenden und zum Wegstarten. Deswegen hat jedes Pferd einen Individualbereich. Diesen Bereich, die Privatsph├Ąre, darf - unaufgefordert - nur ein rangh├Âheres Tier betreten.
Um seine Stimmungen und Launen auszudr├╝cken, hat das Pferd eine ausgepr├Ągte K├Ârperspra-che entwickelt, in der das Zusammenspiel von Ohren, Maul, Schweif und Hals auch auf weite Entfernung und sogar in der D├Ąmmerung und in der Nacht ein unzweideutiges Signal f├╝r die Stimmung der Herdenmitglieder bildet.
Achte also auf die Ohrenstellung, die Halsw├Âlbung, das Tragen des Schweifes, die Stellung der N├╝stern und Lippen. Achte auf die Mimik deines Pferdes, wie tr├Ągt es seinen Kopf?

Angelegte Ohren etwa bedeuten ├ärger. "Komm mir blo├č nicht zu nahe. Mit mir ist nicht zu spa-├čen." Ein eventuell entbl├Â├čtes Gebi├č ist eine absolute Drohung. Und auch als solche zu verste-hen.

Gelassene Zufriedenheit hingegen dr├╝cken Pferde mit seitw├Ąrts abgewinkelten Ohren aus, die ins Ungewisse gerichtet sind. Der Schweif h├Ąngt bewegungslos herab. Noch entspannter wirkt der K├Ârper beim D├Âsen, wenn die Augen halb geschlossen sind und die Unterlippe herabsinkt.

├ähnlich die Demutsgeste, die Unterwerfung. Nur sind jetzt die Lippen geschlossen, die N├╝stern klein, die Ohren stehen noch schr├Ąger, der Hals ist gerade, fast waagrecht.

Steil aufgestellte Ohren signalisieren Aufmerksamkeit, bis zur Erregung. Eventuell hoch geho-bener Hals, die N├╝stern gebl├Ąht, der Kopf waagrecht, der Schweif schl├Ągt hektisch hin und her. Der K├Ârper vibriert f├Ârmlich. Das Pferd ist bereit, jeden Augenblick in jede Richtung davon zu st├╝rmen.

Gebl├Ąhte N├╝stern und ge├Âffnete, nach oben gest├╝lpte Lippen nennt man 'Flehmen'. Unter der Oberlippe hat das Pferd zwei kleine Nasenl├Âcher mit denen es feinste Duftstoffe aufnehmen kann.

Mit stolz erhobenen Kopf und gebogene Hals versucht es zu imponieren. Die gebl├Ąhten N├╝stern verraten Erregung.

Behagen und Sicherheit verr├Ąt das w├Ąlzende Pferd. Das W├Ąlzen ist eine Art K├Ârperpflege.

Zum Kennenlernen beschnuppern sich die Pferde Nase an Nase. Sie blasen sich gegenseitig in die N├╝stern und beriechen sich an den Ellenbogen. Um im Gegenzug sofort die Rangordnung klarzustellen.

Dies sind nat├╝rlich nur einige kleine Ausz├╝ge, grob umrissen, aus dem umfangreichen und reichhaltigen Repertoire der K├Ârpersprache, mit denen Pferde sich untereinander und auch uns gegen├╝ber verst├Ąndigen.
Du darfst dich aber für den Anfang nicht an jedes kleine Detail klammern. Pferde sind wie alle Lebewesen, individuelle Charakter. Es gibt unter ihnen Ängstliche, wie Angeber, Stoiker wie Nervenbündel, gewitzte wie sture, Aufbrausende und Nachdenkliche.
Beobachte dein Pferd im Herdenverband auf der Weide oder im Auslauf. Dort wird es dir am ehesten ├╝ber sich selbst erz├Ąhlen.

Zum Abschluss dieses Kapitels noch ein Wort zum 'Loslassen'. Ein Ausdruck, den jeder Reitleh-rer in dem Ma├če liebt, wie ihn Reitsch├╝ler hassen.
Wer h├Ârt auch schon gerne: "Du mu├čt dich loslassen, sitz locker im Sattel, nicht verkrampfen" w├Ąhrend Pferd und Fliehkraft dich in mindestens zwei verschiedene Richtungen tragen wollen, und die Schwerkraft dein schlimmster Feind zu sein scheint.
Losgelassenheit, das Zauberwort des Reitens. Du sp├╝rst sie erst wirklich, wenn du nicht mehr dar├╝ber nachdenken mu├čt.
Losgelassenheit ist aber nicht nur das Zauberwort des Reitens, sondern auch das Codewort im Umgang mit deinem Pferd.

Du musst versuchen dich selbst unter Kontrolle zu haben, bevor du versuchst dein Pferd unter Kontrolle zu bekom-men.

Losgelassenheit ist eines der wichtigsten Instrumente, in der Handhabung mit deinem Pferd. Denn du kommunizierst mit deinem Pferd in erster Linie ├╝ber die K├Ârpersprache und danach erst mit deiner Stimme, obwohl die Stimme eines unserer besten Argumente ist, ein Pferd zu ├╝ber-zeugen.

Mit anderen Worten - don┬┤t worry, be cool

Denn nur wenn dein Kopf frei ist von anderen Problemen, von ├ärger und ├ängsten, kannst du dich unbeschwert deinem Pferd n├Ąhern. Wenn du unter Zeitdruck stehst, oder mental nicht wirklich gut drauf bist, warum auch immer, la├č es sein. Ich meine nat├╝rlich nicht, da├č du dein Pferd in dieser Stimmung nicht sehen sollst. Oh nein, sondern blo├č, da├č du deine schlechte Laune nicht zu deinem Pferd bringen sollst. Schau bei ihm vorbei, begr├╝├če es, sprich ein paar Worte mit ihm; und lade deinen Frust beim Stall ausmisten ab, oder putze erst deine Ausr├╝-stung. Du wirst sehen, wie gut sich das auf eure Freundschaft auswirkt.

Oh, du bist cool! Und du bist gut drauf! Na dann la├č uns doch zu deinem Pferd gehen.

Noch ein Wort, bevor es ernst wird: Spuck deinen Kaugummi aus, steck die Zuckerst├╝ckchen weg und la├č die Karotten bei deinen anderen Sachen, die du nicht zu deinem Pferd mitnimmst.

Kaugummi kauen beruhigt vielleicht dich, mag sein er schmeckt auch gut, aber f├╝r dein Pferd bist du ein Fohlen, das darum bittet, sich n├Ąhern zu d├╝rfen.
Fohlen n├Ąhern sich anderen Pferden, besonders solche, die im Rang h├Âher stehen als die Mut-terstute, heftig kauend. Eine Geste, die besagen soll: Ich bin klein, dumm und unschuldig. Ich mache keinen ├ärger, ich bin blo├č neugierig.
Sobald sie etwas ├Ąlter sind und vorwitzig versuchen ├Ąltere Pferde zum Spielen herauszufordern, oder gar um ihre Rangordnung k├Ąmpfen, lassen sie auch das Kauen.
Mit dem Kaugummi im Mund bist du also nur ein geduldetes Wesen.

Zucker ist ein hochprozentiges Kraftfutter, das ein Pferd bereits in den geringsten Mengen zum Ausrasten bringen kann. Du gibst ihm zur Begr├╝├čung eine Handvoll geballter Energie, bindest es an und erwartest dann, da├č es zum Putzen und Satteln stillsteht?

Okay, w├Ąre nur noch die Karotte als kleiner Leckerbissen, damit es sich freut, wenn du kommst. Eine nette Geste, aber nicht mehr. Viel besser w├Ąre doch eine herzliche Begr├╝├čung. Klopf ihm den Hals, kneif ihm in die M├Ąhne, blase ihm sanft in die N├╝stern; Begr├╝├čung auf Pfer-deart. Und es wird sich freuen wenn du kommst. Sonst freut es sich nur ├╝ber die Karotte, die da kommt, nicht aber ├╝ber dich.

Gibt es sonst noch etwas zu sagen f├╝r den Augenblick?

Ja eine Menge, und zwar zu deinem Pferd. Sprich mit ihm. Nichts ist so faszinierend f├╝r ein Pferd, wie die menschliche Stimme.
Das hei├čt nat├╝rlich nicht, da├č du es in einer Tour bequatschen sollst, sondern erz├Ąhl ihm, wie dein Tag war, sag ihm, was dich bedr├╝ckt und was du toll findest. Sag deinem Pferd, da├č du es toll findest. Nicht etwa, da├č es deine Worte versteht, aber du bringst damit wieder ├╝ber die K├Ârpersprache jede Menge Positives r├╝ber. Au├čerdem hast du damit seine Aufmerksamkeit.

Die m├Âchtest du doch, nicht wahr?


mehr, aber noch l├Ąngst nicht alles gibts unter Hier klicken

die site wird weiter aktualisiert sobald ich wieder zeit hab

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 82
Kommentare: 229
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fredy Daxboeck eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebe Anna

Wenn dich dein Pferd beim Putzen am Bauch beisst, kann dies verschiedene Gr├╝nde haben. Einer davon ist, dass sie kitzlig ist, ein anderer, dass sie weiss, dass noch unangenehmere Dinge wie Sattel drauf, oder Gebiss ins Maul kommen. Denkst du wirklich, dass du deinem Pferd zum Freund wirst, indem du sie b├Âse ansiehst und mit deinem Blick erschreckst. Es ist ja nicht nur dein Blick, der es erschreckt, sondern deine ganze Haltung, deine Einstellung dazu.
Die Liebe eines Pferdes muss sich der Mensch erst verdienen. Geschenkt wird sie ihm nur durch Verstehen.
Falls ich dir weiterhelfen darf, lies nach unter
Hier klicken
noch lange nicht vollst├Ąndig, aber ich beantworte Fragen auch unter madax@gmx.at sowie meine Zeit, und viele Freunde, denen ich helfen darf,es zulassen.
Letztendlich geht es doch um das Wohl unserer Freunde.

in diesem Sinne

nice to see you

Bearbeiten/Löschen    


Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 82
Kommentare: 229
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fredy Daxboeck eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebe Sanne

Ich w├╝rde ja gerne ein Buch daraus machen. Ist auch schon in Arbeit. Sogar der zweite Band mit Titel
"Dein Pferd - Vertrauen ist alles" ist bereits vorbereitet.
Aber mir fehlt leider etwas die Zeit , dies alles zu verwirklichen. Ich komme nicht mal dazu, meine Web-Site weiter zu schreiben.
Falls deine Freundin Probleme mit ihrem Pferd hat, bitte sie mir eine Mail zu senden. Es kann etwas dauern, aber ich werde ihr helfen, so gut ich kann.

Und wie gehts dir? Ich wollte dir noch ein paar Worte senden, zu eines deiner letzten Werke, weil du so traurig geklungen hast. Ich mach┬┤s einfach hier, okay.

ich will nicht tr├Âsten, wo Trost nicht die richtigen Worte findet
aber Verstehen
vielleicht
ich hab hier mal eine Trilogie "verlorenes Herz" reingestellt
unter "Poesie der Liebe"
vielleicht hilft es dir ein wenig
zu verstehen
ich m├Âchte dir aber auch ein paar Gedanken schenken
die mir zur Zeit im Kopf herumgehen
ich muss sie blo├č noch in Worte fassen

obwohl ich fast denke, ich hab dich mit "Sonntag Morgen" ein klein wenig aufgeheitert

bis bald und liebe Gr├╝├če
---------------------
if you want to be happy . . . be

Bearbeiten/Löschen    


Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 82
Kommentare: 229
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fredy Daxboeck eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hi Sanne

Hallo Sanne

ich hab die Antwort in deiner Mailbox hinterlegt. Nicht weil ich nicht m├Âchte, dass jemand anderer mitliest, sondern weil das Thema ein anderes ist und ich dir so pers├Ânlicher antworten kann.

liebe Gr├╝├če

fredy

---------------------
if you want to be happy . . . be

Bearbeiten/Löschen    


Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 82
Kommentare: 229
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fredy Daxboeck eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo Anna,

Als erstes m├Âchte ich noch einmal auf deinen "unangenehmen Blick" zur├╝ckkommen. Dem Pferd, wie ├╝brigens auch allen anderen Tieren, sind deine Augen egal. Das Pferd achtet auf die ganze Ausstrahlung deines Wesens.
Kurz zur Erkl├Ąrung.
Es gibt zwei gro├če Unterteilungen in unserer sch├Ânen Welt. Raubtiere und Fluchttiere. Und damit zwei verschiedene Perspektiven. Wir Menschen geh├Âren zu den Raubtieren. Deswegen f├Ąllt es auch den meisten von uns so schwer, das Pferd zu verstehen.
Es hat ├╝ber Jahrmillionen lernen m├╝ssen, die Zeichen seiner Umwelt zu interpretieren um zu ├╝berleben. Ein Beispiel das vielleicht der Verdeutlichung dient: Eine Herde grast friedlich auf einem gro├čen Weidegebiet. Du durchquerst diese Weide. Du hast nur vor, dich auf der anderen Seite unter einem Baum zu setzen und den Nachmittag zu genie├čen. Die Pferde werden dich beinahe ignorieren. Deine Ausstrahlung "sagt" ihnen, dass jetzt Flucht unsinnig w├Ąre. Reine Energieverschwendung. Es droht keine Gefahr. Okay. Das n├Ąchste Mal kommst du mit Halfter, gut versteckt nat├╝rlich, denn wenn 15 Pferde auf einer 10 ha gro├čen Wiese die Flucht ergreifen, dauert es lange, bis du zum Reiten kommst. Sie laufen nicht weit, nat├╝rlich, denn das w├Ąre wieder Energieverschwendung. Nur grade eben aus deiner Reichweite. Du kommst n├Ąher und sie fl├╝chten wieder. Das Spiel geht so lange, bis sie vollends verschwinden. Um dem Stress, des immer wieder fl├╝chten m├╝ssen, zu entgehen. Du wirst vielleicht einwenden, dass sich dein Pferd nach einigen Versuchen doch fangen l├Ąsst. Gut, dazu komme ich gleich.
Es ist deine Ausstrahlung, deine Erwartungshaltung. Bist du v├Âllig easy, sehen sie in dir keine Gefahr und bleiben. Bist du angespannt und darauf eingestellt eine halbe Stunde herumzulaufen, um dein Pferd zu holen, wenn ├╝berhaupt, fl├╝chten sie.
Resignierst du nach einer Weile, und wirst du dadurch lockerer, bleiben sie wieder. Kommst du des ├Âfteren auf die Weide, einfach um mit ihnen zu quatschen, und gehst dann wieder, sehen sie in dir um so weniger den Feind.
Okay, um wieder zu deinen Augen zur├╝ckzukommen. sie sind f├╝r das Pferd ziemlich unwesentlich. Es ist die message deiner Ausstrahlung, die deinem Pferd sagt "Beiss mich nicht, ich bei├če zur├╝ck". Und so trifft es mit dir einen deal. Du st├Ârst es nicht zu sehr, oder behandelst es nicht schlecht, und er l├Ąsst dich gew├Ąhren. Mit Liebe hat das noch nichts zu tun. Er mag dich nach einer Weile, weil du eine der wenigen bist, die ihn gut behandeln, aber das war┬┤s dann auch schon. Ich m├Âchte dir hier nat├╝rlich nicht absprechen, dass du ihn magst, aber falls du noch nicht die Nase voll hast, von meinen Ideen, werde ich dir einen Weg zeigen, wie du wirklich, trotz allen Umst├Ąnden, die es dir erschweren, einen Weg findest, die Liebe deines Pflegepferdes zu erlangen.
Ich wei├č nat├╝rlich, dass ich oft zu ausf├╝hrlich werde, aber um zu verstehen, muss man erst die Hintergr├╝nde kennen

in diesem Sinne

nice to see you

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!