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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Dem Sonnenuntergang entgegen
Eingestellt am 28. 05. 2003 11:43


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Renee Hawk
???
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Dem Sonnenuntergang entgegen



An manchen Tagen w√ľnsche ich mich weit weg.
So weit, wie mich meine F√ľ√üe tragen k√∂nnten.
Dann w√ľrde ich auf meinem Pferd in Richtung Sonnenuntergang reiten.
Mit Sicherheit w√§re ich dann der ›Lonesome Rider‹ im falschen K√∂rper.
Es wäre mir egal.

Meine Dispute trage ich durch Duelle aus.
Ein weiblicher Revolverheld bin ich.

Geächtet.
Geachtet.
Gef√ľrchtet.
Gefährlich.

Jeder Sheriff zittert vor Angst, wenn er meinen Steckbrief in seinem B√ľro erblickt.
In jedem Saloon bin ich die gefeierte Heldin der Schwachen und Armen.
Jede Zeitung berichtet √ľber meine Duelle und lobt mich in den h√∂chsten T√∂nen.
Gegen Korruption und Sklaverei stelle ich mich und den Verantwortlichen spucke ich ins Gesicht. Auf meine Art und Weise mache ich ihnen deutlich, welche Fehler sie in Wirtschaft und Politik machen. Gegen Großgrundbesitzer und Viehdiebe kämpfe ich und werde unbestechlich meinen Sieg davon tragen.
In einer privaten Angelegenheit allerdings kämpfe ich verbissen um meine Liebe. Es wird Blut fließen.
Jedoch nicht ein Tropfen meines roten Lebenselixiers wird die staubige Strasse ber√ľhren – ich bin schnell, f√ľr meine Rivalin viel zu schnell.
Eine Zeitlang betrachte ich das Spiel zwischen den beiden. Meinem Mann unterbreite ich meinen Missmut. Wahrscheinlich werde ich keinen Erfolg haben, und das Gepl√§nkel zwischen ihnen wird weitergehen. Mit allen Mitteln k√§mpfe ich um seine Liebe und m√∂chte ihn wieder f√ľr mich gewinnen.

Im Spiegel schaut mir mein minderwertiges Ich entgegen.
Bin ich das?
W√ľrde ich nicht sp√§testen jetzt im Stall mein Pferd satteln und in den Sonnenuntergang reiten?
Ich w√ľrde es tun.
Ohne einen Blick zur√ľckzuwerfen w√§re ich noch vor einem Jahr aus seinem Leben geritten und h√§tte ihr mein Mann und ›Lightmountain-City‹ √ľberlassen.
Als Revolverfrau hätte ich damals jämmerlich versagt.
Doch zwölf Monate haben mich verändert.
Eine Entwicklung, die es mir jetzt erleichtert, egoistisch zu sein und mein Leben Selbst zu bestimmen.

Zum größten Duell aller Zeiten fordere ich sie heraus.
Selbstverst√§ndlich als sportlicher Wettkampf getarnt. Und als Siegespr√§mie habe ich dem B√ľrgermeister von ›Lightmountain-City‹ √ľppiges Farmland aus den Rippen geleiert. Dabei habe ich selbstverst√§ndlich nicht vergessen, ihn auf die Vorteile des Tourismusgesch√§ftes hinzuweisen und ihm eine betr√§chtliche Summe versprochen.
Doch meine Rivalin ist anwesend. Sie l√§sst es sich nicht nehmen und nimmt an diesem Spektakel teil. Zwar nicht als Sch√ľtzin, sondern nur als Zuschauerin.
Sie steht in mitten der Menschen.
Durch geschicktes Manipulieren konnte ich sie zum Turnier anmelden und bis zum Finale durchschleusen; ohne das man ihr auch nur ein Haar gekr√ľmmt hat.
Nun schl√§gt die Rathausuhr ›High Noon‹. Und die ›Main Road‹ wird rechts und links von Menschenmassen ges√§umt. Scharfsch√ľtzen besetzen aus Sicherheitsgr√ľnden die Balkone der Bank und des gegen√ľberliegenden Saloons.
Der B√ľrgermeister dreht nerv√∂s seinen schwarzen Zylinder in den H√§nden. Eine ganze Stadt schweigt und beobachtet angespannt jede Bewegung der Duellierenden. Unz√§hlige Augenpaare ruhen auf meiner Revolverhand und zahlreiche M√§nner beneiden mich um meine scheinbare √§u√üerliche Ruhe.
Langsam, wenn ich von Osten her die Hauptstrasse heraufkomme, w√ľhlen sich Staubw√∂lkchen unter meinen Stiefeln empor und benetzen das schwarze Schlangenleder. Bei jedem meiner Schritte schlagen die Sporen metallen in den Sandboden und verk√ľnden Unheil.
In meinem langen braunen Ledermantel schwitze ich, der Hut liegt mir schwer auf dem Kopf, er verdeckt mein Gesicht und verströmt einen intensiven Schweißgeruch.
Nur mit meinen Augen blicke ich √ľber die Zuschauer.
Der B√ľrgermeister wirkt noch nerv√∂ser.
Betty, die Saloonbesitzerin, lächelt mir verständnisvoll zu.
Im Gesicht meines Mannes kann ich Angst erkennen. Er will sich mir in den Weg stellen und macht einen Schritt nach vorn.
Die K√§lte in meinem Blick l√§sst ihn zur√ľckschrecken.
In diesem Augenblick z√§hlt nur mein Sieg √ľber eine Frau, die mir mein Liebstes nehmen will.
Kalt fixieren meine Augen ein zitterndes junges K√ľken mit langen blonden Haaren und zerschlissenen Hosen. Ihren Hut hat sie in den Sand geworfen und auf ihren Lippen liegt ein b√∂sartiges L√§cheln, das nur unzureichend ihre Unsicherheit √ľberspielt.
Ihre Angst kann ich riechen.
Mein Mann legt verbalen Protest ein und will mich zur Aufgabe bewegen.
Doch ich lege meine rechte Hand auf das k√ľhlende Metall meines geladenen Revolvers und einen Augenblick versinke ich in der Sehnsucht nach ehrlicher Liebe, um Kraft zu sammeln.
Die Distanz zwischen ihr und mir wird sich weder verk√ľrzen noch verl√§ngern. Und doch hege ich das Gef√ľhl, als bewege sie sich im Zeitraffer auf mich zu; denn mit einem Mal kann ich mich in ihren Pupillen deutlich erkennen.
Der lange, offene Mantel, der Revolverg√ľrtel, der schwarze Hut.
In diesem Moment schwirren mir tausend Gedanken durch den Kopf und sch√ľrt meinen Hass auf diese schamlose Frau.
Meine Finger wollen sich um den Kolben schließen, nur widerwillig kann ich den richtigen Zeitpunkt abwarten.
Vor meinem inneren Auge tauchen Bilder von Szenarien auf, die ich nicht sehen will. Sie beschreiben das innige Verhältnis zwischen meinem Mann und meiner Nebenbuhlerin. Beide kann ich lachen und scherzen sehen. Selbst ihre vertrauten Gespräche kann ich belauschen, und meine Wut wird immer schmerzlicher.
Es brennt wie Feuer in meinem Herzen.
Kaum mehr zu bremsen und gesteuert von meinem unendlichen Hass, ziehe ich meinen Revolver aus dem Holster und feuere im blinden Rausch das Magazin vollständig auf meine Rivalin ab.
Das blutige Rinnsal auf ihrer Stirn, ihr starrer Todesblick und das langsame Zusammensacken ihres sterbenden Körpers bestätigen meine Treffsicherheit.
Emotional habe ich nicht √ľber sie gesiegt, denn diese Frau ist austauschbar. Wie meine Stiefel oder meinen Hut, den ich auf ihren am Boden liegenden K√∂rper fallen lasse.

Sie ist es nicht wert, auch nur eine Patrone zu verballern. Nein, emotional bringt nur ein Duell zwischen mir und meinem Mann den wahren Sieger hervor.
Doch gegen ihn werde ich niemals antreten.
Letztendlich sattele ich mein treues Pferd und reite gen Sonnenuntergang.

230503

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Gabriel
Guest
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Hallo Renee Hawk!

Na, ich m√∂chte jedenfalls nicht der sein, der dich w√ľtend macht!

Eine schön erzählte Geschichte!
Sie hat mir gefallen, aber nat√ľrlich hat sie mir nicht nur gefallen. ;-))

Siehe meine Vorschläge unten.

Gruß, Gabriel

An manchen Tagen w√ľnsche ich mich weit weg.
So weit, wie mich meine F√ľ√üe tragen k√∂nnten.
Dann w√ľrde ich auf meinem Pferd in Richtung Sonnenuntergang reiten.
Mit Sicherheit w√§re ich dann der ›Lonesome Rider‹ Komma und vielleicht das W√∂rtchen ‚nur‘ dazu im falschen K√∂rper.
Es wäre mir egal.

Meine Dispute trage ich durch Duelle aus.
Ein weiblicher Revolverheld bin ich.

Geächtet.
Geachtet.
Gef√ľrchtet.
Gefährlich.

Jeder Sheriff zittert vor Angst, wenn er meinen Steckbrief in seinem B√ľro erblickt.
In jedem Saloon bin ich die gefeierte Heldin der Schwachen und Armen.
Jede Zeitung berichtet √ľber meine Duelle und lobt mich in den h√∂chsten T√∂nen.
Nur ein Gedanke – w√ľrden die Zeitungen einen steckbrieflich Gesuchten in den h√∂chsten T√∂nen loben?
Gegen Korruption und Sklaverei stelle ich mich Komma und den Verantwortlichen spucke ich ins Gesicht. Auf meine Art und Weise mache ich ihnen deutlich, welche Fehler sie in Wirtschaft und Politik machen. Gegen Gro√ügrundbesitzer und Viehdiebe k√§mpfe ich und werde unbestechlich meinen Sieg davon tragen. Vielleicht: Unbestechlich k√§mpfe ich …
In einer privaten Angelegenheit allerdings kämpfe ich verbissen um meine Liebe. Es wird Blut fließen.
Jedoch nicht ein Tropfen meines roten Lebenselixiers wird die staubige Strasse ber√ľhren – ich bin schnell, Punkt f√ľr meine Rivalin viel zu schnell.
Eine Zeitlang betrachte ich das Spiel zwischen den beiden. Meinem Mann unterbreite kannst du f√ľr ‚unterbreite‘ vielleicht ein anderes Wort finden? ich meinen Missmut. Wahrscheinlich werde ich keinen Erfolg haben, und das Gepl√§nkel zwischen ihnen wird weitergehen. Mit allen Mitteln k√§mpfe ich um seine Liebe und m√∂chte ihn wieder f√ľr mich gewinnen.

Im Spiegel schaut mir mein minderwertiges Ich entgegen.
Bin ich das?
W√ľrde ich nicht sp√§testen jetzt im Stall mein Pferd satteln und in den Sonnenuntergang reiten?
Ich w√ľrde es tun.
Ohne einen Blick zur√ľckzuwerfen w√§re ich noch vor einem Jahr aus seinem Leben geritten und h√§tte ihr meinen Mann und ›Lightmountain-City‹ √ľberlassen.
Als Revolverfrau hätte ich damals jämmerlich versagt.
Doch zwölf Monate haben mich verändert.
Eine Entwicklung, die es mir jetzt erleichtert, egoistisch zu sein und mein Leben Selbst klein zu bestimmen.

Zum größten Duell aller Zeiten fordere ich sie heraus.
Selbstverst√§ndlich als sportlicher Wettkampf getarnt. Und als Siegespr√§mie habe ich dem B√ľrgermeister von ›Lightmountain-City‹ √ľppiges Farmland aus den Rippen geleiert. Dabei habe ich selbstverst√§ndlich Wiederholung nicht vergessen, ihn auf die Vorteile des meinst du vielleicht ‚f√ľr das Tourismusgesch√§ft‘? Tourismusgesch√§ftes hinzuweisen und ihm eine betr√§chtliche Summe versprochen.
Doch meine Rivalin ist anwesend. Sie l√§sst es sich nicht nehmen und nimmt an diesem Spektakel teil. Zwar nicht als Sch√ľtzin, sondern nur als Zuschauerin.
Habe ich das falsch verstanden, oder wird gerade sie herausgefordert?
Sie steht in mitten der Menschen.
Durch geschicktes Manipulieren konnte ich sie zum Turnier anmelden und bis zum Finale durchschleusen; ohne dass man ihr auch nur ein Haar gekr√ľmmt hat.
Nun verstehe ich es noch weniger. Nimmt sie aktiv teil oder ist sie nur Zuschauerin?
Nun schl√§gt die Rathausuhr ›High Noon‹. Und die ›Main Road‹ wird rechts und links von Menschenmassen ges√§umt. Scharfsch√ľtzen besetzen aus Sicherheitsgr√ľnden die Balkone der Bank und des gegen√ľberliegenden Saloons.
Der B√ľrgermeister dreht nerv√∂s seinen schwarzen Zylinder in den H√§nden. Eine ganze Stadt schweigt und beobachtet angespannt jede Bewegung der Duellierenden. Unz√§hlige Augenpaare ruhen auf meiner Revolverhand und zahlreiche M√§nner beneiden mich um meine scheinbare √§u√üerliche Ruhe. Das eine birgt das andere in sich. Wenn die Ruhe ‚nur √§u√üerlich‘ ist, dann ist sie nur ‚scheinbar‘
Langsam, wenn als ich von Osten her die Hauptstrasse heraufkomme, w√ľhlen sich Staubw√∂lkchen unter meinen Stiefeln empor und benetzen das schwarze Schlangenleder. Staub, der ‚benetzt‘ – da will sich bei mir kein rechtes Bild einstellen Bei jedem meiner Schritte schlagen die Sporen metallen in den Sandboden und verk√ľnden Unheil.
In meinem langenKomma braunen Ledermantel schwitze ich, der Hut liegt mir schwer auf dem Kopf, er verdeckt mein Gesicht und verströmt einen intensiven Schweißgeruch.
Nur mit meinen Augen blicke ich √ľber die Zuschauer. Womit auch sonst?
Der B√ľrgermeister wirkt noch nerv√∂ser.
Betty, die Saloonbesitzerin, lächelt mir verständnisvoll zu.
Im Gesicht meines Mannes kann ich Angst erkennen. Er will sich mir in den Weg stellen und macht einen Schritt nach vorn.
Die K√§lte in meinem Blick l√§sst ihn zur√ľckschrecken.
In diesem Augenblick z√§hlt nur mein Sieg √ľber eine Frau, die mir mein Liebstes nehmen will.
Kalt fixieren meine Augen ein zitterndes junges K√ľken mit langen Komma blonden Haaren und zerschlissenen Hosen. Ihren Hut hat sie in den Sand geworfen und auf ihren Lippen liegt ein b√∂sartiges L√§cheln, das nur unzureichend ihre Unsicherheit √ľberspielt.
Ihre Angst kann ich riechen.
Mein Mann legt verbalen Protest ein und will mich zur Aufgabe bewegen.
Doch ich lege meine rechte Hand auf das k√ľhlende Metall meines geladenen Revolvers und einen Augenblick versinke ich in der Sehnsucht nach ehrlicher Liebe, um Kraft zu sammeln.
Die Distanz zwischen ihr und mir wird sich weder verk√ľrzen noch verl√§ngern. Und doch hege habe ich das Gef√ľhl, als bewege sie sich im Zeitraffer auf mich zu; denn mit einem Mal kann ich mich in ihren Pupillen deutlich erkennen.
Der lange, offene Mantel, der Revolverg√ľrtel, der schwarze Hut.
In diesem Moment schwirren mir tausend Gedanken durch den Kopf und sch√ľrten meinen Hass auf diese schamlose Frau.
Meine Finger wollen sich um den Kolben schließen, nur widerwillig kann ich den richtigen Zeitpunkt abwarten.
Vor meinem inneren Auge tauchen Bilder von Szenarien auf, die ich nicht sehen will. Sie beschreiben das innige Verhältnis zwischen meinem Mann und meiner Nebenbuhlerin. Beide kann ich lachen und scherzen sehen. Selbst ihre vertrauten Gespräche kann ich belauschen, und meine Wut wird immer schmerzlicher.
Es brennt wie Feuer in meinem Herzen.
Kaum mehr zu bremsen und gesteuert von meinem unendlichen Hass, ziehe ich meinen Revolver aus dem Holster und feuere im blinden Rausch das Magazin vollständig auf meine Rivalin ab.
Das blutige Rinnsal auf ihrer Stirn, ihr starrer Todesblick und das langsame Zusammensacken ihres sterbenden Körpers bestätigen meine Treffsicherheit.
Emotional habe ich nicht √ľber sie gesiegt, denn diese Frau ist austauschbar. Wie meine Stiefel oder meinen Hut, den ich auf ihren am Boden liegenden K√∂rper fallen lasse.

Sie ist es nicht wert, auch nur eine Patrone zu verballern.
Sie ‚war‘ es nicht wert, denn die Patronen sind schon verballert.
Nein, emotional bringt nur ein Duell zwischen mir und meinem Mann den wahren Sieger hervor.
Doch gegen ihn werde ich niemals antreten.
Letztendlich sattele ich mein treues Pferd und reite gen Sonnenuntergang.



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Renee Hawk
???
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Hallo Gabriel,

vielen Dank f√ľr deine Feinarbeit. Sie ist mir sehr n√ľtzlich und findet ihre Umsetzung.
Sie ist es nicht wert, auch nur ein Patrone zu verballern, weil die Geschichte urspr√ľnglich im Konjuktiv geschrieben wurde und dieser letzte Absatz als Resumet seine Berechtigung fand.
Scheinbar bin ich doch mit den Zeiten durchgew√ľhlt worden, dass werde ich ebenfalls √§ndern.
Ja, die Rivalin wird durch Manipulation der Revolerheldin zur Akteurin. Ist wohl doch nicht so einleuchtend gewesen - daran wird auch noch gefeilt.
Meine Freundin sa√ü neben mir und sagte ebenfalls zu mir: Staub kann Stiefel nicht benetzen. Daraufhin fragte ich sie, ob sie schon einmal mit schwarzen Cowboystiefeln √ľber eine Sandstrasse gelaufen ist. Des√∂fteren w√§re sie durch Staub gelaufen. Ich fragte sie, wie ihre Schuhe danauch ausgesehen haben. Geantwortet hat sie: Das Leder war vom Staub benetzt - anschlie√üend haben wir uns kaputt gelacht √ľber benetze Stiefel.
Wahrscheinlich werde ich die Stiefel einfach einstauben lassen
Wie nennt man Geschichten, deren Basis die Quintessenz einer geleben Episode ist? Gibt es daf√ľr √ľberhaupt eine Bezeichnung?

fragende Gr√ľ√üe sendet
Reneè

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flammarion
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hm,

super geschichte. sowohl im gr√ľn des spreewaldes als auch auf dem gr√ľn der lupe.
ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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Renee Hawk
???
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Hallo Flammi,

es freut mich wirklich sehr, dass dir die Geschichte trotz meines (fast) Stimmenversagens am Samstag gefallen hat.
Es war f√ľr mich nicht wirklich einfach diese Story vorzulesen.

Danke f√ľr dein dickes Lob.

liebe Gr√ľ√üe
Reneè

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Klabautermann
???
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An manchen Tagen w√ľnsche ich mich weit weg.
So weit, wie mich meine F√ľ√üe tragen k√∂nnten.
Dann w√ľrde ich auf meinem Pferd in Richtung Sonnenuntergang reiten. zuerst schreibst Du von F√ľ√üen, dann vom Reiten. W√ľrde vielleichtim selben Bild bleiben
Mit Sicherheit w√§re ich dann der ›Lonesome Rider‹ im falschen K√∂rper.
Es wäre mir egal.

Meine Dispute trage ich durch Duelle aus.
Ein weiblicher Revolverheld bin ich.

Geächtet.
Geachtet.
Gef√ľrchtet.
Gefährlich.

Jeder Sheriff zittert vor Angst, wenn er meinen Steckbrief in seinem B√ľro erblickt."erblickt" klingt wenig dramatisch. Vielleicht, wenn er in sein B√ľro geheftet, geschlagen etc. wird.
In jedem Saloon bin ich die gefeierte Heldin der Schwachen und Armen.
Jede Zeitung berichtet √ľber meine Duelle und lobt mich in den h√∂chsten T√∂nen.
Gegen Korruption und Sklaverei stelle ich mich und den Verantwortlichen spucke ich ins Gesicht. Auf meine Art und Weise mache ich ihnen deutlich, welche Fehler sie in Wirtschaft und Politik machen. w√ľrde in diesem Zusammenhang weniger von "Wirtschaft" sprechen, eher vielleicht von Handel Gegen Gro√ügrundbesitzer und Viehdiebe k√§mpfe ich und werde unbestechlich meinen Sieg davon tragen.
In einer privaten Angelegenheit allerdings kämpfe ich verbissen um meine Liebe. Es wird Blut fließen.
Jedoch nicht ein Tropfen meines roten Lebenselixiers wird die staubige Strasse ber√ľhren – ich bin schnell, f√ľr meine Rivalin viel zu schnell.
Eine Zeitlang betrachte w√§re hier nicht eher die Vergangenheit angebracht? Sie betrachtete es ja, dann erst handelte sie ich das Spiel zwischen den beiden. Meinem Mann unterbreite ich meinen Missmut. Wahrscheinlich werde ich keinen Erfolg haben, und das Gepl√§nkel zwischen ihnen wird weitergehen. Mit allen Mitteln k√§mpfe ich um seine Liebe und m√∂chte ihn wieder f√ľr mich gewinnen.

Im Spiegel schaut mir mein minderwertiges Ich was macht es denn minderwertig? Vorher wird nur gelobt, es strotzt von Selbstbewusstsein... welch ein Sinneswandel entgegen.
Bin ich das?
W√ľrde ich nicht sp√§testen jetzt im Stall mein Pferd satteln und in den Sonnenuntergang reiten?
Ich w√ľrde es tun.
Ohne einen Blick zur√ľckzuwerfen w√§re ich noch vor einem Jahr aus seinem Leben geritten und h√§tte ihr meinen Mann und ›Lightmountain-City‹ √ľberlassen.
Als Revolverfrau hätte ich damals jämmerlich versagt.
Doch zwölf Monate haben mich verändert.
Eine Entwicklung, die es mir jetzt erleichtert, egoistisch zu sein und mein Leben selbst zu bestimmen.

Zum größten Duell aller Zeiten fordere ich sie heraus.
Selbstverst√§ndlich als sportlicher Wettkampf getarnt. Und als Siegespr√§mie habe ich dem B√ľrgermeister von ›Lightmountain-City‹ √ľppiges Farmland aus den Rippen geleiert. Dabei habe ich selbstverst√§ndlich nicht vergessen, ihn auf die Vorteile des Tourismusgesch√§ftes [bue]zu welcher Zeit spielt denn die Geschichte? Tourismus gab es im wilden Westen eigentlich wenig. hinzuweisen und ihm eine betr√§chtliche Summe versprochen.
Doch meine Rivalin ist anwesend. Sie l√§sst es sich nicht nehmen und nimmt an diesem Spektakel teil. Zwar nicht als Sch√ľtzin, aber--> nach zwar kommt das Aber nur als Zuschauerin.
Sie steht inmitten der Menschen.w√ľrde sie lieber auf einer der Trib√ľnen sitzen lassen, w√ľrde dem ganzen mehr R√§umlichkeit geben
Durch geschicktes Manipulieren konnte ich sie zum Turnier anmelden und bis zum Finale durchschleusen; ohne das man ihr auch nur ein Haar gekr√ľmmt hat. wie nun, nimmt sie als Zuschauer teil, oder tats√§chlich als K√§mpferin?
Nun schl√§gt die Rathausuhr ›High Noon‹. Und die ›Main Road‹ wird rechts und links von Menschenmassen ges√§umt. Scharfsch√ľtzen besetzen aus Sicherheitsgr√ľnden die Balkone der Bank und des gegen√ľberliegenden Saloons. gab es damals "scharfsch√ľtzen?" doch eher Colt schwingende M√§nner oder?
Der B√ľrgermeister dreht nerv√∂s seinen schwarzen Zylinder in den H√§nden. Eine ganze Stadt schweigt und beobachtet angespannt jede Bewegung der Duellierenden. Unz√§hlige Augenpaare ruhen auf meiner Revolverhand und zahlreiche M√§nner beneiden mich um meine scheinbare √§u√üerliche Ruhe.
Langsam, wenn ich von Osten her die Hauptstrasse heraufkomme, w√ľhlen sich Staubw√∂lkchen unter meinen Stiefeln empor und benetzen das schwarze Schlangenleder. Bei jedem meiner Schritte schlagen die Sporen mit metallenem Klirren in den Sandboden und verk√ľnden Unheil.
In meinem langen braunen Ledermantel schwitze ich, der Hut liegt mir schwer auf dem Kopf, er verdeckt mein Gesicht und verströmt einen intensiven Schweißgeruch.
Nur mit meinen Augen blicke ich √ľber die Zuschauer.
Der B√ľrgermeister wirkt noch nerv√∂ser.
Betty, die Saloonbesitzerin, lächelt mir verständnisvoll zu.
Im Gesicht meines Mannes kann ich Angst erkennen. Er will sich mir in den Weg stellen und macht einen Schritt nach vorn.
Die K√§lte in meinem Blick l√§sst ihn zur√ľckschrecken. sch√∂n geschildert, die Entschlossenheit
In diesem Augenblick z√§hlt nur mein Sieg √ľber eine Frau, die mir mein Liebstes nehmen will.
Kalt fixieren meine Augen ein zitterndes junges K√ľken mit langen blonden Haaren und zerschlissenen Hosen. Ihren Hut hat sie in den Sand geworfen und auf ihren Lippen liegt ein b√∂sartiges L√§cheln, das nur unzureichend ihre Unsicherheit √ľberspielt.
Ihre Angst kann ich riechen.
Mein Mann legt verbalen Protest ein und will mich zur Aufgabe bewegen.
Doch ich lege meine rechte Hand auf das k√ľhlende Metall meines geladenen Revolvers und einen Augenblick versinke ich in der Sehnsucht nach ehrlicher Liebe, um Kraft zu sammeln.
Die Distanz zwischen ihr und mir wird sich weder verk√ľrzen noch verl√§ngern. Und doch hege ich das Gef√ľhl, als bewege sie sich im Zeitraffer auf mich zu; denn mit einem Mal kann ich mich in ihren Pupillen deutlich erkennen.
Der lange, offene Mantel, der Revolverg√ľrtel, der schwarze Hut.
In diesem Moment schwirren mir tausend Gedanken durch den Kopf und sch√ľren meinen Hass auf diese schamlose Frau. du k√∂nntest in einem Nebensatz noch erw√§hnen, was so schamlos ist an ihr.
Meine Finger wollen sich um den Kolben schließen, nur widerwillig kann ich den richtigen Zeitpunkt abwarten.
Vor meinem inneren Auge tauchen Bilder von Szenarien auf, die ich nicht sehen will. Sie beschreiben das innige Verhältnis zwischen meinem Mann und meiner Nebenbuhlerin. Beide kann ich lachen und scherzen sehen. Selbst ihre vertrauten Gespräche kann ich belauschen, und meine Wut wird immer schmerzlicher.
Es brennt wie Feuer in meinem Herzen.
Kaum mehr zu bremsen und gesteuert von meinem unendlichen Hass, ziehe ich meinen Revolver aus dem Holster und feuere im blinden Rausch das Magazin vollständig auf meine Rivalin ab.
Das blutige Rinnsal auf ihrer Stirn, ihr starrer Todesblick und das langsame Zusammensacken ihres sterbenden Körpers bestätigen meine Treffsicherheit.
Emotional habe ich nicht √ľber sie gesiegt, denn diese Frau ist austauschbar. Wie meine Stiefel oder mein Hut, den ich mit einem Blick auf ihren am Boden liegenden K√∂rper fallen lasse.

Sie ist es nicht wert, auch nur eine Patrone zu verballern. Nein, emotional bringt nur ein Duell zwischen mir und meinem Mann den wahren Sieger hervor.
Doch gegen ihn werde ich niemals antreten.
Letztendlich sattele ich mein treues Pferd und reite gen Sonnenuntergang.

liebe(r) Renee, Deine Geschichte gef√§llt mir gut, zeigt sie doch die traurige Erkenntnis, dass man gegen die Liebe nicht mit dem Verstand, sondern nur mit dem Herzen wirklich ankommen kann. Sie zeigt auch, dass letzen Endes dennoch der Verstand √ľber das Herz siegen wird.
Mit der Erz√§hlzeit bin ich mir nicht ganz sicher, ob das vom Ablauf alles so passt. Manche Dinge beschreibst du im Pr√§sens, doch durch den Ablauf m√ľssten sie in der Vergangenheit stehen. Gerade das Duell, bzw. die sich zuvor ereignenden Dinge m√ľssten in Bezug auf das Ende eher in der Vergangenheit stehen, obwohl man nat√ľrlich dennoch eine Geschichte im Pr√§sens (be)schreiben kann.


versteh es nur als Vorschläge, wie immer.

einen lieben Gruß
schickt Dir
Klabautermann

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