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Leselupe.de > Humor und Satire
Dem Tod ins Auge geblickt
Eingestellt am 01. 11. 2003 21:02


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Rumpelsstilzchen
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Zugegeben, er ist keine Leuchte. Und mit seinen Beatles geht mir Walther auch manchmal auf den Wecker.
Gestern zum Beispiel.
Ich w├Ąre ja sowieso lieber zuhause geblieben und h├Ątte mir bei einem Bierchen das Spiel angesehen.
Aber Walther ist da sehr stur.

Martin, sagt er immer, wo ich hingehe, sollst du auch hingehen.

Meistens sind unsere Ausfl├╝ge eher langweilig und ich verschlafe die halbe Zeit. Au├čer
nat├╝rlich, wenn wir ins Stadion oder auf ein Bier gehen.

Gestern ging es in den Waschsalon.

Mir schwante schon ├ťbles, als Walther im Geleitschutz der yellow submarine hinter der Couch nach seinen dreckigen Socken tauchte. Mit zwei prall gef├╝llten Aldi-T├╝ten und dem umgeh├Ąngten Walkman kam er schlie├člich zu mir.

"Martin", sagte er, "BVB hin, BVB her, wir m├╝ssen waschen."

Und: "Wo ich hin gehe, sollst auch du hin gehen."

Sein fester Griff lie├č keinen Widerstand zu, aber wenigstens schaltete er den Rekorder ein. Ich hoffte nur, dass er die Programmierung hinbekommen und die Kassette richtig eingelegt hatte.

Es kam schlimmer als erwartet. Ich bin mir jetzt noch nicht im klaren, ob Walther das Bier vergessen hatte, weil er in einer Seinskrise steckte oder umgekehrt.
Jedenfalls sa├č er vor seiner Waschmaschine, schaukelte im Gleichtakt mit der F├╝llung und summte melodisch wie eine Schmei├čfliege am K├╝chenfenster zum ohrgest├Âpselten 'let it be'.

Nach dem Vorwaschgang hatte ich die Ohren voll.
Ich l├Âste mich vorsichtig von Walther und schlich unbemerkt in eine Nische zwischen zwei Automaten. Wenn es schon kein Bier gab, wollte ich wenigstens ein Nickerchen ohne Pilzk├Âpfe. Die Maschine neben mir brummte beruhigend unmusikalisch, so dass ich mich darauf konzentrieren konnte, die kalten Fliesen einigerma├čen auf K├Ârpertemperatur zu bringen.

Als die T├╝r aufging.
Ein Paar Heels st├Âckelten in die gute Stube.
Die Beine fingen den Blick mit Netzstr├╝mpfen, an denen die Augen ganz von selbst unter den etwas breit geratenen G├╝rtel kletterten. Dort - mein Gott, Walther - blanke Grotte!

Aber der kriegte mal wieder nichts mit.
Starrte nur in seine Trommel und schmiss sich stur gegen Scheiben.

Ich konzentrierte mich ganz doll: Walther, guck mal diese Bubus, ist doch genau dein Typ!
Lachen Sie nicht, manchmal funktioniert es tats├Ąchlich. Jedenfalls, wenn es um Bier oder BVB geht.

Keine Reaktion.

Diskret folgte ich den eindrucksvollen H├╝ftschw├╝ngen in die zweite Automatenreihe. Blutrot bekrallte Fingerspitzen sch├╝ttelten appetitanregend zarte Nichtse, ehe sie die Maschine mit den scharfen H├Ąppchen f├╝tterten. Als sie die Klappe schloss, lief auch prompt Wasser ein. Der Waschknecht bedankte sich artig vibrierend unter ihren benetzten Backen. Good Vibrations, wie die Nippel im prallen Top bohrten.
Schwarze Seide flog ├╝ber die Schulter, entschleierte gr├╝ne Katzenaugen: Jagdblick.
Walther!!!

"Ist die Maschine noch frei?" Nieten-Klaus. Schwarz geledert vom Stiefel bis zum Hut, aus dem er sich gezaubert haben musste.

"Ich habe niemanden einsteigen sehen," perlte es rauchblau von Auberginelippen.

Klaus sah nicht nur in der Trommel nach.

"Sieht verlassen aus, " grinste er ein├Ąugig zweideutig zur Lady hoch.

"Ich geb' ihr mal 'ne Ladung." Warf ein und schwang sich auf.

"Klaus." Schob den Hut in den Nacken, um das kleine Schwarze in Szene zu setzen.

"Inge." Gr├╝ne Blicke fl├╝chteten vergeblich zu den Silbernieten seiner Weste.

"Stahltrosse, auf 'ner Bohrinsel im Golf von Mexiko." Klaus l├╝pfte l├Ąssig die Klappe.

L├╝gner! Walther hat mir erz├Ąhlt, wie du dich im Suff in einem Kleiderst├Ąnder verrannt hast.
Verdammt Walther, komm endlich zu Dir! Du verschleuderst Dich an eine Waschmaschine und hier wogt das pralle Leben in K├Ârbchengr├Â├če C!

Abermals blieb mein telepathischer Appell ohne Wirkung. Hilflos musste ich ihren faszinierten Schauder mit ansehen, als Klaus den St├Ąnder mit einem Hurrikan durch die Luft wirbelte und seinem besten Freund, den er zuvor unter Lebensgefahr aus tosender See geborgen hatte, den Kopf abschlug, bevor er sich mit der Sturmpeitsche ent├Ąugte.
Zeigte ihr sein Glasauge, das er aber selten tr├╝ge, wie er betonte, da sei der Blick so starr.

"Willst du mal sehen?"

Sie fixierte die kunstvoll gestrahlte Iris in ihrer Hand.

"Es ist braun."

"Pedro hatte braune Augen."

Grauer M├Ąnnerschmerz schimmerte scheinheilig und heftig bewegt von seiner Erz├Ąhlung griff Klaus nach dem Erinnerungsst├╝ck.

"Au! Schei├če, du Idiot, Du hast mir den Nagel abgebrochen!" Verzweifelt versuchte sie ihn wieder anzulutschen.

"Mein Auge, verdammt! Du bl├Âde Kuh! Hast Du eine Ahnung, was so ein Teil kostet?" Und hechtete hinterher. Direkt in meine Nische.

Das Grauen in seinem Blick war echt, als er mich sah: " Eine Ratte!"

Undankbares Arschloch. Nur meiner sturzmildernden Anwesenheit zur rechten Zeit am rechten Ort verdankte dieser halbblinde Blender, dass sein Kleinod unversehrt zwischen uns lag! Muss man sich da als Ungeziefer beschimpfen lassen?

"Siehst du da unten irgendwo meinen Nagel?"

"Halt mal die Klappe!" Klaus versuchte mich zu hypnotisieren. Millimeterweise schlich seine Hand zu dem unbeteiligt daliegenden Braunauge. Ich knurrte. Die Hand zuckte zur├╝ck. Tauchte in eine Westentasche. Tauchte wieder auf.

"Ich kriege dich, du Mistvieh."

Eine Klinge sprang mir entgegen, fuchtelte mich in die Ecke.
Walther!!!
Ich machte mich flach, versuchte auszubrechen. Stahl klirrte vor mir auf die Fliesen. Schleuderte mich volle Breitseite zur├╝ck. Ich knallte gegen die Wand, wo ich benommen liegen blieb. Klaus holte triumphierend zum Todessto├č aus.
LebÔÇÖ wohl Walther.

Pl├Âtzlich k├╝sste Nieten-Klaus die Fliesen. Wie die Eskimos, mit der Nase.

"Ich mach' dich platt, wenn du dich an meinem Hamster vergreifst!" Vor lauter Leidenschaft g├Ânnte Walther ihm gleich noch einen Kuss.

"Ist da zuf├Ąllig ein roter Fingernagel?"

Nun guck nicht so gierig, einschlagen kannst du erst, wenn du den Nagel gefunden hast! Manchmal ist er ein bisschen langsam.
Das gute St├╝ck drohte schon in der gro├čz├╝gigen Blutspende von Klaus Plattnase zu versinken, bis Walther endlich seine Sehstiele von den C-Waffen auf den Boden schwenkte.

"Oh danke," hauchte sie und hielt die Kralle an das entwaffnete Glied, ihre Nasenfl├╝gel bebten schon wieder im Beuteduft. "Wie kriege ich den blo├č wieder dran?"

"Zuhause habe ich Sekundenkleber," Walther setzte mich in seine Hemdtasche. ÔÇ×Magst du Beatles?

Mein Walther!!!



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Ich glaube
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Parsifal
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Hallo Rumpelstilzchen,

ich habe Deine Story mit Vergn├╝gen gelesen; erinnert mich ein bi├čchen an Bukowski. Mach uns die Freude und schreib noch mehr in der Art, das ist erfrischend bei all dem Pseudo-Tiefsinn.

Herzlichst
Parsifal

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Schakim

Wird mal Schriftsteller

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Hallo, Rumpelstilzchen!

Oberwitzig geschrieben, kann ich nur sagen! Ich schliesse mich dem Kommentar von Parsifal an.

VG
Schakim
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┬ž┬ž┬ž> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim Aufbl├╝hen <┬ž┬ž┬ž

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Rumpelsstilzchen
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Wie sch├Ân, dass es plaisiert!

War mein Beitrag f├╝r den Oktoberwettbewerb auf meinem Heimatplaneten, gab den Dritten.

Gebt Ihr mir auch mein zweites 's' wieder? Da h├Ąng' ich dran, war ein pers├Ânliches Geschenk unserer Prinzessin.


Verzog sich, bis er unkenntlich war
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flammarion
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ich

hab da mal ne frage, die mit deiner geschichte wenig zu tun hat. ich hoffe, du verzeihst mir. aber ich lese in der lupe immer wieder etwas ├╝ber bykowski, den ich nicht kenne. was gibt der typ seinen lesern? womit beeindruckt er? fragend guckt
__________________
Old Icke

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Parsifal
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Hallo flammarion,

Charles Bukowski, der 1994 gestorben ist, war der f├╝hrende Vertreter der sozialkritisch-subversiven Underdog-Literatur, der in drastischer Sprache das Leben der Verlierertypen in Amerika schildert. Nicht nur Henry Miller geh├Ârte zu seinen erkl├Ąrten Bewunderern (ÔÇ×Jede Zeile von Bukowski ist infiziert vom Terror des amerikanischen AlptraumsÔÇŁ): Jean Genet nannte ihn den ÔÇ×st├Ąrksten Dichter AmerikasÔÇŁ. Wenn Du Henry Miller magst, wirst Du auch Bukowski m├Âgen.

L G
Parsifal

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flammarion
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hm,

leider kenne ich auch herrn miller nicht. ich wei├č nur, dass ich texte, die von bukowski stammten k├Ânnten (nach eurem daf├╝rhalten) bisher stets als absto├čend und widerw├Ąrtig empfunden habe.
__________________
Old Icke

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