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Leselupe.de > Kurzprosa
Demosthenes
Eingestellt am 29. 09. 2010 19:58


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sekers
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Registriert: Feb 2003

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Wir kennen Demosthenes. Er war sehr bemüht, sehr bestrebt und beim Sprechen sehr leise und praktisch unverständlich. Er brachte fertig, was nur wenigen gelingt: stottern und gleichzeitig nuscheln.

Es ist unklar, wie Demosthenes heiraten konnte und auch, ob seine Frau den Antrag überhaupt verstanden hatte. Wahrscheinlicher war wohl ein Missverständnis. Und weil sie beide schon ein bisschen überzeitig waren, gaben sie vor, alles wäre eh so gemeint, widersprachen in den entscheidenden Sekunden nicht und es kam zur Vermählung. In der Kirche, das war nachweislich, hatte er kein Ja herausgebracht. Aber der Pfarrer war gnädig und tat, als ob er etwas gehört hätte.

Demosthenes wusste um seine kleinen Schwächen beim Sprechen. Und er unternahm viel dagegen, und seine Frau unterstützte ihn dabei.

Sie akzeptierte, dass er früh am Morgen schon und spät am Abend noch das Haus verließ. Er ging an den Strand und übte das Sprechen. Sie verstand, dass er das Küssen einstellte. Seine Mundpartie schmerzte von den vielen kleinen Verletzungen durch die Kieselsteine, die er bei den Übungen wie einen Bonbonsersatz verwendet. Sie vermisste das Küssen auch nicht sonderlich, roch es aus seinem Mund doch einigermaßen nach Seetang.

Er hielt Brandreden am Strand und beschimpfte die Gischt. Und wenn dabei Teile der Zähne heraus brachen, weil die Kieselsteine zu hart gegen den Schmelz schlugen, und die Zahnfragmente mit der Zeit ausschauten wie Plättchen aus einem Bergkristall geschnitten, nahm er das in Kauf.

Demosthenes praktizierte die Übungen über Jahre. Seine Zähne gingen mit der Zeit gänzlich verlustig, auf seiner Zunge hatte sich eine grünliche Hornhaut gebildet und an der Wangenschleimhaut wucherte der Seetang. Doch sein Stottern, das Nuscheln und auch die leise Stimme blieben unverändert wie die Gischt, die all seine Bemühungen mit verächtlichem wiewohl gleichbleibenden Rauschen quittierte.

Demosthenes wurde zum Sozialfall, doch er hielt an seinen Ăśbungen fest. Er dehnte sie sogar noch aus, nachdem ihn seine Frau verlassen hatte, denn er musste nun keine RĂĽcksicht mehr nehmen. Nicht mehr nur morgens und abends, auch zu Mittag, am Vormittag, am Nachmittag ging er an den Strand. Jeder in der Stadt kannte ihn und keiner wollte mit ihm tauschen. Man begann ihn zu meiden.

Die Vögel am Strand hatten sich indessen an seine Anwesenheit gewöhnt, sie wurden immer zutraulicher. Es ging so weit, dass eines Tages eine Möwe ihm den Kieselstein, den er gerade in den Mund stecken wollte, aus der Hand pickte.

Da schaute er die Möwe zornig an, und schrie: nein!

Und weil es so gut funktionierte, gleich noch einmal: nein!

Zweimal hintereinander hatte er nicht gestottert.

Er versuchte es – noch lauter – mit einem schwierigeren Wort: unerhört!

Und dann: Du verdammter Vogel!

Ein Satz, drei Wörter, sieben Silben. Und keine zusätzlich!

Demosthenes ging zurück in die Stadt. Er kaufte sich ein Gebiss, ging zu seiner Ex und bat sie, zu ihm zurückzukommen. Daraufhin trat er vors Rathaus, und hielt eine zwölfstündige Rede, welche die zuhörende Schar, die immer größer wurde, begeisterte.

Er wurde BĂĽrgermeister.

Die Möwe bekam ein Denkmal.

Version vom 29. 09. 2010 19:58
Version vom 30. 09. 2010 01:10

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo sekers,

zunächst: gern gelesen

danach: ???

Ideen:

quote:
Es ist unklar, wie Demosthenes heiraten hatte können, vor allem, ob seine Frau den Antrag überhaupt verstanden haben konnte. Wahrscheinlich handelte es sich um ein Missverständnis.

Da es mit dem „Es“ ja noch immer (auch in der Gegenwart) unklar ist, bräuchte es m.M.n. nicht das „konnte“ am Satzende. Außerdem liest sich (für mich) das „heiraten hatte können“ i-wie unrund. Vielleicht besser sowas wie:
Es ist unklar, wie Demosthenes heiraten konnte und auch, ob seine Frau den Antrag überhaupt verstanden hatte. Wahrscheinlicher war wohl ein Missverständnis ....



quote:
Seine Mundpartie schmerzte von den vielen kleinen Verletzungen durch die Kieselsteine, die er bei den Ăśbungen wie einen Bonbonsersatz verwendet. Sie vermisst das KĂĽssen auch nicht sonderlich, hatte er doch recht frĂĽh nach Seetang zu stinken begonnen.

Hier wird die bisherige Vergangenheitsform mit dem Präsens vermischt. Gewollt?

Der Rest der Geschichte ist (für mich – sehr wohl bemerkt) einfach Schrott, aber dennoch wunderbar komisch. (Für mich – wohl bemerkt) ergeben die Absätze im weiteren Textverlauf keinen Sinn, auch die Handlung ist (für mich) fragwürdig, jedenfalls ohne weitergehende und definierende tiefenpsychologische Fachinterpretation.
Ein typischer „sekers“, den ich sehr gern lese und dessen „Zentrifugalkräfte“ in der Biography dringend ein „n“ benötigen würden =)

Wunderbar seltsamer – und dennoch gleichwohl komischer – Text!!!!!!!


LG, KaGeb

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