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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Dendrocopos
Eingestellt am 08. 03. 2018 21:06


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Matthias Auwald
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2017

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Dendrocopos

Das Quecksilber zeigte minus vier, als ich mich auf den Weg machte. Hier, einige hundert Meter höher, scheint mir die Temperatur noch weiter gesunken zu sein. Meine rote Nasenspitze, die gefrorenen Wassertropfen in meinem Bart und das fehlende GefĂŒhl in meinen Fingern dienen mir als Beweis meiner Vermutung. Der Boden ist gefroren, was mir das Fortkommen auf schmalen Wegen und Waldgrund erleichtert. Ich marschiere, mal vertrĂ€umt ruhig, mal militĂ€risch straff. Passe meine Gangart dem unwegsamen GelĂ€nde an. Unter meinen FĂŒĂŸen knirscht es. Die Luft ist klar. Jeder Atemzug erfĂŒllt mich mit neuem Leben. Und erfrischt mich umso mehr, da ich weiß, dass dieser Genuss nicht von Dauer sein wird. An manchen Stellen fiel der Schnee durch die Wipfel und bildet dem Waldboden hier und da eine schĂŒtzende Decke. Auf den breiteren Wegen, welche alle drei-, vierhundert Meter den Forst durchziehen, ist er durch Landmaschinen festgefahren und auch wenn ich weiß, dass ich hier kaum einer Seele begegnen werde, so meide ich diese Pfade trotzdem, so gut es eben geht. Ich bin auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Nur fĂŒr einen kurzen Moment versuche ich der Zivilisation zu entfliehen. Der Winter schien mir schon immer die passendste aller Jahreszeiten zu sein, um Berge und WĂ€lder zu erkunden, da sich nun die Zahl der Besucher auf ein Minimum begrenzt hĂ€lt. Spuren von Menschen sieht man kaum. Nur die Spuren der Waldbewohner erzĂ€hlen dem geĂŒbten Beobachter Geschichten.

Ich denke an die Zeiten zurĂŒck, als mein Großvater mich mit in den Wald nahm und wir Rehe und FĂŒchse, seltener Wildschweine und allerlei anderes Getier zu Gesicht bekamen. Dick eingepackt lief ich ihm hinterher und hatte große MĂŒhe meinen Mund zu halten, denn wir wollten so unauffĂ€llig wie möglich sein. Er ging schweigsam voran und sprach nur selten, um mich zur Stille zu ermahnen oder mir unsere Beobachtungen zu erklĂ€ren. Spuren und Losungen wurden ausgewertet und so lernte ich jedes Mal etwas dazu. Immer hatten wir unsere alten RucksĂ€cke prall gefĂŒllt mit Äpfeln und Maiskolben, die wir an passenden Stellen verstreuten um den Tieren in dieser beschwerlichen Zeit zu helfen. Es war nicht nur das VerstĂ€ndnis der biologischen VorgĂ€nge welches er mir lehrte, sondern vielmehr ein großer Respekt und tiefe Verbundenheit mit der Natur.

Heute fĂ€llt mir das Schweigen nicht sehr schwer. Nur hin und wieder unterbreche ich es, um einsilbig meine neue Begleitung zu mir zu rufen. „Lea, hier!“, presse ich dann mit einem lauten FlĂŒstern hervor. Und flugs kommt sie zu mir geeilt, sofern sie sich entschließt, ihre momentane BeschĂ€ftigung zugunsten meines Befehls aufzugeben. Sie ist ein bildschönes Foxterrier-MĂ€dchen von zwei Jahren, die mich genauso bedingungslos liebt, wie ich sie. Eine der wenigen Damen, denen ich einen festen Platz in meinem Leben zugestehe. Ihre Treue ist mit keinem Gold der Welt aufzuwiegen. Sie freut sich immer sehr auf unsere sonntĂ€glichen Wanderungen und wird ganz unruhig, wenn es nach dem FrĂŒhstĂŒck Zeit zum Aufbruch ist. Ihr seidiges Fell glitzert in der Sonne und ihre braunen und schwarzen Tupfen lassen es bisweilen schwer werden, sie auf dem schneebedeckten Waldboden ausfindig zu machen. Durch einen dicken halbseitigen Fleck, ist ihr Gesicht genau in der Mitte geteilt. Eine HĂ€lfte weiß, die andere schwarz. Ebenso zweigeteilt ist der Ausdruck ihrer Augen, der gleichermaßen Sanftmut und Abenteuerlust erkennen lĂ€sst. Ihr junges, ungestĂŒmes Temperament belebt mich und ich könnte ihr stundenlang zusehen, wie sie neugierig ihre Umgebung erforscht. Mit nicht zu bremsender Ausdauer sprintet sie zwischen BĂ€umen umher, begutachtet jedes BĂ€chlein, jeden umgestĂŒrzten Baum, jede UnregelmĂ€ĂŸigkeit in der Umgebung. Springt auf jeden Felsen, jeden Baumstamm. Wenn das GelĂ€nde unwegsamer wird, lĂ€uft sie genau hinter mir, ohne von mir zu weichen. Sie ist außerordentlich intelligent und ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sie Wege durch das dichte Unterholz findet, um mir zu folgen. Einzig ihre Vorliebe, sich von Zeit zu Zeit in den Hinterlassenschaften von FĂŒchsen und Ă€hnlichem Getier zu wĂ€lzen, finde ich doch etwas befremdlich, obwohl es eine beliebte BeschĂ€ftigung unter Hunden zu sein scheint.

Es ist ein typischer Mischwald, wie er in diesen Breitengraden hĂ€ufig zu finden ist. Wir sind umgeben von hohen, kerzengeraden Fichten, einigen Kiefern, vielen Buchen mit ihrer glatten Rinde und Eichen, einige jung und zart, andere alt und knorrig. Auch Birken begrĂŒĂŸen uns hier und da. Ihre zarten weißen StĂ€mmchen fallen im Winter weit weniger auf als im Sommer. Die LaubbĂ€ume haben sich lĂ€ngst ihres BlĂ€tterkleides entledigt und trotzen nun nackt den Winden des Winters. Die Kronen der NadelbĂ€ume tragen den Schnee und lassen nur einen Bruchteil zu Boden fallen. Sanft und langsam rieselt er wie Staub nach unten und funkelt dabei durch die einzelnen Sonnenstrahlen, welche sich durch die Wipfel schlagen können. Es ist ein gleichermaßen bezaubernder wie beruhigender Anblick. Eine besondere Energie durchzieht den Hain. Mystisch, trĂ€umerisch, geheimnisvoll. Hinter jedem Stamm, unter jedem Felsen vermutet man Kobolde und Waldgeister. Eine Energie, die es aufzusaugen gilt, bevor wir wieder in den Trubel der Stadt zurĂŒckkehren.

So ziehen wir also durch den Wald, erkunden kleine Pfade und Wildwechsel, klettern Felsen hinauf, rutschen AbhĂ€nge hinunter, bahnen uns den Weg durchs Dickicht, immer auf der Suche nach allem und nichts. Hin und wieder bleibe ich stehen und halte ein. Manchmal ist es ein bestimmter Ort, der mich fasziniert, manchmal nur ein GefĂŒhl, das mir durch den Leib fĂ€hrt und mich unbeweglich macht. Dann atme ich tief ein, sehe mich um, erblicke die Schönheit und Kostbarkeiten um mich herum und genieße einfach dort zu sein, wo ich gerade bin. Obwohl ein kleiner Teil in mir immer an die Pflichten denkt, die zu Hause auf mich warten. Meine Begleitung spĂŒrt meist, wenn ich anhalte und bleibt selbst wie versteinert stehen und blickt mich an, so als ob sie wĂŒsste, dass die GerĂ€usche, die ihre Bewegungen machen, mich bei der akustischen Wahrnehmung meiner Umgebung stören könnten. So höre ich in die Ferne. Höre das knarren der BĂ€ume, das leise Rieseln des Eisstaubs, höre vereinzelt Zweigwerk fallen und manchmal auch die GesĂ€nge eines Vogels. Meine Sinne sind in dieser Umgebung besonders geschĂ€rft und ich bin jedes Mal aufs Neue erstaunt, welche Details ich in meinem Umfeld wahrnehmen kann. Wenn ich mich dann wieder gesammelt habe, setze ich langsam wieder einen Fuß vor den anderen, was auch fĂŒr Lea das Zeichen ist weiterzumarschieren.

Als unsere Wanderung nun schon einige Stunden andauert und es langsam Zeit wird den Heimweg anzutreten, stoßen wir wieder auf einen der breiten Pfade, welcher quer vor uns liegt. Da er uns schnell und bequem zurĂŒckbringen wird und bei diesen Temperaturen kaum weitere Besucher zu erwarten sind, scheint es mir sinnvoll, ihm in östlicher Richtung zu folgen. Sofort bemerke ich die Erleichterung, die die Fortbewegung nun gegenĂŒber dem vorhergehenden, beschwerlicheren GelĂ€nde bietet und die ich auf Grund der etlichen Kilometer, die wir bereits zurĂŒckgelegt haben, gerne und dankbar annehme. Ich gehe ein StĂŒck auf dem Weg, wĂ€hrend meine treue Begleiterin die FĂ€hrten verfolgt, die immer wieder unsere Route kreuzen.

Plötzlich entdecke ich vor mir eine Stelle, an der die flachstehende Sonne einen Weg durch die Baumkronen gefunden hat und nun einen hellen Kegel vor mir bildet. Ich stelle mich hinein, drehe mich Richtung Sonne und freue mich, dass das Fenster in den Wipfeln groß genug ist und ich mich von Kopf bis Fuß im Licht befinde. Die Strahlen auf meinem Gesicht fĂŒhlen sich an wie eine warme Hand, die sanft meine Wangen streichelt. Das Feuer, das so viele Lichtjahre entfernt ist und hier auf unserer Erde fĂŒr so viel Leben verantwortlich ist wĂ€rmt mir Körper und Seele. Ganz langsam schließe ich die Augen und atme tief ein und aus, um den Moment aufzusaugen. Den Nebel, den mein Atem in der eisigen Umgebung erzeugt sehe ich nicht mehr. Lea scheint den wohltuenden Genuss zu erahnen, den meine Position birgt, denn ich höre, wie sie zu mir gerannt kommt und regungslos an meiner Seite verharrt. Es ist ganz ruhig. Nach diesem Moment habe ich mich lange gesehnt. Eine angenehme Leere entsteht in meinem Kopf, mein Geist kommt zur Ruhe. Friede macht sich breit, wo sonst Aufruhr herrscht, Ordnung wo sonst Chaos wĂŒtet. Und obwohl auch im Winter alles um mich herum lebt, dringt kein GerĂ€usch an meine Ohren. So vergehen etliche Augenblicke. Der Wald ist stumm, meine Gedanken schweigen.

Tok, tok, tok! Nanu, dieses GerĂ€usch erkenne ich sofort. Es scheint so weit entfernt und doch so nah. Und wieder schneidet es sich durch die Stille. Tok, tok, tok! Ich öffne die Augen und drehe mich in die Richtung, in der ich den Ursprung des Radaus vermute. Ohne nachzudenken gehe ich den Weg weiter in seine Richtung. Ich laufe etliche Meter, meine Begleitung immer an meiner Seite, ohne der Ursache nĂ€herzukommen. Und wieder! Tok, tok, tok! Ich bin mir mittlerweile ganz sicher, den KĂŒnstler zu kennen, der hinter diesem Konzert steckt. Immer wieder höre ich Salven, die mir aufs Neue den Weg weisen. Nach gut hundert Metern verstummt der Rhythmus und so sehr ich mich auch bemĂŒhe, kann ich ihn nicht mehr wahrnehmen. In der Hoffnung besser hören zu können, rĂŒhre ich mich nicht. Aber nichts, keine Salven mehr. Ich bleibe noch einen Moment stehen, ohne Erfolg, dann gebe ich auf und trotte langsamen Schrittes weiter.

Einige Meter weiter fĂ€llt mir eine alte, verdorrte Fichte auf, die nur noch aus einem Stamm besteht, der mager und hoch in die Höhe ragt und wie durch ein Wunder die StĂŒrme der letzten Wochen ĂŒberstanden zu haben scheint. Wieder unterbreche ich meinen Gang und betrachte den toten Baum. Langsam mustere ich ihn von unten bis oben. An der Spitze verweilt mein Blick einen kurzen Augenblick. Plötzlich erkenne ich unerwartete Bewegung in luftiger Höhe. Das markante schwarz-weiße Gefieder. Rote Male an Schwanz und Genick. Ja, meine Vermutung hat sich doch bestĂ€tigt. Ein Buntspecht dreht sich langsam um das leblose Holz. Als ob er sich vor mir versteckte, sich nun ertappt fĂŒhlt und das Versteckspiel beendet. Sofort nimmt er die Arbeit wieder auf und hĂ€mmert los. Keinen Augenblick lĂ€nger lĂ€sst sich das prĂ€chtige MĂ€nnchen von mir ablenken. Ich lĂ€chle auf Grund der schönen Entdeckung. Auch Lea hat ihre treuen Augen auf ihn gerichtet, wĂ€hrend er weiter sein perkussives StĂŒck zum Besten gibt. NatĂŒrlich ist der Grund dafĂŒr weniger die musikalische Untermalung des Waldes, als vielmehr die Beschaffung der fĂŒr ihn so ĂŒberlebenswichtigen Nahrung. Er ist vermutlich auf der Suche nach den in dieser Jahreszeit eher seltenen Insekten und Larven. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sein Vorhaben bei diesen Temperaturen von Erfolg gekrönt sein wird. Aber er scheint zu wissen was er tut und ich wĂŒnsche ihm innerlich GlĂŒck bei seinem Vorhaben. In keiner Weise scheint er infrage zu stellen, was er da gerade tut. Nichts scheint ihm wichtiger zu sein.

Ich denke an mich und die Menschen im Allgemeinen. Wie oft tun wir etwas, wĂ€hrend wir in Gedanken gĂ€nzlich anderswo sind? Wie oft denken wir nur an die tausend Dinge, die gerade wichtiger sein könnten. Wir hetzen von einem Termin zum nĂ€chsten und mĂŒssten eigentlich schon wieder woanders sein. Kaum ein Mensch, der seinem Leben nicht hinterherrennt. Kaum ein Mensch, der hier und jetzt ist. Ein Leben im stĂ€ndigen Konjunktiv. Nicht so mein neuer Bekannter, der Specht. Mir scheint, als ob er in keinem Moment daran denkt, dass es gerade irgendetwas Besseres oder Wichtigeres zu erledigen gibt. Er widmet sich ganz seiner Aufgabe, ist ganz im Augenblick. Ein Paradebespiel fĂŒr Achtsamkeit. Keine Alternativen. Keine Optionen. Keine Konjunktive. Er tut, was es eben gerade zu tun gibt. Mein LĂ€cheln wird stĂ€rker. Ich gehe in die Hocke und Lea drĂŒckt sich an mich. Ich gebe ihr einen sanften Kuss auf den Kopf und blicke wieder nach oben. Unser gefiederter Freund ist weiterhin beschĂ€ftigt. Eine ungeheure Gelassenheit ĂŒberkommt mich, als ob ich gefunden hĂ€tte, wonach ich gesucht habe. Vorsichtig richte ich mich auf und flĂŒstere ein leises „Mach’s gut“, als ich den Heimweg antrete. Das Schmunzeln bleibt mir noch eine ganze Weile im Gesicht, wĂ€hrend hinter mir die Salven immer leiser und leiser werden, bis sie schließlich in der Ferne verschwinden. Heute gehe ich sehr glĂŒcklich nach Hause. Ich verabschiede mich vom Wald und wir kehren wieder heim, um das zu tun, was es eben gerade zu tun gibt.

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Lord Nelson
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Hallo Matthias Auwald,

ich bin dem Ich-ErzĂ€hler gerne durch den Wald gefolgt. Sehr schön die Bilder ungestörter Natur, in welcher der Mensch zur Ruhe kommt. Besonders gefĂ€llt mir die verhaltene Stimmung, in der einzelne Sonnenstrahlen zu richtigen Höhepunkten werden. Dein Text könnte durchaus eine abgeschlossene Episode sein, doch in der jetzigen Fassung fehlt mir ein roter Faden, der zu einem definierten Abschluss fĂŒhrt. FĂŒr mich liest sich dein Text wie die Aneinanderreihung zweier in sich abgeschlossener Geschichten, die in etwa denselben Inhalt mit jeweils eigenen Bildern wiedergeben - Genaueres dazu in meinen Anmerkungen.

Viele GrĂŒĂŸe
Lord Nelson

Einige Anmerkungen:

quote:
Meine rote Nasenspitze, die gefrorenen Wassertropfen in meinem Bart und das fehlende GefĂŒhl in meinen Fingern dienen mir als Beweis meiner Vermutung.

nicht Beweis, sondern Grundlage. Schließlich basiert die Vermutung ausschließlich auf diesen UmstĂ€nden, oder?

quote:
‹Sie ist ein bildschönes Foxterrier-MĂ€dchen von zwei Jahren, die mich genauso bedingungslos liebt, wie ich sie.
das MĂ€dchen! aber "das mich... wie ich es" klingt blöd -> vielleicht besser “Dame” statt "MĂ€dchen"?


quote:
Durch einen dicken halbseitigen Fleck, ist ihr Gesicht genau in der Mitte geteilt.
kein Komma

quote:
Wenn das GelÀnde unwegsamer wird, lÀuft sie genau hinter mir, ohne von mir zu weichen.
kein Komma

quote:
Dann atme ich tief ein, sehe mich um, erblicke die Schönheit und Kostbarkeiten um mich herum und genieße es einfach dort zu sein, wo ich gerade bin.


quote:
Sofort bemerke ich die Erleichterung, die die Fortbewegung nun gegenĂŒber dem vorhergehenden, beschwerlicheren GelĂ€nde bietet und die ich auf Grund der etlichen Kilometer, die wir bereits zurĂŒckgelegt haben, gerne und dankbar annehme.
die Fortbewegung bietet Erleichterung? Der Beginn dieses Satzes sollte umformuliert werden.
‹
quote:
Die Strahlen auf meinem Gesicht fĂŒhlen sich an wie eine warme Hand, die sanft meine Wangen streichelt.
Sorry, aber das glaub ich nie und nimmer. Sie fĂŒhlen sich an wie Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht. Oder trĂ€gt der Protagonist Augenklappen?

quote:
Lea scheint den wohltuenden Genuss zu erahnen, den meine Position birgt, denn ich höre, wie sie zu mir gerannt kommt und regungslos an meiner Seite verharrt.
doppelt gemoppelt - entscheide dich zwischen Wohltat und Genuss

quote:
Es ist ganz ruhig. Nach diesem Moment habe ich mich lange gesehnt. Eine angenehme Leere entsteht in meinem Kopf, mein Geist kommt zur Ruhe. Friede macht sich breit, wo sonst Aufruhr herrscht, Ordnung wo sonst Chaos wĂŒtet. Und obwohl auch im Winter alles um mich herum lebt, dringt kein GerĂ€usch an meine Ohren. So vergehen etliche Augenblicke. Der Wald ist stumm, meine Gedanken schweigen.
Ein wahrhaft vollkommener Augenblick, die perfekte Abrundung der vorangegangenen Schilderung. Das Fazit. Jetzt wird aber wie ein Kropf noch die Episode mit dem Specht draufgesetzt, die ich mitsamt den anschließenden Überlegungen nicht nur als eine PrĂ€zisierung des bereits Gesagten empfinde, sondern fast als dessen Wiederholung.

quote:
In der Hoffnung Komma besser hören zu können, rĂŒhre ich mich nicht.

quote:
‹Ich denke an mich und die Menschen im Allgemeinen. Wie oft tun wir etwas, wĂ€hrend wir in Gedanken gĂ€nzlich anderswo sind? Wie oft denken wir nur an die tausend Dinge, die gerade wichtiger sein könnten. Wir hetzen von einem Termin zum nĂ€chsten und mĂŒssten eigentlich schon wieder woanders sein. Kaum ein Mensch, der seinem Leben nicht hinterherrennt. Kaum ein Mensch, der hier und jetzt ist. Ein Leben im stĂ€ndigen Konjunktiv. Nicht so mein neuer Bekannter, der Specht.
ÜberlfĂŒssig. Du resĂŒmierst hier noch einmal nĂŒchtern, was du in deinem Text doch schon so wunderbar hast fĂŒhlen lassen.

quote:
Mein LĂ€cheln wird stĂ€rker. Ich gehe in die Hocke und Lea drĂŒckt sich an mich. Ich gebe ihr einen sanften Kuss auf den Kopf und blicke wieder nach oben. Unser gefiederter Freund ist weiterhin beschĂ€ftigt. Eine ungeheure Gelassenheit ĂŒberkommt mich, als ob ich gefunden hĂ€tte, wonach ich gesucht habe. Vorsichtig richte ich mich auf und flĂŒstere ein leises „Mach’s gut“, als ich den Heimweg antrete. Das Schmunzeln bleibt mir noch eine ganze Weile im Gesicht, wĂ€hrend hinter mir die Salven immer leiser und leiser werden, bis sie schließlich in der Ferne verschwinden. Heute gehe ich sehr glĂŒcklich nach Hause. Ich verabschiede mich vom Wald und wir kehren wieder heim, um das zu tun, was es eben gerade zu tun gibt.
hier ĂŒberkommt den Protagonisten genau die Gelassenheit, die er doch schon gefunden hatte, ehe der Specht auftauchte.

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gondoliere
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2018

Werke: 8
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Hallo Matthias,
im Gegensatz zu Lord Nelson finde ich die nachdenkliche Passage am Ende keineswegs ĂŒberflĂŒssig. Ich kann mir aber vorstellen, die betreffenden und weitere) Gedanken zwischen die AbsĂ€tze so einzustreuen, dass der Protagonist nicht nur fortwĂ€hrend beobachtet und erlebt (was fĂŒr den einen oder anderen Leser etwas viel Emotion auf einmal sein kann), sondern immer wieder ein wenig 'ins GrĂŒbeln' kommt, da er sich durch seine Beobachtungen inspiriert fĂŒhlt (was ja durchaus ein Zeichen mentaler Erholung wĂ€hrend einer Waldwanderung ist). Das wĂŒrde m.E. den Text noch lebendiger gestalten.

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