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Leselupe.de > Humor und Satire
Denk an die Badewanne
Eingestellt am 16. 01. 2002 16:42


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elfchen
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

Werke: 2
Kommentare: 1
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„Sie haben 85 Kilo und 10 Gramm“ schnarrte die metallene Stimme meiner Computerwaage . WĂ€re ich ein Mann mit 1,90 m KörperlĂ€nge, wĂŒrde ich jubeln, aber: ich bin weiblich, 1,67m und somit- untergroß!!!!
Das Wort Übergewicht meide ich so gut es geht, denn wer sieht in diesem Fall schon gerne der Wahrheit ins Auge?? Es gĂ€be auch noch andere Beschreibungen fĂŒr meinen Zustand, aber die klingen auch nicht gerade besser: mollig, pummelig, stĂ€mmig, kompakt, oder wie wĂ€r’s mit behĂ€big oder gemĂŒtlich? Ich bewundere die „fröhlichen Dicken“, die sich selbst mit 30-40 kg Übergewicht puddingmĂ€ĂŸig ĂŒber die TanzflĂ€che wuchten, oder dem stahlverstĂ€rkten Drahtesel die Sporen geben. (Nach 15 min. intensiver Treterei behaupten sie dann, nach Luft ringend: Mir geht’s gut, ich fĂŒhl mich wohl, frei nach dem Motto:“Rund und GÂŽsund“)
Seufzend verlasse ich das Badezimmer und im Vorzimmerspiegel erblicke ich mein Abbild großformatig: Haare : brĂŒnett, Augen – grĂŒn, HĂŒften - fast so breit wie meine Schultern ( 10 cm weniger und sie wĂ€ren so breit wie meine Schultern) Beine bis zum Boden ( beginnen aber auch nicht sehr viel höher), SchuhgrĂ¶ĂŸe 40, also alles in allem: kurz, gedrungen, fleischig.Na ja, tröste ich mich, so schlimm ist es auch wieder nicht. Immerhin bringe ich den Sweater noch ĂŒber meine HĂŒften. Dass die volle GrĂ¶ĂŸe meines Allerwertesten(durch die spannende ElastizitĂ€t des Trikotstoffes noch sehr betont)dabei ausnehmend gut zur Geltung kommt, ĂŒbersehe ich geflissentlich. Abermals tief durchatmend mache ich mich auf den Weg in die KĂŒche. Was koche ich bloß heute wieder. Spaghetti – nein hatten wir erst letzte Woche. GemĂŒseauflauf – mag mein allerbester Ehemann wieder nicht. Mal sehen, was der Eiskasten hergibt.
Nachdem ich den Inhalt meines KĂŒhlschrankes durchgekostet hatte(schnell verderbliches gehört schließlich weg) setzte ich mich auf die Couch und blĂ€ttere die Zeitung auf. Überfall auf die Sparkasse in Urfahr (Hoffentlich hat sich’s ausgezahlt); Taifun in Japan –schwere SchĂ€den ( Gott sei dank passiert so etwas nicht bei uns);Aha das Rezept des Tages: Steinpilznocken,die könnte man mal versuchen. Da, das Telefon. Wahrscheinlich Gabi, die wissen will was ich heute zum Esssen richte: Hallo mein Schatz, wie geht’s dir?“ es war mein allerbester Ehemann . „Danke der Nachfrage, wie immer! Was gibt’s?“
„Hast du schon Blumen fĂŒr Frau Meier besorgt?“
„Warum sollte ich Blumen fĂŒr Frau Meier besorgen, ist sie krank?“ Ich hörte meinen Mann laut durchschnaufen:“ Sag bloß, du hast schon wieder vergessen, dass wir heute Abend zum Essen bei den Meiers sind!“
(Ich glaub mich trifft ein Blitz! NatĂŒrlich!) „ Kein Problem, ich mach mich sofort auf den Weg. Wir sehen uns ja dann am Abend. TschĂŒss!“
Kurz nach der Frage, welche Blumen wohl am besten zu Frau Meier passten, drĂ€ngte sich mir eine noch viel grĂ¶ĂŸere auf: WAS SOLL ICH NUR HEUTE WIEDER ANZIEHEN! Ich stĂŒrzte zum Kleiderschrank. Zu klein , zu kurz, zu eng, zu bunt, zu kĂŒhl, - ich hatte einen Kasten voll mit Nichts zum Anziehen. Nun gut, dann werde ich mir eben was Besorgen. Wenigstens brauche ich mir nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, was ich nun kochen soll. Nici, unsere Tochter brachte ich auf dem Weg in die Stadt zur Oma, damit ich mir in Ruhe ein tolles Outfit besorgen konnte.
(In Gedanken sah ich mich in einem tollen Kleid am Arm meines Mannes das Haus der Meiers betreten. Ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf und er konnte den Blick kaum von mir wenden. Stolz betrachtet mich mein allerliebster und wir schweben weiter)“Pass doch auf du Narr! Hier habe ich Vorrang! Nein, dass gibt’s doch nicht! Jetzt schnappt der mir auch noch den Parkplatz vor der Nase weg! Typisch Mann. Wo sind nur all die Gentlemens geblieben?“ So schnell geht’s und man wird ganz schnell in die RealitĂ€t zurĂŒckversetzt.

Nach langer Parkplatzsuche und einer kleinen Auseinandersetzung mit dem Parkautomaten ( der schluckt nie wieder zuviel Geld) stand ich endlich im ersten GeschĂ€ft. Ich blickte schĂŒchtern von einer Schaufensterpuppe zur anderen. Wow!! Und was da erst auf den KleiderstĂ€ndern so herumhing. Wirklich vom feinsten. Ich ging auf den nĂ€chstbesten zu und wollte gerade einen Traum aus grĂŒner Seide zur Seite schieben, als auch schon eine Frau mit wallenden roten Locken aus dem hinteren Bereich der Boutique hervorgeschossen kam „Guten Tag, kann ich ihnen behilflich sein?“ Ich hatte die VerkĂ€uferin offensichtlich bei ihrem Mittagsschlaf gestört, denn sie sah nicht gerade freundlich drein.“ Ich suche ein Kleid fĂŒr mich“ war meine nicht sehr intelligente Antwort. „ Welche GrĂ¶ĂŸe?“ fragte sie spitz „48“ erwiderte ich keck, worauf sie mich mit einem spöttischen Grinsen von oben bis unten musterte. „ Tut mir leid ( falsche Schlange) ihnen das sagen zu mĂŒssen, aber ( offensichtlich genießt sie es auch noch) wir fĂŒhren nur bis GrĂ¶ĂŸe 42.“ Ich brachte gerade noch ein „Danke“ ĂŒber die Lippen und verließ mit eingezogenem Kopf den Laden. Dann eben nicht. Gibt ja genug andere GeschĂ€fte. Wenn die kein Geld verdienen wollen! Ich betrat den nĂ€chsten Laden.
Etwas muffig hier, denke ich noch und dann kommt auch schon eine Ă€ltere Dame auf mich zu. „Guten Tag, gnĂ€dige Frau. Wie kann ich ihnen helfen?“ „Ich suche ein Kleid fĂŒr mich.“ „ Bitte gerne, wenn sie mir bitte folgen wollen.“ Eifrig schwĂ€nzelte sie voraus in die „ Abteilung fĂŒr starke Frauen“ und ich trottete hinterher.( Die versteht mich vielleicht, denn schlank sieht sie ja auch nicht gerade aus. Tollen Rock den sie da trĂ€gt. Ob sie ihn hier gekauft hat? Wahrscheinlich, ist doch die beste Werbung) „Haben sie eine bestimmte Vorstellung?“
( Ich hĂ€tte gerne ein Kleid GrĂ¶ĂŸe 36, dass mir auch passt, und in dem ich umwerfend aussehe) „Nein, eigentlich nicht. Ich suche etwas fĂŒr einen gesellschaftlichen Anlass, also nicht zu ausgefallen. Vielleicht etwas das, wie soll ich sagen, schlank macht?“ Die VerkĂ€uferin nickte verstĂ€ndnisvoll und zeigte mir ein paar Modelle. Das erste Kleid war dunkelblau, gerade geschnitten , hatte zwei leichte AbnĂ€her im Brustbereich, goldene Knöpfe und einen PlastikgĂŒrtel. So etwas trug meine Oma immer, also nichts fĂŒr mich. Die anderen Modelle variierten in Farbe, LĂ€nge und GĂŒrtelschnalle aber im Großen und Ganzen sahen die alle gleich aus. Groß ,dunkel und langweilig. Als ich dann die Preisschilder sah, wusste ich, dass da nichts fĂŒr mich dabei war und ich verließ dankend das GeschĂ€ft. Nach 3 weiteren gescheiterten Versuchen, besorgte ich noch den Blumenstrauß und machte mich frustriert auf den Heimweg. Ich werde mein „Kleid fĂŒr spezielle AnlĂ€sse anziehen, dass passt mir wenigstens. Auf dem Nachhauseweg grĂŒbelte ich darĂŒber nach, wie es nur so weit kommen konnte.

Damals, als ich Klaus kennen lernte, hatte ich eine ganz passable Figur. Gut, ich war nie gertenschlank, aber wohlproportioniert. Ich weiß noch genau was ich trug, als ich ihn das erste Mal sah. Damals waren Leggins sehr modern, und ich hatte eine in Lila, mit dazupassendem T-Shirt. Bequem waren die Dinger schon, aber Gott sei dank sind sie ja bereits lange aus der Mode, den mit so etwas figurbetonendem kann ich mich heute beim besten Willen nicht mehr sehen lassen. Vielleicht hĂ€tte ich wĂ€hrend der Schwangerschaft doch nicht diese Unmengen von Spagetti verdrĂŒcken sollen!!? Etwas mehr Bewegung könnte auch nicht schaden, aber wann soll ich denn?

Abends trug ich dann meinen Überwurf und glĂ€nze durch meinen Charme und mein gewinnendes LĂ€cheln.

Die nĂ€chsten Tage und Wochen vergingen und ich wurde immer frustrierter, aß immer mehr, machte immer weniger Bewegung und es ging mir immer schlechter. Allein das morgendliche Ritual des aus dem Bett Steigens wurde fĂŒr mich zur Qual. Die Motivation fĂŒr die alltĂ€glichsten Bewegungen wurde immer geringer, der Sauerstoffmangel immer grĂ¶ĂŸer und die Nahrungszufuhr immer mehr. Mein Immunsystem begann zu streiken und man brauchte nur das Wort Schnupfen in meiner Gegenwart zu erwĂ€hnen, und schon war ich strebenskrank. Meine teilweise eingebildeten Symptome wurden immer mehr die BegrĂŒndung und vor allem die Hauptentschuldigung fĂŒr meine Faulheit. Bis, ja bis eines Tages die schrecklichste Sache meines Lebens passierte (dachte ich, aber mehr davon spĂ€ter):

Es war ein sonniger Sonntag und auf dem Programm stand ein Familienausflug in das wunderschöne Weinbaugebiet Wachau. Wie immer bei solchen „Massenveranstaltungen“ ( wir haben eine sehr große Familie) war meine Laune nicht die Beste. Es fing schon am Morgen nach dem FrĂŒhstĂŒck an. Womit bedecke ich bloß heute wieder meine „Rundungen“? Lange stand ich vorm Kleiderschrank und entdeckte eine dunkelblaue Hose. Die hatte ich ja Monate nicht mehr angehabt! Nachdem ich einen Fuß hineingesteckt hatte, wusste ich auch warum.
(Versuchen sie mal eine Kirsche durch einen Strohhalm zu quetschen!) WĂŒtend warf ich die Hose ins hinterste Eck. Die einzige Möglichkeit die mir noch blieb, war so eine Art Sommerkleid( 2 Mannzelt im Hippielook) Na ja, eigentlich nicht gerade aufregend, aber es blieb mir nichts anderes ĂŒbrig. Was soll`s schließlich zĂ€hlen ja die inneren Werte. Nachdem ich angezogen war, und auch mein allerbester Ehemann und unsere Tochter abfahrbereit dastanden, ging`s los . Auf in die Wachau!
Die Autofahrt war sehr angenehm und ich entspannte mich ein wenig. Sogar einen Anflug von guter Laune verspĂŒrte ich, der aber rasch wieder verflog, als wir, am Zielort angekommen, ausstiegen. Da war sie nun, die ganze Familie und ich hörte, wie Oma leise zur Tante sagte: Ist die Sabine schon wieder schwanger?“ Einfach ĂŒberhören, dachte ich und trotte hinter den anderen her. Nach einem Ă€ußerst strapaziösem Spaziergang kehrten wir endlich einÂŽ. Mein Hunger war groß, denn ich hatte schließlich seit dem ausgiebigen FrĂŒhstĂŒck (2 Eier, 3 Brote mit Butter und Wurst, 1 Marmeladekipferl, und 2 Tassen Kaffee) nichts mehr zu mir genommen.

Endlich brachte der Ober die Speisekarte. Beim Lesen lief mir schon das Wasser im Mund zusammen und mein Magen begann ganz laut zu knurren. Zuerst eine Nudelsuppe, dann einen Schweinebraten mit Knödel und Krautsalat, und als Nachtisch Kaffee und Malakofftorte. Mechanisch stopfte ich alles in mich hinein. Ob es geschmeckt hat weiß ich nicht, aber ich war satt( zumindest fĂŒr den Moment). Eigentlich wollte ich mich erst wieder bei der Heimfahrt den kritischen Blicken meiner Schwiegermutter und der Oma aussetzen, aber da ich dringend zur Toilette musste, ließ es sich nicht vermeiden, dass ich mich schon vorher vom Tisch erhob. Ich ignorierte ihre Blicke um machte mich auf die Suche nach dem stillen Örtchen. .
Schon beim Betreten der WC-Kabine merkte ich, dass diese sehr eng gebaut war, denn beim Öffnen der TĂŒre, stieß ich an die Klobrille. Aber da es eilte, zwĂ€ngte ich mich hinein. Nach verrichteter Dinge, stellte ich aber mit großem Schrecken fest, dass ich nun zwischen TĂŒre und Klobrille gefangen war. Ich versuchte einen Schritt zurĂŒck zu gehen, fiel dabei aber fast in die Klomuschel. Nach vorne konnte ich nicht, denn da war ja die TĂŒre. Zur einen Seite konnte ich schon gar nicht, denn da waren nur 40 cm Platz. Also versuchte ich mich durch einen Spalt zwischen der anderen Seitenwand und der TĂŒre durchzuzwĂ€ngen ( Dabei schauten mir ja nur meine Schwiegermutter und die Uroma zu, die ebenfalls das WC aufgesucht hatten) . Nach ungefĂ€hr 10 Minuten hatte ich es endlich geschafft, und spontan fiel mir der Text eines meiner Lieblingslieder ein: Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Total abgekĂ€mpft und fertig kam ich an den Tisch zurĂŒck. Die fragenden Blicke meines Allerbesten ignorierte ich und hoffte insgeheim, dass meine beiden Beobachter zumindest vorerst schweigen wĂŒrden. Dieser Tag war fĂŒr mich gelaufen. Zu allem Überfluss hatte ich lauter blaue Flecke am Bauch und am nĂ€chsten Tag tat mir der RĂŒcken so weh, dass ich wieder sofort zum Arzt musste. Frustriert und leidend zog ich mich auf die Wohnzimmerbank zurĂŒck und versuchte mein Unbehagen mit Unmengen von Erdnusssnips zu bekĂ€mpfen. Und weil das natĂŒrlich auch nicht half fĂŒhlte ich mich immer elender. Mir konnte nur mehr einer helfen. Mein Hausarzt.

Mein Hausarzt ist ein sehr einfĂŒhlsamer und verstĂ€ndnisvoller Mann, den man gerne aufsucht. In seiner Praxis fĂŒhle ich mich fast wie zu Hause, denn ich war mittlerweile so etwas wie Stammkunde geworden. ( Drum hat er wohl auch sein Haus um einen Wintergarten erweitern können) Anfangs kam ich wegen starkem Schnupfen, der ĂŒberhaupt nicht enden wollte. Dann wieder wegen einem hartnĂ€ckigen Husten, oder wegen starker Kreuzschmerzen. Die Liste wurde von Woche zu Woche lĂ€nger und abwechslungsreicher.
Da ich einen sehr genauen und verstĂ€ndigen Hausarzt konsultiere, lernte ich auch sĂ€mtliche Spezialisten in unserer Umgebung kennen, denn mein Doktor ĂŒberwies mich immer „zur Sicherheit“an einen Experten, konnte mir aber aufgrund der Diagnosen der anderen immer nur mitteilen, dass ich eigentlich gesund sei. Aber irgendetwas musste ich doch haben!?

Ich saß wieder einmal im Wartezimmer und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. Sehr modern und trotzdem gemĂŒtlich eingerichtet. Die Sessel könnten ein bisschen weicher sein, aber wahrscheinlich sollte man es nicht allzu bequem haben. Mir gegenĂŒber saß eine junge Mutter, die stĂ€ndig damit beschĂ€ftigt war, ihren kleinen Zappelphilipp zu bĂ€ndigen. Fritzi hieß er . „Fritzi, leg die Zeitungen zurĂŒck an den Tisch, nein, die kannst du nicht essen. Bitte stopfe die BlumenblĂ€tter nicht in die Schuhe dieser Dame. Nein, du kannst jetzt nicht mit der Erde eine Burg bauen!“ SchrĂ€g links von mir, döste ein Ă€lterer Herr vor sich hin und neben mir saßen 2 „reifere“ Damen und unterhielten sich angeregt.
„Haben sie schon von Frau MĂŒllers letztem Missgeschick gehört?“
fragte die etwas fĂŒlligere von den Beiden. “Nein hab ich nicht! Hat sie wieder etwas plattgesessen, so wie den Hamster der kleinen Melanie oder ist der Stuhl wieder unter ihr zusammengebrochen. Dass sie nicht endlich ein bisschen abnimmt. Sie muss ja todunglĂŒcklich sein mit diesem Gewicht“. entgegnete die nicht weniger schlanke Freundin.
„Ja, 140 kg und das bei einer KörpergrĂ¶ĂŸe von gerade mal 165 cm! Also die Sache war so. Frau MĂŒller nahm ein Meersalzvollbad, weil sie in einer dieser Frauenzeitschriften gelesen hat, dass das schlank machen soll“ „Ach wirklich? Muss ich auch einmal ausprobieren“ fiel ihr die eine ins Wort „ Aber als sie nach einer Stunde immer noch in der Wanne saß, machte sich ihr Mann jedoch Sorgen und ging nachschauen. Und stellen sie sich vor, als Herr MĂŒller das Badezimmer betrat, bot sich ihm ein Bild des Schreckens! Seine Frau lag mit hochrotem Kopf in der Wanne und schnaufte fĂŒrchterlich, so, als wĂŒrde sie jeden Moment explodieren. Sie kĂ€mpfte ja schon seit geraumer Zeit, dass sie wieder auf die Beine kam.
Normalerweise sitzt sie ja in der Badewanne, aber diesmal war ihr die Seife ins Wasser gefallen und bei dem Versuch sie wieder herauszufischen, rutschte sie in die Liegeposition, aus der sie unglĂŒcklicher Weise nicht wieder alleine hochkam. „Um Gottes Willen, die arme Frau MĂŒller! Und wie ging`s weiter?“ Nun , Herr MĂŒller versuchte nun sie herauszuziehen, aber da er nicht gerade ein Muskelprotz ist, gelang im das leider nicht. Dann kam er auf die Idee, Wasser aus der Wanne zu lassen.“ „ Und hat das also geholfen?“ „ Sollte man meinen, aber das Gegenteil war der Fall.!“
„Wie meinen sie dass?“ „Ja, als das Wasser den Abfluss hinunterrann, entstand unter dem Körper von Frau MĂŒller ein Vakuum, und das wiederum bewirkte, das sich der Körper an der Badewanne festsaugte, wie ein Saugnapf an der Wand. „ Das ist ja furchtbar, die Arme Frau MĂŒller, und erst Herr MĂŒller! Was hat der Bedauernswerte dann unternommen?“
„Er hat die Rettung gerufen, und die haben dann aufgrund der Schilderung des Sachverhaltes die Feuerwehr geschickt! Deshalb weiß ich das ganze ja, denn wie mein Enkel ist ja bei der Freiwilligen Feuerwehr unseres Ortes. Und der hat mir das ErzĂ€hlt.
„Und wie schafften die es dann, sie aus ihrem GefĂ€ngnis zu befreien?“ „Sie haben wieder Wasser in die Wanne gelassen und Schmierseife dazugetan, und 2 Mann haben die Ärmste dann aus der Wanne gezogen. Soweit ich informiert bin, lĂ€sst Herr MĂŒller nun die Badewanne durch eine Brausetasse ersetzten.“

Ich konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, den Lachreflex unterdrĂŒckte ich so gut es ging.“ Frau Sobotka bitte“ Nun war ich endlich an der Reihe. Gott sei dank wurde ich nun abgelenkt, denn dieses GesprĂ€ch hat mich wieder schmerzlich an mein Wachauerlebnis erinnert.
„ Na, wie geht’s uns denn heute“ frage der Arzt.
„Ach Herr Doktor, ich fĂŒhle mich ĂŒberhaupt nicht gut. Ich bin so matt, abgeschlagen, mĂŒde und der Husten lĂ€sst ĂŒberhaupt nicht nach. Im Gegenteil, er wird immer schlimmer!
WĂ€hrend ich dem Arzt mein Leid klagte sah er mich genau an. Er horchte mich ab, klopfte mir auf den RĂŒcken und meinte schließlich: „Wir werden das genauer ansehen. Gehen sie bitte Lungenröntgen, ich möchte nĂ€mlich eine LungenentzĂŒndung ausschließen können.“ Er gab mir das Überweisungsformular , schĂŒttelte mir die Hand und rief den nĂ€chsten Patienten auf. Ich machte mich sofort auf den Weg ins Röntgeninstitut. Endlich eine Diagnose! Ich war wirklich krank!

Am nĂ€chsten Morgen, war ich schon die zweite im Wartezimmer. Ich konnte es kaum erwarten ( endlich kann er meine Beschwerden beseitigen!) Ich musste nicht lange warten und saß bald darauf im Behandlungszimmer. Er sah sich die Bilder ganz genau an. Immer und immer wieder , dann las er den Befund und wandte sich mir zu:“ Sie können beruhigt sein Frau Sobotka, sie sind kerngesund. Vielleicht sollten sie einfach ein paar Zigaretten am Tag nicht rauchen, damit der Husten etwas nachlĂ€sst und einige Wurstsemmeln weniger essen, damit der Kreislauf nicht so belastet ist. Mit einer lĂ€ssigen Handbewegung warf er die Unterlagen auf den Schreibtisch und ich war entlassen. Ich fĂŒhlte mich, als hĂ€tte mir jemand eine Ohrfeige verpasst. Wie in Trance verließ ich die Ordination.
Es waren nicht nur seine Worte, die in mir so ein ohnmĂ€chtiges GefĂŒhl erzeugten, es war auch die Handbewegung. Ich empfand sie als abwertend, so als wollte er sagen: wenn sie nicht so viel fressen und rauchen wĂŒrde, wĂŒrde es ihr um einiges besser gehen.
Langsam merkte ich, wie die Wut in mir hochstieg. Was bildet der sich eigentlich ein! Ich stĂŒrmte sofort in die nĂ€chste Konditorei. Jetzt brauchte ich dringend einen Kaffee und eine Zigarette.
Nachdem ich am hintersten Tisch Platz genommen hatte, kam die Bedienung:“ Was darfs fĂŒr sie sein. Wir hĂ€tten frischen ofenwarmen Apfelstrudel, vielleicht einen Kaffee dazu?“ Sie konnte offensichtlich Gedanken lesen. „Ja gerne. Und vielleicht könnten sie mir noch ein Glas Mineralwasser dazugeben.“ WĂ€hrend ich so dasaß und noch zwei weitere StrudelstĂŒcke verputzte, bemerkte ich , dass mich die Dame vom Nebentisch schon die ganze Zeit beobachte. Irgendwie kam sie mir bekannt vor, aber ich kam nicht drauf wer sie war.
Ich war gerade in Gedanken versunken, als sie zu mir herĂŒber kam und mich ansprach. “ Sabine?“ ich sah sie verdutzt an und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. “Monika! Bist du es wirklich! Ich hĂ€tte dich fast nicht erkannt! Gut siehst du aus. Willst du dich nicht setzten?“ Ich war baff. Monika war seit der Schulzeit eine sehr gute Freundin und Leidensgenossin in Sachen Übergewicht und nun stand nur mehr die HĂ€lfte von ihr vor mir. „Wie hast du das gemacht? Womit hast du soviel abgenommen? War es schwierig? Seit wann bist du so schlank?“ Ich ĂŒberfiel sie förmlich mit meinen Fragen. Mit einem LĂ€cheln antwortete sie: Es war ganz einfach, hat Spaß gemacht und ich halte mein Gewicht jetzt schon seit einem halben Jahr! Weißt du, mir ging es gesundheitlich schon so schlecht, dass ich mir eines Tages eingestehen musste, MĂ€del so geht das nicht weiter, du machst dich kaputt.

NatĂŒrlich wusste ich anfangs nicht wie ich es anstellen sollte, denn ich hatte so ziemlich jede DiĂ€t die es gab ausprobiert, mit dem Erfolg, das ich in meinem Leben bereits ca. 100 kg abgenommen und ca. 130 wieder zugenommen habe. Zuletzt wog ich stolze 100 kg, und dass bei einer KörpergrĂ¶ĂŸe von 1,67m ! In der BĂŒcherei fiel mir dann ein Buch ĂŒber Trennkost in die HĂ€nde. Eine ErnĂ€hrungsform, die du dein ganzes Leben beibehalten kannst, bei der du Essen kannst und das wunderbare daran ist, dass sich dein Körpergewicht wie von selbst dabei reguliert.“ So schwĂ€rmte mir Monika noch zirka eine Stunde vor. DrĂŒckte mir zum Abschied das Buch in die Hand, kĂŒsste mich auf beide Wangen und rauschte zur TĂŒr hinaus.
Niedergeschlagen aß ich noch ein StĂŒck Apfelstrudel und machte mich auf dem Heimweg. „ Die hat`s gut, die hat leicht reden! Pah, ganz von selbst ohne hungern! Glaub ich nie und nimmer“ Eines hatte das GesprĂ€ch allerdings doch bewirkt. Ich begann nachzudenken. Ich konnte nicht ewig die Augen zu machen, wenn ich bei einem Spiegel vorbeiging. Was sollte ich vor einem Schaufenster tun? Und was, wenn ich auch mal in der Badewanne festsitze, oder irgendwann nicht mehr aus einer Toilette komme!!!! Es muss sich was Ă€ndern!

In der kommenden Nacht schlief ich sehr schlecht. Im Traum sah ich immer wieder Monika vor mir stehen, jedes mal schlanker, und immer mit diesem LĂ€cheln... „Tu was! Steh auf und tu was“ rief sie mir zu. Und wĂ€hrend sie immer schlanker wurde, nahm ich immer mehr die Form eines ĂŒberdimensionalen Medizinballs an. Tu was, Sabine so kannst du nicht weitermachen. Ich wĂ€lzte mich im Bett umher und wurde schließlich schweißgebadet munter. Tu was, ja aber was? Wieder eine neue DiĂ€t anfangen und dann wieder scheitern? Die Waage manipulieren? Nicht gerade zweckmĂ€ĂŸig. Nochmals zum Arzt? Nie und Nimmer!!! Mein Blick fiel auf den Wecker. Kurz vor 6.00 Uhr . Ich stand auf, wankte in die KĂŒche, öffnete den KĂŒhlschrank, machte ihn nach kurzer Inspektion wieder zu und begann Kaffee zu kochen. Ich musste unbedingt etwas unternehmen. Vielleicht ein paar StĂŒck Torte pro Woche auslassen? Die EiweißdiĂ€t war eigentlich nicht sehr wirkungsvoll, da wurde mir dauern ĂŒbel. Ich habe erst neulich in der Zeitung gelesen, dass man gleichzeitig mit der ErnĂ€hrungsumstellung auch ein Bewegungsprogramm beginnen soll. Ich könnte es ja mal im Fitnessstudio versuchen? Warum eigentlich nicht. Dort sind geschulte Leute, die mir sicher helfen können. Ich war plötzlich sehr motiviert und freute mich schon, meinen neuen Entschluss in die Tat um zu setzten. Meinen Liebsten werde ich einstweilen noch nichts erzĂ€hlen. Mann, wird das eine Überraschung, wenn ich dann im Sommer im Bikini erscheine. Schnell packte ich Leggings, ein extra großes T-Shirt, Turnschuhe und Waschzeug ein und machte mich auf den Weg. Vor dem Trainingscenter angekommen, schlenderte ich erst mal vorsichtig die Auslagen entlang in der Hoffnung einen Blick hineinwerfen zu können. Zwecklos. Die Auslagen waren so mit Werbung vollgeklebt, dass man nichts sah. Komisch. Was sich wohl da drinnen abspielt? Vielleicht sollte ich wieder umkehren? Denk an die Badewanne sagte ich mir, unterdrĂŒckte das mulmige GefĂŒhl und betrat die Eingangshalle. Von hier aus konnte man immer noch nicht recht viel erkennen. Es erinnerte mich irgendwie an einen Hotelempfang. Es standen einige Bistrotische und Sessel herum. Geradeaus war eine Theke. Lediglich zu meiner Linken konnte man durch eine GlastĂŒre in einen Raum voller GerĂ€te blicken. Ein kurzer Blick auf die trainierenden Grazien, ließ das ungute GefĂŒhl nicht unbedingt verschwinden.

So richtig vital und gesund. Bei denen sah das alles so leicht aus. Mein Blick schweifte umher und fiel auf das Poster eines Bodybuilders als mir auch schon eine superschlanke braungebrannte BrĂŒnette entgegentĂ€nzelte. Sie musterte mich von oben bis unten und wieder zurĂŒck und sagte dann mit zuckersĂŒĂŸer Stimme:“ Herzlich willkommen in unserer großen Familie, wie können wir helfen?“ FĂŒr einen Moment glaubte ich mich in der TĂŒr geirrt zu haben und nun bei irgendeiner Sekte gelandet zu sein, aber ein durchtrainierter schwarzer JĂŒngling, der gerade an mir vorbeischwebte erinnerte mich daran, wo ich war. „Ich möchte etwas fĂŒr meinen Körper tun“ hörte ich mich sagen.“ „Da sind sie bei uns goldrichtig“ sĂ€uselte sie „ich werde sie mit Hubert bekannt machen, er wird sie in Zukunft hier bei uns betreuen.“ Hubert, das klang doch gar nicht so ĂŒbel. Bei dem Namen dachte ich an einen gut erhaltenen MitfĂŒnfziger, und daran, dass dieser Hubert sicher VerstĂ€ndnis fĂŒr mich haben wĂŒrde. „Hallo schöne Frau“ erschrocken drehte ich mich um. Vor mir stand ein Riese von einem Mann, bei dem jeder Muskel einzeln zu sehen war. „Ich ...ich www warte auf Hubert, er soll mein Trainer sein.“ brachte ich stotternd hervor. „Ich bin Hubert. Komm ich zeige dir erst mal unser Center“ und mit diesen Worten setzte sich dieser Muskelberg in Bewegung und ich wabbelte wie in Trance hinterher. Umkleidekabinen, Duschen, Aufenthaltsraum, Dampfbad, Hantelkammer, GerĂ€teraum, Sauna, Solarium, Hausbar. Schon allein dieser Rundgang brachte mich leicht außer Atem, aber, so sagte ich mir, MĂ€del, da musst du jetzt durch. Also ab in die Umkleidekabine. Als ich die TĂŒr dieses KabĂ€uschens hinter mir geschlossen hatte, dachte ich fĂŒr einen Moment ich hĂ€tte eines der AufbewahrungskĂ€stchen erwischt und wie ein Blitz tauchte das Bild der wachauer Toilette wieder vor mir auf. Also los. Leicht verzweifelt und mit großer Anstrengung zwang ich mich in mein Trainingsgewand.(Jetzt habe ich bestimmt schon 300 Kalorien verbraucht).Bereits etwas „angeschwitzt“ trat ich vor die TĂŒre, wo Hubert bereits auf mich wartete. „Am besten fangen wir in unserer sogenannten Fettverbrennungskammer an.“ Vor meinem geistigen Auge tauchte ein kastenförmiges Etwas auf, in dem man, bis zum Hals eingeschlossen, sitzt. So was hatte ich schon mal im Fernsehen gesehen und das hat eigentlich einen ziemlich angenehmen Eindruck gemacht. Aber, weit gefehlt! Er brachte mich in eine Art Glashaus, in dem 5 FahrrĂ€der, 2 LaufbĂ€nder, 3 RudergerĂ€te und 2 Stepper mit militĂ€risch - strategischer Genauigkeit aufgestellt waren. „Starten wir langsam“ meinte Hubert „ beginnen wir mit 30 Minute rad fahren.“ Vorsichtig wagte ich einzuwenden, dass ich mich gar nicht mehr erinnern kann, wann ich mich das letzte mal ausgiebiger bewegt hatte, und dass ich das wohl kaum durchhalten wĂŒrde, aber er schien mich gar nicht zu registrieren.
Also setzte ich mich aufs Rad und strampelte los. Nach ungefĂ€hr 10 Minuten, war ich der Ohnmacht nahe. Nur nicht aufgeben, denk an die Badewanne! Nach 15 Minuten klebte ich bereits mit jeder Faser meines Körpers auf dem MartergerĂ€t. Dass ich auch Beine habe, spĂŒrte ich zu diesem Zeitpunkt kaum mehr. Denk an die Badewanne und die Toilette!!! Wie ich die restlichen 15 Minuten ĂŒberstanden habe, weiß ich heute nicht mehr genau, aber es muss so eine Art Wachkoma gewesen sein. PĂŒnktlich wie die Atomuhr stand Hubert wieder neben mir und lotste mich zum Laufband.
Nachdem ich es erklommen hatte, drĂŒckte er ein paar bunte Knöpfchen, sagte „15 Minuten“ und verschwand wieder. GemĂ€chlich, wie bei einem Schaufensterbummel setzte ich mich in Bewegung. Wie ein Hamster im Laufrad denke ich noch, da piepste es auch schon und das GerĂ€t beschleunige das Tempo und erhöhte den Neigungswinkel. ( Stufe- Mount Everest im Dauerlauf ). Ich lief, schwitzte, strampelte , keuchte, bekam einen Hustenanfall und dann begann ich (so kam es mir jedenfalls vor) zu schweben(Mensch, muss ich schon viel abgenommen haben).Ich rannte bereits auf dem schwarzen Gummiband, als wĂ€re der Teufel hinter mir her und am Zahnfleisch angekommen, die Lunge hinter mir herschleppend, hoffte ich nun auf Erlösung. Nach Ablauf der Zeit, stoppe das Band so plötzlich, dass ich der LĂ€nge nach hinfiel. Gott sei dank gibt es hier keine PfĂŒtzen, dachte ich noch und schon stand Hubert wieder neben mir. „Weiter geht’s, nur keine MĂŒdigkeit vorschĂŒtzen“ (Was heißt hier vorschĂŒtzen!!!) Ich machte nun Bekanntschaft mit dem Stepper. Nein, nein, kein menschlich-mĂ€nnliches Tanzgenie, sondern ein TrainingsgerĂ€t. Und was fĂŒr eins. Man stellt sich drauf und tritt sozusagen auf der Stelle, ganz Ă€hnlich dem Treppensteigen auf einer Rolltreppe, nur das man nie oben ankommt. Nun, dieses wunderbare GerĂ€t hatte auch einen Computer, der die Schritte die man machte in Etagen umrechnete. Fasziniert betrachtete ich die rotblinkende Anzeige, und als ich im 70. Stockwerk angekommen war, hörte ich die Stimme Gottes:“ Sie sind nun erlöst!“ Weinend fiel ich auf die Knie und kĂŒsste den Boden auf dem er stand. Das war das letzte an das ich mich erinnerte, und als ich wieder zu mir kam, glaubte ich im Himmel zu sein. Alles war so hell und sauber um mich herum, ein angenehmes GefĂŒhl durchflutete meinen Körper, der ausgestreckt da lag und ich blickte in ein Gesicht mit einem weißen Rauschebart. Da musste ich plötzlich wieder weinen. Ich war also tot. Das hatte ich nun davon. Warum hatte ich mir auch in den Kopf gesetzt abzunehmen. Ich begann haltlos zu schluchzen, als mich der Mann ansprach:“
Beruhigen sie sich Frau Sobotka, es wird alles wieder gut. Sie sind hier im Krankenhaus, wo sich alle um sie kĂŒmmern werden. Es ist nichts ernstes, sie haben sich lediglich etwas ĂŒberanstrengt, und da hat der Kreislauf eben nicht mehr mitgemacht. Ich fiel ĂŒberglĂŒcklich in einen tiefen und traumlosen Schlaf. Das hat man nun davon, wenn man an die Badewanne denkt.

Nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus war ich seelisch auf dem Nullpunkt angelangt. Warum waren andere so schlank? Die mussten doch auch essen, oder? Aus lauter Frust und Kummer, begann ich noch mehr zu in mich rein zu stopfen. Was soll`s. Ich muss mich wohl oder ĂŒbel damit abfinden. Es kann eben nicht jeder dĂŒnn sein. Mollig ist auch schick. Ich versuchte mich mit geistreichen SprĂŒchen wie- Rund und G`sund u.s.w. zu trösten, aber der Frust nahm zu und ich auch. Eines Tages, ich studierte gerade eines dieser Klatschmagazine, las ich folgende Anzeige:

Wir befreien sie von ĂŒberflĂŒssigen Kilos
in 5 Tagen um 2 KleidergrĂ¶ĂŸen
in 3 Tagen um 1 KleidergrĂ¶ĂŸe
Beauty - Vital - Residenz
Buchungen unter :02288/5544771

Ich blĂ€tterte weiter, aber in meinem Hinterkopf begannen die Zellen zu arbeiten. Wie könnte ich meine Familie bloß davon ĂŒberzeugen, dass ich da unbedingt hin muss? Der erste Versuch sah folgendermaßen aus: Ich ließ die Zeitung, natĂŒrlich mit der Anzeige nach oben, auf dem Wohnzimmertisch liegen. Zwei Tage lang geschah gar nichts. Ich platzierte sie nun in der Toilette und prompt kam eine Reaktion: „ Hast du schon gelesen? Johanniskraut soll gegen Depressionen helfen!“ Das war mein allerbester Ehemann und sie können sich vorstellen, dass ich mir keineswegs diese Reaktion erwartet hatte. Johanniskraut!! Nun begann ich an einem anderen Plan zu feilen: Ich erzĂ€hlte ihm, dass von einer Freundin , die Schwester von der Cousine ihres Mannes , unlĂ€ngst zur Kur gewesen sei, und so unheimlich viel abgenommen hatte, und, dass die nun blendend und um Jahre jĂŒnger aussah. Es konnte wohl schon bei dem Wort Schwester nicht folgen, den er sagte nur: „Wenn du meinst mein Schatz, dann streichst du halt die KĂŒche gelb.“ Genervt und wĂŒtend ĂŒber so viel Ignoranz wagte ich einen letzten Versuch. Ich schnitt die Anzeige aus und klebte sie an den KĂŒhlschrank. Zwei Tage geschah gar nichts und am dritten Tag lag der Zettel am Boden. Das Klebeband hatte den Dienst versagt. Entnervt gab ich auf. Wozu das ganze Theater, er merkt ja sowieso nichts. Ich wurde immer stiller, frustrierter und grantiger. Das fiel sogar meinem Allerbesten auf. „Schatz du solltest mal zur Kur fahren. So wie du aussiehst, hast du Erholung dringend nötig.“ War zwar kein Kompliment, aber ich hatte erreicht was ich wollte.

Und es war so einfach! Noch am selben Tag buchte ich einen 5 Tage- Aufenthalt fĂŒr mich. Das bedeutete 2 KleidergrĂ¶ĂŸen!!! Aufgeregt und voller Vorfreude packte ich meine Koffer. HĂ€tte ich damals schon gewusst, was mich nun erwartete, ich hĂ€tte die Zeitung sofort verbrannt.

Ich saß also im Wagen, auf dem Weg zur Beauty – Residenz, und stellte mir mein Leben in GrĂ¶ĂŸe 40 vor (denn ich hatte in meiner Phantasie natĂŒrlich weit mehr abgenommen). Der erste Einkaufsbummel: Ich schlendere an den Auslagen der besten Boutiquen der Stadt vorbei
( natĂŒrlich auch an der mit der fiesen VerkĂ€uferin aus dem ersten Kapitel) und entdecke dabei in einem Schaufenster ein umwerfendes KostĂŒm. Es ist aus cremefarbener Seide mit Perlmuttknöpfen. Darunter war ein erdbraunes Top zu sehen und um den Ausschnitt war ein dazupassendes Halstuch drapiert. Unter dem Ensemble standen ein paar Schuhe, die aus dem selben Stoff gefertigt waren. Ich betrat das GeschĂ€ft und probierte diesen Traum aus Seide. Es passte wie angegossen und war sofort gekauft. Ich hatte natĂŒrlich auch schon einen Anlass, zu dem ich es tragen konnte. Eine Firmenfeier meines allerbesten Ehemannes. Ich sehe umwerdend aus in diesem KostĂŒm. Die Haare hochgesteckt, ziehe ich alle Blicke auf mich. Und wĂ€hrend ich die Bewunderung der Arbeitskollegen förmlich spĂŒre, stelle ich fest, dass ich die Autobahnausfahrt die mich nĂ€her ans Ziel meiner TrĂ€ume bringen sollte, bereits vor 10 km verpasst hatte. Na ja, was soll`s. Machte ich eben einen Umweg ins GlĂŒck. Nach nochmals 2 Std. Autofahrt, inklusive 2 weiterer Umwege kam ich endlich ans Ziel. Beauty - Vitalresidenz- Schönberg.

Ich stand vor einer nicht allzu kleinen Villa, umgeben von einem sehr gepflegten Park im englischen Stil, und staunte nicht schlecht, als plötzlich ein Mann in Livree an mein Fenster klopfte und meinte, er wĂŒrde meinen Wagen parken und sich um das GepĂ€ck kĂŒmmern. Ich solle nur schon reingehen und einstweilen die FormalitĂ€ten erledigen. ÜberwĂ€ltigt stieg ich aus und bewegte mich in Richtung der gewaltigen Treppe, die zum Eingang hinauffĂŒhrte. Ich fĂŒhlte mich wie eine Königin, als ich die Stufen empor schritt ( ob schreiten hiefĂŒr wirklich der richtige Ausdruck ist, dass sei dahingestellt)und konnte der Versuchung gerade noch wiederstehen, meinem Volk zuzuwinken. .Nun beginnt ein großes Abendteuer, ein neues Leben fĂŒr mich. Nun wird alles besser! Mit diesen Gedanken betrat ich die Eingangshalle.
Der beige Teppich war so weich, dass man das GefĂŒhl hatte, auf Wolken zu wandeln. GedĂ€mpfte Stimmen drangen an mein Ohr und es roch nach nach Bienenwachs und Rosen.
Ich machte noch ein paar Schritte und blieb dann stehen um mich genauer umzusehen. Es waren wenige in der Empfangshalle. Zu meiner Rechten standen 2 gemĂŒtliche Sofas mit Tischen und dazupassenden Lehnsesseln, in denen zwei Ältere Damen saßen und ihren Tee schlĂŒrften. Die eine hatte Ähnlichkeit mit dieser berĂŒhmten Schauspielerin, die immer die Rolle der Ă€lteren Dame spielte, die sĂ€mtliche KriminalfĂ€lle vor der Polizei aufklĂ€rt, und die andere Dame war wohl ihre Freundin. Links fĂŒhrte eine Treppe in die oberen Stockwerke. Ich trat an die HolzgetĂ€felte Empfangstheke, hinter der ein Herr in den mittleren Jahren gerade telefonierte:“ Nein Frau FĂŒrst, heute haben sie keine Unterwassermassage. Erst morgen wieder. Ja gerne. Stets zu diensten:“ Er legte auf und wandte sich mir zu. :“Guten Tag, gnĂ€dige Frau, mein Name ist Josef. Ich bin der gute Geist dieses Hauses hier. Sozusagen das MĂ€dchen fĂŒr alles und wenn sie etwas benötigen, wenden sie sich vertrauensvoll an mich.“ „ Guten Tag,“ erwiderte ich“ Mein Name ist Sobotka Sabine und ich habe reserviert.“ „SelbstverstĂ€ndlich Frau Sobotka. Wenn sie mir noch bitte dieses Anmeldeformular ausfĂŒllen wollen, ich werde mich unterdessen um ihren BergrĂŒĂŸungscocktail kĂŒmmern.“ Das klingt ja gut. BergrĂŒĂŸungscocktail. Wahrscheinlich irgendwas exotisches. Rasch fĂŒllte ich den vor mir liegenden Zettel aus, als Josef auch schon wieder vor mir stand. Auf einem Tablett hatte er ein wunderschön geformtes Glas mit Golddekor, in dem sich eine grĂŒn-brĂ€unliche FlĂŒssigkeit befand. Ich ahnte grausiges. Bereits nach dem ersten Schluck, bestĂ€tigte sich meine Vorahnung. Was war da bloß drin? Auf meine Frage antwortete Josef:“ Das, GnĂ€dige Frau, ist ein Geheimnis des Hauses und wird nicht verraten. Es soll sie jedoch auf das kommende Einstimmen.“ Ob ich wieder umkehren sollte? Blödsinn.
Das ziehst du jetzt durch, sagte ich zu mir selbst. „GnĂ€dige Frau?“ Erschrocken drehte ich mich um, wobei ich gleich den Trank auf dem Teppich entsorgte. (Das wĂ€re dann auch erledigt.) „ Darf ich ihnen ihr Zimmer zeigen.“ Es war der Hoteldiener der auch gleich Richtung Treppe ging. „Lift gibt es hier keinen, denn so verschaffen wir unseren GĂ€sten zusĂ€tzlich Bewegung.“ Wir gingen und gingen und gingen, bis wir im Dachgeschoss angekommen waren. Die dicksten ganz nach oben schoß es mir durch den Kopf und der Page drĂŒckte mir den SchlĂŒssel fĂŒr Zimmer Nummer 23 in die Hand. „ Einen angenehmen Aufenthalt und viel Erfolg wĂŒnsche ich.“ und wĂ€hrend ich noch nach Kleingeld kramte, war er schon weg. Na dann kriegt er das nĂ€chste mal eben ein bisschen mehr Trinkgeld. Ich schloss die TĂŒr auf und trat ein.

Das Zimmer war genau nach meinem Geschmack. Mitten im Raum stand ein etwas grĂ¶ĂŸeres gemĂŒtliches Bett, auf dem etliche Polster dazu einluden, sich sofort hinzulegen und einzuschlafen. Die WĂ€nde waren in zartem Gelb gestrichen und der Teppichboden hatte einen cremigen Braunton. Die VorhĂ€nge waren aus dem selben gelbgemusterten Stoff wie die Tagesdecke und die Zierkissen. Gleich neben der EingangstĂŒre befanden sich noch 2 TĂŒren. Die eine fĂŒhrte ins Badezimmer hinter der Anderen verbarg sich ein Kleiderschrank. Neben dem Bett stand noch ein NachtkĂ€stchen mit Leselampe und Telefon. Meine Koffer lagen auf dem Bett und warteten darauf endlich ausgepackt zu werden. Ich öffnete den ersten als es klopfte. „Herein!“ Eine krĂ€ftig gebaute Frau Mitte 40 betrat den Raum. „Guten Tag. Ich bin Ilse. Ich werde sie durch die nĂ€chsten 5 Tage begleiten. Ich bin sozusagen ihr Schatten.“ Sie lachte hĂ€misch. „ Ach, sie wohnen auch in diesem Zimmer? Da mĂŒssen wir uns aber mit dem Kleiderschrank etwas einfallen lassen, denn recht gerĂ€umig scheint er nicht zu sein“ „Wo denken sie hin! Ich bin hier als GĂ€stebetreuerin angestellt und werde sie nach besten KrĂ€ften unterstĂŒtzten. Hier steht alles drauf, was sie heute noch zu erledigen haben.“ Mit diesen Worten drĂŒckte sie mir einen Zettel in die Hand und verließ das Zimmer. Es war jetzt kurz vor 3 Uhr Nachmittags. Was konnte da noch groß anstehen? Ich sah mir die Liste an.

15.15 Uhr Untersuchung durch den hauseigenen Spezialisten
(entsprechende Kleidung erforderlich)
16.00 Uhr Informationsvortrag im Speisesaal

17.30 Uhr Abendessen

ab 18.00 Uhr Ruhezeit

Na toll. Was heißt hier entsprechende Kleidung? Halb oder ganz Nackt ?
Ich entschloss mich fĂŒr meinen Jogginganzug, weil der im Koffer oben auf lag. Es war ja nicht mehr viel Zeit. Ich zog mich rasch um und als ich gerade weiter auspacken wollte, stand auch schon Ilse im Zimmer. „Können wir? Dr. Schlemmerer wartet nicht gerne. Nomen est omen, schoß es mir durch den Kopf. Lustig, dass er gerade in einem Schlankheitsinstitut arbeitet. Vor mich hinschmunzelnd folgte ich Ilse in den sogenannten Medizintrakt.
Hier erlebte ich dann die erste Überraschung. ( Nebenbei bemerkt, bei weitem die angenehmste die mir hier wiederfahren sollte). Hinter dem Schreibtisch des Behandlungszimmers saß eine alte Frau die mich mit verkniffenem Blick musterte. Ob sie auch auf Dr. Schlemmerer warte fragte ich sie und als Antwort wurde ihr Blick noch verkniffener. Ilse kam nochmals und legte einige Zettel auf den Tisch. “ Dr. Schlemmerer, dies ist Frau Sobotka, sie ist heute erst angekommen.“ Du meine GĂŒte.! Sie musste mindestens 80 sein. Ob die noch gut sieht? Als ob sie meine Gedanken lesen konnte sagte sie: „Nehmen sie Platz. Wie sie bereits erfahren haben bin ich Dr. Schlemmerer. Ich bin 85 Jahre alt und noch immer bei bester Gesundheit. Dies als Beweis dafĂŒr, das unsere Methode Erfolg hat. Nun beantworten sie mir bitte ein paar Fragen.“ Sie hatte eine Stimme wie ein Feldmarschall und ich wusste sofort, Widerstand war zwecklos.
„Name?“
„Sabine Sobotka“
„Alter?“
„30 Jahre“ ( ihr Blick sagte mir, dass sich mich Ă€lter geschĂ€tzt hatte)
„Ausziehen und dort hinten auf die Waage stellen.“
Ein militĂ€risches „Jawohl“ konnte ich mir gerade noch verkneifen.
Da stand ich nun wie Gott mich schuf (und was ich noch dazugefĂŒgt hatte) auf dem MessgerĂ€t und wartete. Kurz bevor die Frostbeulen zu wachsen begannen erhob sie sich und kam zu mir herĂŒber. KopfschĂŒttelnd blickte sie auf die Waage.“ Wie groß sind sie?“ „1,67m“. Wieder schĂŒttelte sie den Kopf, nahm wieder hinter ihrem Schreibtisch Platz und trug alles fein sĂ€uberlich in die Kartei ein. Dann erhob sie sich abermals und zog etwas aus ihrer Manteltasche, dass wie eine verbogene Grillzange aussah. “Wollen mal sehen, wie groß der Fettanteil ist“ sagte sie und zwickte mich damit in den Bauch. „Aua!“ rief ich empört, „das tut doch weh!“ . Doch Frau Doktor zuckte nur mit den Schultern, zwickte mich auch noch in den Oberschenkel und den Oberarm und machte kehrt. Wieder am Schreibtisch angekommen, trug sie auch diese Werte in mein Stammblatt ein , seufzte tief und schĂŒttelte nochmals, diesmal etwas heftiger, den Kopf. Allein ihr Verhalten stĂŒrzte mich bereits in tiefe Hoffnungslosigkeit. „ Dass sie zu Fett sind wissen sie, denn sonst wĂ€ren sie ja nicht hierher gekommen. Aber, wir werden ihnen helfen, ihre gute Figur wieder zum Vorschein zu bringen.
( Als ob ich sie versteckt hĂ€tte. Haha)Wenn sie mir jetzt noch ein paar Fragen beantworten sind sie gleich entlassen.“ Nach der Fettmessaktion war ich schon hoffnungslos genug gewesen, aber diese Aussage stĂŒrzte mich in ein Loch tiefer Depression.
Ich beantwortete die Fragen so gut es ging und ehe ich mich versah, stand ich schon wieder vor der TĂŒre. Ilse, mein Schatten war natĂŒrlich auch da. „Auf geht’s, zum Vortrag!“ Mit hĂ€ngendem Kopf und heruntergezogenen Schultern trottete ich hinterher.
Irgendwie hatte ich jetzt ĂŒberhaupt keine Lust, mich in einen Saal voller Menschen zu quetschen und irgendwelchen VortrĂ€gen zu lauschen. Aber, da musste ich jetzt durch. ( Komm MĂ€del, du schaffst es!) Und ich staunte nicht schlecht , als ich den Speisesaal betrat .Dort saßen gerade mal 4 Personen, die, nach ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen, auch schon bei Frau Doktor Schlemmerer gewesen sein dĂŒrften. Ich nahm auf dem mir zugewiesenen Stuhl Platz und blickte in die Runde. Mir gegenĂŒber saß ein Herr Anfang 50. Links von mir, saß ein PĂ€rchen, dass sich so krampfhaft an den HĂ€nden hielt, als ob jeden Moment eine Flutwelle sie trennen könnte, und zu meiner Rechten saß eine Ă€ltere Dame, die bereits eingenickt war.
Ich begann mir den Speisesaal genauer anzusehen. Irgendwie erinnerte mich das ganze an eine Bahnhofshalle, nur dass hier noch wahllos Tische und StĂŒhle aufgestellt waren. Vor den Fenstern waren keine VorhĂ€nge und ein paar verdorrte Blumenstöcke waren zur Dekoration aufgestellt. Nicht sehr einladend, schoss es mir durch den Kopf, aber wahrscheinlich hatte das ganze einen tiefenpsychologischen Sinn. Hier wollte man sicher nicht stundenlang sitzen und essen, und beim Anblick der Blumen hatte man schon ein schlechtes Gewissen, wenn man nur einen Schluck Wasser trinkt .Die SchwingtĂŒren wurden aufgerissen, und meine GedankengĂ€nge jĂ€h unterbrochen. „Hallo meine Lieben! Herzlich willkommen.!“
Ich bin Bertram Wacholsky und dass ist meine Frau Lorena. Wir sind die Besitzer dieser Oase und hoffen, dass es Ihnen bei uns gefĂ€llt. Wir werden sie auf dem Weg zu Ihrem neuen Körper begleiten!“ Prima, noch zwei Schatten, dachte ich und betrachtete die Beiden ausfĂŒhrlich. Lorena war, wie kann es anders sein, gertenschlank, hatte kurzes schwarzes Haar, und war ungefĂ€hr einen Kopf kleiner als Bertram. Der war groß blond und trug einen SchnĂ€uzer. Beide waren grau in grau gekleidet, trugen schwarze Schuhe und hatten ein DauerlĂ€cheln aufgesetzt. Enthusiastisch begannen sie mit ihrem Vortrag. Ich verstand zwar nicht viel von dem was sie sagten, aber drei Worten brannten sich mir ins GedĂ€chtnis ein: Reduktionskost, Bewegung , Gesundheit. Immer wieder sah ich auf die Uhr, denn mein Magen krachte bereits fĂŒrchterlich. Und ein Blick in die Runde sagte mir, dass dies kein Einzelschicksal war.
Erst ein lauter Gong holte die Beiden von Ihrer Wellnesswolke herunter, und nach eigen abschließenden Worten, verließen Bertram und Lorena genauso resolut den Raum wie sie in vorher betreten hatten. Ein weiterer Blick auf die Uhr verriet mir, dass es Zeit zum Essen sein musste, und ich erwartete nun gespannt, was noch alles auf mich zukam.

Wie gesagt, der Vortrag war vorĂŒber, mein Magen knurrte und es hatte gegongt. Plötzlich hatte ich das GefĂŒhl, die Erde wĂŒrde beben, oder aber eine BĂŒffelherde werde in wenigen Sekunden hier durch den Saal galoppieren. Die SchwingtĂŒr wurde mit voller Wucht aufgerissen, und eine Gruppe von 10 extrem Übergewichtigen enterte den Raum. Sie wĂ€lzten sich zu ihren StĂŒhlen und nahmen lautstark Platz. Als endlich Ruhe eingekehrt war, kam eine Garde hĂŒbscher ServiermĂ€dchen ( sie sollen wohl als Vorbild dienen) in den Saal, Servierwagen vor sich herschiebend. Ich versuchte einen Blick auf die Teller zu ergattern, aber diese waren mit silbernen Hauben abgedeckt. Wie im Nobelrestaurant dachte ich noch, als die Teller vor uns hingestellt wurden, mit der Bitte, den Deckel erst beim Gongschlag abzuheben, und das, was dann folgte, ist kaum zu glauben, aber wahr. Endlich, der heißersehnte Klang.( Ich hatte schon Angst, ihn zu ĂŒberhören, weil mein Magen so laut knurrte) Erwartungsvoll entfernte ich die Abdeckhaube und – sah nichts. Der Teller war leer. Entgeistert untersuchte ich den Deckel und entdeckte, dass am Innenrand ein StĂŒck Karotte ( 3 cm * 0,5 cm –d.h. fast durchsichtig) und eine Erbse klebten. Nicht einmal anstĂ€ndig abgewaschen haben die! Ich wollte gerade meinen leeren Teller reklamieren, als mein Blick auf das Abendessen meiner Tischnachbarin fiel. Dort lagen auf einem großen weißen Teller eine Karotte ( Maße siehe oben) und eine Erbse. Gerade als ich mich wieder gefasst hatte und zu essen beginnen wollte, kam der Serviertrupp und entfernte das Teller samt silberner Abdeckhaube. Es folgte der Hauptgang. Beim Gongschlag hob ich ganz vorsichtig den Deckel ( nur ja nichts verlieren! Könnte ja wieder etwas drin kleben!) und blickte hinein. Nichts!
Gott sei dank, diese Speise muss grĂ¶ĂŸer sein! Mein skeptischer Blick fiel auf den Teller, und was ich dort fand, spottet jeder Beschreibung. Da lag ein Salatblatt garniert mit einem Zwiebelring. Erwartungsvoll hob ich das GrĂŒn, und betete, dass sich darunter auch noch etwas befinden möge. Ich hoffte nicht vergebens. Unter dem Blatt befand sich ein Daumennagel großer Klecks Senf.( Vermutlich wurde dieser zu Befestigungszwecken angebracht ) Frustriert legte ich den Deckel wieder drauf und wartete auf den Nachtisch. HĂ€tte Ilse mich nicht abgeholt, wĂŒrde ich jetzt wohl noch immer dort sitzen, und von einer hauchdĂŒnnen Apfelscheibe oder einer halben Mandarinenspalte trĂ€umen.

Ich muss wohl einen Ă€ußerst verwirrten Eindruck auf sie gemacht haben, denn plötzlich pfiff sie lautstark durch ihre blitzweißen ZĂ€hne und zwei starke Herren kamen, und brachten mich auf mein Zimmer. (ehrlich gesagt war ich froh, dass ich nicht wieder die vielen Stufen zu Fuß bewĂ€ltigen musste). Erschöpft fiel ich in einen tiefen und traumlosen Schlaf.

„Einen wunderschönen guten Morgen“ brĂŒllte Ilse und ich kugelte erschrocken aus dem Bett. „Auf zur Wassergymnastik! Flott , flott, nur keine MĂŒdigkeit vorschĂŒtzen!“ Verschlafen blickte ich auf den Wecker.
5.45 Uhr!!! Die spinnen! So lautstark wie sie gekommen war, verließ „mein Schatten“ wieder das Zimmer. Ich wĂ€lzte mich vom Boden hoch, quĂ€lte mich in meinen Badeanzug, und fĂŒhlte mich schon um einiges schlanker. Etwas motivierter, trat ich vor die TĂŒre. „Bravo, nur weiter so“ mit diesen Worten lotste mich Ilselein ins Hallenbad. Es standen bereits einige der Damen und Herren im Becken, also fiel es fast nicht auf, dass das Wasser etwas ĂŒberschwappte als ich mich ĂŒber die Leiter hineingleiten ließ. Nun hieß es 50 Minuten lang Verrenkungen unter Wasser zu machen, die wir im Trockenen nie und nimmer hinbekommen hĂ€tten. (Haben sie gewusst, dass man auch unter Wasser schwitzen kann?) Nach vollbrachter Leistung wuchteten wir uns wieder aus dem Becken und trabten Richtung Zimmer. Bald wird es FrĂŒhstĂŒck geben, ĂŒberlegte ich vertrĂ€umt, wĂ€hrend ich dem Bademeister beim NachfĂŒllen des Pools beobachtete. Wahnsinn wie viel Wasser ein paar so kleine Menschen verdrĂ€ngen können! 7.15 Uhr Endlich gab es FrĂŒhstĂŒck. ( So stand es jedenfalls auf meiner neuen Liste, die mir Ilse gebracht hatte) Es gab eine Scheibe Brot, die so dĂŒnn war, dass man mĂŒhelos eine darunter liegende Zeitung hĂ€tte lesen können. Dazu ein rundes gelbes Etwas, dass, wie mich meine Tischnachbarin aufklĂ€rte, MagerkĂ€se war. (Der war so mager, dass er schon beim bloßen Betrachten zerbröselte )Nach dieser ĂŒppigen Mahlzeit stand ein Parklauf auf dem Programm, denn die eingenommen Kalorien ( und es waren mit Sicherheit mehr wie 3 ) mussten schließlich wieder abgearbeitet werden.
Und dann ging es so richtig zur Sache. Wickeltherapie. Ich war so ausgehungert, dass mir beim Wort Wickel, sofort die Krautrouladen meiner Mutter einfielen, aber sie können sich bereits denken, dass das ganze nichts mit Essen zu tun hatte. Ich wurde von ,sie wissen schon wem, in einen kleinen Raum gebracht, der nur mit einer Massageliege und einigen Regalen eingerichtet war. Darin standen viele Flaschen, gefĂŒllt mit grĂŒner FlĂŒssigkeit und jeder Menge großer Stoffrollen.
„Wenn sie sich bitte ausziehen möchten. Die Unterhose können sie anbehalten.“ Das war wie sich spĂ€ter herausstellte Olga, die Wickel-expertin. Ich gehorchte und legte mich dann auf die Liege. Olga startete zunĂ€chst damit, dass sie mich von oben bis unten mit dieser grĂŒnen FlĂŒssigkeit einrieb. Es roch furchtbar. Und dann wickelte sie mich in die Stoffrollen. Sie begann bei den Zehen und arbeitete sich stetig nach oben durch. Die ganze Prozedur dauerte ca. 20 Minuten , dann stellte sie noch einen kleinen Wecker und sagte: „In 40 Minuten werden wir sie wieder auspacken!“ Sie verließ gerĂ€uschvoll das Zimmer. So muss sich wohl Tut Ench Amun gefĂŒhlt haben. Ob die Mumien in Ägypten auch mit solch stinkender FlĂŒssigkeit einbalsamiert wurden? Was gibt es wohl zum Mittagessen? Hat Prinz Charles wirklich was mit Camilla ? Habe ich eigentlich noch Arme und Beine? SpĂŒren tu ich nichts. WĂ€hrend mir diese und andere Gedanken durch den Kopf flitzten, muss ich wohl eingeschlafen sein ( passe mich immer meinem Körper an), denn Olgas poltern ließ mich mit einem Mal hell wach werden. „ So geschafft! Sie werden sehen, sie fĂŒhlen sich gleich um Jahre jĂŒnger!“ Gewissenhaft wickelte sie mich wieder aus, was bei weitem schneller ging als das einwickeln. Als sie beim GesĂ€ĂŸ ankam gab es einen kleinen Zwischenfall. Sie zog so ruckartig an dem Stoff, dass ich sofort zur Seite und vom Tisch runterrollte. Das krachte vielleicht! Da Olga, die, wie sie bereits bemerkt haben werden , sehr stark war, hob sie mich wieder auf und legte mich auf die Pritsche zurĂŒck. EndgĂŒltig befreit, schlĂŒpfte ich rasch wieder in meinen Jogginganzug und machte mich auf den Weg in mein Zimmer. Ich war sehr neugierig zu erfahren, in welcher Weise sich mein Körper wohl verĂ€ndert hat. Ich merkte gar nicht, dass ich irgendwo falsch abgebogen sein musste, denn nachdem ich die TĂŒr, die meiner Meinung nach in die Hotelhalle fĂŒhrten sollte geöffnet hatte, stand ich plötzlich im Freien. Neugierig, trat ich einen Schritt vor – Peng – da fiel die TĂŒr mit einem lauten Knall ins Schloss. Da stand ich nun, nur mit meinem Bademantel bekleidet, mitten in einem WĂ€ldchen. Aha, dass muss wohl die RĂŒckseite der Villa sein, da brauche ich dann nur rund herumgehen, schon bin ich in der Eingangshalle. Hoffentlich sieht mich keiner, denn in diesem Aufzug, könnten die mich glatt fĂŒr eine „Entsprungene“ halten. Ich machte mich auf den Weg. Da mein Orientierungssinn aber nicht der allerbeste ist, schaffte ich es sogar mich in diesem kleinen WĂ€ldchen zu verlaufen. Ich begann wie wild zu Fluchen und zu schreien. So was blödes, können die hier keine Wegweiser aufstellen! Warum pflanzen die auch einen so dichten Wald hier! Warum war dieser blöde Ausgang nicht versperrt! Jetzt werde ich nie mehr ins Zimmer finden und sehen, wie die Therapie gewirkt hat. Ob ich schon dĂŒnner bin? Soviel wie ich hier herumlaufe!?
Endllich! Islelein! Ich war noch nie so froh sie zu sehen! „Was machen sie denn hier? Sie sollten doch auf ihrem Zimmer sein, dass ich sie aber auch immer antreiben muss! Folgen sie mir ! GlĂŒcklich, sie schimpfen zu hören stapfte ich ihr nach. Endlich wieder in meinem Zimmer, stellte ich mich mit geschlossenen Augen vor den Spiegel und ließ langsam den Bademantel fallen. Zögernd öffnete ich die Augen. (Erst das Rechte und dann das Linke)Eine Minute lang starrte ich auf mein Spiegelbild, und konnte gar nicht fassen, was ich da sah. Mir blieb die Luft weg. Langsam blickte ich von oben nach unten und von unten nach oben. Was ich da sah, war schlicht weg Wahnsinn!. Können sie sich das MichelinmĂ€nnchen in Rot vorstellen?Ja? Nun, das hat noch mehr Figur als ich! Die TrĂ€nen kullerten ĂŒber mein rotgeflecktes Gesicht. Ich brauche dringend Schokolade oder ein StĂŒck Buttercremetorte oder einen Schweinebraten oder am besten gleich alles auf einmal. GONG! Zeit zum Mittagessen. Ich fĂŒhlte mich wie eine Tonne und hatte auf einmal das GefĂŒhl, dass mir sogar mein um 2 Nummern grĂ¶ĂŸer gekaufter Hausanzug zu klein wĂ€re, und dass ich bald die NĂ€hte sprengen wĂŒrde. Mutlos schlich ich in den Speisesaal. Etwas zu essen wird mich jetzt sicher aufbauen.
Ich nahm auf meinem Sessel Platz und wartete geduldig.
Der Serviertrupp erschien und stellte, wie gehabt, die abgedeckten Teller vor uns auf den Tisch. Gong. Ich lĂŒftete den Deckel. Nichts. Aber ich war ja bereits erfahren und wusste sofort, wo ich die Vorspeise suchen musste.
Langsam kaute ich die Erbse und ließ die Karotte unauffĂ€llig in meine Hosentasche gleiten, sozusagen als Notration. Dann kam auch schon der Hauptgang. Äußerst ĂŒppig! 5 Blatt Salat und ein Pfefferkorn.( Dieses entpuppte sich beim hineinbeißen als Radieschen!) Und die Nachspeise? (Langsam sollten sie wissen, dass es hier so was nicht gibt!) Mensch, bin ich vollgegessen!

Der folgende Nachmittag war mit diversen sportlichen BetĂ€tigungen ausgefĂŒllt. Gleich nach dem Essen tauchte Ilse wieder hinter mir auf. „ Los geht’s, zur Aerobic-Stunde! Sie werden sehen, man fĂŒhlt sich dann gleich viel besser!“ Ich trabte hinterher in den hauseigenen Turnsaal. Dort standen bereits einige ebenfalls beleibtere Damen, in Leggins und Leibchen, und warteten auf das, was da kommen möge. Und was da kam!!!
Wir durften nun Bekanntschaft mit einer lebendig gewordenen Barbiepuppe machen. „ Hallo MĂ€dels, ich bin Sandy, und ich werde euch schon auf Vordermann bringen! Wie eine Gruppe hypnotisierter Rindviecher antworteten wir: „ Hallo Sandy , danke!“ Und schon gings los.
Der Radio begann eines dieser Neumodischen Hipp-Hopp-Lieder zu plĂ€rren und wir starteten mit Powerwalking am Stand. Nach ca. 2 Minuten begann Sandy dann spontan seitwĂ€rts zu springen, was bei uns eine derartige Verwirrung auslöste, da wir nicht wussten, in welche Richtung wir springen sollten. Die einen hĂŒpften nach rechts, einige nach links und zwei hatten ĂŒberhaupt den Anschluss verpasst und standen nun mitten drin. Dies hatte zur Folge, dass zum Schluss alle am Boden herumkugelten, teilweise vor Schmerzen jammernd, teilweise lachend. „Meine Damen,“ schaltete sich Sandy ein „ die BodenĂŒbungen kommen aber erst nach der AufwĂ€rmphase dran!“ Irgendwie schafften wir es trotzdem, den Haufen zu entwirren, und die Trainingsstunde einigermaßen wĂŒrdevoll durchzustehen.
Total verschwitzt wollten wir gerade in Richtung unserer Behausungen gehen, als plötzlich ein weiß gekleideter, gut aussehender Mann vor uns auftauchte. „Meine Damen, ich sehe sie sind bereit! Wir werden uns nun auf den Weg zu vollkommener Jugend und Schönheit machen. Wenn sie mir bitte folgen wollen!“ Machte am Absatz kehrt und tĂ€nzelte in den Garten . Wir walzten hinterher. An einem kleinen Bach angekommen, bat er uns, eine Reihe zu bilden, die Schuhe auszuziehen und die Hosenbeine hochzukrempeln. „ Wir werden jetzt in diesen Bach der Jugend steigen, ein wenig darin herumspazieren und dabei die Seele baumeln lassen. Wenn sie mir bitte folgen !“ Mit diesen Worten stieg er in das , wie ich sehr bald feststellen musste, eiskalte Wasser. Mutig machten wir es im gleich. Ob meine Seele baumelte, weiß ich nicht mehr aber dass man in einem Bach unmöglich schwimmen kann, jetzt nur allzu gut. Denn als meine FĂŒĂŸe aufgrund der eisigen KĂ€lte den Dienst versagten, fiel ich der LĂ€nge nach hin.
Um nicht zu ertrinken begann ich wie wild zu rudern. „ Lady, „sagte da der Guru „ die Jugend und Schönheit kommt auch zu Ihnen, sie brauchen sich nicht als ganzes hineinlegen. Es geht deswegen auch nicht schneller!“ Ich wurde krebsrot ( aber nicht nur vor Scham) raffte mich in die Höhe und watete weiter. Als die ersten zu Niesen begannen, wurde der Ausflug abgebrochen. „Wir sehen uns morgen wieder, meine Damen und denken sie immer daran, wahre Schönheit kommt von innen und das einzige das auch von außen wirkt, ist kaltes Wasser !“ mit diesen Worten entschwand der weiß gekleidete Mann und ĂŒberließ uns wieder unserem Schicksal. Und das selbiges grausam sein konnte wusste ich schon vorher, aber ich hatte keine Ahnung wie grausam!
Nun durften wir endlich wieder auf unsere Zimmer. Jetzt werde ich erst mal ein kleines Nickerchen machte dachte ich als gerade Ilse um die Ecke bog. „Wir werden jetzt noch ein bisschen Seilspringen, und dann können sie sich bereits fĂŒrs Abendessen umziehen“ sprachs, und drĂŒckte mir eine Springschnur in die Hand. „ Und eins und zwei und hopp und zack wir machen hier noch lang nicht schlapp!“ so lautete die Parole. (Im Gedanken hatte ich sie lĂ€ngst umgedichtet: und eins und zwei und Hopp und Zack pass auf, dass ich dir jetzt keine prack!)

Endlich Abendessen. Erwartungsvoll und leicht ausgehungert, saß ich auf meinem Sessel und betete, dass diesmal mehr unter der Haube sein möge. Der Gong erklang, und die FrĂ€uleins tĂ€nzelten herbei. Ein erneuter Gong ermĂ€chtigte uns den Deckel zu heben und da war – nichts!. Aha denke ich jetzt, selbe Zeit, selbes Spiel, aber auch dass war ein Irrtum.
EnttĂ€uscht blickte ich nochmals auf meinen Teller. Ha! Da glĂ€nzt doch was! NatĂŒrlich ! Vor mir lag ein Champignon, der allerdings so blass war, dass ich ihn fast ĂŒbersehen hĂ€tte. Nun raten sie mal, womit der am Teller befestigt war. Mit Eischnee!! ( Zwecks der Farbe natĂŒrlich!) Rasch, damit ihn mir ja niemand nehmen konnte, verschlang ich das gute StĂŒck gleich im Ganzen und wĂ€re beinahe daran erstickt. Zuviel Gier ist eben keine Zier! Dann folgte der Hauptgang. Und hier hatte sich der Koch selbst ĂŒbertroffen! Es gab Salat, und als Beilage: Salat!!! (Die GrĂ¶ĂŸe der Portion brauche ich wohl nicht mehr erlĂ€utern.) Schreiend, mit TrĂ€nen in den Augen lief ich aus dem Saal. Ich hörte gerade noch wie meine Tischnachbarin mir nachrief:“ Wo wollen sie denn hin! Heute hĂ€tte es sogar eine halbe heiße Himbeere als Nachtisch gegeben!“
Nur noch nach Hause!! Wo steht mein Auto! Vergiss das GepĂ€ck! Hektisch startete ich den Wagen und brauste los. Nach etwa 40 km fahrt, hatte ich mich einigermaßen wieder beruhigt. Ich machte Stopp bei einem WĂŒrstelstand und verschlang gierig 2 KĂ€sekrainer mit Kartoffelsalat. Es ging mir dann zwar nicht unbedingt besser, aber ich wurde langsam ruhiger. Ich brauchte noch einige Wochen, um das Erlebte zu verarbeiten, denn ich hatte durch dieses Ereignis ein neues Problem dazubekommen. Wenn ich irgendwo nur einen Gong, eine Glocke oder ein Ă€hnliches GerĂ€usch hörte, begann ich am ganzen Körper zu zittern, und suchte krampfhaft nach einem Deckel. Die Auswirkungen dieser Macke waren furchtbar! Wissen sie eigentlich wie oft am Tag so ein GerĂ€usch tönt?

Aber Gott sei Dank habe ich wenigstens diese Eigenheit mit Hilfe meines Psychiaters soweit in den Griff bekommen, dass ich mittlerweile ohne Deckel das Haus verlassen kann. Was mein Übergewicht betrifft, so werde ich nicht aufgeben, denn ich weiß, irgendwann schaffe ich es!


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Sabine

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Sta.tor
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Eine nette Geschichte. Ich musste zwischendurch hĂ€ufig schmunzeln, kenne die Problematik. Schade nur die vielen kleinen Schreibfehler. Warum zwĂ€ngst Du Dich z.B. erst in einen Jogginganzug, um dann plötzlich nur im Bademantel im Freien zu stehen. Sowas trĂŒbt die Leselust etwas.
Versuch doch mal ein (verbessertes) Exemplar Deiner Geschichte im Wartezimmer Deines Hausarztes zu deponieren.

Noch viel Spass beim schreiben

Thomas
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schlimmer geht immer

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