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Leselupe.de > Horror und Psycho
Depesche nach Lübeck (Eine Geschichte aus dem Dreißigjährigem Krieg)
Eingestellt am 15. 07. 2003 12:11


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Talarmar
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2003

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Depesche nach Lübeck

Silbern ging im Mondlicht Regen nieder.
Schwarze Blasen platzten überm Moor.
Er hört vom fernen Lüneburg den Türmer wieder.
Es kam in diesen Tagen öfters vor.
Er lenkt sein Pferd durch dunkle Gassen.
Im Wind schaukelt ein Wirtshausschild.
Hier muss er Proviant noch fassen.
Die Zeiten sie sind rau und wild.

Es ist das letzte Haus am Orte.
Am Rande von dem großen Moore.
Verwittert ist die Eingangspforte.
Einlass gewährt wird nur dem Tore.
Dem Toren der nicht fühlt die Kälte.
Die alter Stein gebenedeit.
Für den die Furcht noch niemals zählte.
Selbst wenn es aus der Hölle schreit.

Schon stand er vor dem breiten Tor.
Den schweren Klopfer in der Hand.
Entfernter Lärm dringt an sein Ohr.
Er fühlt sich fremd hier in dem Land.
Hoffentlich hilft man ihm weiter.
Ist ihm freundlich hier gesonnen.
Man sieht ihm an, den schwedischen Reiter.
Er war vom Wege abgekommen.

Als Bote war er auf dem Wege.
Nach Lübeck hin, schon seit dem Morgen.
Sein Pferd es strauchelte am Stege.
Es kann nicht mehr, es macht ihm Sorgen.
Knarrend öffnet sich die Pforte.
Ein Buckliger der grinst ihn an.
Erschöpft stößt er heraus die Worte:
„Ein gutes Pferd, hilf er mir Mann.

Muss heuer noch nach Lübeck weiter.
Zeig er mir gleich den rechten Weg.
Die Gegend hier ist gar nicht heiter.
Mein Gaul er strauchelte am Steg.“
Der Bucklige wieselt schnell hervor
Und greift das Pferd am Zügel.
Dann raunzt er knarrend ihm ins Ohr
Und deutet auf die fernen Hügel:

„Ich warn’ Euch Herr, zur Nacht bleibt hier.
Es taugt nicht übers Moor zu gehen.
Für zwei Gulden gibt es hier Quartier.
Ich will nach Euerem Pferde sehen.
Gerade Heut ist’s nicht geheuer.
Seht überm Hag die Nebelschwaden.
Auch stehen wieder Elbenfeuer.
Es ist die Nacht wo Elfen baden.“

„Was scheren mich Elfen alter Tor.
Doch was soll dieser Schabernack.
Ich habe Heut noch anderes vor.
Nun troll dich fort du alter Sack.“
Mit schwerem Stiefel tritt er grob,
Den Alten, der mitsamt dem Krug
Einige Ellen Fasswärts stob.
Wo er dann hart zu Boden schlug.

Der Reiter wendet sich zur Tür.
Er folgt dem Duft von Fleisch und Wein.
Auch wäre ihm recht ein großes Bier.
Er greift zu Klinke und tritt ein.
Der Sturm entreißt die Tür dem Gast.
Er torkelt trunken wie im Traum
Und strauchelt an der Stiege fast.
Ein Blitz erhellt den dunklen Raum.

Hinter dem Schanktisch steht der Krüppel.
Der eben gerade im Hof noch war.
Er streichelt hämisch einen Knüppel.
Der Reiter nimmt es nicht gewahr.
Sucht einen Platz sich nah beim Feuer
Und winkt der blonden Schankmagd zu.
Das Essen scheint ihm nicht zu teuer.
Bis Mitternacht hat er jetzt Ruh.

Ausgeschenkt aus schwerer Kanne
Wird der bernsteinklare Wein.
Den Landsknecht hält die Tür im Banne.
Durch sie tritt jetzt ein Mönch herein.
Nachdem die Magd sich abgewendet.
Hübsch ist sie, sehr jung und frisch,
Der Mönch ihm einen Blick zusendet
und lenkt den Schritt zu seinem Tisch.

Hohl aus der Kapuze Schatten
Spricht er über ihm den Segen.
In der Ecke huschen Ratten.
Die Magd versucht sie wegzufegen.
„Mein Sohn rettet Euere Seelen.
Flieht so schnell ihr könnt dem Ort.
Ich will Euch dieses nicht verhehlen.
Es passiert sonst gleich ein Mord.“

Der Landsknecht wischt sein Maul und lacht:
„Wollt Ihr mich foppen frommer Mann?
Ich will weilen hier bis Mitternacht.
Doch was ist an dem Schnickschnack dran?“
„Hört zu!“ knurrt jetzt der Mönch sehr hohl,
„Ihr seid der Einzige hier der lebt.
So lebt noch dieses Weilchen wohl,
Doch rennt wenn Ihr am Leben klebt!“

Der Mönch dreht sich jetzt wortlos um.
Ein kalter Wind weht durch den Raum.
Der Landsknecht ist vor Grauen stumm.
Er fühlt sich wie in bösem Traum.
Aufstützend will er sich erheben.
Doch es fehlt ihm dazu die Kraft.
Sein ganzer Körper ist am beben.
Ob er es noch zum Ausgang schafft?

Nimmt von dem Wein noch einen Schluck.
Versucht noch einmal aufzustehen.
Muss klappen jetzt, mit einem Ruck.
Auch muss er nach dem Pferd noch sehen.
Jetzt hat er keuchend es geschafft.
Wankend gelingen ein paar Schritte.
Sie nehmen seine ganze Kraft.
Schon ist er in des Raumes Mitte.

Da schütteln sich die alten Mauern
Und aus den Steinen schreit der Tod.
Es hilft kein Beten und kein Trauern.
Um Mitternacht gilt sein Gebot.
Der Mönch, er trägt jetzt eine Hippe.
Die Kutte schwingt im Luftzug auf.
Man sieht ein ausgebleicht Gerippe.
Daraus tönt grauenvoll Geschnauf.

Alte Reste in den Bechern.
Kalter Rauch liegt in der Luft.
Wo eben Lärm noch von den Zechern,
Ist eingekehrt ein Hauch von Gruft.
Selbst der Buckel hinterm Tresen,
Lebendig war er anzuschauen.
Sieht aus als wäre er am verwesen.
Den Boten packt das nackte Grauen.

Er schafft nicht mehr den Weg ins Leben.
Der Bucklige stellt ihm ein Bein.
Er hat den Tritt zurückgegeben.
So hart kann manchmal Schicksal sein.
Nur draußen auf dem großen Moore.
Es glänzt jetzt hell im Mondeslicht.
Gedenken Elfen einem Tore.
Den gerade verließ, sein Lebenslicht.

©RT


__________________
"Die historische Wahrheit ist ein Mädchen, das man vergewaltigen kann, Hauptsache man macht ihr schöne Kinder" Alexandre Dumas

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Marcus Richter
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Hallo talarmar,
schöne Geschichte, eine rechte Wortwahl - ein Schauergedicht,
hat mir gut gefallen.

Schöne Grüsse,
Marcus
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"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Grünbein

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Talarmar
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Hallo Marcus

Danke für Dein Lob, es freut mich, dass Dir meine Schauerballade Spaß gemacht hat.
Netten Abend noch wünscht
Talarmar
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Gilmon
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Hallo Talarmar,

eine sehr gelungene Ballade, wunderbar zu lesen. Ein Text, den man auch gerne mehrmals liest. Auch optisch ist er durch die Zentrierung gut zu lesen und fällt angenehm ins Auge.

Grüße, Gilmon

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Talarmar
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Hallo Gilmon

Ich finde auch, dafür dass ich mich mehr bei Humor, Satire, Ironie zu Hause fühle,
ist mir diese Schauerballade recht gut gelungen.
Immerhin hat sie Dich auch ein wenig begeistert.
Für den Lob meines Stückes sage ich Dir hiermit herzlichen Dank.

Bis bald,
Talarmar
__________________
"Die historische Wahrheit ist ein Mädchen, das man vergewaltigen kann, Hauptsache man macht ihr schöne Kinder" Alexandre Dumas

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