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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Depression
Eingestellt am 11. 08. 2008 00:03


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Marie-Luise Wendland
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Depressionen

Gierig starrte ich auf ihren Mund, denn es war mir in diesem Höllenjahr unwahrscheinlich geworden, dass ein Mensch so gütig zu einem andern sprechen könnte.
Die junge Psychologin sah mich verständnisvoll an. Ihre braunen Augen strahlten eine Wärme aus, von der ich in dem letzten Jahr nur träumen konnte.
Ich hatte ihr meine Geschichte erzählt.
Vor 1 ½ Jahren war mein geliebter Mann tödlich verunglückt. Ich saß am Steuer des Unglückswagens, war aber schuldlos
Es war ein furchtbarer Schock für mich. Meine Freunde fingen mich auf, so dachte ich jedenfalls. Sie luden mich zwar zu jeder Party ein, doch wenn ich reden wollte, winkten sie ab: ’Red’ doch nicht immer davon, sonst wirst du immer trauriger. So schwieg ich und war fröhlich auf den Partys.
Nach einem halben Jahr ging von heute auf morgen eine Veränderung mit mir vor. Von unerklärlichen Ängsten wurde ich geplagt. Morgens war es am schlimmsten. Am liebsten wäre ich gar nicht mehr aufgestanden. Meine Antriebskraft war total lahmgelegt. Über die Angst, die mich befallen hatte, konnte ich mit niemandem reden Der schrecklichste aller Sätze, den ich zu hören bekam, hieß: ‚Reiß dich zusammen.’ Ich ging zu keiner Party mehr. Meinen sogenannten Freunden war ich lästig geworden. Keiner hatte ein Wort, das mich aufbauen konnte.
Eines Tages wachte ich mit Rückenschmerzen auf. Fast war ich froh darüber. Mit diesen Beschwerden konnte ich zu meinem Hausarzt gehen. Der verschrieb mir Salben und Massagen. Nichts half. Er überwies mich zum Orthopäden. Auch dieser stellte nichts fest. Hier hörte ich zum ersten Mal: Seelisch bedingt, haben Sie schon einmal daran gedacht, einen Neurologen oder Psychologen aufzusuchen? Ich war empört. Ich war doch nicht verrückt, gehe doch nicht zum ’Seelenklempner’. Ich suchte noch andere Orthopäden auf, erzählte aber nichts von meinen Ängsten. Doch nach jeder Untersuchung fiel der Satz: ‚Vielleicht seelisch bedingt.’ Ein Jahr quälte ich mich.
Jetzt saß ich vor der jungen Psychologin, für die alles ganz klar war.’’Sie haben,’’sagte sie,’’ überhaupt keine Trauerarbeit geleistet, Sie haben alles verdrängt. So sind die psychosomatischen Leiden zu erklären. Rückenschmerzen sind ganz typisch. Schwer lastet der Kummer symbolisch auf Ihrem Rücken.
Sie sollten eine Kur in einer psychosomatischen Klinik machen. Bis diese Kur genehmigt ist, kommen Sie jede Woche zu mir. Ich werde versuchen das Erlebte mit Ihnen aufzuarbeiten. Ganz ohne Medikamente werden Sie aber wohl nicht auskommen.’’ Jedes Wort weckte Hoffnung in mir.
Ich sah ein Licht am Ende des Tunnels.

Im Jahre 2003 Marie-Luise Wendland






__________________
Marie-Luise Wendland
Carpe diem!

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arle
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Registriert: Feb 2004

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Hallo Marie-Luise,

vorweg finde ich, dass dein Text in der falschen Rubrik steht. Er ist in meinen Augen keineswegs eine Kurzgeschichte, sondern ein Tagebucheintrag. Eher noch ein Brief an einen Menschen, der mal nachgefragt hat, wie es dir inzwischen so ergangen ist.

Unter einer Kurzgeschichte verstehe ich einen Text, der eine Situation aus einem ganz bestimmten (im besten Fall überraschenden) Blickwinkel schildert. Die Art und Weise, wie du beschreibst, lässt für mich nichts Neues durchblicken, macht die Geschichte austauschbar, weil sie so oder ähnlich tausendfach jeden Tag geschieht. Jeder erlebt diese Geschichte aber auf seine ureigene Weise, und genau da hättest du meiner Meinung nach ansetzen sollen.

Beispiel: Über die Angst, die mich befallen hatte, konnte ich mit niemandem reden. - Doch, hier könntest du es, und ich frage mich, warum du diese Chance vertan hast.

Ein Jahr quälte ich mich. - Wie hat sich dieses Quälen angefühlt? Welche Ängste haben dich bewegt?

Und so weiter und so weiter. Ich glaube, du weißt, worauf ich hinaus will. Das ist es jedenfalls, was die Geschichte für mich interessant und im besten Fall berührend machen könnte. So wie die Situation hier geschildert ist, nicke ich kurz und ziehe dann weiter, ohne dass mich wirklich etwas von dem Erzählten anfassen konnte.

Schade drum, meint:

Silvia


__________________
Am jĂĽngsten Tag, wenn die Posaunen schallen und alles aus ist mit dem Erdeleben, sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben von jedem Wort, das unnĂĽtz uns entfallen. - J.W. Goethe -

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