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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Der Akt
Eingestellt am 07. 07. 2004 10:40


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Ganimed
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2004

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Der Akt

Ich weiß nicht wie lange schon, aber tĂ€glich betrachte ich ein Bild. Ein Aktbild. Ein Aktbild von einer Frau, die auf einem abgedeckten Bett liegt. Unbekleidet, auf der Seite liegend, dem Betrachter den RĂŒcken zugewandt, ein Bein - das untere - gerade ausgestreckt, das andere leicht angewinkelt an den Körper gezogen.
Ihre Arme sind nicht zu sehen, aber die Haltung des Kopfes, umrahmt von kurzen, blonden Haaren lĂ€sst vermuten, dass sie den Kopf auf ihren HĂ€nden gebettet hat. Ihr Körper ist leicht gebogen, so dass ihr GesĂ€ĂŸ dem Betrachter am nĂ€chsten ist. Er ist sozusagen der Blickfang, der Mittelpunkt und der Ausgangspunkt zu gleich. GedĂ€mpftes Licht umspielt das Bett, wirft seine langen Schatten und beleuchtet doch so unendlich viele Details.
Sie ist schlank. Ihr Po ist ĂŒppig geformt und ihre Taille fasziniert durch ihre Rundung. Sie scheint zu schlafen. Ruhig zu schlafen, und es muss warm sein im Raum, keine GĂ€nsehaut ist zu erkennen. Wie ihr Gesicht, ihre BrĂŒste, ihr Bauch, bleibt auch ihr Alter verborgen, aber ihre glatte, fast makellose Haut lĂ€sst vermuten, dass sie jung ist.
Hinter ihr liegt aufgeschlagen ein Buch. Sicher las sie es, bevor sie sich umdrehte, bevor sie mĂŒde wurde. Sie scheint nicht zu ahnen, dass ich sie betrachte. Sie weiß nichts von mir. Still und ohne eine Bewegung, ohne Gefahr zu laufen, sie zu wecken, kann ich ihren Anblick in aller Ruhe genießen.




Als Betrachter habe ich das GefĂŒhl auf einem Stuhl neben dem Bett zu sitzen, und die Situation verlangt, dass ich ein Bein ĂŒber das andere gelegt habe. Völlig entspannt, der prĂ€sentierten Szene angepasst.

Heute betrachte ich das Bild lĂ€nger, als je zuvor. Ich kann meinen Blick nicht abwenden, kann kein anderes Ziel fixieren. Und je lĂ€nger ich das Bild betrachte, desto realer erscheint es mir. Desto wirklicher erscheint die Szene, aber auch desto unwirklicher. Grenzen verlaufen nun fließend und ich hĂ€tte schwören können wirklich auf diesem unsichtbaren Stuhl zu sitzen, die Sonnenstrahlen, die WĂ€rme zu spĂŒren, und ich nehme auch den Geruch war. Den Geruch dieser Frau.
Nach einer kleinen Ewigkeit bin ich versucht sie zu berĂŒhren, ich bin so nah. Ich muss sie einfach berĂŒhren! Nur ganz sanft, nur mit den Fingerkuppen, ohne sie zu wecken. Sie wird es gar nicht wahrnehmen. Nur einmal ihre Rundungen nachzeichnen, ihren Po berĂŒhren. Einmal durch ihre Haare streichen. Ich habe auch schon den Arm ausgestreckt und mich nach vorne gebeugt, aber dann halte ich jĂ€h inne. Wenn sie aufwacht, zerstöre ich nicht dann dieses Bild? Zerstöre ich dann nicht diese ruhige, vertraute und
ja, auch berauschende Stimmung? Auf einmal nehme ich ihren gleichmĂ€ĂŸig tiefen Atemzug wahr. Ich halte unwillkĂŒrlich die Luft an, bemerke eine flĂŒchtige Bewegung ihres Kopfes, ein Fuß zuckt
sie trĂ€umt. Dann wieder Stille.
Ich atme langsam aus. Nein, ein Bild kann es nicht sein! Ich trĂ€ume nicht, ich erlebe es. Jetzt, und hier. Wie sollte es auch nicht real sein, da alle meine Sinne mir sagen, das hier ist wahr? Ich sehe sie doch. Hier, direkt vor mir, höre und rieche sie. Wie sollte ich sonst auch ihre NĂ€he spĂŒren? So körperlich, so nah? Nein, mein Verstand gaukelt mir etwas vor, versucht mich zu verwirren. Sie ist echt, und ich bin es auch. Also kein Bild, kein Traum! Ich bin beruhigt, bin zufrieden.

In einer belebten Einkaufstraße einer großen Metropole befindet sich eine Galerie, in deren Schaufenster ein Bild hĂ€ngt. Ein Aktbild. Eine Frau, nackt, auf einem Bett liegend, betrachtet von einem Mann, der auf einem Stuhl sitzt. Und ich? Ich werde seit langem vermisst. Aber ich vermisse nichts. Ich bin hier. Hier, regelrecht gefangen von dem sĂŒĂŸen Anblick dieser Frau


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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An Ganimed

Erste Geschichte von dir, erster Kommentar dazu von mir nun.

Gleich am Anfang fĂ€llt die KĂŒrze wohltuend auf. Beim Lesen dann wird mir schnell klar, dass der sprachliche Ausdruck hinter dem Inhalt zurĂŒckbleibt.

Die Idee finde ich gut. Faszination, Mystik, ĂŒbersinnliche Bande zwischen Bild und Betrachter, die schließlich zur Verschmelzung fĂŒhren. Überwindung der Grenzen des Realen und Transzendenz in die Welt jenseits eines Bilderrahmens.

Und dies alles in einer unsinnlichen, hölzernen Sprache. Schade.

Schon der erste Satz ist falsch formuliert, weil das Thema der Geschichte in einen Nebensatz verbannt wird, und das Verbindungswort "aber" der Sprache die ElastizitÀt nimmt.

Ich weiß nicht wie lange schon, aber tĂ€glich betrachte ich ein Bild.

Kurze SĂ€tze, Spannung erzeugend, sind meine Empfehlung.

Hier andere Beispiele von SÀtzen, denen einzelne Wörter die Sprungkraft nehmen. Ich vergleiche es mit dem dissonanten Ton, den zwei GlÀser beim Anstossen verursachen, wenn sie einen Riss haben.

Er ist sozusagen der Blickfang, der Mittelpunkt und der Ausgangspunkt zu gleich.

...ohne Gefahr zu laufen, sie zu wecken, kann ich ihren Anblick in aller Ruhe genießen.

Heute betrachte ich das Bild lÀnger, als je zuvor.


Und je lÀnger ich das Bild betrachte, desto realer erscheint es mir. Desto wirklicher erscheint die Szene, aber auch desto unwirklicher.

Also kein Bild, kein Traum!


Dann gibt es umstÀndliche Formulierungen, ungeschickte Wortstellungen:

Still und ohne eine Bewegung,...

GedÀmpftes Licht umspielt das Bett, wirft seine langen Schatten und beleuchtet doch so unendlich viele Details.

Desto wirklicher erscheint die Szene, aber auch desto unwirklicher.

Nur ganz sanft, nur mit den Fingerkuppen, ohne sie zu wecken.



Schreiben will geĂŒbt sein und wenn ich hier die Schwachstellen aufdecke, ist es eine wohlgemeinte Empfehlung an einen DebĂŒtanten auf der LeLu.

Lotte Werther

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Ganimed
One-Hit-Wonder-Autor
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Re: An Ganimed

quote:
Und dies alles in einer unsinnlichen, hölzernen Sprache. Schade.

Lotte, wow! Mit so einem...mhm...Verriss, habe ich nicht gerechnet. HĂ€tte ich aber. Als Neuling, als - wie sagst du so schön? - als DebĂŒtant. Auf LeLu. Oder?

Ja, Schreiben will geĂŒbt sein. Aber Schreiben ausschließlich nach festen Regeln ist doch irgendwie...langweilig. Diese Geschichte - ich gebe es zu - habe ich in einem Rutsch geschrieben. 30 Minuten. Es war das, was ich wirklich beim Betrachten des Bildes(es existiert) empfunden habe. Genau so, in jenen Moment. Und, man verzeih mir meine Offenheit, meine Intention beim Schreiben war es, wenn es denn eine gab, diesen Moment an andere weiterzugeben...manchmal gelang es.

Dennoch, deine Kritik nehme ich an. Ich werde in Zukunft versuchen beim Schreiben an deine Empfehlungen zu denken...

Peter

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Cirias
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2004

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Hallo Ganimed,
der Kritik meiner Vorrednerin kann und muss ich mich teilweise anschließen, muss dir aber auch ein Lob aussprechen.
Auch ich finde die Idee hervorragend. Sprachlich finde ich das besser als vieles was hier in der LL publiziert wird (eine Kleinigkeit: "zu gleich" wird zusammen...du weißt schon...). ResĂŒmierend muss ich sogar sagen, dass mir die Geschichte unter dem Strich gefallen hat.
Dein GefĂŒhl, dass du dich von dieser Frau magisch angezogen fĂŒhlst, transportierst du nicht in die Sprache. Deine Wortwahl ist zu nĂŒchtern ("körperlich" ist so ein schreckliches Wort, das in einer solchen Geschichte nichts zu suchen hat. Es fehlt deiner Sprache an Sinnlichkeit. Und- mit Verlaub- der erste Satz deiner Geschichte ist eine Katastrophe. Was ist das fĂŒr ein Satz? Hier wĂŒrde ich ganz sinnlich , ganz unmittelbar einsteigen: "unter meinen Blicken schien ihre Haut sanft zu schimmern..." oder: "Um mich herum schien die Zeit still zu stehen, wenn ich auf ihren nackten Körper sah..." Du sagst doch spĂ€ter ohnehin, dass du das Bild jeden Tag betrachtest.
Generell: Vertrau doch mehr deiner Sprache, erklĂ€r nicht so viel, dann sehen wir auch mehr. Wenn du sagst was du fĂŒhlst, werden wir auch mehr sehen. Die Kurzgeschichte lebt von dem, was sie nicht sagt.
Die Geschichte hatte einige gute AnsÀtze, das muss ich sagen,
Gruß, Cirias

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Prinz_und_Gloeckner
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2001

Werke: 5
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Wenn ich mir so vorstelle, wie der Erzaehler einfach
so auf seinem Stuhle hockt, muss der Schreibstil wohl
etwas trocken sein, sonst saesse er nicht so lange ;o)
Insofern passt der Stil schon zum Inhalt.
Verbessern geht natuerlich immer - und auch redundantes
herausnehmen.

Das beschriebene Bild erinnert mich irgendwie an dieses
oder jenes von Magritte ...

Gespannt waere ich auf eine entsprechende sprachliche
Umsetzung einer aehnlichen und doch atmosphaerisch ganz
anderen Situation:
'Schlimmer Junge' von Eric Fischl ;o)

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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 40
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Die Beschreibung eines RĂŒckenaktgemĂ€ldes als erotische Gedankenspielerei. FĂŒr mich nur mĂ€ĂŸig interessant.

GemĂ€lde sind zweidimensional, ihre GegendstĂ€nde bewegen sich nicht, machen keinen GerĂ€usche, man kann sie selten riechen. Dass genau dies hier aber passiert, ist der Kniff der Geschichte. Der Betrachter wird von dem Gesehenen derart eingesogen, dass er anfĂ€ngt, den Atem der Schlafenden zu hören, dass er ihren Fuß zucken sieht. Mithin ist er fast der beste Betrachter, der sich der Maler des Bildes wĂŒnschen konnte, einer, fĂŒr den das Bild lebendig wird, der mit Freuden das „reale“ Leben fĂŒr ein Leben in der Kunst hergibt.

Aber wĂ€re dem KĂŒnstler am Ende nicht doch jener Betrachter lieber gewesen, der mit intellektueller Distanz die besonderen technischen Tricks und VorzĂŒge der Malerleistung dingfest gemacht hĂ€tte? Der geahnt hĂ€tte, dass die bestgemalte Frau niemals eine Frau, sondern immer das Werk eines Schöpfers bleibt?

Und was ist das fĂŒr eine seltsame Erotik, die das Objekt der Sehnsucht lieber einfriert in Zeitlosigkeit als seine VergĂ€nglichkeit zu akzeptieren? Ein Liebender, der sich die geliebte Frau als vollendetes SammlerstĂŒck wĂŒnscht. GlĂŒcklich, sie betrachten zu können, wenn sie es nicht merkt. Gerne verzichtend auf BerĂŒhrungen, KĂŒsse, GesprĂ€che, Interaktion, eine Geliebte, die eigenen Willen und eigene BedĂŒrfnisse hat.

FĂŒr mich also ein etwas steriles Gedankenspiel. Das es ĂŒbrigens schon öfter gab. So endet zum Beispiel der Film „Barton Fink“ von den GebrĂŒdern Coen damit, dass der Held, ein gebeutelter Drehbuchschreiber im Hollywood der vierziger Jahre, in ein GemĂ€lde hineinflieht, das einen sonnigen Strand zeigt.

Geschrieben ist die Story mit Finesse. Aber der Schluss macht einige erzĂ€hltechnische Schwierigkeiten. War vorher alles aus der Wahrnehmung des namenlosen mĂ€nnlichen Ich-ErzĂ€hlers heraus berichtet worden, wird nun auf eine „objektive“ Panoramakamera umgeschaltet: „In einer Einkaufstraße einer großen Metropole befindet sich eine Galerie, in deren Schaufenster ein Bild hĂ€ngt. Eine Frau, betrachtet von einem Mann, der auf einem Stuhl sitzt.“ Diesen Bruch könnte man wohl noch verkraften, wenn hier Schluss wĂ€re. Statt dessen versetzt sich nun aber die ErzĂ€hlperspektive erst noch in das Innere nicht genannter Menschen hinein – „Ich werde seit langem vermisst“ –, um am Ende doch noch einmal in die Ich-Innenschau zu springen: „Ich vermisse nichts. Ich bin hier, regelrecht gefangen von dem sĂŒĂŸen Anblick dieser Frau.“ „SĂŒĂŸâ€œ ist hier ĂŒbrigens das falsche Adjektiv.

Noch zu meinem Kommentator-Vorredner: Ja, wenn er sich in den schlimmen Jungen von Fischl versetzen wĂŒrde, das wĂŒrde mich auch wesentlich mehr interessieren! Allerdings bekommt er dann wahrscheinlich Probleme damit, dass man an dieser Stelle kein Pornografie ins Netz stellen darf. Beziehungsweise er mĂŒsste eine stimmige erzĂ€hlerische Umsetzung jenes Bildes, in dem sexuell ja etwas vor sich geht, gestalten, ohne dabei pornografisch zu werden. Was auf jeden Fall interessanter zu lesen wĂ€re, als dies hier.

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14.11.2015 Forum Lupanum Threads Höhe Zeit AufklÀrung Verteidiger: Es ist genug.

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