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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Alte und das Kind
Eingestellt am 04. 01. 2005 07:30


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Godjes
Wird mal Schriftsteller
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In einer kleinen Stadt am Ende einer schmalen Stra├če lebte in einem kleinen H├Ąuschen ein alter Mann mit seinem Hund. Der Mischling weicht dem Alten seit Jahren nicht mehr von der Seite.
Damals war das anders, er lief durch W├Ąlder und Wiesen und war oft stundenlang unterwegs. Der R├╝de jagte f├╝r sein Leben gern hinter Hasen und Rehen her. Gefangen hat er nat├╝rlich nie eines, daf├╝r war er einfach zu langsam. Aber das machte ihm nichts aus. Auch grub er gerne riesige L├Âcher in den, an das Haus grenzenden Garten, um Knochen zu vergraben oder M├Ąuse und Maulw├╝rfe zu fangen. Diese nahmen immer rei├č aus, wenn sie ihn sahen. Sie wussten ja nicht, dass er nur mit ihnen spielen wollte. Sein Herr schaute ihm oft dabei zu und freute sich f├╝r seinen Hund, auch wenn er die entstandenen L├Âcher sp├Ąter alle wieder zusch├╝tten musste.

Die Beiden gingen auch sehr selten in die Stadt. Meist nur, wenn sie Lebensmittel brauchten. Daher galt der Alte als Au├čenseiter und Eigenbr├Âtler. Es machte ihm auch nicht viel aus, denn ihn plagten andere Probleme. Er vertraute sich Niemandem an, nicht einmal mir.

Wer ich bin? Eines Nachmittags, als ich wieder einfach so durch die Gegend schlenderte kam ich an seinem Haus vorbei. Ich sah ihn mitten im Garten stehen. Er schaute in die Ferne. So neugierig, wie ich nun mal bin, ging ich n├Ąher heran. Als er mich erblickte l├Ąchelte er mir einfach nur zu. Dadurch ermutigt fragte ich ihn, was er da mache. Er antwortete nicht, sondern machte die Pforte auf, nahm mich bei der Hand, f├╝hrte mich in die Mitte des Gartens, da wo er vor wenigen Augenblicken noch gestanden hatte und deutete mit seiner Hand auf die Felder und den angrenzenden Wald hinter seinem Haus.
Gut zwei Minuten lang standen wir so da aber mir kam es vor wie eine Ewigkeit. Ich verstand zwar nicht genau, was er meinte aber ich genoss die Ruhe und das Zusammensein mit dem mir fremden Mann. Er war mir von der ersten Minute an total sympathisch und ich ihm wohl auch.
Denn seit diesem Tag bestellte er mich immer wieder zu sich. Ab und zu schickte er mir auch seinen Hund vorbei um mir mitzuteilen, dass er mich brauchte.

So kam es auch, dass ich fast jeden Tag bei ihm war. Ich erfuhr dadurch, dass er malt und bat ihn einmal darum, es mir beizubringen. Daraufhin fing er laut an zu lachen und meinte nur: „Male, und du malst!“ Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. So lie├č ich das Thema erst einmal und schaute ihm einfach nur dabei zu, wenn er vor seinem Fenster an der Staffelei stand und malte.

Ich besorgte ihm alles was er so ben├Âtigte wie Lebensmittel, aber vor allem Zeichenmaterialien wie Kohlestifte und ├ľl- und Acrylfarben. Ich half ihm auch im Haushalt, aber nur wenn er mich darum bat, denn ich traute mich nie irgendetwas anzufassen oder anzuschauen. Nur ging er seither noch weniger beziehungsweise gar nicht mehr in die Stadt. Die meisten Bewohner unserer kleinen Stadt kannten den Alten und fragten sich daher oft, ob der alte Kauz ├╝berhaupt noch lebe. Sie behielten sein Haus im Auge und bekamen mit, dass ich oft bei ihm war. So erfanden Sie b├Âse Geschichten. Ich machte mir daher Sorgen, dass meine Eltern mir verbieten w├╝rden zu ihm zu gehen. Aber meine Eltern waren ja eh┬┤ den ganzen Tag unterwegs und bekamen es also gar nicht mit. Es interessierte sie nicht im Geringsten, was ich in meiner Freizeit tat. Hauptsache ich bekam gute Noten. So interessierte mich auch nicht, was andere Leute ├╝ber mich dachten. Sollen sie doch l├Ąstern, ja und.
Wenn ich zu ihm kam redete er kaum mit mir. Wir verstanden uns auch ohne gro├če Worte. Manchmal kam es mir so vor, als w├╝rde ich ihn nerven. Wollte ich dann gehen, hielt er mich zur├╝ck. Aber geredet hat er dann auch nicht.

Fragt mich bitte auch nicht, wie er hei├čt. Seinen Namen habe ich in all der Zeit noch nicht rausbekommen. Auch sein Hund hat keinen Namen. Meist sprach der Alte seinen Hund mit alten K├╝nstlernamen an so wie „Dali“ oder „van Gogh“ oder auch einfach nur Hund. Als ich ihn einmal darauf ansprach meinte er nur: „Wer braucht Namen. Man ist wie man ist ein Mensch oder ein Tier. Es kommt nur auf die Pers├Ânlichkeit an.“ Irgendwie hat er ja auch Recht. Und meist verstanden sie sich ja eh ohne Worte. ├ťbrigens hat er mich auch nie nach meinem Namen gefragt. Aber um die Sache zu vereinfachen nenne ich ihn einfach Pico wie Picasso. Ich k├Ânnte ihn nat├╝rlich auch Dali oder Vincent nennen, aber ich nenne ihn Pico. Das passt am besten. Er hat was von dem alten Meister.

Die meiste Zeit sa├č der Alte, also Pico, vor seinen Bildern. Pico malte alles, was ihm vor die Linse kam. Seen, Wiesen, W├Ąlder, Felder oder auch einfach nur Fantasiebilder. Manche Bilder schaute ich mir wieder und wieder an. Sie waren einfach zu sch├Ân. Ich fand immer wieder neue Muster und Elemente, die mir vorher nicht aufgefallen waren.
Einmal zeichnete er sogar ein Portrait von mir. Es war mein genaues Ebenbild, nur kam ich mir da viel j├╝nger vor als ich war. Ich fand es wundersch├Ân doch ich sah ihm an, dass er mit seinem Bild, eigentlich allen Bildern unzufrieden war. Das Strahlen in seinen Augen fehlte wenn er seine Bilder ansah. Pico tat mir Leid. Er muss in seinem Leben schon viel gesehen und erlebt haben und alle seine Erlebnisse schon in Bildern verarbeitet haben. Ich dachte mir, vielleicht fehlt es ihm einfach an Inspiration.

So versuchte ich ihn aufzumuntern indem ich ihm kleine Geschichten und Anekdoten aus meinem Leben erz├Ąhlte. Geschichten ├╝ber meine Familie, lustige aber auch traurige. Auch ├╝ber Menschen, die mir auf der Stra├če begegneten und alles, was ich sonst so sah, wie Kinder, die spielten und sich balgten. Er unterbrach mich nie und lie├č mich einfach reden, ganz ohne einen Kommentar.
Ich glaube ich konnte ihm wirklich ein wenig helfen. Er bestellte mich immer ├Âfter zu sich, damit ich ihm erz├Ąhle, was ich den ganzen Tag gemacht und gesehen habe. Am meisten interessierten ihn die Geschichten ├╝ber die Kinder. Jedes Mal, wenn ich auf sie zu sprechen kam fingen seine Augen an zu leuchten. Doch wurde er gleichzeitig auch immer trauriger. Pico starrte dann oft stur geradeaus und sagte kein Wort mehr. Es sah so aus, als erlebe er die Geschichten in seinem Inneren mit. Auch sein Hund zog sich dann immer von mir zur├╝ck und schmiegte sich dicht an seinen Herrn. Das geschah immer wieder. Jedes Mal fing ich an zu stocken und kam nach kurzer Zeit auf ein anderes Thema zu sprechen, da ich bef├╝rchtete, dass ich ihn irgendwie verletze.
Doch er bat mich darum, ihm mehr von den Kindern zu erz├Ąhlen. Ich tat was mir gesagt wurde. Leider fielen mir bald keine Geschichten mehr dazu ein also achtete ich, wenn ich unterwegs war, auf jede Kleinigkeit, auch wenn sie mir noch so unwichtig erschien.

Das ging schon ein paar Wochen so. Und als ich wieder einmal zu ihm ins Haus kam, um ihm seine Sachen zu bringen h├Ârte ich ihn mit seinem Hund reden. Er sagte: „Ich kann es einfach nicht. Ich kann malen und zeichnen wie und was ich will aber es entspricht nie der Wirklichkeit. Es hat einfach keinen Sinn.“ Ich trat ins Zimmer und ging zu ihm ans Fenster, sah mir sein Bild an und versicherte ihm, dass dieses und all seine Bilder einfach wunderbar w├Ąren und vor allem besser als dieses. Ich hatte ein auseinander gefaltetes Blatt Papier in der Hand und sah es mir an. Ich kam gerade von meiner Tante. Sie hatte Besuch von ihrer Enkelin.
Diese hatte ihrer Tante ein Bild gemalt. Ich dachte mir, wenn er sieht wie gut seine Bilder gegen├╝ber diesem wirkten h├Ątte er ganz schnell wieder gute Laune. So hatte ich es eingesteckt.
Ich sagte ihm noch einmal wie toll ich seine Bilder fand.
Um ihm das noch besser klar zu machen zerriss ich das Bild in meiner Hand. Der Alte packte mich ruckartig am Arm und riss mir die Reste der Kritzelei aus der Hand. Ohne ein Wort zu sagen ging er zur├╝ck zu seinem Sessel, auf dem er kurz zuvor gesessen hatte. In diesem Augenblick sah er so zerbrechlich und alt aus. Er tat mir so unendlich leid. Dann sagte er mit gebrochener Stimme: „Sag so etwas nicht. Auf diesem Blatt Papier ist die Wahrheit, die Wirklichkeit. Rein und unschuldig. Ich w├╝nsche mir nichts sehnlicher als so malen zu k├Ânnen wie dieses Kind. Nichts h├Ârst du, NICHTS!“

Ich wollte etwas erwidern, doch ich konnte nicht. In seinen Augen war… war Mitleid. F├╝r wen? – F├╝r mich etwa? Muss ich mir vielleicht Leid tun? Nur warum?
Aber wie immer verstand ich nichts. Der Alte war mir ein R├Ątsel. Es war doch nur ein bl├Âdes Blatt Papier mir irgendwelchem Gekritzel darauf. Da war doch nur ein komisches Etwas, was nicht im Entferntesten an einen Baum erinnerte aber rot und ein Haus in gr├╝n und blau. Das sollte die Wirklichkeit darstellen? – nie im Leben.
Das ist doch nur einfaches Gekritzel. Das kann doch jeder. Warum sollte der Alte so zeichnen wollen?

Dar├╝ber dachte ich noch die ganze Nacht nach. Diese Fragen gingen mir einfach nicht aus dem Kopf.

Am n├Ąchsten Morgen wollte ich zu ihm, um ihn danach zu fragen.
Ich kam an sein Haus und …
Alles voll Menschen. Alarm, wo kommt dieser Alarm her… Oh nein PICO!...
Ich ging weiter und wurde mit jedem Schritt schneller. Da, da war er. Sie brachten ihn gerade auf einer Trage zum Rettungswagen. Was ist mit ihm? Ein paar Leute redeten wenige Schritte von mir entfernt. Sie sagten so etwas wie: “Es wir ja auch Zeit, dass er den L├Âffel abgibt, dieser alte sture Bock.“ oder „Ich will gar nicht wissen, was der immer mit dem armen Kind gemacht hat.“ Was? Wieso ich? Was soll er mit mir gemacht haben? Und was hat mein Vater damit zu tun? Niemand, niemand durfte so ├╝ber Pico reden. Er war der beste Mensch auf Erden. Diese Leute konnten mir gestohlen bleiben. Sie wussten nichts, gar nichts. Ich lief los. Aber nicht zu Pico, nein. Ich wollte einfach nur noch weg und Niemanden mehr sehen.

Ein paar Stunden sp├Ąter, kurz nachdem ich nach Hause gekommen war, klingelte es an der Haust├╝r. Die Polizei. Mir stockte der Atem. Ich machte die T├╝r auf, schaffte es aber nicht, dem Mann, in seiner gr├╝nen Uniform, in die Augen zu sehen.
Der Polizist sagte, sie h├Ątten in dem Haus des Alten ein Portrait gefunden. Er fragte mich ob ich das sei. Ich best├Ątigte es ihm stolz und fragte ihn, was denn mit Pico passiert sei. Er sagte mir, das Pico im Krankenhaus liege, zwar im Moment noch nicht bei Bewusstsein, aber es ginge ihm gut. Er sei zumindest au├čer Lebensgefahr. Aber auf die Frage, was denn genau passiert sei, hatte er keine Antwort.
Doch der Grund f├╝r sein Kommen war folgender: Pico┬┤s Hund rannte auf seinem Geh├Âft hin und her und knurrte jeden an, der ihm zu Nahe kam. Sie m├╝ssten ihn aber einfangen um ihn ins Tierheim bringen zu k├Ânnen, zumindest f├╝r die Zeit, die sein Herrchen im Krankenhaus verbringen m├╝sse. Sie suchten jemanden, der den Hund einf├Ąngt. Ich lie├č den Mann nicht einmal ausreden und bettelte ihn an, ob ich mich nicht um den Hund k├╝mmern d├╝rfe, wenn er sich von mir beruhigen lie├če.
Zum Gl├╝ck erlaubte er es mir, aber eben nur unter der Bedingung, dass ich ihn einfangen und ruhig halten k├Ânne solange er von einer Tier├Ąrztin untersucht wird.
Ich hatte Angst. Was w├╝rde passieren, wenn der Hund nicht auf mich h├Ârt.
Aber dar├╝ber machte ich mir nicht lange sorgen. Kaum hatte ich ihn gerufen kam er zu mir. Es war das erste Mal, dass er auf mich geh├Ârt hat. Er muss sofort gesp├╝rt haben, dass ich auf seiner Seite bin. Zum Gl├╝ck, denn im Tierheim h├Ątte er keine zwei Tage ├╝berlebt ohne seine Freiheit und vor allem ohne sein Heim und seinen Garten.
Am n├Ąchsten Morgen ging ich ins Krankenhaus zu Pico. Es ging ihm schon entwas besser und ich erz├Ąhlte ihm, was vorgefallen war. Er machte sich wirklich gro├če Sorgen um seinen Hund. Er war in seinem ganzen Hundeleben noch niemals ohne sein Herrchen. Auch erz├Ąhlte ich ihm von den Leuten, die an seinem Haus gestanden hatten. Pico unterbrach mich barsch und meinte nur: „Was interessieren mich andere Leute. Sollen die doch denken was sie wollen. Sie werden ja sehen, was sie davon haben.“

Und so kamen wir nach einer Weile wieder auf die Kinder zu sprechen. Ich berichtete ihm, was ich gesehen hatte. Die Kinder, die sich balgten und wie sie miteinander spielten. Als ich aufh├Ârte zu erz├Ąhlen traute ich meinen Augen kaum. Pico, er weinte. Er lag in seinem Bett und weinte. Er machte sich auch nichts daraus, dass ich ihn so sah. Ich war platt und irgendwie verlegen. Dann stand ich auf und wollte gehen. Pico hielt mich aber am Arm fest und bat mich, mich doch wieder zu setzten. Dann fing er an, mir von sich zu erz├Ąhlen. Zum ersten Mal erz├Ąhlte er mir, aus seinem Leben. Von Sachen, die ich mich nie getraut h├Ątte, ihn zu fragen. Ich sa├č mit offenem Mund auf meinem Stuhl und h├Ârte ihm zu. Er weinte und weinte aber seine Stimme klang nicht gebrochen, im Gegenteil er klang stark und selbstbewusst. So, wie ich ihn immer kannte und kennen gelernt hatte.

Ich erfuhr, dass er vor vielen Jahren verheiratet war und einen kleinen Sohn hatte. Doch leider auch, dass beide, Frau und Kind, bei einem Unfall ums Leben kamen, als der Junge gerade erst 6 Jahre alt war. Dieser kleine Junge zeigte ihm erst, wie sch├Ân Kunst sein kann. Er hatte seinem Kind nie beim malen zugesehen. Pico erz├Ąhlte mir, dass er damals genauso wie ich dachte, dass alles ist doch nur Gekritzel.
Er hatte nie genug Zeit f├╝r seinen Sohn und seine Frau. Am Tag ihres Todes hatten sie sich noch darum gestritten. Frau und Kind wollten zur Gro├čmutter auf┬┤s Land. Aber statt mit zufahren und sie zu besch├╝tzen blieb er daheim um zu Arbeiten.
Pico sagte mir auch, dass er sich deswegen immer noch Vorw├╝rfe mache. Sie h├Ątten noch leben k├Ânnen, wenn er sie zur├╝ck gehalten h├Ątte und eingesehen h├Ątte, dass nicht die Arbeit sondern das Leben wichtig ist. Die Einsicht kam f├╝r ihn leider zu sp├Ąt.
Dann bat Pico mich, ihm seine Jacke zu geben, die auf einem Stuhl lag. Er holte einen alten abgegriffenen Zettel aus der Tasche und gab ihn mir. Es war ein ├Ąhnliches Bild wie das, welches ich zerrissen hatte. Ich f├╝hlte mich schrecklich. Sein Sohn gab es ihm am Tage seiner Abreise. Seit dem hat er es immer bei sich.

Er meinte noch, dass ich ihn daran erinnert hatte, wie sein Junge damals war. Offen, ehrlich und kindlich naiv. Auch sagte er, ich w├╝rde irgendwann verstehen, worum es im Leben wirklich geht.

Jetzt wusste ich auch, warum er immer wenn ich von Kindern berichtete, so abwesend und traurig war. Ich musste ihn immer wieder daran erinnert haben. Ich wusste warum ich auf meinem Portr├Ąt so viel j├╝nger aussah, eben weil ich ihn an seinen Jungen erinnert habe, aber vor allem wusste ich jetzt, dass er mich mochte.

Ich stand wortlos auf um zu gehen. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte. Ich sah ihm in die Augen, er nickte mir zu, und ich ging. Ich verlie├č das Krankenhaus und lief in den Park. Wie ferngesteuert ging ich direkt auf den Spielplatz zu und setzte mich auf die Wiese. Ein paar hundert Meter von mir entfernt sa├č ein kleines M├Ądchen und malte. Ich dachte unentwegt, an die Geschichte des Alten, es lie├č mich einfach nicht los. Auch dieses Bild ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Es hatte so was Eigenartiges. Auf dem Bild war ein Haus und drei Figuren. Aber… es war nur eine davon auf der Erde. Die beiden anderen Figuren, wahrscheinlich Mutter und Kind, hingen irgendwie in den Wolken. Ich wollte dann aber nicht mehr l├Ąnger dar├╝ber nachdenken. Es hat keinen Sinn sich ├╝ber Vergangenes lange den Kopf zu zerbrechen.

Meine Aufmerksamkeit richtete sich dann aber immer mehr auf das M├Ądchen, dass dort auf der Wiese sa├č und malte.

Als sie bemerkte, dass ich sie ansah, kam sie freudestrahlend auf mich zu. Pl├Âtzlich stand sie vor mir und sah mich an. Ich lie├č es geschehen und lachte. Ein kleines M├Ądchen schaute auf mich herab. Es muss komisch ausgesehen haben, wie sie so vor mir stand. Dann streckte sie die Hand aus, gab mir ihr gemaltes Bild und lief wieder zur├╝ck zu ihrem Platz. Sie hie├č Marlene, dass stand in gro├čen Buchstaben auf dem Blatt.
Mir fielen die Worte des Alten wieder ein und ich sah mir das Bild ganz genau an. Auf dem Bild war eine gro├če bunte Kugel, rund herum waren ein Haus und zwei Menschen gemalt. ├ťber der ersten Figur standen die Worte: „Das bin ich“ Dieses Strichm├Ąnnchen hatte blondes Haar und gro├če blaue Kulleraugen. ├ťber der zweiten Figur stand „und das du“ in einer gro├čen krakeligen Schrift. Ich sah mir diese Zeichnung sehr lange an. Jeden Strich nahm ich unter die Lupe, dann sah ich wieder zu dem M├Ądchen. Es sa├č wieder auf ihrer kleinen Decke und malte.
Ich sah ihr noch eine gute halbe Stunde zu. Immer, wenn sie ein neues Bild fertig hatte schaute sie sich um, ging zu der ersten Person, die sie ansah und schenkte ihr das gemalte Bild. Auf jedem Bild war eine Sonne, ein Haus und die Erde, wie ich sp├Ąter herausfand. Alles in einer wunderbaren kindlichen Art dargestellt. Die Gef├╝hle, die dieses Bild in mir ausl├Âsten, in Verbindung mit den Worten des Alten, waren einfach unbeschreiblich.

Ich lief sofort wieder zu Pico. Ich wusste genau, dass er der Einzige ist, der mich verstehen w├╝rde und ich hatte Recht. Er verstand mich genau. Doch nun tat Pico mir furchtbar leid. Schlie├člich hatte ich bei ihm alte Wunden aufgerissen.

Statt mich aber wegzuschicken oder mir Vorw├╝rfe zu machen nahm er mich in den Arm und sagte zu mir, dass er froh sei, dass ich verstanden habe was Kindsein bedeutet.



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sohalt
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Registriert: Apr 2003

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Nachdem dieser Text ja offensichtlich haupts├Ąchlich davon handelt, dass bei der Bewertung eines Kunstwerkes nicht die Ausf├╝hrung, sondern einzig die Reinheit und Tiefe der Empfindung bei Erstellung ausschlaggebend sein sollten und ich davon ausgehe, dass du beim Schreiben dieser Geschichte rein und tief empfunden hast, w├Ąre eine Kritik hier wohl verfehlt.

Rein sprachlich wirkt die kindliche Perspektive jedenfalls authentisch.

lg
sohalt

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Godjes
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Registriert: Dec 2004

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Urspr├╝nglich ver├Âffentlicht von sohalt
Nachdem dieser Text ja offensichtlich haupts├Ąchlich davon handelt, dass bei der Bewertung eines Kunstwerkes nicht die Ausf├╝hrung, sondern einzig die Reinheit und Tiefe der Empfindung bei Erstellung ausschlaggebend sein sollten und ich davon ausgehe, dass du beim Schreiben dieser Geschichte rein und tief empfunden hast, w├Ąre eine Kritik hier wohl verfehlt.

Rein sprachlich wirkt die kindliche Perspektive jedenfalls authentisch.

lg
sohalt


Danke dir. Es ist leider nicht die Originalfassung dieser Geschichte.(3 statt 5 Seiten) Deswegen m├╝sste ich das vielleicht noch ├Ąndern. Aber es war ungef├Ąhr genau das, was ich erreichen wollte.

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