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Leselupe.de > Anonymus
Der Andere
Eingestellt am 08. 11. 2004 15:29


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

ÔÇ×Ganz egal wo du auch hingehst
Ich bin immer dabei
Einen Moment lang passt du nicht auf
Und dann bin ich freiÔÇť


Der Andere

Er f├╝hlte rauhen Putz an den H├Ąnden.
Der Fick des Jahrhunderts. Diese Nacht w├╝rde ihn bringen.
Er lehnte sich gegen die Hauswand. Seine Beine versagten den Dienst.
Er schlo├č die Augen. Noch immer erregt. Er begann zu z├Ąhlen. Langsam.
Bis 23.
Sein erprobtes Mittel, um sich zu beruhigen.

Die ├╝bliche Barbekanntschaft. Gro├č, schlank. Die Augen dunkel und selbstsicher.
Eine perfekte Droge f├╝r diese Nacht.
Er wusste um die Wirkung seines Auftretens und seines Aussehens.
Zu ihr nach Hause. Die beste aller m├Âglichen L├Âsungen.
Er konnte gehen, wann immer er wollte. Keine Fragen, kein ÔÇ×wir sehen uns wieder?ÔÇť
Alles wunderbar anonym unverbindlich. Offensichtlich sein Gl├╝cksabend.
Geschickt ├Âffnete er ihr Kleid.
Sie trug keine Unterw├Ąsche.
Seine Finger glitten an ihrem K├Ârper hinab.
Fuhren ├╝ber die Kontur ihrer Br├╝ste, streichelten ihren Bauch und versanken in ihrem Schamhaar.
Ein purpurner Schimmer huschte ihr ├╝ber die Wangen. Sie zog ihn an sich. Ihre Lippen fanden sich zu einem Ku├č. Mit einer leichten Bewegung ├Âffnete sie seine Hose.

Dann Stille.
Filmri├č.
Wei├čes Rauschen.
Ewigkeitslang.

Noch immer war er an die Hauswand gelehnt. Tastete sich durch die Dunkelheit seines Geistes.
Er f├╝hlte klebriges an seinen Fingern. Blut. Seine H├Ąnde wie rot ge├Ąsteter Marmor.
Erinnerungsfetzen hagelten ihm ins Bewu├čtsein. Wieder und wieder ein Bild.
Der st├Ąhlerne Brief├Âffner auf dem Tisch. Wie einfach war er in ihre Kehle gefahren.
Als sie zusammensackte, grinste ihn die offene Wunde an. Ein zynisches zweites Gesicht. Er kannte es. Der Andere - war wieder erwacht, den er so ha├čte, der tief unten hauste. Sein Fl├╝stern war stiller geworden in letzter Zeit. Fast schon hatte er ihn vergessen. Seinen eifers├╝chtigen Bruder, der ihn ganz f├╝r sich wollte.
Sch├╝ttelfrost packte ihn. Er ├╝bergab sich auf den Asphalt. Ruhe, er wollte nur Ruhe.
Er schlo├č die Augen. Im Geist das Gel├Ąchter des Anderen. Er begann zu z├Ąhlen. Langsam.
Unendlich.

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo a.,
hui - du beschreibst so gut, dass ich fast
angst vor dir bekomme.
psycho ist nicht mein genre, deshalb bin ich
froh ├╝ber die kurze knackigkeit deines textes,
der mir einen aufenthalt im bereich der irren
erm├Âglicht.
interessant finde ich die trennung in "selbst"
und "der andere". hast du das mal irgendwo gelesen
oder stellst du dir die psyche eines solchen menschen
so vor? ich meine jetzt nicht allgemeinpl├Ątze, wie
"da war ich gar nicht ich selbst". in den meisten
f├Ąllen geht diese einsch├Ątzung ja nicht damit
einher, dass sich ein "wei├čes rauschen" ├╝ber die
situation legt. oder vielleicht doch?
mich w├╝rde interessieren: denkst du, dass bei einem
menschen, der als der andere einen mord begeht diese
trennung sch├Ąrfer stattfindet als im allt├Ąglichen
leben, das ja meist ohne morde auskommt?
dahinter steckt f├╝r mich die frage, ob es normalit├Ąt
gibt bzw. was es hei├čt in den kategorien "normal"
und "unnormal" zu denken.
also, inwiefern ist dein m├Ârder normal? oder anders:
m├Âchtest du, dass seine tat normal und nachvollziebar
wirkt oder das genau gegenteil?
viele gr├╝├če,
denschie

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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anschaulich geschildert

Schizophrenie?
Ein Mensch, zwei Personen.

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Erkl├Ąrungsversuch

Hallo Denschie, Hallo Anemone

Schizophrenie trifft ziemlich genau das, was ich beschreiben wollte. Es ging mir um einen innerlich zerissenen Menschen, bei dem in einem Moment s├Ąmtliche ├╝bergeordneten Kontrollinstanzen versagen. Dazu geh├Âren auch die Kategorien moralisch, unmoralisch.
Der Filmri├č und das wei├če Rauschen im Mittelteil stehen sozusagen f├╝r die Verdr├Ąngung, als die "moralischen" Instanzen wieder zur├╝ckkehren. Eine so kurze Amnesie ist psychologisch wahrscheinlich nicht ganz haltbar. Aber es ist ja auch eine fiktive Geschichte.
Ist der M├Ârder normal oder nicht? Die Frage l├Ą├čt sich beantworten mit, er ist krank. Als nachvollziehbar darstellen wollte ich den Mord eigentlich nicht.
Ich hatte im Zuge meines Studiums eine Vorlesungsreihe in forensischer Psychiatrie und dort gab es einige F├Ąlle, bei denen die Patienten wirklich glaubten, fremdgesteuert etc. zu sein. Zur gleichen Zeit habe ich auch das Buch "American Psycho" gelesen. Zum Thema Inspiration.
So, jetzt hab ich genug geschwafelt.;-) Ich hoffe, Denschie, da├č ich Deine Fragen einigerma├čen ersch├Âpfend beantwortet habe.
Danke f├╝r die Kommentare

Viele Gr├╝├če

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