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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Anruf
Eingestellt am 11. 10. 2002 13:47


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Sergey
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2002

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Der Anruf

Es war ein regnerischer Nachmittag, an welchem er an seinem Schreibtisch sa√ü und ziellos auf die flimmernde Oberfl√§che seines Bildschirms starrte. Nun stellte er mit nicht allzu gro√üem Bedauern fest, dass er das, was sich schon seit einer halben Stunde darauf abspielte, nicht mehr wahrnahm. Er schaltete den Bildschirm ab und kehrte sich dem schon seit √ľber zwei Wochen offen stehenden Fenster zu. Er sp√ľrte die k√ľhle Luft, die zusammen mit dem beruhigenden Ger√§usch der unendlich vielen, auf die Fensterbank aufprallenden, Regentropfen, langsam ins Zimmer kroch. Schon seit er aufgestanden war erwartete er ein pr√§chtiges Sommerwetter, wie er es aus seiner Kindheit im Juli eines jeden Jahres gewohnt war. Nach einer Weile drehte er seinen Stuhl in die Richtung des Fensters, damit er beim hinausschauen aufrecht sitzen konnte. Denn er erwartete ein Sommerwetter.

Ein Telephon ert√∂nte und schien die Musik des Regens v√∂llig zu vertreiben. Was w√ľrde wohl geschehen, wenn er den, an seiner tr√§umenden Seele zerrenden Ton, einfach verdr√§ngte? Sie w√ľrde gewiss auflegen, sich vielleicht ein paar bedeutungslose Gedanken machen. Sie w√ľrde sich nicht f√ľr ihn freuen.

Er schaute betr√ľbt auf eine Photographie, von der eine fremde Person zu ihm hinaufblickte. Er k√∂nnte den kleinen St√§nder, an welchem das Photo befestigt war, sein Leben lang auf dem Tisch verschieben, doch er w√ľrde dann immer noch darauf herabschauen m√ľssen. Man k√∂nnte den St√§nder auf den vorderen Rand des Bildschirms stellen. Dort w√ľrde er zu dem Bild bequem hinaufblicken k√∂nnen. Die Oberfl√§che war jedoch vom Staub bedeckt und lie√ü somit keinen Platz √ľber.

In der Zwischenzeit kam die Sonne hinter den Wolken hervor und begann die letzten Spuren des allm√§hlich schwindenden Regens zu verwischen. Schon bald war es drau√üen so hei√ü, dass man pl√∂tzlich von √ľberall her das knatternde Ger√§usch der Marquisen h√∂rte. Er sp√ľrte eine K√§lte, die sich im Raum eingenistet hatte. Er stand auf, schloss das Fenster und lie√ü die Jalousien hinuntersausen. Sein Warten auf das Sommerwetter war so vergeblich wie nutzlos.

Das Telephon klingelte immer noch. Jetzt kam ihm der Ton bei weitem nicht mehr so unertr√§glich vor und er nahm den H√∂rer ab. Eine fremde Stimme mit einer Prise von Selbstverst√§ndlichkeit begr√ľ√üte ihn.

Sie war es

Der Bildschirm wurde wieder angeschaltet, denn irgendeine Beschäftigung musste er sich suchen. Er saß ein wenig unbequem, denn die Stuhllehne befand sich nun unter seinem Arm und hinderte ihn daran den Hörer aufrecht zu halten.

Der Stuhl war immer noch auf das Fenster ausgerichtet.
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Ab und zu erscheinen uns offensichtliche Dinge so fremd und kompliziert, dass wir √ľber das Simple darin hinwegsehen und verkrampft nach einer der h√∂heren Logik gem√§√üen L√∂sung suchen

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Amarinya
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2001

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Hallo Sergey,

ich finde die Situation gut beschrieben. Der Schluss ist ... eigenartig, ich weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll. :-) Aber das finde ich gar nicht mal schlecht, lässt viele Interpretationen offen.
Eindrucksvoll finde ich S√§tze wie "Eine fremde Stimme mit einer Prise von Selbstverst√§ndlichkeit begr√ľ√üte ihn."! Super!

Nicht ganz so gelungen scheint mir "die flimmernde Oberfläche seines Bildschirms" - Oberfläche sagt dazu kaum jemand. Auch "Ein Telephon ertönte" könnte noch etwas anders formuliert werden.

Schreibst Du "Telephon", "Photographie" und dergleichen absichtlich in der etwas altert√ľmlich wirkenden "ph"-Schreibweise?

PS: Wie immer: alles nur *meine* persönliche Meinung ...



__________________
Amarinya

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Hallo Sergey und Amarinya,

ich gebe Amarinya recht.
Folgendes aber noch - ist auch meine persönliche Meinung - :

Der ganze erste Absatz ist mir zu distanziert und zu verwickelt geschrieben.

Ich präsentiere mal beispielhaft meine Vorschläge:

>Es war ein regnerischer Nachmittag, an welchem er an seinem Schreibtisch saß und ziellos auf die flimmernde Oberfläche seines Bildschirms starrte.<
Es war ein regnerischer Nachmittag. Er saß an seinem Schreibtisch und starrte auf den flimmernden Bildschirm.

>Nun stellte er mit nicht allzu großem Bedauern fest, dass er das, was sich schon seit einer halben Stunde darauf abspielte, nicht mehr wahrnahm. <
Seit einer halben Stunde schon nahm er gar nicht mehr wahr, was sich darauf abspielte. Er merkte das plötzlich und empfand kein Bedauern.

>Er schaltete den Bildschirm ab und kehrte sich dem schon seit √ľber zwei Wochen offen stehenden Fenster zu.<
Er schaltete den Bildschirm ab und wandte sich zu dem Fenster. Es stand offen, schon seit √ľber zwei Wochen.

>Er sp√ľrte die k√ľhle Luft, die zusammen mit dem beruhigenden Ger√§usch der unendlich vielen, auf die Fensterbank aufprallenden, Regentropfen, langsam ins Zimmer kroch. <
Durch das Fenster kroch k√ľhle Luft ins Zimmer. Unendlich viele feine Regentropfen fielen mit beruhigendem Klopfen auf die Fensterbank.
(sch√∂nes Bild √ľbrigens)

>Schon seit er aufgestanden war erwartete er ein prächtiges Sommerwetter, wie er es aus seiner Kindheit im Juli eines jeden Jahres gewohnt war. <
Er hatte pr√§chtiges Sommerwetter erwartet. Fr√ľher, in seiner Kindheit, war im Juli immer pr√§chtiges Sommerwetter gewesen.

Und so weiter. Der Protagonist scheint ein leicht zwanghafter Mensch zu sein (ich w√ľrde es zwanghaft nennen, wenn jemand ein Foto nicht aufstellen m√∂chte, weil dort wegen des vielen Staubs kein Platz mehr ist), und deshalb ist eine distanzierte Erz√§hlweise angebracht. Aber trotzdem finde ich, man k√§me auch mit weniger Nebens√§tzen und Einsch√ľben aus.


Sonst gefällt es mir - situativ, eine Impression, geschickte Charakterzeichnung allein durch einen schlichten, aber gut gewählten Handlungsablauf.

Gr√ľ√üle,
Zefira

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Sergey
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2002

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Danke f√ľr Eure Kritik

Hallo Amarinya und Zefira !

Ich freue mich, dass Euch meine Kurzgeschichte im Gro√üen und Ganzen zugesagt hat. Ich freue mich √ľber Kritiken jeglicher Art, da ich ja nun auch sehr gerne Kritiken verteile. Ich habe vor heute Abend meine neue Geschichte mit dem Titel "Das Schachspiel" zu ver√∂ffentlichen, vielleicht habt Ihr ja Lust Euch die mal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ich w√ľrde mich sehr freue da ein Feedback von Euch zu erhalten.

W√ľnsche Euch noch viele kreative Stunden und Alles Gute

Gruß

Sergey

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