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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Anrufbeantworter
Eingestellt am 29. 06. 2007 08:58


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mugwump
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Registriert: Jun 2007

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      Ihr gefiel die Vorstellung dieser zeitlich verzögerten Unterhaltung, sie redete anderen Leuten gern auf ihre Anrufbeantworter. Sie konnte ihrem entfernten GegenĂŒber so ungehindert mehrere Minuten ihres Geredes aufnötigen, ohne dass man sie durch ein harsches Wort hĂ€tte unterbrechen, oder sie auch nur durch eine Geste des Unwillens (ein irritiertes RĂ€uspern, das unnötig wiederholte Klappern des Löffels in einer halbleeren Tasse Tee, ein leerer Blick aus dem Fenster auf eine unbelebte Straße hinaus) aus dem Fluss ihrer Rede hĂ€tte bringen können.

     Er hingegen war immer erschreckt von der UnmĂ€ĂŸigkeit der Leere, die sich vor ihm nach der Ansage des Anrufbeantworters auftat, und die von ihm verlangte, mit seiner Stimme aufgefĂŒllt zu werden. Sein Erschrecken war oft so groß, dass er die Zeit zwischen den zwei Pieptönen mit dem vergeblichen Versuch verbrachte, seine Worte zu ordnen und sich an etwas zu erinnern, was zu sagen Sinn machte: Etwas, dass dem Abgrund, der sich vor ihm auftat, angemessen wĂ€re. Seine Freunde beschwerten sich dann oft ĂŒber das Rauschen und die abgeschnittenen Wortfetzen am Endes Bandes: “Ich.. ” oder “Hallo..” oder “Hier
”, war zumeist alles, was noch auf den BĂ€ndern vor Ablauf der Zeit zu hören war.

     Diese sich auftuende Leere, mild koloriert vom Rauschen des Bandes, in dem er das Murmeln der verfließenden Zeit selbst zu hören glaubte, stieß ihn ab und faszinierte ihn. Er kultivierte seine UnfĂ€higkeit und rief oft absichtlich bei Leuten an, wenn er wusste, dass sie nicht da sind - nur um diese Zeitspanne zwischen den beiden Pieptönen vergehen zu hören.

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