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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Apfeldieb
Eingestellt am 10. 04. 2002 23:39


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Sabeth
Hobbydichter
Registriert: Apr 2002

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Kommentare: 6
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DER
APFELDIEB

Lilo war zum Kampf bereit. Dieses Jahr w├╝rde sie den Halunken erwischen, der sich jeden Sp├Ątherbst an ihrem Apfelbaum g├╝tlich tat. Nur weil sie im November 75 wurde, bedeutete das nicht, dass sie wehrlos war! Die r├╝stige Seniorin schnaubte und wiegte den Besen in ihrer Hand, welchen Torben ihr letzten Dienstag aus dem Baumarkt mitgebracht hatte. "Der Stiel mu├č richtig sch├Ân massiv sein, das ist die Hauptsache", so lautete die Kaufanweisung f├╝r ihren 18j├Ąhrigen Enkel. Torben hatte schief gegrinst, ihr jedoch wie gew├╝nscht ein Prachtexemplar besorgt, welches Lilo sofort nach Erhalt am Kartoffelsack ausprobierte. Torben war ob der unvermuteten Gewaltbereitschaft seiner Gro├čmutter bleich geworden. "Soll ich dir nicht lieber einen Bewegungsmelder im Garten installieren? Das verschreckt den Apfeldieb, dann kommt er vielleicht gar nicht erst auf den Hof. Du kannst doch nicht mit dem Besen auf ihn losgehen, Oma!" "Ach Junge, ich habe im Krieg doch noch ganz andere Dinge getan." Nicht einmal Lilos Kirschtorte konnte Torbens Entsetzen bes├Ąnftigen.

Krieg. Das war auch jetzt das richtige Wort. Lilo befand sich im Krieg. Seit vier Jahren schon. Seit jenem Morgen Anfang Oktober, als sie ihren alten Apfelbaum gepl├╝ndert vorfand. Den Baum, den ihr Vater 1927 anl├Ą├člich ihrer Geburt gepflanzt hatte! Der Dieb hatte s├Ąmtliche Wilhelms├Ąpfel entwendet, keine einzige der k├Âstlichen, s├╝├čs├Ąuerlich schmeckenden Fr├╝chte zur├╝ckgelassen. Der Fehdehandschuh war geworfen.

├ťber den Garten webte sich das erl├Âschende Licht der Abendd├Ąmmerung. Gleich eroberte sich die Dunkelheit das Terrain. Dann wurde es ernst. Lilo war wohl pr├Ąpariert. Gegen drohende M├╝digkeit hatte sie am Nachmittag eine extra stark aufgebr├╝hte Kanne Kaffee getrunken, und um den T├Ąter in die Irre zu f├╝hren, lief im zur Stra├če gelegenen, hell erleuchteten Wohnzimmer der Fernseher - durch die dichten Gardinen war von drau├čen ein gem├╝tlicher Fernsehabend zu vermuten. Hier im zum Garten gewandten Hauswirtschaftsraum w├╝rde das Licht ausbleiben. Die Rentnerin rutschte auf dem Hocker ein wenig nach vorne und st├╝tzte sich mit den Ellbogen auf das Kissen, welches sie der Bequemlichkeit halber auf die Fensterbank gelegt hatte. Durch den Spalt des auf Kipp gestellten Fensters wehte eine zarte Brise herbstlichen Dufts. Drau├čen war es ruhig. Auch um die Nachbarh├Ąuser hatte sich Stille gelegt. Nur ab und an rauschte auf der Hauptstra├če ein Auto l├Ąngs und tauchte Lilos Garten f├╝r Sekunden in den Strahl eines fl├╝chtigen Lichtkegels.

Drei Stunden sp├Ąter, ihr Kreuz schmerzte und fast w├Ąren ihr trotz des Koffeingehalts im Blut die Augen zugefallen, h├Ârte Lilo ein Ger├Ąusch. Sie hielt den Atem an. Tats├Ąchlich! Im Garten schmatzte jemand! Sacht erhob Lilo sich vom Hocker, griff nach dem bereitgestellten Besen neben der Fensterbank, f├╝hlte nach der kleinen Lampe in der linken Tasche ihrer Kittelsch├╝rze und schlich samt Besen aus dem Hauswirtschaftsraum ├╝ber den Flur zur Hintert├╝r. Leise dr├╝ckte sie die Klinke hinunter, ├Âffnete die schwere Holzt├╝r einen Spalt breit und horchte hinaus. Das Schmatzen hielt an. Es kam vom Apfelbaum. Nachdem letzte Woche fast alle B├Ąume alter Apfelsorten in der Umgebung leer ger├Ąumt worden waren, hatte sich der R├Ąuber diese Nacht Lilos Baum ausgesucht. Eigentlich liebte Lilo die Abgeschiedenheit des Landlebens, doch jetzt, in diesem Moment, w├Ąre es ihr lieber gewesen, keine 100 Meter vom n├Ąchsten Hof entfernt zu wohnen.

Lilo k├Ąmpfte den Anflug von Angst nieder und umkrallte den Besenstiel. Der sollte was erleben! Sie zu beklauen! Geb├╝ckt tastete sich die fast 75j├Ąhrige an H├╝gelbeeten und Brombeerstr├Ąuchern vorbei. Vor dem Baum suchte sie das Dunkel nach einer Gestalt ab. Nichts - au├čer Schmatzen. Lilo hob mit der rechten Hand den Besen, bereit, auf den Eindringling einzuschlagen, kramte mit links nach der Taschenlampe, richtete diese auf den Baumstamm und knipste das Licht an. Nichts. Das Schmatzen hielt an. Lilo ging um den Baum herum, den Lichtstrahl auf den Boden gerichtet. Das Schmatzen verstummte. Da! Im Schein der Taschenlampe funkelten ihr zwei dunkle Augen entgegen. Lilo stampfte mit dem Fu├č auf. "Verdammt!" Der Igel verschwand unter den Brombeerb├╝schen.

Das Klingeln des Telefons rief Lilo ins Haus zur├╝ck. Im Flur angekommen, nahm sie, ein wenig au├čer Atem, den H├Ârer ab. Es war Erna vom anderen Ende der Hauptstra├če. "Wir haben den Dieb gestellt, als er unsere Cox Orangenetten pfl├╝ckte. Und ich wundere mich noch, dass Asta nicht anschl├Ągt, obwohl da jemand im Garten umher huscht..." Lilo strahlte in die Muschel. "Endlich! Habt ihr schon die Polizei gerufen? Wer ist denn der Lump?" Ein Seufzen drang aus der Leitung. "Ach je, es ist schon ein starkes St├╝ck! Dein Torben hat die ├äpfel geklaut. Er sagt, seine Lehrer zahlen richtig gut f├╝r solch besondere Pausensnacks."

__________________
"Dort, wo das Ich sich in der Namenlosigkeit verliert und seine Vergangenheit preisgibt, entfernt sich das Individuum von allem Vertrauten" (Walter Jens ├╝ber "Homo Faber")

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Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Sabeth,

eine nette Geschichte, an der Du aber sicher noch arbeiten willst, stimmt`s?*g*
Vielleicht kann ich Dir ja ein paar Anregungen geben. (Wenn Du bereit bist, diese anzunehmen!?)

Der Anfang zieht mich nicht so richtig in die Geschichte hinein. Der Konflikt ist nicht richtig brennend.
Ich meine, wenn Du gleich im ersten Absatz deutlich machen w├╝rdest, wie unversch├Ąmt(*g*) der Apfelklau gewesen ist, dann st├Ąnde man sofort hinter Lilo, ebenfalls bereit, dem Apfeldieb eine ├╝berzubraten!
Vielleicht w├Ąre es auch besser, da├č sie sich am Anfang auf die Lauer legt und dann wenn es anf├Ąngt spannend zu werden, machst Du eine R├╝ckblende...

Folgendes klingt meiner Meinung nach etwas seltsam:
"├ťber den Garten webte sich..."
"Lilo war wohl pr├Ąpariert..."
Einige etwas seltsame Formulierungen:
"...den ihr Vater anl├Ą├člich ihrer Geburt..."
"Hier im zum Garten gewandten..."
"...zarte Brise herbstlichen Dufts..."
Die Formulierungen sollen ja vielleicht so antiquiert klingen, es ist ja auch eine alte Frau. Aber vielleicht solltest Du es leserbedingt nicht ├╝bertreiben.(?)

Ich frage mich, was ist mit Thorben? L├Ą├čt der seine Oma in der entscheidenden Nacht einfach allein? Er hat sich doch so viele Sorgen gemacht...
Zum Ende hin, ahnte ich, da├č es Thorben sein k├Ânnte. Es wird ja keine andere M├Âglichkeit angesprochen. Wie w├Ąre es mit einem Zeitungsbericht... oder andere Verd├Ąchtigungen?

Leg bitte nicht jeden Kommentar auf die Goldwaage... okay!?
Ich hoffe, Du kannst mir meinen Kommentaren etwas anfangen und kommentierst im Gegenzug auch mal was von mir!

Viele Gr├╝├če vom "Schreiber" an die "Schreiberin"
M.R.-100%

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