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Leselupe.de > Humor und Satire
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Eingestellt am 01. 11. 2018 21:14


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anbas
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"Lars Melchior" ist ein Pseudonym. Es h├Ârt sich seiner Ansicht nach besser an, als "Klaus-Dieter M├╝ller", wie er in Wirklichkeit hei├čt. Klaus-Dieter ist sich sicher, dass er als "Lars Melchior" ber├╝hmt werden wird. Im Grunde fehlt ihm nur noch der richtige Verlag, der ihn gro├č herausbringt. Schon vor Wochen hat er verschiedenen von ihnen ein Expos├ę zugeschickt und dabei gleich um einen Vorschuss gebeten. Doch bisher blieben die erwarteten Antworten aus.

Lars Melchior sitzt an seinem K├╝chentisch. Es ist sp├Ąter Abend. Vor ihm steht der Laptop, der ihn strahlend wei├č anleuchtet. Noch hat er kein Wort geschrieben. Die Story seines Erstlingswerkes steht, aber der Einstieg will ihm einfach nicht gelingen.

Lars Melchior hat einen Ortswechsel vorgenommen. In seinem Stammcaf├ę hofft er nun auf eine Inspiration - die richtigen Worte f├╝r den Anfang seines epochalen Romans. Den Laptop hat er durch Schreibblock und Kugelschreiber ersetzt. Doch noch hat diese Ver├Ąnderung nicht das gew├╝nschte Ergebnis erzielt.
Inzwischen hat aber immerhin ein Verlag auf sein Anschreiben reagiert. Es war eine freundlich formulierte Absage.

Lars Melchior besucht seinen Kumpel Berthold Barnabas, um sich inspirieren zu lassen. Auch "Berthold Barnabas" ist ein Pseudonym. Er ist ebenfalls ein aufgehender Star am Schriftsteller-Himmel. Laut Personalausweis hei├čt er eigentlich "Frank Schmidt".
Berthold hat bereits sein Manuskript fertig. Es umfasst 842 Seiten Lyrik, ├╝berwiegend Zweizeiler und experimentelle Lautmalereien. Bisher konnte er noch keinen Verlag von seinem Potential ├╝berzeugen. Aber er ist sich sicher, dass die Zukunft ihm geh├Ârt. Es ist nur eben sehr schwer, die Borniertheit der etablierten Lektoren und Verlage zu brechen.

Lars Melchior liegt bei Berthold Barnabas auf dem Sofa. Er ist sternhagelvoll. Berthold sitzt kichernd auf dem Fu├čboden an seinen Wohnzimmerschrank gelehnt und dreht sich den n├Ąchsten Joint. Der kollegiale Austausch war sehr fruchtbar und vor allem mental absolut aufbauend. Sie haben beschlossen, weiter an ihren Pl├Ąnen festzuhalten. Berthold hat au├čerdem Ideen f├╝r weitere Gedichte bekommen ÔÇô er wird sein Manuskript wohl erweitern m├╝ssen. Vielleicht aber sind die neuen Texte auch der Grundstock f├╝r einen zweiten Band.

Lars Melchior sitzt wieder zu Hause am K├╝chentisch vor dem Laptop und ├╝bertr├Ągt seine handgeschriebenen Entw├╝rfe aus der danebenliegenden Kladde. Seit nun sechs Stunden hat er fast ununterbrochen geschrieben. Seine Finger rasen ├╝ber die Tastatur. Wie im Rausch hatte er zuvor jeden seiner Gedanken handschriftlich zu Papier gebracht. Und mit jedem Satz, jeder Formulierung stieg sein Wohlgef├╝hl. Nun l├Ąchelt er entspannt vor sich hin.

Lars Melchior hat sein Werk beendet. Er druckt es aus, liest noch einmal Korrektur und schickt es dann an seinen Notar. Der Brief enth├Ąlt ein Testament, eine Patientenverf├╝gung und eine Generalvollmacht.

Jetzt ist sein Kopf garantiert frei f├╝r den gro├čen Wurf.




__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen.
(anbas)

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Maribu
???
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Der Autor

Hallo Andreas,

originelle Pointe!

Auch sonst gut beschrieben und analysiert.
Zum Gl├╝ck ersetzt das Pseudonym keinen schlechten Text, obwohl
ein ausgefallener K├╝nstlername vielleicht doch den einen oder
anderen Lektor(in)befl├╝gelt, das Manuskript zumindest mal durchzubl├Ąttern. - Ohne "Vitamin B" haben unbekannte Autoren
heutzutage bei Verlagen fast keine Chance!
Aber was soll`s? - 'Der Weg ist das Ziel'!

Lieben Gru├č
Maribu

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anbas
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Hallo Maribu,

vielen Dank - auch f├╝r Deine Wertung!

Ja, als No-Name-Schreiberling hat man es schwer, ins literarische Rampenlicht zu gelangen - soweit man dies ├╝berhaupt m├Âchte.

Bisher gibt es ja nur wenige R├╝ckmeldungen. Deine und die Wertung von Patrick lassen aber hoffen, dass das Teil zumindest kein Rohrkrepierer ist.
Ich war mir (und bin es z.T. jetzt noch) unsicher, ob das Konzept funktioniert (z.B. jeden Absatz mit "Lars Melchior" zu beginnen). Auch enth├Ąlt der Text neben den Schwierigkeiten f├╝r unbekannte Autoren noch weitere satirische Seitenhiebe (z.B. die Selbst├╝bersch├Ątzung mancher Autoren oder der Umgang mit Schreibblockaden). Ich hatte die Bef├╝rchtung, dass ich hier zu viel Themen in einen Text gepresst habe.

Auf jeden Fall w├╝rde ich mich ├╝ber weitere R├╝ckmeldungen freuen.

Liebe Gr├╝├če

Andreas
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(anbas)

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aligaga
Guest
Registriert: Not Yet

Die Bef├╝rchtungen sind unbegr├╝ndet, o @anbas. Der Text und seine Intention sind klar erkennbar, die ├ťbertreibungen h├╝bsch ausgedacht und witzig formuliert.

Ein wenig weit hergeholt scheint lediglich die Pointe - einem D├Âdel wie dem uns hier vorgestellten traut man eher kein seitenlanges Verm├Ąchtnis zu, denn es ist zu vermuthen, das auch sein nicht-schriftstellerisches Dasein ein ziemlich leeres sei. Was g├Ąb's da schon gro├č zu verf├╝gen?

TTip: Den Protagonisten am Ende etwas viel Banaleres zu Papier bringen lassen - einen Antrag auf Sozialhilfe, eine Beschwerde beim Vermieter ├╝ber den immer noch leckenden Klosett-Sp├╝lkasten oder einen Einkaufszettel.

Dass du bisher so wenig Response bekommen hast, liegt nicht an der Qualit├Ąt des St├╝ckerls (die ist gut!), sondern daran, dass wir uns alle darin wiederkennen k├Ânnen. Wie peinlich also, diese Satire treffend zu finden!

Die Wirklichkeit ist jedoch noch viel, viel schlimmer, wie uns der k├╝rzlich im Pupanum er├Âffnete Thread "Honorare f├╝r Buchblogger?" beweist. Schon geguckt?

Thr├Ąnchen lachend

aligaga

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anbas
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Hallo aligaga,

vielen Dank f├╝r Deine R├╝ckmeldung.

Die Idee bez├╝glich einer anderen Pointe werde ich mir noch mal durch den Kopf gehen lassen.
Beim Schreiben gingen meine Gedanken eher in die Richtung, dass der Prot sich selber f├╝r so wichtig nimmt, dass er meint, f├╝r den Ernstfall m├Âglichst alles regeln und kl├Ąren zu m├╝ssen (vielleicht auch die Rechte f├╝r sein bisher noch nicht erschienenes Werk, Vorgaben f├╝r m├Âgliche Verfilmungen usw.). Allerdings wollte ich dies im Text nicht weiter ausbauen, da ich die Gefahr sah, die knackig kurze Pointe aufs Spiel zusetzen, sie quasie zu zerreden/zerschreiben.
Aber m├Âglicherweise habe ich hier um zu viele Ecken gedacht, so dass dieser Aspekt nicht deutlich genug wird.

Wie gesagt, ich werde noch mal in mich gehen.

Sch├Âne Gr├╝├če

Andreas
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(anbas)

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aligaga
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
Wie gesagt, ich werde noch mal in mich gehen.

Davon r├Ąth der b├Âhse @ali dir ausdr├╝cklich ab, o @anbas. Schrift-Steller sollten nicht in sich gehen, sondern au├čer sich sein. Dann klappt's* auch mit dem Verlag.

Am├╝siert

aligaga

*"klappte es": Konjunktiv zwo ...

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