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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Bauer
Eingestellt am 02. 08. 2003 23:49


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Charlene
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Nach ziemlich langer Zeit habe ich mich endlich mal wieder entschlossen, eine Geschichte hier im Forum zu posten - die (zum Teil) auf wahren Tatsachen beruht... *g*
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Der Bauer

Es war einmal vor langer, langer Zeit in einem weit entfernten Land, da lebte ein Mann. Der Mann war zwar nicht alt, aber auch nicht mehr ganz jung und wohnte in einer kleinen, bescheidenen HĂŒtte. Er wurde von allen nur „Der Bauer“ genannt.
Sein Alltag bestand darin, Zeitung zu lesen und sein altes, kaputtes Flugzeug zu reparieren, obwohl er nicht einmal einen Pilotenschein besaß. Aber was machte das schon? Er grub nach wertlosen Tonscherben in der Erde oder versuchte sich als Goldschmied. Außerdem war er ein leidenschaftlicher ZwergziegenzĂŒchter. Die Tiere hatte er in einem selbst gezimmerten, windschiefen Schuppen untergebracht und morgens nahm er seinen Stock, setzte sich einen Filzhut auf und trieb die Zwergziegenherde auf die Weide seines Nachbarn. Dieser hatte es schon vor langem aufgegeben, sich gegen die Ziegeninvasion des Bauern zu wehren und zuckte nur noch mit den Achseln, wenn ihn jemand darauf ansprach. Der Bauer ließ nicht mit sich reden und wenn man ihm widersprach blickte er einen nur verstĂ€ndnislos an. Es kam ihm nie in den Sinn, dass er andere durch sein Verhalten verĂ€rgern könnte.
Nur zweimal im Jahr wurde der Alltag des Bauern unterbrochen: an seinem Geburtstag und an Weihnachten. Und genau dann hatte er eine schreckliche Angewohnheit: Er nahm seine Geschenke, tastete sie rundherum ab und riet dann immer, um was es sich handelte. Dazu kam noch, dass er selbst prinzipiell nur Gutscheine verschenkte und diese ebenso prinzipiell am nĂ€chsten Tag vergessen zu haben schien. So kam es, dass sich bei den Leuten zu Hause schon reihenweise Gutscheine stapelten und sie selbst keine Lust mehr hatten, dem Bauern etwas zu schenken, da er die ganze Überraschung durch sein ewiges Raten immer verdarb. Dennoch, so eigenartig er auch war, mochten ihn die Leute sehr und kamen immer zahlreich, wenn er zu sich einlud. Trotz seiner ganzen Macken war er stets hilfsbereit und freundlich, so dass ihm kaum jemand seine Eigenarten wirklich ĂŒbel nahm.
Auch dieses Jahr rĂŒckte das Weihnachtsfest immer nĂ€her, als eine seiner Bekannten in einer alten Holztruhe auf eine Schachtel stieß, in der sie die ganzen Gutscheine fand, die der Bauer ihr im Laufe der letzten Jahre geschenkt hatte. Keinen hatte er jemals eingelöst. Sie setzte sich auf einen Stuhl und ĂŒberlegte. Auch zu diesem Weihnachtsfest wĂŒrde der Bauer sicherlich an seiner Angewohnheit festhalten und nur Gutscheine verschenken. Und als sie gedankenverloren aus dem Fenster blickte und den Schneeflocken zusah, wie sie auf das Fensterbrett fielen und binnen Sekunden schmolzen, reifte in ihrem Kopf ein teuflischer Plan. Sie wollte dem Bauern ein fĂŒr alle Mal einen Denkzettel verpassen und begann mit den Vorbereitungen fĂŒr ein ganz spezielles Geschenk. Nach einigem Kramen hatte sie endlich ein schönes Nadelkissen in der Form eines Sterns gefunden. Dann wĂ€hlte sie sorgfĂ€ltig fĂŒnfzig besonders spitze Nadeln aus und steckte diese mit dem Kopf in das Nadelkissen hinein, so dass die Spitzen herausschauten. Zufrieden betrachtete sie ihr Werk. Daraufhin nahm sie ein StĂŒck Pergament hervor, das sie nach einigem Überlegen mit blutroter Tinte beschrieb. Schließlich legte sie das Nadelkissen auf das Pergament und verpackte beides mit schwarzem Geschenkpapier.
Wenige Tage spĂ€ter war es endlich soweit: Die Stunde der Bescherung war da. Wie jedes Jahr hatten sich viele Leute in der kleinen HĂŒtte des Bauern versammelt und saßen gemĂŒtlich um den Kamin, in dem die gierigen Flammen das mĂŒhsam gesammelte Feuerholz verschlangen. WĂ€hrend seine Bekannten meist nur kleinere PrĂ€sente und je einen blauen Umschlag, auf dem Gutschein stand, vor sich liegen hatten, saß der Bauer selbst in seinem uralten Sessel und war umgeben von Geschenken. Ein neuer Wanderstock und ein schöner dunkelgrĂŒner Filzhut waren ebenso darunter wie das dringend benötigte Werkzeug, das der Bauer fĂŒr sein Flugzeug brauchte, und eine Mitgliedskarte fĂŒr den örtlichen ZwergziegenzĂŒchterverein, dem ein Ratgeber zur Haltung der sensiblen Tiere beilag. Seine spezielle Bekannte saß zurĂŒckgelehnt auf einem Stuhl und sah ihrem Gastgeber zu. Alles war eingetreten, wie sie es sich gedacht hatte: Jeder hatte sich MĂŒhe gegeben, ein Geschenk auszusuchen, das dem Bauern gefiel, wĂ€hrend er, wie jedes Jahr, nur Gutscheine verteilt hatte. Zwar waren diese recht lustig gestaltet und auch der Verwendungszweck war einfallsreich – in ihrem Falle hatte der Bauer ihr einen Gutschein ĂŒber fĂŒnfzig Reitstunden auf seinen Zwergziegen geschenkt – doch hatte er seinen GĂ€sten selbst die Freude an seinem ĂŒberraschten Gesicht genommen, wenn er seine Gaben auspackte. Bevor er die Verpackung geöffnet hatte, war er eifrig dabei gewesen, seine PrĂ€sente abzutasten, zu fĂŒhlen und dann auch noch zu raten, um was es sich handelte. Wenn sich seine Vermutung als richtig herausgestellt hatte, stieß er einen Freudenschrei aus und hĂŒpfte auf einem Bein quer durchs Zimmer, wĂ€hrend er mit beiden Armen in der Luft ruderte, um das Gleichgewicht zu halten. Nun jedoch saß er wieder in seinem Sessel und wĂŒhlte sich erfreut durch das Geschenkpapier, das er im Eifer des Gefechts auf dem Boden verstreut hatte, und suchte nach weiteren Geschenken, die fĂŒr ihn bestimmt waren. Schließlich wurde er fĂŒndig. Es war nur noch ein einziges, schwarzes PĂ€ckchen ĂŒbrig. Grinsend nahm er es in die Hand, wog es, schĂŒttelte unschlĂŒssig den Kopf und begann, es zu befĂŒhlen. Plötzlich aber hielt er mitten in der Bewegung inne und stieß einen lauten Schrei aus. Sein Gesicht war fassungslos, als er erschrocken auf seine blutenden Fingerkuppen sah, die mit etlichen kleinen Einstichen ĂŒbersĂ€t waren. Dann starrte er jeden seiner GĂ€ste einen Moment lang zornig an, schnaubte wĂŒtend und riss das Geschenk ohne RĂŒcksicht auf Verluste auf. Unverwandt stierte er nun auf das kleine sternförmige Nadelkissen, aus dem sĂ€uberlich fĂŒnfzig spitze Nadeln herausragten. Nachdem einige Zeit schweigend vergangen war, schien er endlich verstanden zu haben, welchen Scherz sich einer seiner GĂ€ste erlaubt hatte und warf das Kissen mit einem zornigen Aufschrei beiseite. Mit hochrotem Kopf und schwer atmend las er fassungslos das Pergament, auf dem nur ein einziger Satz stand:

Gutschein fĂŒr einen Kaktus.


__________________
"You live to make trouble, don't you?"
"Life is nothing without a little chaos to make it interesting."

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Amely_Lea_Brandon
???
Registriert: Aug 2002

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Hi,

also erstmal muss ich loswerden, dass mir die Geschichte sehr gut gefÀllt. Wirklich schön, aber ich glaube das passt nicht so ganz hier ins Forum. Solltest du eher unter Humor posten. (Auch wenn es in einem fernen Land spielt... lol... das ist die einzige Formulierung die an ein MÀrchen erinnert.)
Eigentlich bin ich froh, dass du sie hier gepostet hast. Sonst wĂ€re ich sicherlich nicht in den Genuß gekommen sie zu lesen.

Greetz, Amely

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

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Die Geschichte hat mir gut gefallen; sehr witziges Ende, unterhaltsam geschrieben – nur diese Betonung auf die Wut des Bauern am Ende fand ich etwas ĂŒbertrieben gezeichnet; zornig darf er sein, aber man hat ja fast Angst um seine Bekannte, die er womöglich noch mit dem Nadelkissen erdolcht.. ;o)
Über ein paar sprachliche Dinge und logische Unebenheiten bin ich gestolpert – ich kann halt nicht anders..



Es war einmal vor langer, langer Zeit in einem weit entfernten Land, da lebte ein Mann. Der Mann war zwar nicht alt, aber auch nicht mehr ganz jung und wohnte in einer kleinen, bescheidenen HĂŒtte. Er wurde von allen nur „der Bauer“ genannt.

Ich finde die Reihenfolge der Informationen nicht ganz gelungen; Vorschlag: „Es war..., das lebte ein Mann in einer kleinen, bescheidenen HĂŒtte. Er war nicht alt, aber auch nicht mehr ganz jung, und alle nannten ihn nur „der/den Bauer(n)“.“; allerdings verstehe ich nicht ganz, weshalb er denn ein Bauer ist.. höchstens in seiner Sturheit

Sein Alltag [...]
„Alltag“ erweckt immer den Eindruck einer langweiligen, eintönigen Routine, und der Bauer hat ja eine ganze Reihe eher ungewöhnliche BeschĂ€ftigungen; da paßt der Ausdruck nicht so ganz. Übrigens solltest du in „Er grub...“ irgendwo ein auch o.Ă€. einfĂŒgen, da durch die Satzfolge der Eindruck entsteht, als bestĂŒnde sein Alltag nur aus der Zeitung und dem Flugzeug.

Nur zweimal im Jahr wurde der Alltag (s.o.) des Bauern unterbrochen: an seinem Geburtstag und an Weihnachten. Und genau dann hatte er eine schreckliche Angewohnheit: Er nahm seine Geschenke, tastete sie rundherum ab und riet dann immer, um was es sich handelte.

Was ist denn daran so schrecklich? Er freut sich doch dennoch ĂŒber die Geschenke – die Gutscheine sind zwar schlimm, aber das Abtasten scheint mir doch eher eine vergleichsweise liebenswerte Eigenheit zu sein, die gut zu dem „Eigenbrötler“ paßt..

Auch dieses Jahr rĂŒckte das Weihnachtsfest immer nĂ€her, als eine seiner Bekannten (diese Person ist schon recht wichtig, da sie ja die eigentlich Handelnde ist; die Formulierung erscheint unangemessen kompliziert; könnte sie nicht seine Schwester oder seine Nachbarin o.Ă€. sein?) in einer alten Holztruhe auf eine Schachtel stieß, in der sie die ganzen Gutscheine fand, die der Bauer ihr im Laufe der letzten Jahre geschenkt hatte.

Alles war eingetreten, wie sie es sich gedacht hatte: Jeder hatte sich MĂŒhe gegeben, ein Geschenk auszusuchen, das dem Bauern gefiel, Widerspruch! Vorher heißt es: „und sie selbst keine Lust mehr hatten, dem Bauern etwas zu schenken“ wĂ€hrend er, wie jedes Jahr, nur Gutscheine verteilt hatte.

Unverwandt stierte er nun auf das kleine sternförmige Nadelkissen, aus dem sĂ€uberlich fĂŒnfzig spitze Nadeln herausragten.
Der kann aber schnell zÀhlen..

__________________
Andrea Rohmert

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Charlene
HĂ€ufig gelesener Autor
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Erst mal danke fĂŒr die Antworten, schön wenn Euch meine Geschichte gefĂ€llt. ^.^

@Amely: Kann sein, dass die Story nicht hundertprotzentig in das Forum passt, aber sie war am Anfang als MĂ€rchen konzipiert und deswegen habe ich sie einfach mal hier gepostet...

@Andrea: Danke fĂŒr die Hinweise! Ich werde mal schauen, wie ich die unterbringen kann - das mit dem Alltag stimmt natĂŒrlich, das Wort hat so einen eintönigen Beigeschmack und das passt nicht so ganz.
Das mit der Bekannten könnte ich auch noch umÀndern - eigentlich wollte ich am Anfang seine Tochter daraus machen, aber das hat dann doch nicht so in das Bild des Eigenbrötlers gepasst.
Der Widerspruch dass die Leute auf der einen Seite keinen Bock mehr haben, ihm was zu schenken und es dann doch tun, ist mir mittlerweile auch aufgefallen, da muss ich auch noch was dran Àndern.
Ach ja, und die Angewohnheit Geschenke abzutasten kann definitiv nerven! Ich spreche da aus eigener Erfahrung *g* Man gibt sich ganz viel MĂŒhe ein Geschenk zu finden, das demjenigen gefĂ€llt und freut sich schon auf das Gesicht des Anderen beim Auspacken - und der errĂ€t vorher schon, was es ist. T_T
Danke fĂŒr die MĂŒhe, die du dir gemacht hast!

Charlene
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"You live to make trouble, don't you?"
"Life is nothing without a little chaos to make it interesting."

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