Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95213
Momentan online:
610 Gäste und 8 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Baum
Eingestellt am 24. 03. 2004 17:59


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Wlodzimierz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2004

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wlodzimierz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es war finster und warm als ich zum Leben erweckt wurde. Es war angenehm, fast gemĂŒtlich unter der OberflĂ€che und ich hatte nicht viel Zeit um an das Tageslicht zu erlangen. Ich konnte nicht lĂ€nger unter der Erde warten, es war zu gefĂ€hrlich, eigentlich lebensbedrohlich. Als ich letztendlich die OberflĂ€che durchbrach und meine Umgebung sah, war ich glĂŒcklich und der Sinne beraubt. Mein Leben hat hier seinen Anfang und wird hier sein Ende finden. Das Terrain war flach und ĂŒbersĂ€ht mit krĂ€ftigen BĂ€umen, die 30 Meter in die Höhe schossen und so dicht waren, dass nicht einmal eine Schlange sich durch den Wald wagte. Diese majestĂ€tischen Riesen standen da wie angegossen und es gab keine Kraft auf der Erde, die diese bewegen konnte. Das war ein Anblick, der mich zum Wachen motiviert hat. Auch ich wollte eines Tages genauso groß und majestĂ€tisch sein wie meine Artgenossen, die diesen Wald bildeten.
Ich streckte meinen Kopf durch die Erde und suchte einen soliden festen Grund unter meinen FĂŒssen. Die Erde war zumindest im oberen Bereich sandig, daher war es nicht schwer, die Wurzeln zu schlagen. Wichtig ist die Wasserversorgung, das wusste ich. Ich muss ausreichend Wasser zum Wachstum haben. Und ich spĂŒrte, dass mein Lebensraum ganz ausgezeichnet war. Nicht weit von mir entfernt hörte ich einen Fluss der vorbei rauschte. Auch die Erde war feucht, feucht genug um hier gut zu leben. Das Wasser war sehr kalt und klar, war voll von Mineralien und hatte einen erfrischenden Geschmack. Ich war dankbar dem Wind, der mich hier hergebracht und mein Leben in dieser Gegend bestimmt hat.
Es war mir klar geworden, dass ich nicht weiß, wie ich aussehen werde. Meine Eltern waren mir unbekannt und von welchem Baum ich abstamme, konnte ich auch nicht sagen. Ich wusste es einfach nicht. In meiner NĂ€he, zirka zwanzig Zentimeter von mir entfernt sah ich zwei andere BĂ€ume, die genauso wie ich die Erde durchbrachen und sich zur Sonne aufgerichtet haben. Die anderen sind mir unsympathisch geworden, als sie versuchten mir den Boden unter meinen FĂŒssen zu entziehen und mir die Sonnenstrahlen abzudecken. Das ist spĂ€ter passiert, aber jetzt am Anfang, wo wir alle so klein waren, dass wir gerade die Erde durchbohrt haben, war die Welt in Ordnung. Ich badete in den Sonnenstrahlen, trank aus dem herrlichen Waldbach und wuchs. An einem Tag im Sommer als die Sonne gerade aufging, lernte ich kennen was Angst bedeutet. An diesem Tag ist eine Gruppe von Unwesen aus dem Nebel vor uns aufgetaucht. Vorsicht, das sind die Rehe, hat der Wald gesprochen. Diese großen Unwesen zogen einen der zwei anderen BĂ€ume aus der Erde und verschlangen ihn mit ihren großen MĂ€ulern. Es gab kein Entkommen, ich konnte nur stehen und hoffen, dass ich unentdeckt bleibe. Die Gefahr dauerte nur einige Minuten, aber sie war mein erstes Ereignis, wo ich Angst hatte und wo ich merkte, wie brĂŒchig das Leben ist. Im Winter, als ich so klein war, konnte ich unter dem Schnee bleiben, es war im Vergleich zu der KĂ€lte draußen angenehm, ich fĂŒhlte mich geschĂŒtzt. An diesen Moment, diese Geborgenheit erinnere ich mich sehr gern.
Jetzt nach 600 Jahren ist alles anders geworden. Der Wald existiert nicht mehr, meine Familie wurde ausgerottet. Jeder einzelne wurde von seinen eigenen Wurzeln getrennt, die Arme wurden genauso abgetrennt und die nackten StĂ€mme wurden mit stinkenden KĂ€fern auf RĂ€dern abgeholt und sind verschwunden. Die Wurzeln wurden ausgerissen, brutal mit aller Gewalt auf Biegen und Brechen. Ein tiefes Loch wurde gegraben und meine Wurzel dabei beschĂ€digt. Heute steht an der Stelle des Waldes eine Betonschachtel, die die Freiheit meiner Wurzeln geraubt hat und Parkgarage genannt wird. Der Waldbach stinkt zum Himmel und fĂŒhrt ein Wasser von dem mir Übel wird. Die Sonne ist nur an den Tagen zu sehen an denen krĂ€ftiger Wind aus dem Westen weht. Der Regen ist sauer geworden und wenn es regnet, werden meine BlĂ€tter verbrannt.
Was ist inzwischen passiert frage ich mich, wie ist es dazu gekommen? Ich kenne die Antwort, ich weiß was passiert ist aber ich weiß nicht warum. Inzwischen haben bestimmte Spezies, Menschen nennen sie sich, die Erde als privates Eigentum entdeckt. Als ich noch jung war, wohnte diese Spezies in Gruppen und in Einklang mit der Natur. Sie lebten und starben unter meinen BlĂ€ttern, sie waren fĂŒrsorglich zu den Kindern und gut zu den Frauen. Ich mochte sie. Sie vermehrten sich und neue Generationen grĂŒndeten neue WohnplĂ€tze. Eines Tages sind sie in meiner NĂ€he aufgetaucht und haben sich in der NĂ€he niedergelassen. Dieser Platz, wo sie mehrere HĂŒtten aufgestellt hatten, nannten sie Wien. Sie gaben meinem Fluss den Namen Donau. Eines Tages erklĂ€rte einer von ihnen, dass alles ihm gehört und wenn ein anderer Mensch einen Platz zum Leben braucht, kann er diesen von ihm kaufen. Von wem der Erste gekauft hat, habe ich nicht herausgefunden. Dann kamen die Kriege. Diese Spezies hat sich gegenseitig umgebracht. Einmal wurde sogar ein Junge auf meinem Arm aufgehĂ€ngt. Ich habe ihn sterben gesehen und spĂŒrte seinen letzten Atem. Nach den Kriegen kamen andere Spezies, die erklĂ€rten, dass alles jetzt Ihnen gehört und nicht den anderen und dann kamen wieder die Kriege. Sie haben so viel Energie und Zeit geopfert, damit sie GerĂ€te erfinden, die noch mehr eigene Spezies töten als die vorherigen GerĂ€te. Ich erinnere mich an den Metallvogel, den sie erfunden haben, damit sie die Bomben hinunter werfen können. Sie haben Fabriken gebaut und die Luft verschmutzt. Sie merken nicht einmal, dass sie die Luft verschmutzen, die sie selber atmeten. Sie haben meinen Fluss mit Chemikalien und AbfĂ€llen unbrauchbar gemacht, ich kann von ihm nicht trinken ohne zu erbrechen. Ich habe das nie verstanden, warum sie die Welt zerstören, in der sie selber leben. Mein Leben geht zu Ende. In meinen Erinnerungen wird mich menschliche Zerstörung weiterverfolgen und quĂ€len. Oft denke ich an meine Kindheit und meinen Kollegen, der von Rehen gefressen wurde. Und manchmal wĂŒnsche ich mir, an seiner Stelle mit wunderschönen Erinnerungen damals gestorben zu sein und nicht mit der mir inzwischen fremd gewordenen Welt zu leben.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Kasoma
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Wlodzimierz,

welch schwieriger Name...trotzdem: Hallo in der LL, ich wĂŒnsche Dir hier sehr viel Spaß...
zu Deiner Geschichte möchte ich sagen: Ich habe sie gern gelesen, habe mich wunderbar in einen Baum (!?) einfĂŒhlen können und Anfang, Mitte und Ende sind stimmig. Du hast einen Lebenskreislauf beinahe bis zum Ende beschrieben, soweit finde ich alles gut. Aber sprachlich gibt es noch einiges zu tun, teilweise strapazierst Du gleiche Formulierungen und man könnte es manchmal eleganter formulieren, verstehst Du, wie ich es meine?
Aber das ist nichts, was Du nicht hinbekommen könntest, denke ich!
Liebe GrĂŒĂŸe und viel Erfolg weiterhin wĂŒnscht Dir Kasoma

Bearbeiten/Löschen    


Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
Kommentare: 497
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Monfou Nouveau eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Wlodzimierz,

sehr konsequent durchgehalten die Perspektive. Die Zerstörung der Erde durch den Menschen aus Sicht eines Baums. Ein wenig sentimental ist es schon, wenn man einem Baum menschliche Vernunft (denn du gibst ihm ja deine Gedanken) und Stimme gibt. Gut, sagen wir, dein Text basiert auf dem Thema der Legende, der Tier- (und Pflanzen-)Legenden, in denen man auch menschliche Gedanken auf die Natur ĂŒbertrĂ€gt. Man denke an „Farm der Tiere“ von Orwell. Es gibt auch ein schönes Kinderbuch, das heißt der „Traumzauberbaum“. Auch der kann sprechen. Es gibt da also eine gewisse Tradition. Insofern ein interessanter Versuch. Dass es Wien und die Donau ist, ist zwar einerseits verblĂŒffend konkret, andererseits fragt man sich, warum es nicht MĂŒnchen und die Isar oder London und die Themse oder Paris und die Seine sein könnte. Gibt es etwas spezifisch Wienerisches? Oder ist der Name austauschbar?

Bitte, ein Herzanliegen, setze doch die fehlenden Kommas, NebensÀtze werden mit Kommas abgetrennt.

Ansonsten, prima Idee, gut durchgefĂŒhrt, ein wenig sentimental, hier und da könnte man sich noch etwas mehr sprachliches Raffinement wĂŒnschen, finde ich. (Da treffen sich offenbar Kasomas und meine EindrĂŒcke.)

Beste GrĂŒĂŸe
Monfou, der auch auf diesem von Menschen verwĂŒsteten Planeten lebt.

Bearbeiten/Löschen    


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo wlodzimierz,

auch mir bleibt nichts weiter ĂŒbrig, als mich meinen vorkommentatoren anzuschließen.
ich weiß, dass du nun nicht noch jemanden brauchst der deinen text kritisiert, aber ich wollte meine bewertung nicht unkommentiert stehen lassen.
was mich am meisten stört, ist der stÀndige wechsel zwischen naivitÀt und "supervision" deines "prot". ich sehe ihn sich nicht freuen oder leiden, ich bekomme alles erklÀrt.
ein beispiel vom anfang:

quote:
Ich konnte nicht lÀnger unter der Erde warten, es war zu gefÀhrlich, eigentlich lebensbedrohlich.

warum gefÀhrlich, gar lebensbedrohlich?
ich wĂŒrde gern etwas lesen vom angriff der huminsĂ€uren auf den samenmantel, von der schwindenden kraft kurz vorm durchbrechen der kruste, von den schmerzen, wenn z.b. ein kĂ€fer ein wurzelchen anknabbert usw.
deiner phantasie sind bei diesem thema doch keine grenzen gesetzt, wenig phantastisch dagegen erscheint mir diese von aussen kommende erklÀrung: es wurde mir zu gefÀhrlich da unten...

den titel wĂŒrde ich Ă€ndern, er verrĂ€t schon zuviel.

ich hoffe ich habe dir vermitteln können woran dein text meines erachtens nach "krankt".
gleichzeitig hoffe ich aber auch, dass die kritiken die dein text bekommen hat dich dazu beflĂŒgeln werden ihn zu verbessern, dich nochmals mit den thema zu befassen und dann frischen mutes den stift wieder zur hand zu nehmen und uns eine neue, bessere version zu prĂ€sentieren .

vg
rainer

__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

Bearbeiten/Löschen    


Wlodzimierz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2004

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wlodzimierz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Leute,

danke fĂŒr eure Hinweise. Ich hoffe, dass diese kleine Geschichte euch gefallen hat. Nachdem Deutsch nicht meine Muttersprache ist, ist mir nicht leicht meine Stimmung und Emotionen korrekt auszudrĂŒcken. Diese Geschichte war fĂŒr einen Wettbewerb geplant, sie sollte nicht lĂ€nger als 1.000 Wörter sein. Sie ist tatsĂ€chlich 1.000 Wörter lang geworden. Ich musste die Tiefe opfern, insbesondere das Ende ist sehr flach geschrieben.

Abgesehen von Kleinigkeiten vor 20 Jahren ist das meine Welt-Premiere.


@Kosma, @Monfou Nouveau, @Reiner
Was fĂŒr eine Aufgabe meine SchwĂ€chen in StĂ€rken verwandeln. Da habe ich noch einiges zu tun. Ich freue mich um so mehr, wenn ich die Stimmung und Emotionen euch vermitteln konnte.
@Monfu: Du hast Recht Wien und Donau sind erschreckend konkret und austauschbar. Eigentlich sollten sie nicht identifizierbar bleiben. @Reiner: Um mich an 1.000 Wörter Grenze zu halten musste ich auf einiges verzichten. Danke fĂŒr deine Anmerkungen, gute Ideen.

Danke fĂŒr Motivation.

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung