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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Beginn eines Romans - " Loa"
Eingestellt am 25. 04. 2002 17:44


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nemo
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Hallo erst einmal. Ich habe hier die ersten paar Kapitel eines Romans an den ich arbeite. Ich w├╝rde mir gerne mal die eine oder andere objektive Meinung holen, ob der Text lesbar ist. Vor allem bei den Dialogen bin ich mir nicht so sicher. Danke - Nemo

1.

So, jetzt erst mal locker bleiben und nicht die Milch verlieren.
Kurzer Blick nach links, kurzer Blick nach rechts und die Lage ist gepeilt.
Insgesamt sechs Personen. Zwei Kassiererinnen und vier Kunden. Leichtes Spiel.
Ein paar Schritte Richtung Kasse, die Knarre aus der Jacke ziehen und ab geht’s.
„Ihr verfickten Penner, ihr geht jetzt alle zu Boden sonst gibt’s Blut !!!“
Ich liebe diesen Part. Cool sein, b├Âse aussehen und kein Mitleid zeigen.
„So du Schlampe steh auf !!!“
Immer diejenigen aussuchen die am meisten Angst haben.
„Pack das schei├č Geld in die Tasche und zwar schnell !! Sonst kannst du demn├Ąchst aus der Stirn kacken !!“
Es geht schnell, sehr sch├Ân.
Blick nach drau├čen, alles ruhig.
Bewegung hinter mir.
Umdrehen. Zielen.
„ Was soll die Schei├če du Wichser, willst du als Held sterben ?“
Waffe auf die Stirn legen und l├Ącheln.
„Na kleiner , hast du Angst ?“
Zittern, Stille.
Der typische Geruch von Angstschwei├č, Augen die sich mit Tr├Ąnen f├╝llen.
„Peng, du bist Tot.“
Ich richte die Waffe knapp ├╝ber seine Schulter.
Ein lauter Knall, Schreie, und der Kerl bricht zusammen, bewu├čtlos.
Umdrehen, auf die Kassiererin zielen.
„Mach hinne sonst bist du die n├Ąchste !“
Sie heult und beeilt sich.
So, jetzt die Kohle nehmen und nichts wie raus aus dem Laden.
Drau├čen steht Paul und l├Ąsst den Motor aufheulen.
Rein in die Karre. Maske vom Gesicht rei├čen. T├╝r zu. Und ab geht’s.
„Und wie isses gelaufen ?“, fragt Paul .
„Halt’s Maul und gib Gas !!“, schnauze ich.
Paul ist nicht gerade ein Genie, aber im Umgang mit allem was zwei oder mehr R├Ąder hat ist er unschlagbar.
„War ganz O.K., keine gr├Â├čeren Probleme gehabt.“, sag‘ ich.
Ich krieg wieder Kopfschmerzen. Jedes Mal wenn ich’n Ding drehe, platzt mir danach die Birne. Kommt bestimmt vom rumballern, sollte mir n’en Schalld├Ąmpfer besorgen.
„Paulie, halt bitte am Candie’s, ich muss mir was zum Qualmen besorgen, mir platzt der Kopf.“
Paulie nickt.
Er wei├č, da├č er mich jetzt lieber in Ruhe lassen sollte, deswegen mag ich den Kerl so.
Seitdem sein ├Ąlterer Bruder Sam bei ’ner Schie├čerei mit den Bullen draufgegangen ist, h├Ąngt er mit mir rum. Ich bin so’ne Art Ersatzbruder f├╝r Ihn. Er ist noch zu Jung um alleine klar zu kommen und von mir kann er noch’n paar Tricks lernen. Er ist mit achtzehn zwar einen Kopf gr├Â├čer und drei Schr├Ąnke breiter als ich mit zweiunddrei├čig, aber ihm fehlt noch die Erfahrung. Das Leben ist hart, wenn man’s so lebt wie wir.
„Wir sind da.“, meldet sich Paul.
„Warte im Wagen, ich bin gleich wieder da.“
Ich nehme zweihundert Kr├Âten aus der Tasche und ab in’s Candies.
Ein Kopfnicken reicht und der Typ an der T├╝r l├Ąsst mich rein.
Schei├če ist der Laden voll. Ich schau mich um. Ein paar nette Weiber sind da, aber ich hab‘ heute kein Bock auf Ficken. Ich dr├Ąnge mich durch die Massen Richtung Bar. Meine Birne pocht bei jedem Bassbeat. Verdammt, m├╝ssen die, die Musik so laut aufdrehen. An der Bar sitzt der Mann den ich suche. Ich geh an ihm vorbei und ein Augenkontakt gen├╝gt. Dann auf’s Klo, wo ein paar Sekunden sp├Ąter der Typ auch auftaucht.
„Was geht Alter ?“, fragt er mich grinsend. Er riecht das Gesch├Ąft.
„Ich hab‘ hier zweihundert M├Ąuse die nach dir gefragt haben. Hast du was gutes da ?“, frage ich.
„Ja klar, f├╝r meinen Lieblingskunden doch immer. Wart‘ mal 'ne Sekunde.“
Er greift in seine Jackentasche und bringt ein Beutel Gras zum Vorschein.
Er wiegt‘s vor meinen Auge ab und meine hart verdienten M├Ąuse wechseln den Besitzer.
„Bis demn├Ąchst Meister.“, verabschiede ich mich.
Raus aus dem Klo und wieder durch die nach Rauch und Alkohol stinkende Menge.
„He du Sack, pass mal auf ! “
Ich dreh mich um. Ein Kerl wie‘n Baum schaut mich grinsend von oben herab an.
„Hast du mich gerade Sack genannt ?“, frage ich ihn freundlich.
„Hast du ein Problem damit kleiner ?“
Ich l├Ąchele und trete ihm in die rechte Kniescheibe. Es knackt. Er kr├╝mmt sich vor Schmerzen. N├Ąchster tritt von unten in die Fresse. Er kippt um und h├Ąlt sich das Gesicht.
Blut l├Ąuft zwischen seinen Fingern.
„Selber Sack ! “, zische ich und verpisse mich schleunigst.
Am Ausgang wieder kurzes Kopfnicken und schnell in’s Auto.
„Hau‘ rein Paulie, ich will nach Hause, entspannen ist angesagt.“

2.

Das Zeug knallt ja m├Ąchtig rein. Ich habe mir gerade das erste K├Âpfchen reingezogen und bin schon hammerbreit. Gott segne das THC !!
Die h├Ąrteren Sachen vertrage ich nicht mehr, ab und zu 'ne priese Koks oder 'ne Flasche Wodka is' noch O.K., aber ich kenne genug Jungs die von dem ganzen synthetischen Zeug in der Heilanstalt vor sich hin sabbern. Cannabis hingegen ist Natur pur.
„He Paulie, deine Blubbi ist fertig, komm schon !!“ rufe ich in den Raum.
Paulie f├╝ttert gerade seine Ratte.
Das Tier geh├Ârte seinem Bruder und er glaubt tats├Ąchlich, da├č ein Teil von Sam in dem Vieh weiterlebt. Ich habe Paul schon oft mit der Ratte reden h├Âren, als rede er zu einem Menschen. Es ist halt’n bisschen abgedreht.
„Paul, Essen ist fertig !!“, scherze ich und greife zum Telefon.
„He, hast du die Nummer vom Pizzadienst im Kopf ?“,
Paul, der sich auf seinen Sessel fallen l├Ąsst, sch├╝ttelt den Kopf.
„Keine Ahnung.“
„Verfickte Schei├če, wir haben jetzt drei Uhr morgens, ich bin dicht wie ein Otter und hab’nen H├Âllen Fresskick !!“
Ich stehe auf, schwanke und gehe in die K├╝che.
Ich mache den K├╝hlschrank auf und mir kommen fast die Tr├Ąnen.
K├╝hlschrankt├╝r wieder zu, zur├╝ck in’s Wohnzimmer.
Paul hustet sich die Lunge aus dem Hals.
„Immer vorsichtig mein Freund.“, lache ich ihn aus „Sei nicht immer so gierig !!“
Ich kann gerade noch das Wort Arschloch zwischen seinen Hustanf├Ąllen erkennen, da f├Ąllt mein Blick schon auf das Telefonbuch.
„Unsere Rettung naht.„, sage ich und schnappe mir das Ding.
Die richtige Nummer rausgesucht, zwei Pizzen Gran Plaza bestellt und die Nacht ist gerettet.
├ťber die Kohle m├╝ssen wir uns die n├Ąchsten Tage nicht mehr den Kopf zerbrechen.
Tankstellen haben zwar nie sehr viel Bargeld in den Kassen, aber es reicht f├╝rs erste.
„He du Sack, du sollst nicht pennen !!“ rufe ich Paul zu, der immer tiefer in seinem Sessel versinkt.
Langsam aber sicher bin auch ich ziemlich platt. Ich setzte mich hin und zappe durch die Fernsehlandschaft.
Ich entscheide mich f├╝r einen Tierfilm. Kommt echt relaxend wenn man dicht ist.
„He, mach die Schei├če weg, sonst penne ich gleich wirklich ein !“, meckert Paul.
„Bleib mal locker Paulie, da kannste noch was lernen !!“, meckere ich zur├╝ck.
„Was soll ich denn von beschissenen Erdm├Ąnnchen lernen k├Ânnen du Arsch !!“
„Nicht von beschissenen Erdm├Ąnnchen, sondern ├╝ber beschissenen Erdm├Ąnnchen !!“
„Und was bringt mir das ??“
„Wolltest du nicht schlafen ?“, frage ich und wende mich ab.
„Nein, ich will das jetzt kl├Ąren. Ich m├Âchte jetzt gerne wissen was mir dieser Tierfilmschei├č bringen soll ??“
„Ich finde es einfach nur entspannend.“, antworte ich.
„Und ich finde das einfach nur einschl├Ąfernd !!“, erwidert Paul.
„Dich sollte man lieber einschl├Ąfern.“, sage ich ernst
Paul f├Ąngt an zu lachen.
„Mach doch was du willst !!“, sagt er schlie├člich.
Ich packe meine Knarre aus und fange an sie zu reinigen.
Ein Klopfen an der T├╝r.
„Mann, das ist doch endlich mal ein schneller Pizzadienst !“, staunt Paul.
Als er sieht, da├č ich nicht den Anschein gebe aufstehen zu wollen, erhebt er sich aus seinem Sessel.
„Ist schon gut, ich geh schon !!“, teilt er mir mit.
Ich nicke nur.
Er ├Âffnet die T├╝r, einige Sekunden passiert nichts und pl├Âtzlich h├Âre ich eine m├Ąnnliche Stimme die ich zu kennen glaube.
Es ist in einem bestimmten Rauschzustand echt schwierig sein Langzeit Ged├Ąchtnis zu ├╝berreden eine gespeicherte Information auszuspucken.
Ich beuge mich nach vorne und versuche meine Neugierde zu befriedigen.
Doch Paul steht in meinem Blickfeld, so das ich nur ein in schwarz gekleidetes Bein sehen kann.
Ich lasse mich zur├╝ck auf’s Sofa fallen und mache ein dummes Gesicht.

Es gibt Menschen die es einfach verdient h├Ątten, da├č man Sie nach der Geburt im Klo ertr├Ąnkt. Und genau zu dieser Gattung geh├Âren die Mahoney Br├╝der.
Der ├Ąltere der beiden, Korgan Mahoney, sitzt mir gegen├╝ber und grinst mich d├Ąmlich an. W├Ąhrend sein Bruder, Bricks Mahoney, wie ein Schutzwall hinter Ihm steht und mir die Geburt einer neuen Erdm├Ąnnchen Generation verdeckt.
"Ist das dein neuer Busenfreund ??", fragt Korgan l├Ąchelnd und zeigt mit dem Finger auf Paul.
Ich versuche cool zu bleiben und antworte "Warum fragst du ? Ist dein Bruder jetzt von Tieren auf M├Ąnner umgestiegen ?"
Sein arrogantes Grinsen bleibt, und ich w├╝rde Ihm am liebsten die Eier wegtreten.
"Was willst du von mir ?", frage ich Ihn.
"Ich wollte dir Arbeit anbieten. Wie Ich geh├Ârt habe, hast du dich jetzt auf Tankstellen und Lebensmittelgesch├Ąfte spezialisiert hast. Ich will dir nur etwas Abwechslung bieten."
Er z├╝ndet sich einen Zigarillo an, l├Ą├čt mich aber nicht aus den Augen
"Es war nicht meine Idee, dich zu Fragen. Ich habe dich schon immer f├╝r einen Versager gehalten. Aber der Bo├č scheint noch einiges von dir halten."
Ich h├Ątte es mir fast denken k├Ânnen. Dieses fette Schwein Santiago hat die beiden Wichser geschickt.
"Ich arbeite nicht mehr f├╝r Santiago.", sage ich und schaue Korgan in die Augen.
Er wendet seinen Blick ab, zieht an seinem Zigarillo, und sch├╝ttelt den Kopf.
"Bist du etwa immer noch Sauer, Frankie Boy ??"
"F├╝r dich immer noch Mr. Maddox !", schnauze ich ihn an und stehe auf.
"Du kannst Mr. Santiago bestellen, da├č er sich seinen Job in den Arsch schieben soll !"
Mein Kopf f├Ąngt wieder an zu schmerzen. Das Pochen an meinen Schl├Ąfen macht mich Wahnsinnig.
Korgan dr├╝ckt sein Zigarillo aus und schaut zu mir hoch.
Er hat endlich aufgeh├Ârt zu grinsen.
"M├Âchtest du nicht zu erst h├Âren wie viel der Bo├č dir f├╝r den Job bietet ?", fragt er
"Bist du taub, Mahoney ? Ich arbeite nicht mehr...", fange ich an als er mir pl├Âtzlich andeutet leise zu sein und auf die Eingangst├╝r starrt.
Ich stocke mitten im Satz und h├Âre Schritte im Gang.
"Das ist bestimmt der Pizza Typ.", sagt Paulie leise.
Stille.
Ein leises Klicken.
Ich kenne dieses Ger├Ąusch.
Das entsichern einer Waffe.
"Paulie geh in Deckung !", schreie ich und setze mich in Bewegung.
W├Ąhrend ich beim laufen meine Waffe nachlade h├Âre ich ein lautes Knallen als die T├╝re eingetreten wird. Ich springe in die K├╝che und gehe in Deckung.
Pl├Âtzlich setzt das laute rattern einer Maschinenpistole ein.
Ich stelle mich an die K├╝chent├╝r und schaue vorsichtig ins Wohnzimmer.
Die Mahoney Br├╝der sind hinter dem umgeworfenen Wohnzimmertisch in Deckung gegangen. Bricks schie├čt blind in Richtung Flur w├Ąhrend Korgan scheinbar mit seinem Handy rumhantiert. In der T├╝r z├Ąhle ich vier schwer bewaffnete und vermummte M├Ąnner.
Ich suche Paulie und sehe Ihn aus dem Fenster auf die Feuertreppe steigen.
Wir stellen unseren Wagen immer in der n├Ąhe der Feuertreppe ab, falls wir unerw├╝nschten Besuch bekommen.
Ich blicke wieder Richtung Haust├╝r und sehe ein rundes Objekt in den Raum fliegen.
Ich drehe mich um, renne zum K├╝chenfenster und springe.
Ich sp├╝re wie sich Glassplitter in meine Arme bohren, und Tr├Ąnen mir in die Augen schie├čen. Ich lande krachend auf der Feuertreppe, als gerade eine laute Explosion aus der Wohnung zu h├Âren ist. Ich versuche aufzustehen, verliere aber das Gleichgewicht und falle wieder hin. Ich bemerke, da├č ein St├╝ck Glas in meinem Oberschenkel steckt.
Ich packe es und ziehe es schreiend aus meinem Bein.
Mir wird schwindelig, und der Schmerz verbreitet sich in meinem K├Ârper wie ein Lauffeuer in der Steppe.
Aus dem Augenwinkel nehme ich Bewegungen in der Wohnung wahr.
Ich halte mich am Gel├Ąnder fest und ziehe mich hoch.
Ich schaue nach unten und sehe Paulie ins Auto einsteigen.
Eine Rauchwolke kommt mir aus dem zerbrochenen K├╝chenfenster entgegen.
Tr├Ąnengas.
Ich lege mein K├Ârper auf das Gel├Ąnder, sto├če mich mit meinem unverletzten Bein ab und falle.
Ich bringe meine Arme sch├╝tzend um meinen Kopf und hoffe au einen sanften Aufprall.
Ich denke an Pizza Gran Plaza, an Erdm├Ąnnchen...
Und dann der Schock und Dunkelheit.

3.


Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, das besagt, da├č man immer dann wach wird, wenn ein Traum gerade anf├Ąngt interessant zu werden.
Eben noch liege ich im Bett mit einer asiatischen Sch├Ânheit und setze zum finalen Sto├č an, und schon sickern Stimmen durch meine vernebelten Gedanken, die sich einfach nicht mit meinem Traum vereinbaren lassen. Ich versuche mich umzudrehen um diesen Stimmen zu entkommen, doch ein stechender Schmerz im rechten Bein, bringt mich zur├╝ck in die Realit├Ąt.
Ich ├Âffne die Augen, aber ein helles Licht blendet mich und zwingt meine Augenlieder sich reflexartig zu schlie├čen. Ich h├Âre Stimmen, kann sie aber nicht verstehen. Mir wird klar, da├č ich auf einem harten Stuhl sitze und meine H├Ąnde hinter meinen R├╝cken festgebunden sind.
Ich versuche mich auf die Stimmen zu konzentrieren.
Ich bin mir nicht sicher, aber irgendwie h├Ârt es sich Franz├Âsisch an.
Ich ├Âffne erneut die Augen, diesmal langsamer um sie an das Licht zu gew├Âhnen, aber die Lampe scheint mir genau ins Gesicht. Wer immer mich hier festh├Ąlt, m├Âchte nicht gesehen werden.
„Was wollt Ihr Penner von mir ?“ ich versuche cool zu klingen aber meine Stimme zittert.
Keine Antwort.
Ich spüre wie jemand den Ärmel meine Hemdes zurückzieht und ich ahne schlimmes.
„Ihr verfickten Affen !! Ich rei├č euch die Eier ab und steck sie euch in’s Maul !!“, schreie ich.
Sekunden sp├Ąter bohrt sich langsam die Nadel einer Spritze in eine meiner Venen und ich f├╝hle wie sich eine hei├če Fl├╝ssigkeit in meine Blutbahn verteilt.
Mein Arm prickelt als w├Ąre er eingeschlafen.
Ich werde m├╝de, versuche aber dagegen anzuk├Ąmpfen.
Und wieder Dunkelheit.

Ich schwebe ├╝ber die Stra├čen New-Yorks.
Ich stehe auf einem Toilettendeckel auf dem Micky Maus beim pinkeln abgebildet ist.
Sieht aus wie Airbrush. Ziemlich gute Arbeit.
Das Empire State Building zieht an meiner linken vorbei und ich frage mich ob ich den Flug lenken kann.
Ich konzentriere mich und siehe da, das verdammte Ding fliegt tats├Ąchlich durch reine Gedankenkraft.
Ich gebe richtig Gas und rase mit einem H├Âllentempo durch die Hochhausschluchten.
Ein Hochgef├╝hl ├╝berkommt mich und der Geschwindigkeitsrausch pumpt mir Adrenalin in die Blutbahn.
Erst jetzt f├Ąllt mir auf, da├č die Stadt verlassen zu sein scheint.
Keine Autos blockieren die Strassen, keine Menschenmassen die sich auf den B├╝rgersteigen dr├Ąngen.
Ich fliege Richtung East-River und drossel mein Tempo ein wenig.
Pl├Âtzlich ver├Ąndert sich meine Umgebung.
Es wird dunkel. Es wird Nacht.
Ich stehe mitten in einem Sumpfgebiet.
Knietief im stinkenden Wasser, versuche ich mir die M├╝cken vom Leib zu halten.
Langsam geht mir die ganze Sache auf die Nerven.
In der Ferne sehe ich ein flackern.
Ein Feuer.
Ich setzte mich in Bewegung und stampfe durch das tr├╝be Wasser.
Als ich mich n├Ąhere, sehe ich mehrere schwarze menschlich Formen die anmutig um ein Lagerfeuer tanzen. Sie scheinen zu singen, es ist eine Art Gebet, eine Litanei.
W├Ąhrend ich sie beobachte f├╝hle ich wie meine Glieder schwerer werden und meine Augenlieder sich schlie├čen.
Eine Welle der M├╝digkeit ├╝berrollt mich wie eine Tsunami.
Und wieder Dunkelheit.

4.

Als ich diesmal aufwache, traue ich mich nicht meine Augen zu ├Âffnen.
Etwas hat sich aber ver├Ąndert.
Ich liege seltsam weich und ein penetranter Geruch bohrt sich in meine Nasenfl├╝gel.
Ich bewege mich und ein brennender Schmerz gibt mir zu verstehen, da├č es meinem Bein immer noch nicht sehr gut geht. Mit meiner rechten Hand greife ich in etwas, da├č sich verd├Ąchtig nach Essensresten anf├╝hlt.
Ich sammle meine Gedanken, und durch die Dunkelheit meiner Gehirng├Ąnge kriecht eine Erkenntnis.
Vorsichtig ├Âffne ich die Augen und sehe meine Vermutung best├Ątigt.
Ich schiebe den Deckel des M├╝llcontainer, in dem ich stecke, zur├╝ck, und klettere mit sehr viel m├╝he heraus.
Es ist Nacht und ich befinde mich in einer abgefuckten Gasse.
Ich habe wohl ein paar Penner geweckt, die mich jetzt ungl├Ąubig anstarren. Ich werfe Ihnen nur einen absch├Ątzigen Blick zu und sie schauen weg.
Ich habe jetzt echt die Schnauze voll. Mir tut alles weh und ich f├╝hle mich wie ausgekotzt. Die Wunde an meinem Bein hat sich entz├╝ndet und klebt an meiner Jeans, so da├č jeder Schritt zu Qual wird.
Ich mache eine kurze Bestandsaufnahme. Ich habe kein Handy dabei und mein Portemonnaie liegt noch in der Wohnung, allerdings habe ich noch einen zerkn├╝llten Hundert Dollar Schein in der Tasche. Was ich jetzt brauche ist ein Arzt und ein Telefon.
Das Krankenhaus kann ich vergessen, weil ich keine Sozialversicherungskarte habe aber ich kenne jemand der mir noch ein Gefallen schuldet.
Ich humpele bis zu n├Ąchstgr├Â├čeren Strasse und winke ein Taxi heran.
Als Taxi Fahrer, w├╝rde ich bestimmt nicht anhalten um mich mitzunehmen so wie ich jetzt aussehe, aber es ist dunkel und ich habe Gl├╝ck.
Im Taxi komme ich endlich dazu die vergangenen Stunden Revue passieren zu lassen.
Ich lehne mich etwas zur├╝ck und lege mein Bein in eine ertr├Ąglichen Lage.
Alles hatte mit dem Besuch der Mahoney Br├╝der begonnen.
Das konnte nur bedeuten, da├č Santiago seine dicken Wurstfinger im Spiel haben mu├čte.

Humberto Jos├ę Santiago, auch das fette Schwein Santiago genannt, verf├╝gt ├╝ber einen derart gigantischen Leibesumfang , da├č dieser schon in Metern statt in Zentimetern gemessen werden mu├č. Seine K├Ârperf├╝lle scheint auch in direkter Relation zu seinem Ego zu stehen und das macht diesen Mann wohl so gef├Ąhrlich. Wenn er einen Raum betritt, f├╝llt er Ihn nicht nur durch seine un├╝bersehbare Pr├Ąsenz aus, sondern auch durch sein unersch├╝tterliches Selbstvertrauen, das es einem schwer macht Ihm zu widersprechen.
Er ist der geborene Manipulator, eine Puertoricanische Version Machiavellis.
Auch mich hatte dieser Mann fasziniert, der es perfekt verstand mir Honig um den Mund zu schmieren, und mir eine goldenen Zukunft in seiner Organisation prophezeite.
Es dauerte drei Jahre bis ich Ihn durchschaute.
Ich hatte mich in dieser Zeit vom Laufburschen, Fahrer bis zum Vertrauensmann Santiagos hochgearbeitet und erst dann erkannte ich sein wahres Gesicht.
Er ist gar nicht so darauf besessen Reicht├╝mer anzuh├Ąufen wie es in dieser „Branche“ ├╝blich ist, sondern es ist das Machtgef├╝hl wonach es Ihm d├╝rstet. Das Gef├╝hl andere Menschen zu benutzen und sie, wenn n├Âtig, zu vernichten.
Von Drogengesch├Ąften ├╝ber Prostitution bis hin zu Waffendeals mit Kopftuch-Tr├Ągern, vor nichts schreckt er zur├╝ck. Er hat Verbindung zu der wichtigsten Mafia Familie der Stadt, den Cipones, zu den Japsen und zu den Kolumbianern. Er kennt die Reichen und die Wichtigen, die Aufsteiger und diejenigen die gerne wichtig w├Ąren. Er ist wie eine Spinne, die Ihr Netz ├╝ber die Stadt gesponnen hat. Er interessiert sich nicht f├╝r Frauen, verabscheut ├Âffentliche Auftritte und liebt es das Geschehen aus dem Schatten zu lenken.
Sein einziges Hobby, soweit ich das beurteilen kann, ist das Sammeln und Handeln mit Antiken Kunstst├╝cken. Sein ganzes Haus ist voll mit Relikten vergangener Tage; alte Statuen die grimmig dreinschauend, die R├Ąume bewachen, Vasen mit kunstvoll gezeichneten Drachen und sein ganzer Stolz, ein Zimmer voller altert├╝mlicher Waffen.
Ich hatte einmal die Ehre diesen Raum zu sehen und ich kam mir vor wie in einer Mittelalterlichen Waffenkammer.
Ich m├Âchte nicht behaupten, da├č ich mir aufgrund meiner bisherigen Taten einen Freischein f├╝r’s Paradies verdient h├Ątte, aber f├╝r Santiago sieht’s am Tage des J├╝ngsten Gerichts verdammt d├╝ster aus. Wenn er dort auf die Seelen derjenigen trifft, die er auf dem Gewissen hat, d├╝rfte es im Fegefeuer eng werden.

Die Stimme des Taxi Fahrers rei├čt mich aus meinen Gedanken.
„Wir sind da, Sir !“, sagt er mit einem un├╝berh├Ârbaren indischen Akzent.
Mein Kopf lehnt an der beschlagenen Scheibe und ich raffe mich auf obwohl ich auf der Stelle einschlafen k├Ânnte.
„Das macht 14 Dollar und 10 Cent, Sir“, sagt er und kramt eine gro├če Brieftasche auf der Fahrert├╝r.
Ich steige aus, und das Brennen in meinem Bein macht mich fast wahnsinnig.
Ich bezahle, warte auf mein R├╝ckgeld und halte mich am Taxi fest.
Als es losf├Ąhrt, schwanke ich etwas, kann mich aber noch gerade so auf den F├╝├čen halten.
Zum Gl├╝ck ist es nicht mehr weit. Ich gehe, mein Bein hinter mir her schleifend, durch ein kleines wei├čes Gartentor. Ich sp├╝re leichten Regen an meinen Kopf prallen.
Als ich an der Eingangst├╝r des Hauses stehe, hoffe ich kurz, da├č ich auch das richtige erwischt habe. Einen gr├Â├čeren Spaziergang, traue ich mich nicht mehr zu.
Ich schiele auf den Namen auf dem Briefkasten.
„Matthew Zuckerman“ steht dort.
„Da haben wir noch mal Dusel gehabt, Mr. Maddox“, murmele ich vor mich hin.
Ich dr├╝cke auf die Klingel und warte.
Ich h├Âre Schritte im Hausflur und bete, da├č es Matthew ist, und nicht seine Frau.
Seit er vor f├╝nf Jahren geheiratet hat, habe ich ihn nicht mehr gesehen.
Ich wei├č, da├č er jetzt eine eigene Praxis besitzt und recht erfolgreich ist, aber seine Frau, Catherine, konnte ich noch nie leiden. Matthew und ich sind seit der Schulzeit dicke Freunde. Ich habe ihm zwar immer erz├Ąhlt, ich w├╝rde f├╝r einen Sicherheitsdienst arbeiten, aber ich glaube er wu├čte recht gut wie ich meine M├Ąuse verdiente. Nach der Hochzeit - bei der ich so besoffen war, da├č ich der Braut auf die Schuhe gekotzt habe -, ist unser Kontakt abgebrochen. Ich wei├č, da├č Catherine damit zu tun hat. Na ja, ist ihr gutes Recht. War vielleicht auch besser f├╝r Matt.
Die T├╝r ├Âffnet sich.
Er sieht noch genauso aus wie fr├╝her; vielleicht nur etwas stabiler.
„Hast zugenommen. Man merkt das ‘ne Frau im Haus ist.“, sage ich und versuche zu l├Ącheln.
„Ach du Schei├če !! Frank, was ist los mit dir ?“, fragt er scheinbar ├╝berrascht mich zu sehen.
„Ich war gerade mit dem Hund spazieren, als ich mir dachte, ich k├Ânnte doch mal meinen alten Freund, den Juden, besuchen.“
Matthew l├Ąchelt, legt meinen Arm um seine Schulter und tr├Ągt mich ins Haus.
„Ich bin kein Jude mehr. Ich bin jetzt Buddhist.“, sagt er ernst.
„Willst du mich verarschen ?“
„Klar doch.“, sagt er mir und zeigt mir ein Stuhl, auf den mich setzten soll.
Er schaut sich meine Wunde an und sch├╝ttelt den Kopf.
„Ich stelle dir keine Fragen, m├Âchte aber gerne etwas klar stellen.“
Er ├╝berlegt kurz.
„Also, ich werde dir helfen. Die Wunde mu├č gen├Ąht werden, da hei├čt...“
Ich unterbreche ihn.
„Ich dachte du bist Tierarzt ! Wieso n├Ąhen ? Kannst du sie nicht einfach desinfizieren und ein Pflaster drauf knallen ?“
„Die Wunde mu├čt gen├Ąht werden. Da gibt es kein wenn und aber. Eine Fleischwunde bei einem Menschen, ist nicht viel anders als eine bei einem Pferd. Vertrau mir einfach.“
Er holt kurz Luft.
„Also, noch mal von vorne. Ich werde dir helfen und keine Fragen stellen. Wir werden gleich in meine Praxis fahren. Catherine werde ich von einem Notfall erz├Ąhlen. Du wei├čt ja, was sie von dir h├Ąlt oder ?“
Ich nicke kurz.
„Dort werde ich deine Wunde behandeln und dich dann nach Hause fahren.“
Ich sch├╝ttel den Kopf.
„Das w├Ąre keine gute Idee.“, sage ich kraftlos.
„Gut wir haben morgen Sonntag, da├č hei├čt, du kannst in der Praxis ├╝bernachten. Aber Morgen bist du weg. Ist das O.K. ?“
Ich nicke wieder.
„Warte hier.“, sagt er und geht die Treppe hoch.
Eigentlich der richtige Augenblick f├╝r einen coolen Spruch der Marke: „Ich geh noch mal ‚ne Runde um den Block.“
Aber ich f├╝hle mich kraftlos und leer, und lasse es lieber bleiben.
Was danach alles passiert, nehme ich nur noch durch einen Schleier aus M├╝digkeit wahr; die Autofahrt im Regen, der Aufzug, die Praxis, die Spritze. Ich lege mich hin, schlie├če die Augen und schlafe ein.

__________________
:nemo

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itsme
???
Registriert: Mar 2002

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....

Da ist Tempo drin, aber nenn den Typ nicht Paul. Jeder 2. kleine Gauner der 50er und 60er hie├č Paul. Atemberaubend ansonsten, und du h├Ąlst es FAST durch.

Kein Bruch, keine Schw├Ąchen in den Dialogen. Ein klitzekleinig wenig wird dein ich Erz├Ąhler, als er Paul beschreibt (ganz am Anfang) zu analytisch n├╝chtern. Da ist er nicht mehr stimmig. Selten dein Stil hier, aber gut.

Gr├╝├člinge
itsme
__________________
Life is too short to paint a single kiss

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nemo
Manchmal gelesener Autor
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Hallo !!

Erst einmal vielen Dank f├╝r Kritik und Verbesserungsv├Ârschl├Ąge.
Was den Stil der Geschichte angeht, hast du recht.
Ich kann nicht leugnen, dass ich von einigen Filme a la Pulp Fiction, Snatch...inspiriert wurde, und die Sprache meiner Protagonisten etwas krasser gestaltet habe.

Was den weiteren Verlauf der Geschichte angeht, so wird sie sich in einer etwas d├╝steren Richtung entwickeln.
Der Titel "Loa" ist ein Wort, dass aus der Voodoo Religion stammt und ich m├Âchte gerne dieses Thema mit einbeziehen, wobei ich mich momentan noch in diese Thematik einarbeite.

Danke nochmal !

Nemo
__________________
:nemo

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