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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Besuch
Eingestellt am 08. 09. 2008 16:34


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TDTextdesign
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2008

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Der Besuch

Endlich hatte es wieder geschneit. Drau├čen lag das wei├če Pulver mittlerweile meterhoch, in der Drei-Zimmer Wohnung herrschten wie immer kuschelige Temperaturen.
Angel hatte auf der Marmorplatte vor dem S├╝dfenster eine Schale mit Fr├╝chten arrangiert, die Sonne sandte im Staub glitzernde Strahlen, die Komposition zu streicheln.
Als ich vom nahen Supermarkt nach Hause kam, stand sie da, das goldene Licht lie├č ihre Haare wie ein Gespinst um ihr schmales, fein gezeichnetes Gesichtlein erscheinen, neben ihr die Bananen, ├äpfel, Pfirsiche auf dem Teller.
Eine l├Ąchelnde Melancholie lag in diesem Bild, ein Dunst von Verg├Ąnglichkeit, schon damals.
W├Ąhrend sie sich an den K├╝chentisch setzte und eine neue Flasche des Wei├čweines ├Âffnete, mit mir leichte Konversation zum Einkauf betrieb, r├Ąumte ich den Rucksack aus, einen Salatkopf legte ich scherzhaft, auch weil er sonst momentan keinen Platz fand, zu den Fr├╝chten auf dem Fensterbrett.
Wir verga├čen ihn ├╝ber Nacht.
Am n├Ąchsten Morgen weckte mich der Ruf Angels aus der Wohnk├╝che, die direkt neben dem Schlafzimmer lag.
ÔÇ×Tom! Sieh blo├č!ÔÇť
Verschlafen w├Ąlzte ich mich aus dem Bett.
ÔÇ×Schau nur! Schnell!ÔÇť
Ich wankte schlaftrunken hin├╝ber in den Raum, wo sie am Fenster stand, dr├Ąngte mich an ihren warmen, zarten K├Ârper, k├╝sste sie in die Halsbeuge und fl├╝sterte:
ÔÇ×Guten Morgen! Was gibt es denn?ÔÇť
Stumm deutete sie auf die Obstschale.
Dort sa├č auf einem Pfirsich ein zitronenfarbener Falter, sanft bewegte er die Schwingen auf und ab, seine F├╝hler bewegten sich.
Die n├Ąchsten beiden Tage erging Angel sich in der Pflege des Insektes. Auch ich nahm mit ganzem Herzen an dem kleinen Wunder teil. Oft hing er am Fenster, meditierte wohl ├╝ber das glei├čende Wei├č hinter der Scheibe, dann sa├č er wieder auf seinem Pfirsich auf der warmen Fensterbank ├╝ber dem Heizk├Ârper.
Fasziniert staunten wir ihn beide immer wieder an, f├╝hrten, angeregt durch seine Existenz, lange Gespr├Ąche ├╝ber die Wertigkeit des Lebens, unsere Aufgaben, unser Sein. Der tapfere, kleine, gelbe Flatterer wurde ein Symbol f├╝r uns.
Am Morgen des dritten Tages lag er leblos zwischen den Fr├╝chten. Wir verbrannten seine sterblichen ├ťberreste.

Ein Jahr ist nun verronnen, seit Angel in das andere Blau gewandelt ist, gestern habe ich die Stelle besucht, an der wir ihre Asche der Erde ├╝bergeben haben.
Ich stellte meine Blumen in die Vase, stand nachdenklich vor dem bepflanzen St├╝ck Gr├╝n.
Da taumelte ein gelber Schmetterling ├╝ber den Strau├č, verhielt kurz, zog seine Kreise um meinen Kopf, setzte sich dann auf den rechten ├ärmel meiner Lederjacke.
Nur kurz blieb er, dann schwankte er weiter durch den lauen Sommerwind, sein Gelb verlor sich ├╝ber den anderen Gr├Ąbern.

┬ęThom Deli├čen 092008

__________________
Kunst ist Politik!

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Retep
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

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Hallo TDT,

du versuchst da, eine tragische Geschichte zu erz├Ąhlen, aus der sich was machen lie├če, setzt dabei eine Sprache ein, die ich f├╝r ziemlich "├╝berladen" halte und dr├╝ckst f├╝r mich zu stark auf die Tr├Ąnendr├╝se.

Das h├Ątte deine Geschichte nicht n├Âtig.

- "die Sonne sandte im Staub glitzernde Strahlen, die Komposition zu streicheln."
- "fein gezeichnetes Gesichtlein"

- "Die n├Ąchsten beiden Tage erging Angel sich in der Pflege des Insektes"


- " Auch ich nahm mit ganzem Herzen an dem kleinen Wunder teil."

- "meditierte wohl ├╝ber das glei├čende Wei├č hinter der Scheibe"

- "Der tapfere, kleine, gelbe Flatterer"

- "- "Ein Jahr ist nun verronnen, seit Angel in das andere Blau gewandelt ist"

Und dann taucht ein gelber Falter wieder am Grab auf. Das
ist f├╝r mich in der N├Ąhe von Kitsch. Aber ├╝ber Kitsch kann
man streiten.

Ich habe ein anderes Sprachgef├╝hl, der Text ber├╝hrt mich
kaum.

Aber das gilt vielleicht f├╝r andere Leser nicht.

Gru├č

Retep




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