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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Blumenfreund
Eingestellt am 06. 05. 2000 00:00


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Bilbo
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2000

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DER BLUMENFREUND
Karsten Graf ging w├╝tend vor dem Zimmer seines Freundes Julian hin und her, w├Ąhrend er versuchte zu verstehen, was dieser dort drinnen am Telefon besprach. Die beiden hatten sich vor vielen Jahren als Nachbarn in einem Schrebergartenverein kennengelernt und viel zusammen unternommen. Doch die Situation hatte sich ge├Ąndert, als Julian den Zwei-Millionen-Mark.-Jackpot im Lotto gewann. Er gab seinen Schrebergarten, seine Gro├čstadtwohnung und seinen Job auf und legte sich statt dessen eine Villa auf dem Land zu. Karsten hingegen war bald darauf arbeits- und somit auch mittellos geworden. Das war mittlerweile zwei Jahre her. Seit damals hatte Julian immer wieder den "reichen Onkel" gegen├╝ber Karsten gespielt, indem er ihm regelm├Ą├čig Geld in kleinen Mengen gab. Zun├Ąchst war Karsten noch froh dar├╝ber gewesen, aber je mehr Zeit verging, desto mehr hasste Karsten diese Abh├Ąngigkeit und desto neidischer wurde er. Trotzdem war er gezwungen, gute Miene zum b├Âsen Spiel zu machen, wenn er nicht auf der Stra├če landen wollte. Du glaubst nicht, was ich entdeckt habe!" h├Ârte er Julian gerade sagen. "Eine v├Âllig neue Pflanzenart, wenn mich nicht alles t├Ąuscht... Ja, mitten im Dschungel... sofort... nahe kommen... nenne sie `mors florens`..." Karsten verdrehte die Augen. Zwar hatte er nicht alles verstanden, aber er hatte sowieso nicht viel f├╝r exotische Pflanzen ├╝brig. Julian hingegen war erst vor kurzem von einer seiner zahlreichen Reisen in die Tropen zur├╝ckgekehrt, auf denen er seltene Arten suchte, um sie mit nach Hause zu bringen. Jetzt allerdings wurde Karsten hellh├Ârig und blieb an der T├╝r stehen. "Mindestens vierhunderttausend Mark... wenn ich sie verkaufe..." Pl├Âtzlich wusste Karsten, was er zu tun hatte. Entschlossen lief er nach drau├čen und fuhr mit dem n├Ąchsten Bus zu einem Hotel, das nur einen Kilometer entfernt lag. Dort mietete er ein Zimmer und traf seine Vorbereitungen. Er kannte Julian lange genug, um zu wissen, dass dieser jeden Freitagabend mit einigen anderen Pflanzenfreunden, die Karsten allesamt f├╝r Spinner hielt, am Stammtisch zusammensa├č. Da sonst niemand in der Villa wohnte und sein Freund weder eine Alarmanlage noch ├Ąhnliche Vorrichtungen installiert hatte, schlenderte Karsten v├Âllig ruhig den Feldweg zu dessen Villa entlang. Dann holte er die Brechstange hervor, die er gekauft hatte und verschaffte sich durch die Verandat├╝r Einlass. Wie er erwartet hatte, war alles still. Karsten ging hinunter in Julians Pflanzenkeller, der nur mit einem sp├Ąrlichen Licht beleuchtet wurde. Aber alle hier stehenden Pflanzen waren ├Ąltere Exemplare, das wusste Karsten von fr├╝heren Besuchen. Also musste die "mors florens" noch im Arbeitszimmer im ersten Stock stehen. Als Karsten dort ankam, entdeckte er sie auf der Fensterbank. Schnell nahm er die Pflanze, die mit einer gro├čen blauen Bl├╝te und vielen kleinen Stacheln geschm├╝ckt war, in die Hand und machte sich auf den R├╝ckweg. Als er die Treppe hinunter hastete, w├Ąre ihm die Pflanze fast dieselbe hinabgefallen, aber durch eine blitzschnelle Reaktion gelang es ihm, sie aufzufangen. "Verdammt!" fluchte Karsten, als er merkte, dass ihm ein Stachel tief in den Daumen gefahren war und nun verr├Ąterische Blutstropfen zur Erde rannen, aber er konnte sich jetzt nicht darum k├╝mmern. Inzwischen war es fast 23 Uhr und Julian konnte jede Minute zur├╝ckkommen. Erst auf der halben Strecke zum Dorf fiel ihm auf, dass er seinen Hotelschl├╝ssel verloren hatte. Er lag vermutlich irgendwo in Julians Haus und Karsten brauchte ihn unbedingt! Daher versteckte er die Pflanze im Geb├╝sch und rannte den Weg zur├╝ck. Der Finger hatte aufgeh├Ârt zu bluten, daf├╝r bekam Karsten nun Magenschmerzen, die immer schlimmer wurden. Anscheinend waren ihm das Abendessen und die Aufregung nicht bekommen. Gl├╝cklicherweise war Julian noch immer nicht zur├╝ck. Er schleppte sich erneut zum Arbeitszimmer und wollte gerade den Schl├╝sselbund vom Boden aufheben, als ihn ein weiterer Krampf befiel, schlimmer als alle vorherigen. Sich windend und st├Âhnend vor Schmerzen stolperte Karsten zum Telefon. Egal was passierte, er musste einen Arzt rufen! Aber anstatt die Nummer des Notrufes zu w├Ąhlen, dr├╝ckten seine zitternden Finger auf die Anrufwiedergabe-Taste. Karsten h├Ârte Julians Stimme und die von einem anderen Mann auf dem Band. Es war die Aufzeichnung des Telefonats, das er am Vormittag mitgeh├Ârt hatte! "Du glaubst nicht, was ich entdeckt habe! Eine v├Âllig neue Pflanzenart, wenn mich nicht alles t├Ąuscht." "In S├╝dafrika?" "Ja, mitten im Dschungel. Kleine V├Âgel sterben sofort, wenn sie ihr zu nahe kommen und sich an den giftigen Dornen verletzen. Deshalb nenne ich sie `mors florens`." "Wie viele hast du davon gefunden?" "Mindestens vierhundert! Tausend Mark bekomme ich bestimmt, wenn ich sie verkaufe." Auf einmal erkannte Karsten, dass er gleich mehrere Fehler nacheinander gemacht hatte. Aber diese Einsicht kam zu sp├Ąt. Ihm fiel gerade noch ein, was er im Lateinunterricht vor langer Zeit gelernt hatte: "mors florens" hie├č "bl├╝hender Tod"! Und im selben Augenblick trat genau dieser bei Karsten ein.


(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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