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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Bock
Eingestellt am 09. 06. 2004 10:31


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Katinka
One-Hit-Wonder-Autor
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Der Bock

Ja, mein S├╝├čer, tippe dir deine Finger wund am Telefon. Ich werde nicht abnehmen. Schreibe st├╝ndlich deine ILD-SMS an mich. Ich werde sie nicht beantworten. Deine Emails mit deinem Geschnulze kannst du dir knicken. Ich lese sie nicht mehr. Hast du denn immer noch nicht gemerkt, dass ich dich in den Filter gelegt habe? Spam bist du f├╝r mich. Ablage P. Ich lache mich gerade scheckig ├╝ber dich. Wie kann man nur so dumm sein? So einf├Ąltig, mir zu glauben. Aber sie sind alle so dumm. Die M├Ąnner sind ja so einfach gestrickt.

Schon als kleines M├Ądchen habe ich sie durchschaut, wenn sie mich mit ihren gl├Ąnzenden Augen ansahen, meine blonden Locken wuschelten und g├Ânnerhaft den lieben Onkel spielten. Der s├╝├če Mund und ach, wie niedlich sie spricht. Einfach herzig die Kleine. Ein Engelchen. Ja, und alle, alle wollten, meine Aufmerksamkeit, meine Zuneigung. Schon damals wusste ich es einzusetzen, f├╝r meine Zwecke. Habe Eis bekommen und Barbiepuppen, Geld f├╝r die Spardose und alles was ich nur wollte. Ich brauchte nur diesen gewissen Blick aufzulegen. Den von unten nach oben. Und: "Hab dich soooo lieb" zu sagen. Dann waren sie ger├╝hrt und f├╝hlten sich gro├čartig. Daf├╝r bezahlten sie gerne.

Dass ich sie durchschaut habe, lasse ich sie nicht merken. Himmel sie an, w├Ąhrend ich sie dabei beobachte, wie sie sich langsam aufplustern. Dicke Muskeln markieren. Wie sie die Augen verdrehen, wenn sie mich ansehen und "Ich liebe dich" fl├╝stern. Manche haben sogar Tr├Ąnen in den Augen dabei. Sie wollen es alle sagen und h├Âren. Und sie kriegen es alle von mir. Alle kriegen das, was sie verdienen.

Und du geh├Ârst jetzt auch zu denen. Auch du hast mir geglaubt, als ich "Ich liebe dich" gefl├╝stert habe. Dir die gro├če Liebe vorgespielt habe. Ich musste es tun, weil ich sonst nicht gekriegt h├Ątte, was ich wollte. Ich wollte Sex. Eigentlich nur Sex. Eine richtig geile Nummer wollte ich. Mit allem Drum und Dran. Und damit es richtig geil wird, muss man einfach so tun, als sei man verliebt, nur in dieses einzelne Exemplar. M├Ąnner brauchen das. Dann f├╝hlen sie sich wichtig und gro├č. Dann wachsen sie ├╝ber sich hinaus. Eben auch im Bett. Dann kriege ich das, was ich brauche. Das volle Programm. Von vorne bis hinten. Unten und oben. Darf mit meinen Fingern├Ągel ihre Haut blutig kratzen. Riesenknutschflecken machen und bei├čen bis es weh tut und sie mit meinen Stiefeln treten. W├Ąhrend sie sich krampfhaft bem├╝hen ihren Orgasmus rauszuz├Âgern, habe ich schon drei hinter mir. Und immer glauben sie, es w├Ąre ihr Verdienst, dabei bin ich das selbst, denn ich bin so gemacht, dass ich immer schnell komme. Das schaffe ich auch ohne Mann, aber das wissen sie ja nicht. Ich bin ein Sportwagen unter den Frauen. Einer mit Turboantrieb. Von Null auf Hundert in drei Sekunden. Wenn sie das dann mitkriegen, dann raubt ihnen das eigene ├ťber-Ego v├Âllig den Verstand und sie liegen mir zu F├╝├čen und kriechen mir in den Arsch. Und dann trete ich besonders gerne auf ihnen rum, wenn sie am Boden liegen und winseln: "Ich liebe dich. Du bist die Frau meines Lebens. Bleibe immer bei mir. Ich brauche dich." Dann grinse ich in mich hinein und sie halten es f├╝r ein Strahlen vor Erf├╝llung und Gl├╝ck. Arme Hanseln.

S├╝├čer, du hast mir auch geglaubt, dass ich dich liebe. Hast dich f├╝r supertoll und superschlau gehalten. Ich spiele gerne doofes Blondchen vorher. Ich war so gut wie nie, als ich stammelte: "Ich liebe dich, du bist der Einzige der meine Seele ber├╝hrt." Ich bin eine gute Schauspielerin. Leider musste ich dann deinen ganzen Schleim ertragen. Diese infantilen Erg├╝sse, die als gro├če Mann-von-Welt-Philosophie gelten sollten, f├╝r die kleine s├╝├če Maus. Habe brav Beifall geklatscht. Absolut lachhaft fand ich dein Ges├Ąusel. Und fast h├Ątte ich geg├Ąhnt vor Langweile, wenn du glaubtest witzig zu sein. Nun, das war der Preis, den ich zahlen musste, dir zuh├Âren und dich anhimmeln. Aber das war es wert, denn dein Body war gut. Echt geil. Ein echter Hingucker muss ich schon sagen. Gro├č. Muskul├Âs. Sch├Âner Knackarsch. Sensible Finger. Sinnlicher Mund. Sch├Âne Augen. Und die wichtigste Stelle hab ich auf den ersten Blick sofort erfasst. Versprach schon verpackt, ein Hammerteil zu sein. War er auch, wenn ich auch schon gr├Â├čere gesehen habe, als deinen. Naja, daf├╝r war er flei├čig.

Danke S├╝├čer. Es war eine Nacht nach meinem Geschmack. Ich habe alles bekommen, was ich wollte. Eben, das volle Programm. Mein Selbstbewusstsein ist wieder in der Waage. Mein K├Ârper hat wieder die notwendigen Endorphine und der Adrenalinspiegel ist wieder auf Pegel. Powerfrau kann wieder powern. Ja S├╝├čer, war Schicksal, dass es dich getroffen hat, armer kleiner Wicht, fast tust du mir leid, denn du bist jetzt der, der heult, der sich verzehrt vor Sehnsucht, der die Welt nicht mehr versteht, sich benutzt und ausgeraubt f├╝hlt, der nicht mehr an die Liebe glauben wird.

Ich habe dich benutzt. Deinen K├Ârper und deine Gutm├╝tigkeit, dein Vertrauen ausgenutzt. Von Liebe halte ich nichts, die st├Ârt nur, beim Bumsen. Und ich f├╝hle mich gro├čartig. Ja S├╝├čer, du warst mein Bock. Mein S├╝ndenbock. Du musstest b├╝├čen, f├╝r einen anderen. Dein Schicksal. Sorry, aber so ist das im Leben.

┬ę by Katinka

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Horror oder Psycho? Humor oder Satire? Auf jeden Fall: Eine Kurzgeschichte.

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freifrau von l├Âwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

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.... und nicht mal eine schlechte, wenn auch eine bitterb├Âse. aber sie ist gut.

ein wort w├╝rde ich vertauschen:

Und sie kriegen es, (kein Komma) alle von mir, (Punkt) aAlle kriegen das, was sie verdienen wollen.

verdienen h├Ârt sich zu schw├╝lstig an und passt nicht so recht zum rest der boshaften geschichte, es sei denn du schlie├čt mit dem, was die heldin verdient.

war mir ne 8 wert, das ├╝ble lesevergn├╝gen.



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Freifrau von L├Âwe

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
Kommentare: 497
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Hi Katinka,

mir hat besonders der Anfang deiner Geschichte gefallen. Auch die Formulierungen sind hier teils witzig und treffend. ÔÇ×Deine Emails mit deinem Geschnulze kannst du dir knicken.ÔÇť Daf├╝r m├╝sste er sie allerdings ausdrucken, ich hoffe nicht, dass er es am Computer versucht.

Im weiteren Verlauf wird mir der Ton etwas aufdringlich, die Richtung ein wenig gewollter. Also diese These, dass die Dame Liebe heuchelt um Sex zu bekommen, ist zwar interessant, aber ganz hat sie mich nicht ├╝berzeugt. Zumal die Frau ja h├╝bsch ist und wohl genug auch gro├čartigen Sex bekommen k├Ânnte, ohne dass sie Liebe heucheln m├╝sste. Mir kam das jedenfalls etwas ├╝berzogen vor, f├╝r eine Satire wiederum nicht ├╝berzogen genug. Manche sch├Âne Formulierung gleicht dabei vieles aus.

Und trotz der Einw├Ąnde ein toller Einstand.

Liebe Gr├╝├če
Monfou
PS: Da gibts bei der w├Ârtlichen Rede noch Diagonalstriche, die nicht dorthin geh├Âren. Mit dem Button l├Âschen / bearbeiten kannst du Korrekturen an deinem Text vornehmen.

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Katinka
One-Hit-Wonder-Autor
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Werke: 1
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Liebe Freifrau von L├Âwe (ein wunderbarer Name, vor allem das Freifrau, von mir nicht als Adelstitel, sondern als zusammengesetzes Wort betrachtet, gef├Ąllt mir darin),

danke, f├╝r die Bewertung zu meiner Deb├╝t-Geschichte. Noch dazu eine gute, das macht mir Mut.

Die erste Anmerkung hat meine Zustimmung gefunden und ich habe sie sogleich eingearbeitet. Das Wort 'verdienen' behalte ich bei, es gef├Ąllt mir in seiner Aussage, genau so n├Ąmlich.

Katinka

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Katinka
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2004

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Hi Monfou,

auch dir, danke f├╝r die Bewertung und ausf├╝hrliche Besprechung meines Textes.

Im Grunde geht es der 'Dame' ja nicht um Sex, oder sagen wir, nicht nur. Es geht ihr vor allem darum, die M├Ąnner zu qu├Ąlen, zu verletzen, in dem sie ihnen das zur├╝ck gibt, was sie selbst erfahren hat. Und zudem noch ihre Hingabe an sie f├╝r sich ausbeutet. Daraus zieht sie ihren Kick. Verletzung als Motivation. Rache als Triebfeder. Das halte ich nicht f├╝r ├╝berzogen sondern passiert tats├Ąchlich.
Und, f├╝r unumst├Â├člich, absolut, halte ich au├čerdem die These, dass Sex in Kombination mit Liebe, oder sagen wir vorsichtig, mit Herz, deutlich besser ist, als der aus ausschlie├člich sexueller Motivierung, auf den rein k├Ârperlichen Akt reduziert, betriebene. So bekommt die Protagonistin gleich die totale Befriedigung: das Austoben-k├Ânnen ihrer Rachegl├╝sten, ihren Kick der Verletzung (Ausbeutung, Erniedrigung) des Mannes, und zudem noch den besten Sex, den eine Frau kriegen kann, n├Ąmlich den eines liebenden Mannes. That's ist!

Die Diagonalstriche sind bereits entfernt. Danke auch hier f├╝r den Hinweis.

Katinka

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Pali
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 8
Kommentare: 29
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Fies, fies, aber gut. Auch wenn mein maskulines Ego gerade anderer Meinung ist und in einer Ecke kauernd seine Wunden leckt.

Dennoch: Rundum gelungener Einsteig. Weiter so.



(Ich geh jetzt wieder mein Ego aufpeppeln.)
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Ich lebe ├╝ber meinen Verh├Ąltnissen, aber unter meinem Niveau.

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