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Leselupe.de > Gereimtes
Der Brezeljunge von Burg
Eingestellt am 29. 10. 2003 19:22


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Talarmar
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2003

Werke: 88
Kommentare: 345
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Der Brezeljunge von Burg

Schwedische Truppen sind eingeschlossen.
Tillys Soldateska rennt Schloss Burg hart an.
Die Mauern werden sehr stark beschossen.
Ein blutiger Kampf - Mann gegen Mann.
„Ihr wisst meine Herren wovon ich rede,
Tillys Handschuh klatscht auf den Lageplan,
„Auf Burg hungert seit Tagen der Schwede,
noch ein zwei Wochen dann greifen wir an.

Geschlachtet die letzten HĂŒhner und Sauen,
leer sind Speicher, Keller und Kammern.
Keiner macht halt vor Kindern und Frauen,
es herrscht Hunger und großes Jammern.
Die Belagerung geht schon mehrere Wochen,
gar viele hat schon geholt Gevatter Tod.
Peststank kommt durch die Mauern gekrochen,
noch niemals herrschte dort solch eine Not.

Der Weg nach Solingen ist abgeschnitten.
Auch Wermelskirchen ist sehr gut blockiert.
Der Schwede kann nur ums Leben bitten,
ansonsten auf der Burg ein Jeder krepiert.
Meine Generale, noch ein, zwei Wochen,
halten sie es aus dort ohne jeglichen Fraß.
Dann ist uns das GemÀuer und ihre Knochen,
bei Gott, das Warten macht keinen Spaß.“

Bei der Burg öffnet sich jetzt eine Pforte.
Heraus kommt der kleine Brezeljunge Willy.
Mit großen Brezeln und ohne viel Worte,
verlangt er dreist zu sprechen - Graf Tilly.
Der große Feldherr lĂ€sst ihn wohlwollend vor.
„Bursche kommt er einem immer so keck?“
Spöttisch zupft er den Kleinen am Ohr:
„Was soll ich denn Kerl mit diesem GebĂ€ck?“

„Nicht Backwerk nur, auch Wurst und Wein.
Der ganze Korb voll Leckereien und Spezen.
Mein Kommandant lÀdt herzlich dazu ein,
dazu noch starkes Bier und hier diese Brezen.
Er meinte bei unserem reichlichen Überfluss,
bevor es uns vielleicht könnte verderben,
gönnte er Euch ein wenig von dem Genuss,
Ihr solltet doch nicht vor Hunger hier sterben.

Solange unsere Nachschubwege unentdeckt,
zur Versorgung von Speisen und sogar Bier,
seid Ihr es Herr, der hier vor Hunger verreckt,
ja, Ihr Graf von Tilly und bestimmt nicht wir!“
Der Knirps lĂ€sst einen verdutzten Tilly zurĂŒck,
mit einem prallen Korb, voll mit Spezereien.
Entfernt hat er sich schon ein recht gutes StĂŒck,
da hört er den zornigen Feldherrn laut schreien:

„Ihr wisst meine Herren wovon ich rede,
Tillys Handschuh klatscht auf den Lageplan,
auf Burg prasst seit Wochen der Schwede,
packt ein, wir fackeln jetzt Magdeburg an!“
Diesmal wurde der große Tilly bezwungen,
mit den allerletzten Lebensmitteln als List
und dank einem pfiffigen Brezeljungen,
jetzt das Ende von Magdeburg besiegelt ist.

FĂŒr die Art Finten ist nicht mehr reif die Zeit.
Auch Brezeljungen gibt es lange nicht mehr.
Doch weiterhin gibt es die Abscheulichkeit,
gebraucht wird immer noch die Gegenwehr.
Der Große triezt den Kleinen bis er platt ist,
allein ist er zu viel schwach zum Widerstand.
Gegenwehr treibt keiner der sich Satt frisst.
SolidaritÀt, nur hinter vorgehaltener Hand.

©RT


__________________
"Die historische Wahrheit ist ein MÀdchen, das man vergewaltigen kann, Hauptsache man macht ihr schöne Kinder" Alexandre Dumas

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Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

Werke: 3
Kommentare: 2501
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SolidaritÀt

Guten Morgen, Talarmar!


Lange Abhandlung fĂŒr einen Sinn,
dessen Anfang in der letzten Zeile ruht.
Da frage ich: Warum nicht zu Beginn?
Wo bleibt denn da der Mut?
Jetzt schlÀngeln wir uns hier durch Deine Poesie,
vielleicht sogar noch solidarisch irgendwie ...
WĂ€r' es nicht ohne Brezeln auch gegangen?
Doch mit Brezeln hast Du meine Neugier erst gefangen!
Jedenfalls scheinst Du ein Freund von Ritterdichtung
und fĂŒhrst den Poetenkreis in eine andere Richtung!

Deshalb, lieber Talarmar,
meine SolidaritÀt zu Dir liegt offen!
Ist doch klar!



Ich wĂŒnsche Dir einen federleicht beschwingten Tag!
Schakim
__________________
§§§> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim AufblĂŒhen <§§§

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Herr MĂŒller
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 168
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Hallo Talamar

Na, das ist doch ein prÀchtiges Werk!
Des Brezels Lösung!

Herr MĂŒller
__________________
Wer das Wort sucht, wird den Reim ernten.

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Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 73
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Na Talamar,
wenn mir da nicht heimelich wird. Thartun, Burg - was kommt als nĂ€chstens? Ach, vor allem die erste Strophe in Verbindung mit der vorletzten hat mir am besten gefallen. Dieses Bild mit dem energisch auf den Tisch klatschenden HandschĂșh hat etwas wunderbar ironisches. Dieses Energische, was darin steckt, schĂ€tze ich mal.

Ausgezeichnet, Gruss, Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs GrĂŒnbein

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

Eine richtig schöne Ballade ist das.
Erinnerte mich beim Lesen an jene aus frĂŒheren Deutschstunden.

Lotte Werther

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Udogi-Sela

HĂ€ufig gelesener Autor

Registriert: May 2003

Werke: 61
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Ja, Talarmar,

klasse hingebrezelt!

Mir scheint, Du wohnst ganz in der NĂ€he von Schloß Burg, oder? Jedenfalls kennst Du Dich aus.

-

"Gegenwehr treibt keiner der sich satt frisst.
SolidaritÀt, nur hinter vorgehaltener Hand."

Wie wahr!

Herzlichst
Udo
__________________
Dieses ganze Schreiben ist nichts als die Fahne des Robinson auf dem höchsten Punkt der Insel. (Kafka)

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