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Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Brunnen
Eingestellt am 14. 03. 2003 11:32


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nemo
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Der Brunnen

Er sa├č auf einem alten, von der Witterung gezeichneten Plastikstuhl und sp├Ąhte durch den tr├╝ben Nebel, der sich wie ein Leichentuch ├╝ber den Hof gelegt hatte.
Auf seinem Scho├č lag ein rostiges Jagdgewehr, an dessen Schaft sich seine zitternde Hand festkrallte, wie ein ├Ąngstliches Kind am Rocksaum seiner Mutter.
Durch die feuchte K├Ąlte wurden seine arthritischen Gelenke steif und schmerzten bei der kleinsten Bewegung. In seinem zerfurchten Gesicht waren die Augenh├Âhlen zu dunklen Kratern geworden, aus denen zwei, trotz seines hohen Alters, erstaunlich lebendige Augen auf den Brunnen starrten, dessen Umrisse sich im opaken Dunst abzeichneten.
Der alte Mann wusste, dass sie heute Nacht kommen w├╝rden um ihn zu holen, so wie sie in der Nacht zuvor seine Frau geholt hatten. Er war inzwischen so angespannt, dass sogar die Schmerzen in seinen Knochen, zu einem Hintergrundrauschen verblassten. All seine Konzentration galt dem finsteren Schlund des Brunnens, aus dem er sie erwartete. Aber diesmal w├╝rden sie ihn nicht ├╝berraschen.
Vorsichtig strich seine knochige Hand ├╝ber den Abzug des Gewehrs. Vielleicht w├╝rden sie ihn kriegen, aber er w├╝rde sich zu wehren versuchen und so viele von ihnen wie m├Âglich zur├╝ck in die H├Âlle schicken. Ohne dabei den Blick abzuwenden, spie er einen klebrigen Klumpen Kautabak auf den Boden. Ein k├╝hler Wind zog auf und riss die Nebelschwaden wirbelnd auseinander. Pl├Âtzlich legte sich eine unnat├╝rliche Stille ├╝ber dem Geh├Âft und einzig das kratzige Atmen des alten Mannes war noch zu h├Âren.
F├╝r einige Sekunden schien die Zeit still zu stehen und dann, ganz langsam und beh├Ąbig, stieg ein schattenhaftes Wesen aus dem Brunnen. Es war von humanoider Gestalt doch unf├Ârmig wie eine unvollendete Tonfigur, d├╝rr und mit einer gr├╝nlich schimmernden Haut, auf der sich ihre Knochen klar abzeichneten. Augen, so gro├č wie Untertassen und so schwarz, wie die Sutane eines Priesters, fixierten den alten Mann. Dieser war inzwischen aus seiner Starre erwacht und riss das Gewehr nach oben. Ein Knall hallte durch die Nacht und das Wesen, dass sich gerade in Bewegung gesetzt hatte, fiel um. Der alte Mann l├Ąchelte und lud seine Waffe nach. Doch als er gerade wieder das Gewehr hob, erfror sein L├Ącheln, als er sah, dass die todgeglaubte Kreatur aufzustehen begann. Er schoss erneut, doch das Wesen zuckte nur kurz zusammen und richtete sich weiter auf. Der alte Mann schluckte schwer und kramte hektisch in seiner Jackentasche nach Munition. Aber auch der n├Ąchste Schuss konnte das Gesch├Âpf nicht aufhalten; es wankte und schl├╝rfte weiter in die Richtung des alten Mannes. Er lud erneut nach, doch inzwischen waren weitere Wesen aus dem Brunnen geklettert und es wurden immer mehr.Der alte Mann lie├č seine Waffe sinken. Die Schmerzen seiner Arthritis dr├Ąngten sich zur├╝ck in sein Bewusstsein und er f├╝hlte sich auf einmal sehr m├╝de.
Als er sich den Lauf des Gewehrs in den Mund steckte, biss sich der faulige Gestank alten Fischs in seine Nase. Etwas feuchtes und kaltes ber├╝hrte ihn am Hals.
Doch die Angst des alten Mannes war gewichen, wie der Schnee dem Fr├╝hling weicht.
Bald w├╝rde er seine Frau wiedersehen und die Schmerzen w├╝rden verschwinden, f├╝r immer.


__________________
:nemo

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Marcus Richter
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Hi Nemo,
die Idee, die du vorgezeichnet hast, finde ich recht ansprechend. Geschichten ├╝ber Menschen, die an einer bestimmten Stelle auf das Unvermeidliche warten, schreibe ich selbst gern. Es ist das Unvermeidliche, was mich daran reizt.
Aber wie gesagt, du hast die Geschichte nur vorgezeichnet. Eigentlich hast du auch nur den Schluss geschrieben. Die Vorgeschichte, die eigentlich erst die Spannung bringt, fehlt sehr schmerzhaft. Der alte Mann scheint mir ein Gem├╝t zu haben, das ihn schon vorher auf das Unvermeidliche wartend macht.
Den Text, den du geschrieben hast, f├Ąngt erst recht angenehm an. Dann kommt da dieser Geist aus dem Brunnen - dann geht pl├Âtzlich der Spannungsfaden irgendwie verloren.

Ich meine, alleine dieser Satz ist absolut schrecklich:
"Ein Knall hallte durch die Nacht und das Wesen, dass sich gerade in Bewegung gesetzt hatte, fiel um."

So ein Wesen aus einer anderen Welt, das FÄLLT doch nicht einfach UM.
Nehmen wir mal an, es w├Ąre ein Geist, dann w├Ąre er nur in bestimmtem Ma├če k├Ârperlich. Tr├╝ge der alte Mann also eine alte verrostete(mhm, verrostet? Dann m├╝├čtest du alles ganz anders schreiben-Frage, ob die Waffe ├╝berhaupt noch einen Schuss abgibt) Schrotflinte, dann k├Ânnte der Luftzug der Geschosse vielleicht den K├Ârper des Geistest druckwellenm├Ą├čen nach hinten taumeln lassen.

Das Nachladen k├Ânntest du viel spannender gestalten. Wie der alte Mann zur├╝ck geht, wie er immer wieder aufschaut, wie er mal eine Patrone fallen l├Ą├čt, wie er sich danach b├╝cken will, wie er ├Ąngstlich aufschaut, wie er in die Taschen seiner alte Kordjacke greift, wie er verzweifelt versucht eine Patrone zu umklammern.
Wie er im letzten Moment nachl├Ąd - BAAAM!
Wieder wird die Kreatur durch den Luftdruck um einige Meter zur├╝ckgeworfen!

Am Ende fehlt dir einfach die Vorgeschichte. OK, er erschie├čt sich. Aber warum hat er das nicht schon vorher getan? Ich meine, er wei├č doch von Anfang an, was da aus dem Brunnen kommt.
NEIN, er darf sich zum Schluss nicht erschie├čen. Aus welchem Grund kommen denn die Kreaturen aus dem Brunnen?
Geister erf├╝llen meistens eine Rachefunktion. Und der alte Mann hat irgendetwas damit zu tun.
Was?

Nemo, mir fehlt an der Geschichte noch einiges. Eine Geschichte, die so kurz ist, ist gef├Ąhrlich, weil man an ihr meistens viel l├Ąnger arbeiten mu├č, als an einer l├Ąngeren.

Hoffe, meine Kritik geht dir nicht an die Galle.
Gruss Marcus
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Durs Gr├╝nbein

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Renee Hawk
???
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Hallo Nemo,

"Er war inzwischen so angespannt, dass sogar die Schmerzen in seinen Knochen, zu einem tinitusartigen Hintergrundrauschen verblassten."
Dieser Vergleich ist etwas verschroben. Ich wei├č was du sagen willst, das der Schmerz in den Gelenken durch die Anstrengung des Alten beinahe verblast sind und/oder tempor├Ąr eine Symbiose mit dem K├Ârper des Alten einging und er so diesen unsagbaren stechenden Schmerz nicht sp├╝rte.
Aus meiner pers├Ânlichen Erfahrung heraus, kann ich dir sagen, dass das Dauerpiepen im Ohr mit dem Schmerz der Arthrose nicht zuvergleichen ist. Wobei aber der Dauerton durch Konstentration soweit ged├Ąmmt werden kann, das man ihn kaum noch registriert. Aber der Tinitus ist ein pyschischer Schmerz der 24H am Tag gegenw├Ąrtig ist, und der Arthroseschmerz kann durch Medikamente gelindert werden, und/oder tritt nur tempor├Ąr auf - man ist zeitweise komplett schmerzfrei.

"... biss sich der faulige Gestalt Geruch oder Gestank alten Fischs in..."

"Doch die Angst des alten Mannes war gewichen, wie der Schnee dem Fr├╝hling weicht."
Ostern ist im Fr├╝hling und da gibt es oftmals noch Schneefall. Was h├Ąltst du von der Sonne oder dem Sommer?

Ich mag die kleine Geschichte, habe sie gern gelesen und dachte beim Titel an "The Ring" und vermute da deine Inspiration.

liebe Gr├╝├če
Rene├Ę



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nemo
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@ Marcus

Ich bin dankbar f├╝r jeden Verbesserungsvorschlag und keinesfalls B├Âse, wenn die Kritik
nicht allzu Positiv entf├Ąllt.

Ich wollte eigentlich nicht zuviel ├╝ber die Herkunft der Wesen oder den Geschehnissen der Vornacht verraten, damit der Leser sich selber ein Bild machen kann.
Ich verstehe allerdings deinen Vorwand nicht, was das Umfallen des Wesens angeht.
Ich wollte damit nur einen kleinen Hoffnungsschimmer einbauen, der kurz darauf erlischt.
Es handelt sich bei dem Wesen ja nicht um ein Geist, sondern um ein Materielles Gesch├Âpf.

@ Renee

Ich hatte selber schon mal das unangenehme Erlebnis, eines H├Ârsturzes mit anschlie├čendem Tinitus. Tags├╝ber nahm ich dieses Pfeifen aber nicht wahr, weil die „normale“ Ger├Ąuschkulisse lauter war, und so stelle ich mir diesen arthritischen Schmerz vor.
Ich werde es aber trotzdem entfernen, da der Vergleich etwas an den Haaren herbeigezogen scheint.

Danke nochmals

Nemo

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:nemo

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Marcus Richter
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Nemo,
ich hatte das mit dem Geist wahrscheinlich aus seinem "schattenhaften" Wesen geschlussfolgert.
Mit mir ist mal wieder die Phantasie durchgegangen. In dem Punkt hast du also eine produktive Geschichte geschrieben.
Trotzdem komm ich mit dem - und fiel um - nicht klar(nehms mal als Aufmacher f├╝r diverse andere Textstellen). Das liegt wahrscheinlich nur an meinem eigenen Geschmack. Aber ich finde, dieser "eigenen Geschmack" ist immer ein wertvoller Indikator f├╝r eine Bewertung. Man sollte sich dann drauf verlassen, da├č er einen nicht in die Irre f├╝hrt.

Auf weiteres, geschmacklich Bewertbares von dir.
Gruss
Marcus

PS: ,da├č du mit dem Umfallen einen Hoffnungsschimmer aufbauen wolltest, war schon klar. Ich h├Ątte mir halt nur ein wenig mehr "Bild" gew├╝nscht. Du wei├čt schon, wo man bei zuschauen kann.
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Durs Gr├╝nbein

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Hi Nemo,
hab mich ein wenig ├╝ber deine Geschichte unterhalten und dabei ein wenig ├╝ber die Wenn┬┤s nachgedacht.
Ohne n├Ąher auf eine etwaige Vorgeschichte einzugehen - wie w├Ąre es zb. wenn der alte Mann zwei, drei mal auf das Wesen feuert, es kurz vor seinen F├╝ssen zusammenbricht, den Arm wie bittend erhebt und sagt - "Vater"
Ich meine, die Idee ist ziemlich platt. Aber es w├╝rde ganz gut passen, da├č der alte Mann sich danach selbst erschie├čt.
Ob er es nun vorher wu├čte, kann man offen lassen oder beschreiben. Jedenfalls kann ich mir die beiden alten Leute ganz gut vorstellen, wie sie abends teilnahmslos am Abendbrotstisch sitzen und immer zwei Leberwurstschnittchen mehr schmieren und keiner wei├č genau, warum.

Ok, bis dann
Marcus
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Durs Gr├╝nbein

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