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Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Bunker
Eingestellt am 07. 09. 2004 21:51


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Benjamin Reuter
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2004

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20.8.2024

Es freut mich, das du mein Tagebuch gefunden hast, mein hypothetischer Freund.
Ich hoffe, wir treffen uns irgendwann einmal!
Es ist f├╝r mich jetzt der dritte Tag hier unten in diesem NATO - Bunker.

Nicht leicht f├╝r jemanden, der Tunnel, H├Âhlen oder Fussg├Ąngerunterf├╝hrungen eher meidet. Der bei seinen Ski - Urlauben lieber die elend lange und kurvige Pa├čstrasse nimmt, anstatt gem├╝tlich durch den knapp 17 Kilometer langen Gotthardttunnel zu fahren.

Ich darf nicht daran denken, das ich hier 200 Meter tief im Berg in einem ehemaligen Befehlsbunker der NATO rumsitze, geschweige denn wieviele Tausend Kubikmeter Felsen mich umgeben.

Die Wasserprobe hat sich verdoppelt, seit ich hier bin. Ich beobachte das jetzt sehr genau! Ich bin ├╝brigens Dr. rer. nat. Dennis Kr├╝ger,Doktor der Chemie, meine Fachrichtung ist die Analytik.

Jetzt bin ich 34 Jahre alt. Vorgestern war mein Geburtstag, den ich hier unten allein verbrachte. Kennst du noch die alte Werbung mit den YES - T├Ârtchen? So f├╝hlte ich mich, nur das nicht mal YES T├Ârtchen in diesem verdammten Loch gibt. Geschweige denn Kerzen. Hier gibt es h├Âchstens Hartkekse, auch Panzerplatten im Bundeswehr - Fachjargon. Aber mit Schuhcreme bestrichen kann man die Dinger prima zum Feuer anmachen verwenden.

Ich habe f├╝r ein Institut gearbeitet, das im Auftrag von Industrie, Kommunen oder Privatleuten Analysen durchf├╝hrt. Inhaltsstoff und Schadstoffanalysen, Hygienische Analysen f├╝r Lebensmittel. Wir analysierten zum Beispiel Luftproben auf ausgegaste, giftige L├Âsemittel, Asbest, Schimmmelsporen, kontrollierten Trinkwasserbrunnen auf Bakerien und Nitrate. Namhafte Lebensmittelkonzerne beauftragten uns als unabh├Ąngige Lebensmittelsachverst├Ąndige, wir pr├╝ften die Einhaltung von ISO Normen und Gesetzlich zugelassenen Grenzwerten. Wir pr├╝ften Sojabohnen oder Mais auf gentechnische Ver├Ąnderungen.Das ganze Spektrum eben.

Mein Job hat mir immer grossen Spass gemacht. Schlecht verdient habe ich auch nicht. Ein Leben im Luxus war es sicher nicht, aber ich hatte alles was ich brauchte. Bin alleinstehend, habe keine Kinder, war noch nie verheiratet. Hat sich nie ergeben,Partnerschaften die ich hatte dauerten nie lange genug, das es in Frage h├Ątte kommen k├Ânnen. Brauchte daf├╝r aber auch an niemanden Unterhalt oder Alimente zahlen. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Chemie war schon immer meine Sache gewesen. Mit 8 bekam ich von meinem Opa einen Chemiebaukasten geschenkt. Da war ich gl├╝cklich. Wahrscheinlich haben das meine Eltern so angeregt. Experimente habe ich schon immer gemacht.

Das Verhalten eines Mohrenkopfes (Schaumzuckererzeugnis mit Kakaohaltiger Fettglasur) unter dem Einfluss von 600 Watt Mikrowelleneinstrahlung, zum Beispiel. Oder meine B├Âmbchen, die ich mit Wasser, leeren Plastikkapseln aus ├ťberraschungseiern und einer Prise Natron und Backpulver bastelte. Aus Abflussreiniger und Wasser lassen sich auch nette Sprengs├Ątze basteln. Sp├Ąter dann Experimente mit Zucker und Salpeter.

In der Schule war ich fast so gut in Chemie wie unser Lehrer. In der Schule klaute ich auch sch├Ąrfere Chemikalien wie die in dem Kinder-Kasten. Hat mich nie einer Erwischt, wie ich heimlich aus Gl├Ąsern und Flaschen Schwefel, Phosphor, Peroxyde, Salzs├Ąure oder Natrium abgezweigt und in meinem Ranzen habe verschwinden lassen. Sicher hat man das bemerkt, aber bei fast 1500 Sch├╝lern auf einer Gesamtschule? Das k├Ânnte jeder gewesen sein.

W├Ąhrend andere Kinder draussen mit ihren Pok├ęmon-Sammelk├Ąrtchen spielten sass ich im Keller und experimentierte. Einmal,ich war 14, w├Ąre fast das Haus abgebrannt, weil ich weissen Phosphor versehentlich nass werden lies. Das Zeug reagiert schon mit Luftfeuchte und f├Ąngt unsichtbar an zu oxydieren, was noch recht harmlos ist, aber zusammen mit Wasser kann das recht h├╝bsch werden. Zum Gl├╝ck hatte ich f├╝r etwatige F├Ąlle einen Eimer mit Vogelsand in der Ecke stehen. Der haushalts├╝bliche Schauml├Âscher bringt da nicht viel. Meine Eltern fanden das ├╝brigens nicht so h├╝bsch. Vier Wochen Hausarrest und Fernsehverbot.

Jetzt komme ich langsam in Fahrt mit der Schreiberei. Aber ich werde langsam m├╝de. Jetzt hocke ich hier in einem Bunker und warte auf das Ende. Vielleicht noch ein paar Wochen, bis sich der Organismus ├╝ber die ganze Erde verbreitet hat und alle durchdrehen. Ich breche f├╝r heute ab. ├ťbrigens, mein Bett ist genau das, in dem ich vor 15 Jahren schon gelegen habe, w├Ąhrend dieser ├ťbung.

21.8.2024

Heute habe ich Inventur gemacht. So vergeht hier unten wenigstens die Zeit.
In den Lagern gibt es Palettenweise EPa┬┤s, Einmannpackungen, wie sie jeder Soldat im Verteidigungsfall oder Mann├Âver als Tagesration bekommt, wenn keine Feldk├╝che in der N├Ąhe ist. Das sind hier nun tausende flache, grau - gelbliche Pappkartons.

Da ist alles drin, um einen Soldaten f├╝r einen Tag mit den n├Âtigen Kalorien und N├Ąhrstoffen zu versorgen. Alles ganz genau berechnet. Ich wei├č, das es zum Beispiel Seitenweise Vorschriften ├╝ber die Zusammensetzung und Konsistenz des Kaffewei├čers gibt.
Wenn ich so eine Pappkiste ├Âffne finde ich darin zwei Fertigmen├╝s in Aluminiumschale a 300g, Kaffepulver, Kaffeewei├čer, Instant-Getr├Ąnkepulver \"Typ Orange\", Tee - Extraktpulver, eine Tafel Schokolade, Beutchelchen mit Salz und Zucker, eine Packung Hartkeks, eine Packung Salzkr├Ącker, D├Âschen mit Margarine, Konfit├╝ren, Lyoner, Leberwurst oder Jadgwurst. Dazu ein Beutelchen mit Zahnstochern, Kaugummi,Streichh├Âlzern, Wasseraufbereitungstabletten, Erfrischungst├╝chern mit Zitronenduft und sage und Schreibe 4 Blatt Toilettenpapier.... Gut, es sind 5 Blatt, wenn man die jedem Karton beiliegende Inhaltsauflistung hinzurechnet.

Ein kulinarisches Vergn├╝gen ist das wahrhaftig nicht, aber \"Ohne Mampf kein Kampf!\". Mit den Fertigmen├╝s ist das immer eine Gl├╝ckssache. Es steht nie auf den Kisten, was du da drinnen hast. Aber gro├č ist die Auswahl auch wieder nicht, und es schmeckt auch alles gleich, n├Ąmlich nach kalten F├╝├čen. Egal ob du \"Gulasch vom Schwein an Spiralnudeln in J├Ągersauce\" oder \"Mexikanische Hacksteaks\" hast...

Die Lager sind gut gef├╝llt worden. Klar, der Bunker hier ist Atombombensicher, selbst wenn so ein Ding hier mitten auf das Dach kracht, und h├Ątte im Verteidigungsfall dem ganzen Kommando-Stab der NATO f├╝r viele Monate Schutz, Unterkunft und Nahrung geboten. Dem ganzen Stab, das sind rund 300 Leute, Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften. Nur die allerh├Âchsten Offiziere hatten ein Einzelbett. Aber es gibt hier unten keine Einzelzimmer.

Verhungern und Verdursten muss ich nicht. Ich bin mir nat├╝rlich bewusst, das die Sachen bestrahlt wurden, damit sie sich sch├Ân lange halten. Aber was anderes gibt┬┤s hier nicht. Der n├Ąchste Supermarkt ist etwa 15 Kilometer vor der meterdicken Stahlt├╝r, die den Bunker verschlie├čt. Ich werde mich auch h├╝ten, da nochmal raus zu gehen. Da bleibe ich lieber hier HINTER der Stahlt├╝r und gebe mich dem hin, was ich hier vorfinde.

Die Bauherren damals waren wohl keine Freunde von Gem├╝tlichkeit und Behaglichkeit gewesen. Der Bunker hat 4 Etagen, die ├╝ber einen gro├čen Aufzug und diversen Treppenh├Ąusern miteinander verbunden sind. Aber ich werde mich h├╝ten, den Lift zu benutzen. Ausserdem, Treppenlaufen h├Ąlt Fit...

Der Bunker hat eine Grundfl├Ąche von rund 4 Fu├čballfeldern, und ich glaube 5 oder 6 Notausstiege, die versteckt oben im Wald liegen. Den Haupteingang bildet ein etwa 200 Meter langer Tunnel, der aussen mit einer gigantischen Stahlt├╝r verschlossen werden kann, ausserdem ist der Tunnel selbst nochmals in Schott┬┤s unterteilt. Den eigentlichen Bunkereingang bildet eine ebenfalls ansehnliche Stahlt├╝r, die ├╝brigens eine nette Wohnungst├╝r abgeben w├╝rde. Rein kommt da jedenfalls keiner, die T├╝r ist mit meterdicken hydraulisch arbeitenden Verschlussbolzen fest mit dem massiven T├╝rzargen luftdicht verriegelt.

Hier brauche ich mich vor Besuchen von Firma Vorwerk oder Zeugen Jehova┬┤s nicht zu f├╝rchten.

Hinter der \"Haust├╝r\" ist eine Dekontaminationsschleuse, es gibt dort Umkleider├Ąume und Duschen, wo man seine Sachen die man draussen getragen hat ausziehen und sich gr├╝ndlich mit speziellen Dekontaminations - Emulusionen abbrausen muss, bevor man durch die zweite T├╝r in den Bunker selbst gelangt. Halt damit man keine radioaktiven Partikel oder Chemische oder Biologische Kampfstoffe mit reinschleppt. Der Eingang m├╝ndet dann in den dritten Stock.

Oben im 4. Stock sind die Schlafstuben, Waschr├Ąume und Toiletten. Im 3. Stock die Besprechungsr├Ąume, die Kommandozentrale, ein riesiger Raum mit einer h├╝bschen Weltkarte, Computern, Telefonen, Fernschreibern, Funkger├Ąten, Codierger├Ąten und Fax.

Im dritten Stock liegen die Lagerr├Ąume, die K├╝che, der Speisesaal und die Krankenstation. Das ist eine Art Behandlungsraum mit Operationstisch, Lampen, kleinem R├Ântgenapperat, Zahn├Ąrztlichen Utensilien; Bohrer, Fr├Ąsen, Zangen, Mundspiegel und Spatel. Ein EKG-Ger├Ąt und ein Ultraschall, Ger├Ąte zur k├╝nstlichen Beatmung. Die waren hier auf alles gefasst, wie es aussieht. Nicht nur die ├╝bliche Medizinische Grundversorgung, sondern auch Operationen waren hier m├Âglich. Nebenan ist eine Krankenstation mit 3 Zimmern und einer Dekontaminationsdusche.

Ganz unten befindet sich die die Maschinenhalle mit den vier gro├čen Dieselmotoren,so wie sie aussehen wohl ehemalige Schiffsdiesel. Dann gibt es noch Generatoren und die Aufbereitungsanlagen, eine gewaltige ├ľlbefeuerte Zentralheizung, eine Klimaanlage und die Gasfilteranlage, f├╝r den Fall das der Gegner mit Giftgas ankommt.

Alle W├Ąnde sind hier himmelblau gestrichen. Das mag wohl daran liegen, das Himmelblau angeblich ein Gef├╝hl von r├Ąumlicher Weite entstehen l├Ąsst.
Bei mir helfen so Psycho-Tricks nicht. Ich f├╝hl mich hier wie lebendig eingemauert.

Es gibt hier unten nur einfache Stahlrohr-St├╝hle mit h├Âlzerner Lehne und Sitzfl├Ąche.
Die Betten sind auch aus Stahlrohr, richtige Kasernen-Etagenbetten wie in einer CVJM - Jugendherberge mit steinharten Matratzen, kratzigen Wolldecken, klumpgien Kopfkissen und Blau-Weiss karrierter Bettw├Ąsche.

Das interessante ist, das die Tische, die Betten, die Waschbecken, Schr├Ąnke und sogar die Klosch├╝sseln auf Stahlfedern stehen, die im Falle einer grossen Ersch├╝tterung durch einen Atombombentreffer daf├╝r zu sorgen, das hier nicht alles zusammenkracht, sondern sch├Ân mit der Ersch├╝tterungswucht mitfedert.

Eine K├╝che in dem Sinne gibt es nicht. Alle h├Ątten EPas bekommen, vom Genaraloberst bis hinab zum Gefreiten. Hier gibt es nur Plastikgeschirr und einige Mikrowellen, um sich den Fra├č wenigstens warm machen zu k├Ânnen. Aber kalt schmeckt es genauso mies. Der Raum mit den Mikrowellen und dem Hei├čwasserboiler f├╝r den Instant Kaffe hei├čt \"Teek├╝che\".

Hier unten gab man sich anscheinend regelrecht M├╝he, den Aufenthalt so ungem├╝tlich wie m├Âglich zu gestalten. Ich erwarte keine Kronleuchter, keine Fu├čb├Âden aus italienischem Marmor oder Teppichbr├╝cken aus Kaschmir,Mahagoni - Schreibtische, vergoldete Spiegelrahmen oder Klosch├╝sseln aus reinem Platin und Klobrillen aus Elfenbein,Toilettenpapier aus Nerz oder Seide,wir sind ja hier nicht bei Saddam Hussein, aber etwas gem├╝tlicher k├Ânnte es schon sein. Keine Bilder, keine eingerahmten Fotos, nichts. Und wenn es auch nur der ber├╝hmte \"R├Âhrende Hirsch\" ist... Vielleicht das n├Ąchste mal doch ein Flipper-Automat oder ein Billiardtisch in der Kantine, wenn┬┤s keine Umst├Ąnde bereitet. Danke.

Damals schwor ich mir, hier nie wieder einen Fu├č hinein zu setzen.

22.8.2024

Der f├╝nfte Tag.
Ich habe endlich geschafft, die Klimanalge anzubekommen.
Jetzt ist es hier unten nicht mehr so nass und feucht.

Der Bunker arbeitet v├Âllig autark, das heisst, er ist auf nichts von Draussen angewiesen. Fr├╝her zog man wenigstens noch die Luft von aussen an, filterte sie und gab sie in die L├╝ftung. Doch heute sah ich diese nagelneuen Luftreiniger. Deswegen kann ich auch qualmen wie ein Schlot, ohne Angst haben zu m├╝ssen, das ich mich hier unten selbst zu R├Ąucherschinken verarbeite. Obwohl man ja sagt, das sich R├Ąucherware l├Ąnger h├Ąlt.

Die Luft, die man einmal in den Bunker gepumpt hat wird immer wieder erneuert. Die Luft hier drinnen hat sogar eine halbe Atmosph├Ąre ├ťberdruck, damit kein Giftgas von au├čen eindringen kann. Schon komische Technik hier unten.

Bei den Motoren ist es so, das hier normalerweise zwei st├Ąndig laufen, die Nummern drei und vier werden bei Ausfall, Wartung oder erh├Âhtem Strombedarf hinzu geschaltet. Ich wei├č nicht wieviel Brennstoff in den Tanks ist, will lieber sparsam sein. Daher habe ich nur einen der Motoren am Laufen. Der Verdichter saugt derma├čen stark die Luft in der Maschinenhalle an, das man kaum die T├╝r von dem Unterdruck aufbekommt. Vielleicht habe ich auch nur etwas falsch eingestellt. Ich hab doch keine Ahnung von sowas. Ausser dem leisen Dr├Âhnen der Neonr├Âhren ist das dumpfe Wummern von unten das einzige Ger├Ąusch hier.

Ich vermisse Musik. Ich hab ja schon ├╝berlegt wie ich es schaffen k├Ânnte das Autoradio aus dem Firmenwagen, den ich im Zugangstunnel geparkt hab, auszubauen und an die Lautsprecheranlage hier drin anzuschlie├čen. Aber ich bin kein Elektriker, nur ein verdammter Chemiker. Ich hab so sch├Âne Kasetten dabei und kann sie mir nicht anh├Âren. Im Radio kommt gar nichts mehr, unsere Sender haben anscheinend den Betrieb eingestellt.

Die Luft hier unten wird wie schon gesagt komplett recycelt und wieder ausgegeben, auch die Abgase der Diesel und der Heizungsanlage.

Wie das gehen soll weiss ich nicht, doch solange es funktioniert interessiert mich das auch nicht. Das Wasser kommt ├╝brigens auch aus Aufbereitungsanlagen. Wenn ich pinkle kann ich das morgen wieder als Trinkwasser zum Kaffeekochen verwenden.
Das Gewirr von Rohren, Kabeln. Manometern, Thermostaten und Schl├Ąuchen unten im Keller erinnert ein wenig an das innere eines U-Bootes.

Heute habe ich auch die Computer zum Laufen bekommen. An Unterhaltung hat hier keiner gedacht, keine M├Âglichkeit, irgendwie Musik abzuspielen. Die Rechner haben noch nicht mal Soundkarten, sonst k├Ânnte ich mir MP3┬┤s runterladen. Hier gibt Gottseidank wenigstens Internet. Die hatten hier AOL. Die Zugangsdaten des Bunkerwarts, der hier immer nach dem Rechten sah und hier wohl ausgiebig auf Staatskosten gesurft hat wei├č ich nat├╝rlich nicht, also habe ich meine eigenen genommen. Ob ich jemals noch eine Rechnung von AOL bekommen werde?

Es gibt kaum noch Seiten auf den Servern, selbst grosse Provider sind verschwunden. Lycos, Yahoo oder Google gibt es gar nicht mehr.

\"Die Suchseite konnte nicht ge├Âffnet werden, weil ....\"

In den Chatr├Ąumen nur noch Psychopathen.
Jetzt ist das Chaos auch im WWW ausgebrochen.
Dauernd bekam ich von der Firewall Warnugen ├╝ber Hacker-Angriffe und Viren. Die Spinner haben meine IP-Nummer sofort spitzgekriegt und versucht, mich abzudr├Ąngen von der Datenautobahn. Aber ich bin ger├╝stet.

Nicht nur das sie sich gegenseitig auf der Strasse massakrieren, jetzt versuchen sie sogar das Internet zu zerst├Âren.

Im Internet fing auch alles an.
Der Auftrag von dieser Kleinstadt in Mittelfranken kam vor 2 Jahren ├╝ber E-Mail.
Das war kurz nachdem ich bei dem Institut anfing, als ich frisch von der Uni kam, mit dem Doktorbrief in der Aktentasche.
Es begann als Routine-Auftrag.
Es endete als der schlimmste Alptraum.

23.8.2024

Der sechste Tag. Ich f├╝hle mich schlapp, ich vermisse die Sonne.
An Vitaminpillen wurde hier gedacht, nur nicht an Vitamin D ! Anscheinend hat man die entsprechenden Pr├Ąparate ausgemustert und vergessen, sie durch neue zu ersetzen. Das Vitamin, das sich in der Haut durch Sonneneinstrahlung bildet.
Hier unten wird wohl nie die Sonne scheinen...
Ich sehe mich schon als vergichtetes Monster hier unten Hausen, vom Vitamin D - Mangel an Osteoporose leidend.

Dieser Routine-Auftrag. Eine Stadt hatte vor, ihren Namen durch ein \"Bad\" zu vervollst├Ąndigen. Bad M├╝hlbach wollten sie heissen.
Als Luftkurort war das Kaff, das aus 5000 Einwohnerrn, einem Aldi, Bauernh├Âfen, Sch├╝tzenverein, Freiwilliger Feuerwehr und FC Rot-Weiss M├╝hlbach 1937 e.V bestand schon lange anerkannt. Dann machte man dort eine Tiefbohrung.
Ihr Trinkwasser war schon sehr mineralstoffhaltig, so das wohl alle Kaffeemaschinen in dem Kaff alle 4 Monate mit Hammer und Meissel vom Kesselstein befreit werden mussten.

Sie bohrten eine Woche lang. Und dann, in 1205 Metern Tiefe stiess man dann auf heisses Thermalwasser. Sofort erhielten wir den Auftrag, das Wasser zu untersuchen. Man schickte mich dorthin, um vor Ort die Proben zu entnehmen.

Geologisch lag das Wasser g├╝nstig. Man errechnete anhand der Gesteinsstruktur des Bohrkerns, das das Wasser mindestens 4000 Jahre gebraucht hatte, bis es durch den Fels nach unten gesickert war. 4000 Jahre, da gab es keine Industrie, niemanden, der G├╝lle auf die Felder spritzte.

Das Wasser war hochrein. Kein Nitrat. Keine gel├Âsten Schwermetalle.
Ich bescheinigte etwas Eisen, ├╝berdurchschnittlich viel Magnesium, ungew├Âhnlich viel Calcium, Spuren von Selen, Spuren von Natrium und Sulfaten.
Ein ganz sch├Âner Schatz, dieses Wasser. Es verdiente irgendwie das Pr├Ądikat Heilwasser. Schon allein wegen dem Calcium.

Eine Flasche zu 0,75 Litern w├╝rde den doppelten Tagesbedarf an Calcium und Magnesium decken. Sie bauten dann nicht nur ein Thermalbad neben dem Brunnen, nein, sondern gleich noch eine Abf├╝llanlage, Tagesproduktion etwa 3000 Flaschen. Das Thermalbad war ganz Okay, so mit Palmen, Wellenmaschine und S├╝dsee-Flair. Drin war ich allerdings nie, zum Gl├╝ck..

Damals dachte ich nicht, das ich etwas ├╝bersehen h├Ątte. Wer rechnet auch schon mit so etwas...

24.8.2024

Eine Woche in diesem Loch. Die Wasserprobe hat sich vervierfacht!
Verdammt, ich drehe langsam durch. Seit Wochen mit niemandem mehr gesprochen, so scheint es mir. ├ťberall fliegen leere EPa - Pappschachteln herum. Ich f├╝hle mich zum kotzen. Die Langeweile frisst mich noch auf. Die Unsicherheit. Was mag dort drau├čen vor sich gehen?

Ich habe in der Krankenstation die Arzeneimittelschr├Ąnke aufgebrochen. Werkzeuge gibt es hier unten genug. Ich h├Ątte nie gedacht, hier unten eine so gut ausgestattete Apotheke vorzufinden. Ich brauchte nicht lange zu suchen: Beruhigungsmittel, Psychopharmaka. Vielleicht helfen sie mir, das alles hier unten zu ertragen?

Tavor, Atonsil, Zyprexa, Zoloft, Tilidin, Peracin, Promethazin, Zopiklon, Ritalin, Valium, Aspirin, Risperdal, Haloperidol, Distraneurin, Niogen, Stangyl, Trimipramain, Valium, Diazepham, Baldrian, Nimodepin, Pyritinol, Fluoxetin, Psycuil, Lorazepam.

Nur Schade, das es hier drin nicht auch ein Schnaps-Schr├Ąnkchen gibt...
Aber Distraneurin gibt man Alkoholikern bei der Entgiftung zur Minderung der Entzugserscheinungen. Hat auch was, finde ich. Bier schmeckt mir sowieso nicht, also schlucke ich halt ein paar Pillen, um mich zu \"besaufen\".
Und Ritalin enth├Ąlt ein Kokain - Derivat, Tilidin enth├Ąlt Opium. Wenigstens was, um sich die Birne vollzudr├Âhnen. Sich die Welt ein wenig ertr├Ąglicher zu machen. Sonst gehe ich hier echt noch vor die Hunde.

Meine Haut ist k├Ąseweiss. Ich seh aus wie eine Wasserleiche.
Mann, bin ich breit. Ich mache mir jetzt meine Freunde selber. Nimm einfach 5 Hiervon und 10 Davon, 40 Tropfen von Dem da und nochmal 8 St├╝ck Hiervon und du bist nicht mehr allein, he he.
So herrlich stoned, diese Sonnenaufg├Ąnge hier unten.

30.8.2024

Junge, hab ich einen Kater.
Es sind jetzt 10 tage, die ich hier unten bin.
Tut mir leid, das ich nicht viel geschrieben habe. Ich war ganz sch├Ân auf Tabletten, junge, Junge. Meine H├Ąnde zittern wie bl├Âd beim Schreiben.
Ich muss aufh├Âren, diese Tabletten zu fressen.
Morgen fange ich damit an. Versprochen.
Hab ich Dir schon von der rosa farbenen Katze erz├Ąhlt, die mich ab und zu mal besuchen kommt? Ich weiss nicht, wie die rosa farbene Katze heisst, ich glaube, sie heisst rosane Katze, he he.
Weiss nicht woher, aber sie kommt ab und zu, die rosa farbene Katze. Oder Oskar, die Untertasse, die ich als Aschenbecher benutze. ├ťberall liegen die leeren EPa - Pappkistchen herum. Sieht lustig aus.

Dann reden wir und nehmen Tabletten, juhu!

Sp├Ąter

Mein Kopf wird wider klarer. Ich kann nicht begreifen, was ich hier f├╝r einen Mist geschrieben habe. Ich nehme zuviele Tabletten, glaube ich.
Och Gott, wo war ich stehengeblieben?
Mein Hirn ist wie Wackelpuddig.
Mein Kopf voller Apfelmus.
Mhhmm, Apfelmus. Mit Kartoffelpuffern! Apfelmus mit Kartoffelpuffern!
Ach ja.

Also, Bad M├╝hlbach, wie┬┤s nun auf dem neu eingeweihten Ortsschild stand, hatte einen Investor gefunden f├╝r ihr W├Ąsserchen. Franken-Sprudel oder wie die heissen.
Die haben einen Vertrag gemacht mit Bad M├╝hlbach und den Ankauf von 200 Kubikmetern Wasser pro Monat zugesichert. Sie rochen eine Goldgrube.

Franken-Sprudel druckte schliesslich einen Auszug der Inhaltsstoff-Analyse mit meiner Unterschrift drunter auf ihre Flaschen-Etiketten.

Schon komisch, das jetzt fast jeder in Deutschland meine Unterschrift kennt, he he.
Die Leute tranken das Wasser wie verr├╝ckt. Ich wette, sie putzten damit sogar noch ihre Z├Ąhne.

Es schlug zu jener zeit wieder einmal eine sogenante Wellness-Welle ihre Wogen, und jeder wollte nun mit diesem Trend mitgehen und sich was Gutes tun und stellte sich gleich 5 K├Ąsten Bad M├╝hlbacher Heilwasser in den Keller.
Ich r├╝hrte das Zeug nicht an. Ich hielt noch nie viel von Mineralwasser. Schmeckt doch nach gar nichts. Noch weniger mit Kohlens├Ąure, die ich generell nicht ausstehen kann.

Deswegen blieb ich bei meinem Apfelsaft.
Franken-Sprudel vertrieb dieses Gew├Ąsserchen ├╝ber s├Ąmtliche Einzelhandelsketten, als sie merkten, das das Getr├Ąnk der Renner ist. Der Abnahme-Vertrag wurde erh├Âht.
Und so gab es das Zeug auch irgendwann bei Aldi...

Das Wasser soll nicht besonders schmecken, obwohl es enteisent ist.
Dadurch schmeckt es zwar nicht nach rostigen N├Ągeln, aber es behielt einen metallischen Eigengeschmack. Aber seit wann schmecken denn gute Sachen auch gut?

Ist irgendwie ein Naturgesetz:
Was abartig schmeckt ist gut, und was gut schmeckt ist ungesund!
Ein halbes Jahr verging. Des Zeug verkaufte sich, und wir waren mit anderen Dingen besch├Ąftigt. Bad M├╝hlbach war nicht der einzige Kunde.

So verga├č ich diesen Ort langsam.

Sicher kennst du die Bild-Zeitung.
Sie war seit jeher Rei├čerisch und Blutr├╝nstig.
Aus einem kleinen Auffahrunfall mit Blechschaden wird bei Bild eine Massenkarambolage mit 5 Toten. Naja, so krass auch wieder nicht.
Aber vielleicht taucht in der Karambolage noch ein Tanklaster auf, der wenn schon keine 30.000 Liter Heiz├Âl dann wenigstens Hydrazinhydrat oder organische Peroxyde geladen hatte. Vielleicht auch Dichlordiethylsulfid.

Die wurden immer schlimmer. Kaum noch Tratsch und Klatsch von Adel oder Stars und Sternchen.
Auf jeder Titelseite Bluttaten. Es schrie einen f├Ârmlich an:
Familienvater t├Âtet seine Familie mit Axt. Amokl├Ąufer in der D├╝sseldorfer Innenstadt, 4 Tote. Sch├╝ler ersticht Lehrerin. Frau kocht ihr Baby.

Vergewaltigungen, Totschlag. Messerstechereien, Schl├Ągereien. T├Ąglich stachen mir die Schlagzeilen ins Auge. Selbst der Sportteil, sonst bei BILD immer gro├čz├╝gig bemessen, mu├čte daf├╝r weichen.
Gut, sowas gab es schon immer, aber nicht so h├Ąufig wie jetzt. Bild sprach selbst von einem verfluchten Sommer. Von b├Âsen Vorzeichen.

Aber als dann auch die Frankfurter Rundschau mit sowas anfing, wurde ich stutzig.
Meine Zeitung, die ich wegen ihrer sachlichen Berichterstattung so sch├Ątzte.
Die Nachrichten der Privatsender, schon immer etwas sensationsgeil, brachten nur noch irgendwelche Perversit├Ąten. Da hatte doch im Juli ein Mann seine Ehefrau in der Dusche erstochen, zerst├╝ckelt und das Klo runtergesp├╝lt. Ich vergesse wohl nie die Bilder. Oder wie man den totgekochten S├Ąugling aus dem Kochtopf zog. Nur weil er zu laut geschrien hatte, wie die Mutter der Polizei sagte. Bei ihrer Festnahme biss sie einem Beamten in die Hand, so das es mit 15 Stichen gen├Ąht werden mu├čte.

Und dann fingen die von der Tagesschau und den Heute-Nachrichten bei den ├Âffentlich-rechtlichen auch mit sowas an. Bank├╝berf├Ąlle mit Geiselnahme.
Fast jede Woche drei St├╝ck. Mit Geiselnahme. Sowas gabs fr├╝her alle paar Monate einmal. Ein Linienbus der Kasseler Verkehrsbetriebe wurde von einem jungen Mann gekidnapped. Mit einem G 36 Sturmgewehr der Bundeswehr. Von dort kam auch der Kidnapper, ein Unteroffizier.

Er lies den Bus auf die Autobahn Richtung Dortmund fahren, und dann, nach ein paar Kilometern, knallte er erst alle Passagiere ab und jagte den Bus mit einer Handgranate in die Luft. 16 F├Ąlle von Luftpiraterie in einem Monat, alle ├╝ber Deutschland. Alle Maschinen wurden von der GSG 9 gest├╝rmt, aber die Anti-Terror Beamten hatten wohl alle zuviele 3D-Shooter gespielt, jedenfalls erschossen sie nicht nur die Geiselnehmer, sondern auch gleich alle im Flugzeug. Sie schossen sich beim Zugriff sogar gegenseitig die K├Âpfe runter. Die Bilder gingen durch die Presse. Keine Zeitung scheute sich davor, die Bilder mit den geborstenen Sch├Ądelknochen der Leichen zu zeigen. ├ťberhaupt wurden alle Bilder immer blutiger. Was fr├╝her noch dezent mit einem \"Milchglasbalken\" ├╝berdeckt wurde....
Im Internet kursierten Seiten ├╝ber Kannibalismus und Grabsch├Ąndung oder Leute boten offen ihre Dienste als Auftragskiller an.

Ich hatte das Gef├╝hl, als seien alle ├╝bergeschnappt.
Ich wurde langsam neugierig, was da vor sich ging.
Eines Abends sa├č ich zuhause, als unten vor dem Haus eine Gruppe Jugendliche einen Obdachlosen halb tot pr├╝gelte. Ich hab den Mann noch selbst ins Krankenhaus gefahren, weil in der Rettungsleitstelle niemand an das verdammte Telefon ging, w├Ąhrend der Mann blutete.

Besorgte Innenminister sprachen von einer Gewaltseuche, die von ganz Deutschland Besitz ergriffen hatte. ├ťberf├Ąlle h├Ąuften sich immer mehr. Auch Tags├╝ber war man nicht mehr sicher vor R├Ąubern. Eine Rentnerin wurde gegen 11 Uhr vormittags an einer belebten Strasse wegen 20 Cent tot getreten. Auf Pausenhof meiner alten Schule feuerte ein 16 J├Ąhriges M├Ądchen mit einer Schreckschusspistole ihrer Lehrerin eine Pfefferpatrone ins Gesicht.
Niemand will etwas gesehen haben.
Ich fing an mir Sorgen zu machen.
Grosse Sorgen.
Mir ist schlecht.

31.8.2024

Heute habe ich den ganzen Tag geschlafen und dann ausgiebig gefr├╝hst├╝ckt. Himbeerkonfit├╝re und Hartkekse. Und Tabletten. Etwas um den Geist anzuregen. Wenn ich hier doch nur Kreuzwortr├Ątsel h├Ątte. Ich war fr├╝her mal Meister in sowas. Hab zwar nie bei Preisauschreiben was gewonnen, aber ich kenne alle linksseitigen Rheinzufl├╝sse mit 5 Buchstaben.

War wieder im Internet, doch in allen deutschsprachigen Chat┬┤s nur noch Idioten.
Die beschimpften sich auf┬┤s ├╝belste und hatten Nick-names wie \"Adolf Hitler\", \"Das j├╝ngste Gericht\" oder \"Terminator\", \"Rambo\", \"Waffen-SS\".
Es gab niemanden mehr, mit dem man sich normal unterhalten konnte ohne das es Morddrohungen wie \"Ich kriege raus wo du wohnst und mach dich Kalt, du Wichser\"
gab, wenn man zu einem auch nur mal \"Hallo\" sagte.

Die Firewall und der Virenscaner registrierten laufend Trojaner und W├╝rmer, die versuchten, auf die Festplatte zu kommen.
Immer mehr Seiten verschwanden.
AOL ist lahmgelegt. Man kann sich nicht mehr einw├Ąhlen. Zum Gl├╝ck lag hier noch eine CD-ROM mit der Zugangssoftware eines Call by Call Providers herum. Als ich bei AOL anrief beschimpfte mich die Frau im Call-center mit w├╝sten Beleidigungen.
Aber es geht jetzt wieder. Ich kann wieder Online gehen.
Mir f├Ąllt ein alter Schlagertext ein: \"Wer soll das bezahlen...\"

Die sind alle Irre geworden.

Aber ich weiss, warum.
Eines Tages platzte das Wasserrohr unter der Strasse, das unser Institut versorgte.
Eine Baumwurzel war unter das Rohr gewachsen und hatte von unten immer fester beim Wachsen dagegen gedr├╝ckt, und dann eines Tages eben das Rohr gesprengt.

Aus den H├Ąhnen kam nur noch dreckige Br├╝he, und die Stadtwerke r├╝ckten an, nachdem aus den Rillen zwischen den Pflastersteinen ├╝ber dem Bruch ein Springbrunnen entstanden war. Der Schieber wurde abgedreht, und das Institut war trocken.

W├Ąhrend draussen die Bagger dr├Âhnten, fielen mir unten im Keller die Tiere ein.
Wir hatten M├Ąuse als Versuchstiere. Von Tierversuchen halte ich gar nichts. Ich habe schon fr├╝her immer mal wieder nach dem Rechten gesehen.
Besorgt ging ich nach unten, denn ich wollte sehen, ob die M├Ąuse genug Wasser hatten.

Nat├╝rlich waren alle Wasserspender leergesoffen, als ich unten ankam.
Niemand war in der Abteilung, die Leute hocken in der Kantine..
Sie hatten sich wohl schon l├Ąnger nicht mehr um die Tiere gek├╝mmert, die Fressn├Ąpfe waren leer. Die M├Ąuse hockten ziemlich geschw├Ącht in den Ecken der K├Ąfige. Es war h├Âchste Zeit. Ich gab ihnen Futter.
Und als ich die Wasserspender vollmachen wollte, fiel mir wieder ein, das es ja kein Wasser gab. Die M├Ąuse brauchten aber dringend welches.

Da sah ich eine Flasche Bad M├╝hlbacher.

Ich dachte mir, Wasser ist Wasser, und ein bischen Mineralstoffe k├Ânnte den Nagern nicht schaden. Ich sch├╝ttelte die Kohlens├Ąure raus und f├╝llte mit der Flasche die Wasserspender auf.

Die M├Ąuse rauften sich um die Trinkpl├Ątze, als ich die Spender wieder an die K├Ąfige h├Ąngte.

Ich ging erleichtert wieder nach oben.
Jeden tag eine gute Tat.
Die Kollegen von der Tierabteilung zeigten mir einen Vogel, als ich ihnen sagte, ich h├Ątte mich um ihre M├Ąuse gek├╝mmert. Ich fing wieder mit der Arbeit an.
Eine Firma hatte uns Tee geschickt, den ich auf Schadstoffe hin untersuchen sollte.
Ich hatte gerade etwas DDT darin gefunden, aber noch unter dem Grenzwert, da klopfte es an der T├╝r, und eine der Frauen, die f├╝r die M├Ąuse zust├Ąndig war, kam herein. Sie war kreidebleich.

\"Die M├Ąuse, Herr Dr.Kr├╝ger! sie sind alle tot! Was haben sie denen gegeben?\" keifte sie. Ich lie├č sie stehen. Schon lange hielt ich viele Leute nicht mehr f├╝r zurechnungsf├Ąhig.

Ich ging in den Keller.
Die M├Ąuse waren tot. Bis auf Eine in jedem K├Ąfig.

Die M├Ąuse, die noch lebten, hatten ausgerissenes Fell und Blut um die Schnauze, die, die tot waren hatten allesamt durchgebissene Kehlen. Ich prallte zur├╝ck, als ich das sah.

Jede Maus hatte blutigen Schaum in den Schnurb├Ąrten kleben. Ihre Knopfaugen funkelten B├Âsartig. Einer der Kollegen war gebissen worden. Eine Maus hatte ihm die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger durchgebissen. Man konnte auf den Knochen sehen.

Sie sahen mich entgeistert an.
\"Haben sie denen irgendwelche Drogen gegeben?\" schrien sie mich an. Dabei sind sie es doch, die die lieben Tierchen den scheu├člichsten Experimenten unterzogen.

Ich hatte den M├Ąusen nur Futter und Wasser gegeben. Nur Futter. Und nur Bad M├╝hlbacher Sprudel

Die Polizei war machtlos. Zum Teil drehten die Beamten selber durch und begingen Straftaten. Eine Gruppe Polizisten z.B r├Ąumte mit vorgehalteten Maschinenpistolen die Hessische Landeszentralbank leer.

Sie erbeuteten 20 Millionen EURO, alte Geldscheine, die vernichtet werden sollten.
Beim Aufteilen der Beute gab es Streit, einer ├ťberlebte mit Bauchdurchschuss.
Per Zufall erfuhr ich, das das Innenminsterium Bad M├╝hlbacher Heilwasser einkauft und es in die Getr├Ąnkeautomaten in den Polizeirevieren f├╝llte.

Das Zeug gab es mittlerweile an jeder Tankstelle in Dosen.
Es war das Kult-Getr├Ąnk nach Coca-Cola !

Frankensprudel ging einen Schritt weiter und mixte aus dem Heilwasser einen neuen Partydrink, Bad M├╝hlbacher mit Himbeergeschmack, Taurin, Traubenzucker und Coffein. In jeder Disco konnte man es als \"Mixed with Wodka\" bekommen. Obwohl es gro├č auf jeder Dose aufgedruckt ist, das man es nicht mit Alkohol mischen soll. Selbst auf den Dosen prangte der Analyseauszug mit meiner Unterschrift darunter. Ich traue mich ja kaum noch irgendwo meinen Otto drunter zu setzen. ├ťberall werde ich daran erkannt. \"Ach sie sind das!\" kam es einmal von der Angestellten in der Sparkasse, als ich die Miete ├╝berweisen wollte. Das ich ausgerechnet mit Mineralwasser ber├╝hmt geworden bin... Wo ich das Zeug doch verabscheue.

Ich wurde auf das Wasser aufmerksam.

Schon lange hatte ich das Gef├╝hl, als h├Ątte ich damals bei der Analyse etwas ├╝bersehen.

Eine Woche nachdem der Partydrink sich an die Spitze der Verkaufszahlen hochgesetzt hatte, fing ich an Statistiken auszuwerten.

Das Material hatte ich aus dem Internet.
Am 1. Juni 2024 gab es seit Januar 20.478 begangene Straftaten.
Am 1.Juli gab es 50.984 Straftaten.

30.000 Straftaten in einem Monat.
Mir wurde der Mund trocken, als ich das Ergebnis vor mir sah!

Ich hatte es noch relativ ruhig, ich arbeitete t├Ąglich 12 Stunden im Labor, den Rest verbrachte ich in meiner Wohnung, die keine 400 Meter vom Institut weg war.

Bis zum 16.Juli.
Mein Auto wurde aufgebrochen und innen die Sitze aufgeschlitzt. Alle Lampen waren zerschlagen, die Spiegel abgerissen, die Reifen zerstochen. In die Scheibenwischer haben sie f├Ârmlich Knoten gemacht.

Die teure HIFI-Anlage haben sie dringelassen. Schon komisch. Es ging den Typen nur um die Zerst├Ârung.

Ich bin nat├╝rlich gleich zur Polizei gegangen. Der Beamte in der Wache war sehr unfreundlich, nahm die Anzeige auf und lies st├Ąndig Schimpfworte vom Stapel, irgendetwas von \"Standrechtlich erschie├čen\" Meinte er mich oder diejenigen, die ich als Unbekannt angezeigt habe? Ich wagte es nicht zu fragen, sondern blickte immer wieder nerv├Âs auf seine \"Sig - Sauer 9mm\" Dienstpistole, die in seinem G├╝rtelhalfter steckte.

Auf dem Tisch im hinteren Teil der Wachstube standen ein paar leere Dosen M├╝hlbacher Energy-Drink.

Zu Hause setzte ich mich an den Rechner. Kriminalstatistiken.
Ich hatte eine Idee, eine Art Vision.
Ich machte ein Programm, das mir alle begangenen Straftaten in Deutschland in Proportion mit der Einwohnerzahl der St├Ądte anzeigte. St├Ądte wie Berlin, Hamburg, K├Âln oder M├╝nchen waren klar.

Hamburg rangierte an erster Stelle, wenn man die Zahl der Straftaten auf die Einwohnerzahl umrechnet. Hamburg ist ein heisses Pflaster. Alles so wie immer. Hat sich bis Juni 2024 nicht viel getan. Aber ab 1. Juli, wo das Wasser auch in Hamburg erh├Ąltlich war, stieg die Kriminalit├Ątsrate drastisch an.

M├╝hlbach. Ich machte ein neues Programm, das mir nur Straftaten im Umkreis von 100 Kilometern um Bad M├╝hlbach anzeigen sollte. Irgendwie ahnte ich, das etwas mit dem Wasser nicht stimmt.

Die Werte wurden Ringf├Ârmig ausgegeben. W├╝rzburg und N├╝rnberg lagen im ├Ąussersten Ring. Beide St├Ądte Kriminalstatistisch nicht besonders erw├Ąhnenswert.
Doch dann sah ich die inneren Ringe durch. Viele kleine Provinznester.
D├Ârfer, viel Landwirtschaft. Aber stiegen dort die F├Ąlle von Schl├Ągerreien bei Fussballspielen oder Kirmesm├Ąrkten an.

Die inneren Ringe. Es war Entsetzlich.

Wenn ich┬┤s nicht besser w├╝sste, k├Ânnte ich meinen, die Werte stammen aus New York, aus Stadtteilen wie der Bronx oder dem Central Park. Oder Helleb├Âhn / Kassel.

Haufenweise F├Ąlle von Schl├Ągerreien. Auf jeder Dorfdicso wahre Gewaltorgien.
10 F├Ąlle von Lynchjustiz in 2 Monaten.

In der Mitte lag M├╝hlbach, der Gipfel des Grauens. 6000 Straftaten in 2 Monaten. In einem Kaff mit 5000 Einwohnern, wohlgemerkt.
Es schien, je dichter man an M├╝hlbach herankommt, desto gef├Ąhrlicher wird es.
Das Thermalbad ist inzwischen abgebrannt. Nicht so die Wasser - Fabrik. Sie lieferten noch immer LKW f├╝r LKW Wasserk├Ąsten aus.
Warum wei├č nur der liebe Gott.

Es konnte nur das Wasser sein.
Das Bad wurde im Mai er├Âffnet. Seitdem gibt es in M├╝hlbach nur noch Mord und Totschlag. Das Er├Âffnungsdatum, der 15. Mai passt genau auf den Tag, an dem es losging. Es ist eindeutig.

1.9.2024

Heute war mit der schlimmste Tag. Heute morgen erwachte ich aus dem Tablettenrausch. Was ich alles genommen habe weiss ich nicht mehr. Voll die Ged├Ąchnisl├╝cke. Die rosane Katze war wieder da. Und gr├╝ne M├Ąuse.
Gr├╝ne M├Ąuse. Die rosa Katze hat mit den gr├╝nen M├Ąusen getanzt.
War lustig, hi, hi. Und die Farben waren so lustig und haben sich so irre gedreht. Mein Bett ist mit mir drauf durch den Bunker gelaufen. Die leeren EPa - Schachteln tanzten Walzer. Hier riecht es komisch das ist weil wir Kiffen!
Ich muss aufh├Âren, Tabletten zu nehmen. Morgen fange ich damit an, versprochen!

3.9.2024

Stoned, totaaaal stoned... :-)

5.9.2024

Morgen h├Âre ich auf, Tabletten zu nehmen. Ist kein Zustand auf Dauer.
Im Bunker siehts aus wie Sau. Mir doch egal. Soll doch ein anderer aufr├Ąumen.
Heute im Internet habe ich jemanden kennengelernt. Sie ist 30. Heisst Barbara oder so. Wo sie herkommt, hab ich vergessen. Aber irgendwo hier in der N├Ąhe. Sie war noch normal, ist Cola-Trinkerin aus Leidenschaft. Sie hat sich in ihrem Mietshaus verschanzt. Ich bin froh sie in einem ansonsten von Vollidioten ├╝berlaufenen Chat getroffen zu haben, Hartn├Ąckigkeit wird schlie├člich doch immer irgendwie belohnt.

Wir glauben, dass es ausser uns kaum noch ├ťberlebende gibt.

Sp├Ąter

Am 23. Juli kaufte ich eine Flasche Bad M├╝hlbacher im Supermarkt und nahm sie mit ins Labor. Im Supermarkt tobte der B├Ąr. Verk├Ąufer p├Âbelten die Kunden an, ein verk├Ąufer pr├╝gelte sich mit einem Kollegen. Ich wurde kaum beachtet. Auf dem Parkplatz erstach ein Mann seine Frau, direkt vor meinen Augen.
Ich war ohnm├Ąchtig vor Angst.
Schon damals dachte ich an den Bunker.
Ich bin ins Labor gerannt. Ein Auto versuchte mich auf dem Gehsteig zu ├╝berfahren, ich konnte gerade noch zur Seite hechten, dann ist der Wagen gegen die Hauswand geknallt. Totalschaden.

Im Labor gab ich eine Probe das Wassers in unser Rastertunnelmikroskop. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht damit, das wusste ich.
Ein riesiger Kasten, der einen ganzen Raum beansprucht und 2 Millionen Euro kostet.
Ich gab einen Wassertropfen auf Schale, schob sie in die Vakuum-Kammer und wartete, bis die Luft abgesaugt war. Was w├╝rde ich darin finden? Ich konnte es kaum abwarten.
Unser Mikroskop war das einzigste seiner Art in Europa. Es wurde in der Schweiz hergestellt. Es war das sch├Ąrfste, was der Markt zu bieten hatte.
Es konnte bis auf Molek├╝l-Gr├Âsse zoomen.

Und genau dahin stellte ich es ein.
Eigentlich hatten wir es seit seiner Anschaffung h├Âchstens ein oder zwei mal benutzt.

Das Handbuch von dem Teil ist mindestens so dick wie das Telefonbuch von Tokio.

Endlich war die Vakuumkammer luftleeer.
Ich setzte mich an den Computer, der die Bilder berechnet.

Ich konnte die Wasser-Molek├╝le sehen. Wasser-Molek├╝le bilden in fl├╝ssigem Zusatand eine Art Kristallines Gitternetz. Das ist das Einzigartige am Wasser. Eigentlich ein fl├╝ssiger Kristall.

Wenn Wasser gefriert, kann man das am sch├Ânsten sehen.

Das Gitternetz hier hatte Risse und Br├╝che.
Sowas hatte ich noch nie gesehen.
Und dann fand ich etwas, was da gar nicht hingeh├Ârte.
Es waren sehr langkettige Molek├╝le, die sich in die Br├╝che der Wasserteilchen gesetzt hatten. Sie sahen aus wie Desoxiribonukleins├Ąure (DNS) !!! Schnell machte ich einen Test. Ich gab in eine andere Probe L├Âsemittel, mit denen man normalerweise die DNS aus Zellen isoliert. Das Mittel schlug an. Ich konnte nun die DNS auf einem andren Computer \"durchlesen\", eine Technik, die es seit der endg├╝ltigen Entschl├╝sselund der DNS-Codes im Jahre 2018 gab. Man weiss seitdem, wof├╝r welche Teile zust├Ąndig sind.

Ich sah die DNS-Kette wie eine Buchseite vor mir. Der Computer konnte sie keiner Art zuordnen. Es war keine Menschliche DNS, keine Tierische, keine Pflanzliche, keine von uns bekannten Bakterien oder Viren. Der Computer hatte alle DNS-sequenzen gespeichert.

Aber hier war der Kollege ratlos.

Was hatte DNS in diesem Wasser verloren? Warum waren die Ketten mit den Wasserteilchen verwachsen?

Wenn ich es nicht besser gewusst h├Ątte, h├Ątte ich gemeint, ich betrachte irgendeine Zelle oder einen Bazillus.

Jetzt bin ich nat├╝rlich schlauer.
Ich wollte noch eine Probe nehmen, und da fiel mir auf, das die Flasche, die aufgeschraubt auf dem Tisch gestanden hatte, ├╝bergelaufen war!

Jetzt weiss ich┬┤s: DAS WASSER DA LEBT ! Es vermehrt sich, es w├Ąchst, es hat eine Erbinformation. Und es wirkt anscheinend ziemlich stark auf das Gehirn.

Ich fand unter dem Mikroskop, als ich die Zoomstufe verringerte, so etwas wie Zellkerne, Mitrochendrien, Zellplasma, Ribosomen.
Ganz klar: Das Wasser hier war ein lebender Organismus.

Ein seltsamer dazu. Ich sah keine Zellmembranen. Keine klar abgetrennten einzelnen Zelleinheiten.

Die ganze Probe scheint eine einzige Riesenzelle zu sein.

Stattdessen hat es sogenannte Organellen, also ungebundene, aber dennoch selbstt├Ątige Bereiche, die sich vermehren und teilen.

Ohne scharfe Abgrenzung aus Zellplasma. Deswegen ist es auch fl├╝ssig wie Wasser. Hat die selben Flie├čeigenschaften. Eine Oberfl├Ąchenspannung und die Osmotische Dichte, wie sie normales Mineralwasser auch aufweist.

Best├╝nde dieser Verband aus einzelnen Zellen, dann m├╝├čte es schlie├člich auch gallertartig sein, wie Pudding.

Ich kann mich nicht entsinnen, das es vergleichbares schon mal irgendwo gegeben h├Ątte. Die Datenbanken enthileten keine Vergleichbaren F├Ąlle.

Wo kommt es her? Wie ist es ├╝berhaupt da runter gelangt, wo man es angebohrt hat? Ist es Schicksal? Sollte M├╝hlbacher Sprudelwasser das Armageddon sein, das uns die Bibel in der Offenbarung des Johannes vorraussagt?

Heute vermute ich, das es von den K├Ârpern der Leute lebt, die es getrunken haben. Der Trinker war die N├Ąhrstoffquelle.

Es k├Ânnte eine Art Riesenzelle sein, die sich immer wieder abspalten kann, wie eine einzige Super - Am├Âbe. Dank der Organellen.

Und l├Ąsst die Leute verr├╝ckt werden.
Jeder Organismus hat einen Stoffwechsel. Wahrscheinlich gab dieser Stoffwechselstoffe ab, die im Hirn als Psychodroge wirken, so wie Strillum┬┤s, diese Stoffe in Fliegenpilzen oder Pantherpilzen, die irgendwelche Freaks als ├ľko-Droge verwenden. Ist der M├╝hlbach-Organismus eine Art Pilz? Oder sondert er bei der Verstoffwechselung ein Nervengift ab, das Haluzinationen verursacht? Sehen Infizierte ihre Mitmenschen als Monster, alle Gesichter als Mordl├╝sterne Fratzen?


6.9.2024

Der Bunker kotzt mich immer mehr an.
Langeweile. Gut, das ich hier wenigstens noch schreiben kann.
Meine Wasserprobe hat sich verzehnfacht. Ich habe 100 ml mitgebracht.
Jetzt ist es ein Liter. So vermehrt sich das wasser unter normalen Bedingungen.

Greift es die zerebralen Blutgef├Ą├če im Gehirn an? Verursachen Mikroblutungen im Hirn diese Gewaltexessse? Man wei├č ja von F├Ąllen, wo Leute nach Kopfverletzungen zu Gewaltt├Ątigkeit neigten.

Ich rechne damit, das wenn es in einem Wirtsorganismus ist, es sich bestimmt zig mal so schnell vermehrt. Ich weiss, das Leute, die infiziert sind, st├Ąndig pinkeln m├╝ssen.
So breitet es sich aus... Gelangt in das Abwasser, in die Kl├Ąranlagen, in Fl├╝sse und B├Ąche und ins Meer. In die Nahrungskette. Fische und Muscheln. Jeder Weltb├╝rger verspeist im Durchschnitt 30 Kilo Fisch im Jahr, nach den neuesten Statistiken.

Ich sitze hier in der Kommando-Zentrale und baue Kartenh├Ąuser aus Bierdeckeln, die ich im Lager gefunden habe. Oder flechte Z├Âpfe aus abgerollten Mullbinden. K├Ânnte mich ja auch Spa├česhalber mal als Mumie verkleiden...

So vergeht hier unten wenigstens die Zeit.
Ich schreibe auch nebenbei mit Barbara.
Sie hat Angst. Sie will auch in den Bunker, mit mir zusammen sein. Ich kann es ihr nicht ver├╝beln. Nachts telefonieren wir miteinander. Das steckt einem doch immer noch in den Knochen, das Nachts telefonieren, weil es billiger ist. Dabei wird die Telekom bestimmt keine Rechnungen mehr versenden.

Der Bunker, an den dachte ich ab jenem Tag, als ich das Geheimnis des Wassers gel├╝ftet hatte. 2008 war ich bei der Bundeswehr, in einer Fernmeldetruppe.
Einmal gab es eine ├ťbung, in dem unsere Einheit als Nachrichtentruppe f├╝r 2 Wochen in den Bunker gesteckt wurde. Wir hatten f├╝r die Kommunikation mit der Ausenwelt zu sorgen. Der Bunker liegt tief in einem Berg, und man erreicht ihn durch einen 200 Meter langen Tunnel, der Aussen mit einer schweren Stahlt├╝r verschlossen wird. Der Tunnel wird auch noch von meheren Schotts unterteilt.
Dort hockten wir vor 15 Jahren und spielten Krieg.

In unserem Szenario war der Gegner, der B├Âse, in Deutschland eingefallen und musste vertrieben werden. Wie hie├č nochmal das fiktive Land? Egal, hab ich vergessen. War aber ein lustiges Spiel, und wir haben es verloren, he he.
Na ja. Tolles Planspiel, Sandkasten - Stratego. Zeitlich nicht mehr Up to Date, aber wenn es eben so sein sollte.... Spa├č gemacht hat es trotzdem.

Nach dem ich das Geheimnis gel├╝ftet hatte, stellte ich Forschungen an.
Mir brannte die frage auf den N├Ągeln, wie gef├Ąhrlich der Organismus wurde.
Die M├Ąuse waren immer noch da. Zitternde, geifernde Bestien, die sofort an die Gitter sprangen, wenn sie mich kommen h├Ârten. K├Ânnten M├Ąuse knurren, h├Ątten sie es getan.

Inzwischen war die halbe Instituts-Belegschaft tot oder abgehauen. Es gab keine Arbeit mehr, ├╝berall war gepl├╝ndert und randaliert worden. Unser Professor hat mit seiner Maybach - Limousine einige Fu├čg├Ąnger ├╝ber den Haufen gem├Ąht, bevor er dann sich und seinen Luxus-Schlitten im Rhein versenkte. Meine Assistentin ist spurlos verschwunden.

Ja, man hatte auch bei uns M├╝hlbacher-Dosen in die Getr├Ąnkeautomaten gef├╝llt. Drei Tage sp├Ąter dann die Sache mit unserem Prof.

Nichts funktionierte mehr. Alle Staatliche, Sozialen, Gesellschaftlichen und Kulturellen Systeme waren zusammengebrochen. Es herrscht Anarchie !

Wahrscheinlich werden jetzt ein paar linksautonome Chaoten Partys feiern. Das wollten sie doch immer so haben, nur auskosten k├Ânnen sie es wahrlich nicht. Niemand ist mehr seines Lebens sicher.

Man kann seinem besten Freund nicht mehr trauen, seiner eigenen Ehefrau, dem Lebensgef├Ąhrten. Jederzeit k├Ânnte er dich umbringen.

An jenem Tag gab es im Bundestag die hitzigste Debatte seit Bestehen der Bundesrepuplik Deutschland. Der Bundeskanzler hat sich vor laufenden Kameras mit dem Umweltminister gepr├╝gelt. Kurz darauf haben sich alle gepr├╝gelt.

Live im Fernsehen. Es ging um die neue Stufe der ├ľkosteuer.
Auf den Tischen standen - Bad M├╝hlbacher Mineralwasser-Flaschen.

Unser Kanzler k├Ânnte glatt bei der WWF einsteigen. Der Undertaker oder Hulk Hogan waren ein Witz dagegen.

Ich war im Keller bei den M├Ąusen.
Aus Sicherheitsgr├╝nden trug ich eine Pistole bei mir.
Ich hab sie einem toten Polizisten abgenommen. Ob es der von der Strafanzeige wegen meinem Auto war wei├č ich nicht. Er sah ├╝bel zugerichtet aus.
Mit einer Pistole wei├č ich notfalls auch umzugehen. So traurig es mich auch stimmte, aber diese Welt ist v├Âllig aus den Fugen geraten. Ich hasse Gewalt, aber wenn es die einzige Wahl ist um am Leben zu bleiben? Du oder ich. Wie in der Steinzeit, der st├Ąrkere ├ťberlebt.

Das Labor hatte ich verbarikadiert. Ich hab einfach einen schweren Aktenschrank vor die Kellert├╝r geschoben.

Die toten Artgenossen der M├Ąuse verwesten langsam in ihren K├Ąfigen, und die ├ťberlebenden waren wilder den je. Zum Gl├╝ck sind die Gitterst├Ąbe ihrer K├Ąfige aus Edelstahl. Die Wasserspender waren ├╝bergelaufen.

Obwohl ich sie vor rund einer Woche gef├╝llt hatte.
Die Viecher h├Ątten sie l├Ąngst leersaufen m├╝ssen.

Die K├Ąfige waren vollgepinkelt.
Im K├Ąfigboden stand die Br├╝he. Stinkend, nach Adrenalin und Stresshormonen stinkend. Butters├Ąureduft.

Und die Maus hob alle Minute ihr Beinchen und seichte eine ordentliche Portion.
Mir kam nur eine Erkl├Ąrung: Wenn das \"Wasser\" ein Organismus ist muss es sich vermehren.

Der Organismus vermehrt sich im Wirtsk├Ârper schneller. Klar, wo er doch wahrscheinlich f├╝r sich optimale Bedingungen vorfindet. Sei es die Temperatur oder die Zusammensetzung der K├Ârperfl├╝ssigkeiten.

Echerias Coli, ein Bakterienstamm, wie er zum Beispiel auch im menschlichen Darm vorkommt, teilt sich alle 20 Minuten einmal. Klingt nicht weiter schlimm.

Aber: Aus einer werden 2
2 mal 2 sind 4
4 mal 4 sind 16
16 mal 16 sind 256

In einer Stunde entstehen in Worten Zwohundert und Sechsundf├╝nfzig Coli - Bakterien. Wenn optimale Bedingungen herrschen, versteht sich. Also wenn der Sauerstoff und Kohlendioxidgehalt, der pH-wert und die Zusammensetzung des N├Ąhrbodens optimal sind und auch genug Vorrat davon da ist. Nat├╝rlich ist das nie der Fall.

Ich rechne weiter: Wenn in einer Stunde 256 Colis entstehen, dann gibt das an einem Tag 6144 St├╝ck. Aber wo exestiert nur eine einzelne Bazille? Vielleicht am Pumpkopf einer Desinfektionsmittel - Spr├╝hflasche.
Auf einem 10 Euro Schein tummeln sich auf einem Quadratzentimeter etwa 10.000 Bazillen aller Art.

Colis haben wie alle Einzelligen Lebewesen die Angewohnheit in Massen aufzutreten. Eine kleine Petrischale voll von Echerias Coli k├Ânnte nach meiner Berechnung an einem Tag zu einer riesigen Glibberkugel von der Gr├Âsse der Erde anwachsen. Wenn sie dauerhaft die optimalen Bedingungen vorfinden, die Ressourcen ebenso expotential mit in die H├Âhe schnellen wie das Wachstum.
Wie sieht das beim M├╝hlbach - ├ľrganismus aus?

Mir ist schlecht von diesen Zahlenspielchen.
Ich weiss nicht, wie optimal die Bedingungen f├╝r den M├╝hlbacher-Organismus sind noch in welchen Intervallen die Teilung stattfindet. Ich will das auch gar nicht wissen.
Ich weiss nur, das es Bad M├╝hlbacher bald ├╝berall geben wird, das ├╝berall die Leute Gewaltt├Ątig werden, weil es ja nun nicht mehr davon abh├Ąngt, ob man Mineralwasser mag oder nicht, weil es ja dann ├╝berall drin ist. Ein Organismus, ob es ein Bakterium ist weiss ich nicht, es scheint, als sei es etwas v├Âllig neues, das nur wie Wasser aussah.

Vielleicht dauert es noch Monate? Vielleicht Jahre? Oder es geht Morgen schon los?

Ich verschwendete keine Zeit mehr.
Ich schlich mich im Schutze der Dunkelheit aus dem Labor.

Ich klaute aus der Pforte die Schl├╝ssel f├╝r einen unserer Firmenwagen, die sicher in der Tiefgarage standen. Ich fuhr zu meiner Wohnung und packte meine Sachen.
Ich raffte all meine Klamotten zusammen und steckte sie so wie sie waren, auf Kleiderb├╝geln, scheissegal, in den Kofferraum. Schuhe, Jacken, Hosen, Hemden.

Meine ganzen Papiere. Steuerunterlagen, P├Ąsse, Rechnungen, Bankausz├╝ge, Kreditkarten, Zeugnisse, meine Doktoren Approbation. Obwohl ich glaube, das ich mir hier k├╝nftig meinen Dr. rer. nat. an den Hut stecken kann....

Dann ging ich in den Supermarkt um die Ecke, wo ich das Wasser gekauft hatte.
Jemand hatte alle Scheiben eingeworfen.
Ich ging rein und packte alles an Zigaretten ein, was ich fand.
Ich habe jetzt hier an die hundert Stangen.
Im Markt lag die Leiche eines Verk├Ąufers, ihm steckte ein Dolch in der Brust.

Aber wenigstens hab ich genug zu Rauchen, bis es zu Ende geht.

Ich fuhr die ganze Nacht.
Auf Schleichwegen. Ohne Licht. Mitten in der Nacht jagdte ein Mann mit einer Motors├Ąge hinter einer gruppe Wanderern her.
Doch dann musste ich auf die Autobahn. Ging nicht anders.

├ťberall ausgbrannte Fahrzeuge. Hupende Blechschlangen, die auf Beiden Fahrtrichtungen standen. Nichts ging mehr. ├ťberall Leichen.

Ein Mann stand auf dem Dach seines Wagens und br├╝llte und tobte. Seine Hose war eingepinkelt, die Blase f├╝llte sich wohl st├Ąndig, und der Schliesmuskel konnte die Wassermasen nicht mehr halten. Die Nieren sind nur noch damit besch├Ąftigt, das Wasser auszuschwemmen. Salze und Mineralien werden ausgeschwemmt, der K├Ârper baut ab. Irgendwann steigt das Wasser immer h├Âher, die Opfer platzen f├Ârmlich aus allen N├Ąhten. Bis es letztendlich das Herz und die Lunge ├╝berflutet. Man ertrinkt letztendlich. Zum Gl├╝ck belie├č er es nur beim Br├╝llen und Toben. Lange zu Leben hatte er sowieso nicht mehr. Die Br├╝he stand ihm bestimmt bis unter die Haarwuzeln.

Nach tagelanger Irrfahrt kam ich am Bunker an. Das Tor stand offen, konnte unbehelligt reinspazieren. Keine Wachen mehr da, das Gel├Ąnde verlassen. Fr├╝her war die Anlage so gut bewacht wie Fort Knox. Eine ganze Kompanie von Spezialkr├Ąften der Luftwaffe machten hier den Objektschutz, die hatten hier absoluten Schie├čbefehl.

Das Bunkertor war auch offen. Bin sofort mit dem Auto reingefahren und hab nach einer Weile des R├Ątselns den Schalter gefunden, der das Tor verriegelt.
Der Tunnel hat rund 3 Meter Durchmesser und f├╝hrt steil nach unten.
Das Auto habe ich oben stehen gelassen, die Sachen ausgeladen, runter geschleppt und in meine alte Stube geschafft.

Anschlie├čend habe ich alle Schleusen und Tore verschlossen. Ich k├Ânnte sie aber jederzeit wieder ├Âffnen.

7.9.2024

Ich bin nicht mehr im Bunker.
Ich will Barbara abholen. Sie steht Todes├Ąngste aus.
Jetzt sitze ich in einem Leopard 2 Kampfpanzer. Was besseres konnte ich kaum finden. Die Kaserne in der N├Ąhe des Bunkers war verlassen, und dieses Exemplar hier stand da so allein und unbeaufsichtigt in einer Abstellhalle. Vollgetankt.
Nur ohne Munition. Aber wenn der Deckel oben auf dem Turm zu ist, kann mir nichts passieren. Mit einem Panzer kommt man auch ├╝berall durch, man ist nicht auf Strassen angewiesen, kann menschlichen Ansiedelungen aus dem Weg gehen.

Ich hab auf dem Hof erstmal ├╝ben m├╝ssen, wie man so ein Teil eigentlich f├Ąhrt. Hab mir auch eine ordentliche Beule an der Stirn geholt, hatte nie gedacht, das sie sofort auf der Stelle stehen bleiben, wenn man in voller Fahrt die Bremse dr├╝ckt.

Vorhin habe ich den Panzer in einen Wald gefahren und das Tarnnetz dar├╝ber gelegt. Hab zwar keinen F├╝hrerschein f├╝r Kettenfahrzeuge, aber war kein gro├čes Problem, die Karre gerade auf der Stra├če zu halten.

Dann die Luke fest verriegelt und liege nun in einem BW-Schlafsack auf dem zur├╝ckgeklappten Fahrersitz. So ein Panzer ist wirklich nicht der ideale Ort zum Pennen.

Wenigstens geht die Standheizung. Die N├Ąchte sind k├╝hl.

Beim leisesten Ger├Ąusch schrecke ich beim Schreiben hoch.
Bin ja nichts mehr gewohnt.

Ich hoffe, ich ├╝berstehe die Nacht einigermassen.
Morgen bin ich bei ihr.
Ich habe ihr Foto in der Hand, das sie mir via E-Mail geschickt hatte. Gut, das es Tintenstrahlfarbdrucker gibt. Sie ist klein, hat langes, dunkelblondes Haar und gr├╝ne Augen. Und Mutter Natur hat sie vorn herum gut best├╝ckt, wenn Du verstehst, was ich meine.


9.9.2024

Es ist jetzt Morgengrauen. So gegen 4 Uhr, der D├Ąmmerung nach.
Meine Uhr ist stehengeblieben.
Meine Casio-Digitaluhr aus dem Woolworth.

Ok, es gibt tausend Juweliergesch├Ąfte. Wie w├Ąr es mit einer Gold-Rolex?

Oder doch lieber eine Cartier oder eine Breitling?

Als wenn das meine einzigsten Sorgen sind. Barbara ist jetzt bei mir. Sie schl├Ąft. Wir fahren Nachts und verstecken uns tags├╝ber im Wald. Aber es gibt kaum noch ├ťberlebende. Ich sah Leichen, mit Waffen in den H├Ąnden, mit nasser Hose und kaputten Nieren. Sie m├╝ssen bis zu letzt pausenlos gepinkelt und geschwitzt haben. So befreit sich der K├Ârper von zuviel Wasser.

Alle Leichen sind v├Âllig nurchn├Ąsst. Es gibt Pf├╝tzen auf dem Boden.
Pf├╝tzen, die langsam wachsen.
Es regnet gerade. Leichter Nieselregen.
Die Sonne geht jetzt gerade auf. Ein sch├Âner Anblick. Ich genie├če ihn. Ich wei├č das der Panzer absolut dicht ist gegen Chemische oder Biologische Kampfstoffe, und er gute Filter hat.

Kurze Pause.

Wochenlang habe ich drauf verzichten m├╝ssen. Die tr├╝ben ersten Lichtstrahlen, die Nebelschwaden, die durch das Unterholz schweben.
\"Die F├╝chse kochen Kaffee\", hatte mein Opa immer dazu gesagt, wenn der feuchte Waldboden verdunstete und Nebel ├╝ber den Baumwipfeln hing.
Ich sah eben gerade ein Reh, das den Panzer mit kritischen Augen musterte.

So gut ist die Tarnung wohl doch nicht.
Aber vor wem sollten wir uns eigentlich noch tarnen?
Es ist scheinbar friedlich geworden.

Ich habe eben das Turmluk aufgeklapt und den Kopf rausgestreckt, ich atme die w├╝rzige Waldluft ein. Der Regen st├Ârt mich nicht, es ist ja normales Wasser, hoffe ich.

Die Aktion mit Barbara war schon ziemlich erstaunlich.
Ich hatte mich nicht direkt angek├╝ndigt, nur gesagt, das ich komme und sie hole.

An der Wohnungst├╝r ging sie mit einem elektrischem Schneidemesser auf mich los. Ich h├Ątte ja durchaus einer von den Infizierten sein k├Ânen.
Aber dann habe ich sie beruhigen k├Ânnen, bevor sie mich zu Filet verarbeiten konnte.
Wir haben uns minutenlang angestarrt.
Und dann gelacht. Sie hat das Schneideding auf die Erde geworfen und mich umarmt und abgeknutscht. Sowas bin ich nicht mehr gewohnt.
Wir haben schnell ihre Sachen gepackt und in den Panzer geladen.
Nun sind wir noch eine Tagesfahrt vom Bunker entfernt.
Sie hat mein Tagebuch w├Ąhrnd der Fahrt gelesen. Jetzt weiss sie Bescheid. Ach so : ├ťber das Kompliment mit der guten Best├╝ckung hat sie gelacht und mich so komisch angesehen.

10.9.2024

Wir sind wieder im Bunker.
Sie schl├Ąft in meinem Bett unten, ich oben.
Aber wir haben ihr Bettzeug mitgenommen, das heisst, sie wollte das so, als ich ihr von der Innenausstattung von diesem Kasten hier erz├Ąhlt hatte.
Jetzt hat jeder eine anst├Ąndige Federdecke.
Ich habe jetzt eine neue Uhr. Eine schicke Breitling-Pilotenuhr. F├╝hlt sich komisch an auf meinem linken Unterarm, der nur billige Digitaluhren von Woolworth oder Kaufhof gew├Âhnt ist.
Sie hat sie f├╝r mich ausgesucht.
Kostenpunkt 2756,95 Euro. Fr├╝her mal.

Mal ganz abgesehen, das wir die beiden letzten ├ťberlebenden in dieser Gegend sind, fanden wir, das wir ganz gut zueinander passen. Ich glaube, wir sind nun mehr oder weniger ein Paar.

Barbara tut sich schwer hier unten mit der Eingew├Âhnung.

11.9.2024

Meine gr├Âsste Sorge ist jetzt der Organismus. Ich habe die Sateliten-Antenne oben auf dem Berggipfel so umgedreht, das ich jetzt ausl├Ąndische Sender empfangen kann.
CNN, BBC, NBC und so weiter.
BBC World Radio meldete Unruhen in Engalnd, schwere Krawallen auf den Strassen, in Nord-Irland sind sie komplett ausgerastet.
Belfast brennt. Sie massakrieren sich mit blo├čen H├Ąnden.

Die Franzosen melden B├╝rgerkriegs├Ąhnliche Zust├Ąnde. Unkontrollierbare Gro├čfeuer in vielen St├Ądten.

In Russland Chaos. ├ťberall ziehen marodiernde Armee - Trupps durchs Land, Vergewaltigen, Rauben und Brandschatzen.

Es geht los. Unaufhaltsam. Ich rechne mit dem schlimmsten.
Beim Amerikaner ist noch alles still, sie sind nur besorgt ├╝ber die viele Gewalt, die wie ein Lauffeuer um sich greift.
Aber wie lange noch?

12.09.2024

Wir fanden weitere ├ťberlebende. Viele hatten Suchanzeigen ins Internet gegeben.
Jetzt hocken wir im Schichtdienst vorm Internet. E-Mails beantworten.
Wir gaben die genaue Lage des Bunkers durch.
Wer kommen kann und will ist herzlich willkommen.
Dann sind wir nicht allein, wenn die Welt untergeht.

13.09.2024

Sie hat einen Wissenschaftler im Internet gefunden. Einen Mikrobiologen ! Einen Professor Dr. Meyfahrt aus der Schweiz, wo inzwischen auch der Teufel los ist.
Dieser Professor will zu uns kommen. Das er├Âffnet ganz neue Gedankeng├Ąnge in mir. Jetzt sehe ich wieder eine Hoffnung. Dieser Professor kennt sich mit Bakterien und viren aus. Vielleicht k├Ânnen wir den M├╝hlbach-Organismus stoppen.

Jetzt sammeln sich die ├ťberlebenden. Sie kommen hier her. Sie sammeln sich in ihren St├Ądten in brechen auf. Ich riet jeder Gruppe, sich zu bewaffnen und gepanzerte Fahrzeuge zu benutzen, und wenn es ein Geldtransporter ist.
Amerika meldet schwere Unruhen in den St├Ądten an der Ostk├╝ste. Armee und Nationalgarde sind im Einsatz. Der Tanz beginnt von neuem.
Ich wollte die warnen, habe aus dem Internet die Nummer vom Seuchenkrontrollzentrum gefunden und dort angerufen. Das CDC in Atlanta im Bundesstaaat Georgia. Im CDC erforscht man alles, was mit Seuchen zu tun hat.
Aber die nette Dame am Telefon lies die schlimmsten amerikanischen Schimpf-Spr├╝che ab, die ich kenne, und solche, die ich noch nie geh├Ârt habe. H├Ątte ich blos fr├╝her an das CDC gedacht.
Jetzt hoffen wir auf den Professor.

14.09.2024

Heute Abend kam der Professor. In einem Radpanzer der Schweizer Armee. Der Panzer sah arg verbeult und demoliert aus. Man hatte ihn unterwegs angegriffen. Ich hatte gestern noch mit ihm telefoniert, und ihm alles gesagt, was ich ├╝ber das Wasser wusste. Und weisst du was? Der Schweizer wusste das auch schon.

Im Panzer hatte Mikroskope, Ger├Ąte, Analysemaschinen, Instrumente mitgebracht.
\"Alles, was der Hobby-Mikrobiologe braucht, um einen Impfstoff herzustellen\" sagte er zur Begr├╝ssung. Ein Impfstoff !!

Wir bauten die Apperaturen in der Krankenstation auf.

Er sagte, er habe bei infizierten Schimpansen Antik├Ârper gefunden. Das war schon mal ein guter Ansatz. Antik├Ârper entstehen, wenn das Immunsystem einen eindringenden Fremdorganismus bek├Ąmpft. Also versucht es der K├Ârper zu bek├Ąmpfen, scheitert jedoch, weil er total unvorbereitet ist.
Wir isolierten eine einzelne Wasser-Zelle aus ihrem Verbund.
Und bastelten dann den Impfstoff.
Jetzt liegen im Labor kleine Ampullen mit einer klaren Fl├╝ssigkeit.
Barbara lies sich als erstes spritzen.

19.9.2024

Kam nicht zum schreiben. So viel zu tun.
Jeder der kommt wird als erstes geimpft. So ist es jetzt bei uns Vorschrift.
Wir sind jetzt 298 Leute im Bunker. Es wird langsam eng. Und noch mehr haben sich angek├╝ndigt. Wir werden wohl bald nach oben gehen m├╝ssen, uns in einer Stadt ansiedeln.
Wir sind eine Gemeinschaft geworden.
Ein Pfarrer ist zu uns gekommen, vorgestern hat er Barbara und mich in den heiligen Stand der Ehe treten lassen.
Ich denke, unsere Gemeinschaft hat gute Chancen zu ├╝berleben. Jeder hat von seinem Beruf her andere F├Ąhigkeiten. Ein Arzt ist darunter, ein Lehrer (Mathe und Physik, Brrr!), Soldaten, Polizisten, Handwerker, ja sogar ein Rechtsanwalt (Fachrichtung Steuerrecht, na gut). wir haben auch 2 Krankenschwestern bekommen. Und nat├╝rlich Kinder. Wir werden ├╝berleben so gut es geht.
Und wir alle haben gemerkt, wozu Gewalt f├Ąhig ist. Wir werden es besser machen.
Wir haben Kontakte zu ├ťberlebenden im Ausland. Es gibt mehere Gruppen in ganz Frankreich, wo die Gewaltwelle jetzt auch zum Erliegen gekommen ist, weil die Infizierten tot sind. Viel ist zerst├Ârt worden. Aber wir k├Ânnen uns nehmen, was da ist. Es gibt tausende Superm├Ąrkte mit Konserven. Gut, irgendwann werden wir Landwirtschaft betreiben m├╝ssen, um uns zu ern├Ąhren. Aber das wird noch lange dauern, bis es soweit ist. Wir werden auch bald ein Parlament und einen Anf├╝hrer w├Ąhlen m├╝ssen, damit wieder Ordnung einkehrt. Wir werden neue Gesetze machen. Es ist wichtig, das wieder Ordnung in das Chaos einkehrt. Jeder wird seinen Beitrag dazu leisten m├╝ssen. Es gibt viel zu tun.
Wir werden versuchen, das Beste aus unserer Lage zu machen.
Hiermit beende ich dieses Tagebuch. Ich hatte bei meinem ersten Eintrag vor einem Monat nicht die Bohne einer Hoffung, das es noch soviel Hoffnung gibt. Doch wie sehr man sich t├Ąuschen kann. Jetzt richte ich es nicht an den hypothetischen Freund, sondern an alle, die ├ťberlebt haben.
Wir haben alle viel durchgemacht.
Ich bin jetzt gespannt, was uns die zukunft an sch├Ânen Dingen bringen wird.


ENDE

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