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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der Candomblé
Eingestellt am 30. 01. 2007 13:51


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Nimroc
Wird mal Schriftsteller
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Der Candomblé


Ein Babalaô sagte einmal zu mir:
„Früher waren alle Orixás Menschen.
Menschen wurden zu Orixás wegen ihrer Macht.
Menschen wurden zu Orixás wegen ihres Wissens.
Sie wurden verehrt wegen ihrer Qualitäten.
Sie wurden respektiert wegen ihrer Kräfte.“

„Wir verehrten ihre Geschichten und ihre Großtaten.
Diese Menschen wurden dann zu Orixás.
Es gab viele Menschen auf der Erde.
So wie früher, so wie heute.
Mutig oder weise waren nicht viele.
Diese hat man alle vergessen.
Sie wurden nicht zu Orixás.“

„In jedem Dorf entlang dieser Flüsse,
gab es einen anderen Kult.
Sie erzählten Geschichten über verehrte Ahnen.
Die Legenden wurden von Generation zu Generation weitergereicht.
Die Ehre der Orixás prägte sich in die menschlichen Erinnerungen.
Manchmal kommen sie wieder.
Manchmal wird die Erinnerung wieder wahr.
Manchmal erleben wir ihre Erinnerung.“

Pierre Fatumbi Verger, (frei übersetzt).


Abbild Candomblé
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In der Nacht, vor der Candomblé, träumte Mutter Abigail. Sie erinnerte sich an Fetzen eines Traumes mit ihrem Totem dem Adler, „a Águia“ dem Geisttier das sie schütze. Sie spazierte auf eine Wiese, als sie der Schrei der Adler hörte. Der Vögel flog im Kreis direkt über ihr, und sie bewunderte die Myriaden von bunte färbige Federn die den Adlerflügel formten. Der Adler mit den bunten Schwingen landete direkt neben ihr. Es war so groß wie sie und ihr menschlich aussehende Augen glänzte schwarz aus ein Meer der Dunkelheit. Ihr Totem besuchte sie nicht mehr so oft wie früher. Jedesmal ein Hinweis. Diesmal überreichte er ihr ein Lederband mit einer kleinen Doppelaxt. Ein einfacher Amulett, aber ein Amulett mit das Symbol von Xangô, der Orixá des Feuers. Ein kleine Ereignis, die ein Gefühl des Unheils in ihr hinterließ. Diese Schattenbild hing ihr vor den Augen, bestimmte ihre Gedanken und raubte ihr dem Schlaf.
Die alte Frau die sich in ihr silberne Spiegel nächsten Vormittag verschlafen ansah wirkte durch ihr Kleinwuchs etwas alt und zerbrechlich, ein Eindruck die ihr langer welliges weißes Haar verstärkte. Der matter Glanz ihr schwarzes Haut zeugte den geringen Schlaf. Ein Hackennase und ein freundliches Lächeln ergänzte diese Bild. Einen Gähnen überfiel Mutter Abigail und, etwas müde, seufzte sie zufrieden. Sie war immer noch stolz auf ihre gesunde Zähne. Als Sklaven nach Brasilien gekommen hatte sie weit gebracht. Ihr dankbarer Besitzer verliebte sich, befreite sie um sie zu heiraten. Nach ihr christliche Taufe lebten sie ein paar glückliche Jahren zusammen wo er mit ihr Hilfe seine Reichtümern vermehrte und sie den Aufbau ihr Gemeinde nachging. Die Orixás verlangten es von ihr. Sie blieben aber kinderlos und er starb frühzeitig. Seit dann lebte sie als Witwe, einsam aber nicht allein. Sie blickte auf ein einsames aber erfülltes Leben zurück. Die „Mutter-Der-Geister“ war in der ganzen Gegend unter den Sklaven und Sklaventreibern zugleich angesehen und gefürchtet. Sie leitete das Candomblé, sie war die Kräuterfrau, sie konnte die Geister beschwören, verstorbenen Ahnen herbeirufen, und sie konnte die Zukunft aus ihrem Ifá herauslesen. Sie besaß ein Gespür für das Wetter und das Land. All diese Dinge konnte Mutter Abigail.
Mutter Abigail konnte nur nicht die wahre Liebe dieser Menschen für sich gewinnen. Sie vertrauten ihren Rat, sie war respektiert, ja das war sie. Sie hatte mittlerweile kaum mehr Zeit für sich selbst soviele Rat bedürften die Menschen. Sie beschloss dann dass ein paar Müdigkeiten Falten mehr schmälerte nicht ihr Würde. Schliesslich war sie schon so alt das ein paar Falten mehr nicht störten.
Nach ein flüchtiges Frühstück stürze sie sich an ihr Arbeit das Fest für die Abend vorzubereiten. Samstag Abende, heute Nacht, feierten sie mit ihre Kinder-Des-Glaubens das Candomblé für ihren Ahnen, für Xangô.
An diese Samstagabend kamen alle. Weiß und Schwarz, Senhores, Senhoras und Sklaven. Sie erschienen zu das Grosse Feier um die Götter und die Geister zu erleben, auch um ausgiebig den Riten des Candomblé zu bejubeln mit Tanz, Trommel und Gesang. Hier, weit entfernt von ihrer Heimat nahm man jeder verfügbare Hilfe an. Obwohl sie sich gestehen musste, dass viele der Spectakel wegen sie besuchten, war ihr alles stets einer Freude. Sogar einige der weißen Patrone kamen zu ihr in diese Nacht, um Rat zu erbitten. Sie wollten wissen, ob ihre Geschäfte gedeihen würden. Die Senhoras kamen wegen des einen oder anderen Zaubers zu ihr. Manche suchten Liebeselixiere oder Aphrodisiaka, andere wollten das unerwünschte Kind im Leib heimlich abtreiben. Mutter Abigail half lieber Kindern das Licht der Welt erblicken, aber behandelte jeder Fürbittende respektvoll und freundlich wie gewohnt. Sie ließ Jeder ihr Ring küssen als zeichen ihrem gegenseitges Respekt. Danach begutachtete sie die Tieren die in Ehre der Orixás geopfert wurden und das Fest nahm ihren Lauf.
Die Menschen tranken und erzählten sie sich ihr Erlebnissen der letzte Woche. Bis die Musik begann und die „Cavalos“ in den rötliche dekoriert Salon eintraten. Sie tanzten, sprangen, machten Pirouetten, und rollten auf dem Boden. Die „Cavalos“ waren Medien. Sie dienten den Göttern als Gefäß und wurden von ihnen „vertreten“. Die Essenz und der Geist der Orixás schlüpften in ihren Körper um mit den Lebenden zu reden und zu feiern. Die Feier verlief gut. Das Orchester führte die Gemeinde durch die heilige Musik und ihr Aufrufung fiel diesmal präzise aus. Die Medien, jene „Gente de Santo, verwandeln sie sich langsam. Das spürte Mutter Abigail deutlich. Die „Cavalos“ fielen in Trance. Man sagte dazu „geritten“ wenn einer der Cavalos mit Zuckungen von den Götter gestreckt wurde. Ein gutes „Pferd“ benötigte viele Jahre und unzählige Initiations-Rituale da die Affinität zum Orixá, zu diesen alten Göttern, verstärkt werden müßte. Viele wagten diesem geheimnisvolle Pfad gar nicht, auch viele von denen die nicht wagten starben früher. Mutter Abigail begleitete sie durch diesem Weg, genauso wie ihr Großmutter sie seit hin geleitete, selbst während ihr Tot und darüber hinaus führte. Ein Eingeweihte starb im Ritual um im Glaube wiedergeboren zu werden. Die Eingeweihten sorgten für die Schreine der Götter-Vorfahren ihres Volkes, die Orixás. Dort befanden sich stets frisch vorbereitete Speisen für jeden Gott. Opfergaben aus Farben, Licht, in tierische oder pflanzliche Form. Sie nannten dies die „Assentamentos“, der „Thron“ der Göttern. Mit sein „Tot“ gewann der „Cavalo“ eine neue Name und Identität, und die Fähigkeit ihr Orixá als Gefäß zu dienen. Nachdem die Musik die Orixás aufrief, benutzten die Medien diese Fähigkeit um in direkten Kontakt mit ihren Vorfahren zu treten. Wenn sie den Punkt erreichten wo ihren Körper von der Orixás ubernohmen wurde, erlitten sie Zuckungen, wie jetzt.
Mutter Abigail lehnte sich an ihr fein ausgeschmückte Ehrensessel zurück. Sie fühlte die Veränderung in der Luft. Es war tatsächlich spürbar und sie bekam jedesmal einen Gänsehaut. Beeindruckend wie beim erstes Mal, als ob man ein großes Spinnennetz in der Dunkelheit mit seinem Gesicht durchstreifte. Ihr Energie klebte auf sie. Die Götter und die Geister waren angekommen!
Der weise Preto Velho, Oxalá genannt, übernahm als Erste sein „Cavalo“ und trank gleich ein Schnaps, zündete eine dicken Zigarre bevor er der Tanzfläche verließ. Sein „Cavalo“ konnte eine Flasche Schnaps in einem Zug leeren, ohne betrunken zu erscheinen. Seine Stimme klang plötzlich rau, und alt während er mit seine Kinder sprach. Selbst die Art und Weise, wie er sich bewegte änderte sich. Wie ein alter Mann, sehr langsam und vorsichtig, nach vorne gebeugt, als ob er ein großes Gewicht auf seinen Schultern zu tragen hätte. Seine Augen scheuerten von erhabener Intelligenz und Witz. Mehr als einer den mutigen Patronen stockten die Worte beim Anblick dieser Augen. Weniger wagten sich diese Nacht zu fragen.
Alle die etwas wissen wollten, brachten Geschenke, Opfergaben zu Ehren den Riten des Candomblé. Mutter Abigail half sie mit der enträtseln ihren Sorgen. Manche mussten mit Tieropfern ihre Wünsche bezahlen. Andere einfach mit Aufgaben. Meisten verlangte Er nicht mehr als den Schnaps, den Er so gerne trank, obwohl Er durch ein eigene Schwur gehindert nichts trinken durfte. Auch Götter müssen Regeln befolgen. Aber diese Abend wollte Er feiern und trank eine nach den anderen, dennoch könnte Er nicht betrunken werden.
Die Pompa Gira, ein anderer Geist anwesend, liebte Schmuck und Wein, Kosmetik oder Kleider. Sie fing auf der Tanzfläche in rot und schwarz bekleidete exotisch in ihrer erregende Art zu tanzen. Keiner Augenpaar wendete sich ihrer Darbietung ab. Sie gab den Frauen und Männern Macht über ihre Liebenden. Sie repräsentierte nur ein Aspekt der Göttin, ein dunkler weiblicher Aspekt, ein Gesicht. Alle Orixás besaßen mehr als einen Aspekt. Einen positiven, einen negativen, und einen neutralen. Manche wie Exú beanspruchten zwischen sieben und vierzehn verschiedene Aspekte. Die Pompa Gira war einer seiner weiblichen Aspekten. Sie war eine schwarze Nymphomanin und wer Liebeskummer, oder einfach Liebeslust verspürte, kam zu Pomba Gira. Sie konnte diese Wünsche erfüllen. Aber sie verlangte etwas zurück. Sie gaben es ihr, und sie nahm es in dunkeln auch ... schließlich war ihr „Cavalo“ meist ein sehr hübsches Mädchen. Sogar die Schönste der Gegend überhaupt und von Männer und Frauen begehrt.
Dann tanzte Xangô ein, der König im Pantheon der Orixás, ein Krieger-Orixá. Zu erkennen an seinen Doppelaxt die er stolz schwingte und an die rote Farbe seine Bekleidung. Seiner Kinder sangen den Uraltes Verse die seine Segen verlangte. Er, der das Recht sprach, segnet sie diese Nacht für seine Kinder.
Viele anderen Orixás erschienen zu ehren des Candomblé. Iemanjá, die Meeres und Flußgöttin wunderschön in Blau-Grün-Weißes Kleid mit Perlenketten geschmückt, oder Ogum der verrückte Krieger und Schmied, in seine volle metallisches Rüstung. Für jeden Gott ein „Cavalo“, ein Medien, mit seine Farben verkleidet. Selbst Iroko der Orixá-Baum, der Sitz aller Geister und Vorfahren kam. Ein Eingeweihte für die heilige Baum, Iroko, hatte seit langen nicht mehr gegeben. Mutter Abigail erfreute sich besonderes an der Anblick der Medien-Kind die Iroko neuerdings verkörperte. Die heiligen Schreine aller Götter waren oft im Wald oder bei Flüssen und Höhlen versteckt. Die Initiierten wussten davon, aber auch jene die Opfer brachten, lernten diese heiligen Orte kennen, schätzen, und schützen. Auch in Mutter Abigails Haus gab es solche Schreine und ein heilige Baum. Ein Baum älter als 100 Jahren. Sie ließ die Iroko-Baum vor ihren „Terreiro“ für die heutiges Fest besonderes mit einen goldenen Schleife verziert.
Das Geheimnis dieses heidnischen Festes blieb der katholischen Mission nicht verborgen.
Schließlich hörte man den Trommeln meilenweit durch die Stadt. Padre Vieira, tolerant, ließ diese Freuden einfach sein. Es sah alles wie ein Fest aus, mit Trommelmusik, Tanz, vielen Getränken und Speisen, und sie trafen sich im Namen des Gottes der Christen. Die Sklaven besaßen wenig an dem sie sich erfreuten. Sie trugen dafür ihre beste Kleidung, entweder ganz im Weiß oder bunt verziert wie der Salon wo sie tanzten dekoriert war. Wozu sie die Tiere brauchten die hereingebracht wurden? Padre Vieira hatte vor, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, aber irgendwie kam er nie dazu. Er hielt nicht viel von der Verfolgung Unschuldiger wie die Inquisition tat. Er kannte die Formen der Inquisition gut. Selbst er verfolgten sie in ihr Wahnsinn. Ein Duell die er, obwohl völlig rehabilitiert, mit Narben überlebte. Er wünschte niemandem dieses Los. Also ließ er den Sklaven ihre Feste feiern und mischte sie nicht ein.
In den Candomblé Nächten, war sie, Mutter Abigail, als Mutter der Götter respektiert, das religiöse Zentrum der Macht dieser Gegend. Sie war ihr Iyalorixá. Iya bedeutete Mutter, deshalb Mutter Abigail. Die Mutter-Der-Geister.
Später, als alle Opfer gebracht wurden und die Götter sich verabschiedeten, schliefen ihr erschöpfte „Cavalos“ in die dafür vorgesehenen Zimmern. Endlich glaubte sie sich allein. Solche melancholische Momenten wo sie unbeschäftigt war kamen selten. Sie verlor durch die Sklaverei ihr eigenen Söhne und Töchtern aus den Augen. Einer der Ziele ihrer Kämpfe in diesem neuen Land bestand daran ihrer früherer Familie wieder zusammen zu führen. Das Candomblé stützte sie dabei. Müde und, noch mit ihren Sorgen beschäftigt, hätte sie begrüßt für sich zu sein, aber Oma Maria putzte noch der Salon. Sie erwähnte zu Mutter Abigail das einzige Außergewöhnliche was sie den ganzen Abend hörte. Oma Maria erzählte ihr die Geschichte über einer Farm geplagt von ein Saci Pererê. War das die Antwort zur der Rätsel ihres Traumes? Ihren Instinkten folgend, entschloss sie sich, in den nächsten Tagen, Oma Maria auf der Farm zu besuchen.

Auf dem Weg dorthin hatte Mutter Abigail den Gesang einer Mantintapere gehört, einen deutliche Zeichen, dass Sacis in die Gegend ihr Unwesen trieben. Die Mantintapere, der Sage nach, stellte einer Art Vorstufe von ein Saci Pererê dar. Eine Unterart der Uhus, ein Vögel die viel mit der Tot zu tun hatte. Manche glaubten, sie brächten Nachrichten von der Unterwelt, andere, dass die Mantintapere als eine böse Hexe lebte, die einen Pakt mit dem Teufel schloss und mit der Verdammung belohnt wurde. Allein die Tatsache, dass Mutter Abigail den Gesang eines nächtlich aktiven Uhus tagsüber hörte, ließ sie darauf schließen, dass hier tatsächlich etwas im Gange war. Hat die Mantintapere Mutter Abigail’s Macht gespürt und wollte ihr Revier verteidigen?
Sie kam um einen Saci Pererê zu fangen und darauf richteten sich ihre Gedanken jetzt. Der Trick mit dem Sieb funktionierte nicht wirklich um einen Saci einzufangen. Besser war der Saci anzulocken. Mutter Abigail brachte mit sich eine Flasche mit engem Hals und einem Korkverschluß gefühlt mit ein Gemisch aus Milch und Honig. Ein „X“ zeichnete den Korken. Sie hatte vor die Flasche vor die Tür zu stellen, und geduldig auf einen Wirbelwind zu warten – damit flog der Saci angelockt von seinem Lieblingsgetränk, und um in die Flasche hinein zu schlüpfen, wurde er seine rote Kappe ablegen sonnst paßte er nicht hinein. Ohne diese Kappe, dem Ursprung seiner magischen Kräfte, könnte man ihn rasch mit dem markierten Korken einfangen. Das „X“ verhinderte das Entkommen von Saci. Für seine Freiheit wollte Mutter Abigail drei Wünsche und sie freute sich schon auf diesem. Sacis waren clever und gerissen, sie wettete dennoch auf ihr Erfahrung. Mit der Flasche könnte sie es schaffen, ihn zu fangen.
Enttäuscht erkannte Mutter Abigail leicht die Zeichen, dass Kinder anstatt eines Saci Pererê für die Streiche verantwortlich waren. Ein Saci hinterließ nur einem dreckigen Fußabdruck, da er nur ein Bein besaß auf den er hüpfte. Am Fensterbrett sah sie vier barfüßige, kinderfußgroße Abdrücke, und auch die eines Hundes. Kinder hatten, also die Torte gestohlen.

Fernando und Zumbi erfuhren, dass Mutter Abigail, auf Einladung Oma Marias, die Farm gerade besuchte. Allen wussten, dass Mutter Abigail eine Hexe war.
„Tanto, sie kommt wegen des Saci Pererê hierher!“, sprach Fernando. „Wenn sie wirklich eine Hexe ist, wird sie wissen, dass wir die Streiche gespielt haben!!“, Fernando kaute nervös an seinen verdreckten Fingernägeln. Zumbi versuchte Fernando Unart zu ignorieren. Er verstand das nervöse Fingernägel kauen von Fernando nicht. Er erspähte die Hexe aus eine niedriges Ast der Mango-Baum.
„Ja, das stimmt. Komm einfach mit.“ grummelte Zumbi während er runter sprang und seine verstaubte Hose putzte.
„Was hast du vor?“, fragte Fernando aufgeregt.
„Ich werde mit der Hexe reden.“, antworte Zumbi kühn.
„Bist von Sinnen? Weißt du nicht was Hexen mit Kindern machen? Sie kochen dich in einem Kessel, dann fressen sie dich, oder schlimmer noch, sie verwandeln dich in einen Frosch! Die Geschichte von Hexen und Kindern ist dir anscheinend nicht bekannt, Tanto, aber mir schon.“, sprach Fernando, während er nervös an seinen Nägel hin und her zupfte.
„Ach, Unsinn!“ Zumbi grinste seinen Freund an, während er eine deutliche Bewegung mit seiner Hand vollführte. Alle Widerreden geschlagen in den Wind.
„Sie ist nur ein alte Frau, sonst nichts. Wenn wir ihr alles erzählen, wird sie es verstehen.“, sinnierte Zumbi kühl.
„Ach ja! Und wie wirst du bestraft werden? Oder glaubst du, dass du ohne Buße davon kommst?“, Fernando runzelte dabei seine Stirn.
„Ein Mann muss tun was er tun muss“, zitierte Zumbi Fernandos Vater, André, der gerne solche Sprüche erzählte. Dazu klopfte er mit seine rechte Faust auf der offenes linke Handfläche. einer von Andrés typischen Gesten.
Fernando lächelte. Sein Freund war immer schon stur gewesen. Wenn er sich etwas in den Kopf setzte, dann war das in Stein gemeißelt. Es gelang Fernando nie Zumbi von seinen Ideen abzubringen, was beiden immer Schwierigkeiten einfuhr. Fernando hatte sowieso nichts zu verlieren. Es machte aber Fernandos Leben interessanter und vertrieb die Langweile.
Zumbi zupfte an Fernandos Hosen, die runter sprang und so, aneinander neckend bewegten sich beide in Richtung Mutter Abigail. Sie inspizierte gerade den Busch, wo angeblich Oma Maria der Saci Pererê sah. Der treue Trovão trottete mit heraushängender Zunge hinter ihnen her.

Mutter Abigail hörte beide Jungs kommen. Sie drehte sich in letzte Sekunde mit einer plötzlichen Bewegung um, und sagte: „Du musst Saci sein, und der andere Pererê. He! He! He! Welche Rolle spielt der Hund?“
Fernando wurde sofort kreidebleich. Zumbi verlor eine halbe Sekunde lang sein Selbstsicherheit, und stotterte vor sich hin. Aber so wie die Wellen des Meeres niemals aufhörten die Felsen zu bearbeiten, so kehrte auch Zumbi’s List schnell zurück.
„Wir sind hier, um zu gestehen, gnädige Frau. Wir haben die Torte geklaut und gegessen. Wir sind bereit unsere gerechte Strafe zu bekommen, aber mein Freund möchte nicht in einen Frosch verwandelt werden.“ beichtete Zumbi und zeigte auf Fernando, der gerade seinen Kopf schüttelte. Ein paar unverständlich Worte rollte Fernando angsterfüllt über seiner Zunge.
Mutter Abigail musterte Zumbi von oben nach unten mit einem Lächeln ins Gesicht. Der Junge war anders, und hatte keine Angst vor ihr. Nun, vielleicht nur ein bisschen. Ihre Augen glänzten amüsiert und starrten siegessicher auf die Übeltäter.
„ Ich wusste, dass es Kinder waren, aber dass ich die Schuldigen so schnell erwischen würde, hatte ich mir nicht ausgemalt.“ sagte Mutter Abigail. „Ich nehme an, junger Mann, dass du dir schon einen Vorschlag aussuchte. Stimmt das?“
„Ja, Mütterchen! Wenn du das alles für sich behalten, diene ich dich für eine Woche. Ich bin ein Sklave und werde härter bestraft. Dada hier, wird Ihnen als Frosch, nicht besonders viel helfen, und ich verliere dann meinen Spielkameraden.“ Zumbi verneigte sich spitzbübisch nach der Anbot.
Mutter Abigail erkannte das Zeichen sofort und hielt ihr Atem an. Als Zumbi sich nach vorne verneigte, blitzte sein Halsband hervor, das sein Hemd verdeckte. Um den Hals dieses jungen Sklaven, lag das lederne Band mit der Doppelaxt aus ihrem Traum, der Doppelaxt von Xangô. Dieser Junge musste der Grund für den nächtlichen Besuch ihres Totems gewesen sein. Die Suche nach Saci hatte sich gelohnt und wurde plötzlich ernst. Die Sache benötigte allerdings eingehend Untersuchung. Mutter Abigail überlegte schnell und sagte daraufhin:
“Wenn ihr mir versprecht, nicht mehr Oma Marias Kuchen zu klauen, werde ich euch beide nicht in Frösche verwandeln.“ sagte Mutter Abigail und lachte in sich hinein. „Aber dafür wirst du, Tanto, mir eine Woche lang ohne Debatte dienen.“
„Nennen sie mich bitte Zumbi. Das tut jeder hier.“ Zumbi offenbarte Mutter Abigail sein strahlendstes Lächeln. Der Junge flirtet offen mit ihr. Mutter Abigail lächelte Zumbi an. „Du mein junger Dada, du kommst diesmal billig davon. Du solltest aber niemals vergessen, dass ich dich sehr wohl, egal wo ich mich aufhalte in einen Frosch verwandeln kann! Ich beobachte dich weiter.“
Fernando schwieg, aber seine geweiteten Augen sprachen Bände.
Man könnte fast glauben, dass auch er, wie Zumbi das Glubschauge, genannt werden wollte, so weit riss er seine Augen auf. Zumbi willigte mit einem Lächeln und einem Kopfnicken ein. – Er war selbst sehr neugierig, was dieses „Mütterchen“ zu einer Hexe machte. Und wenn sie ihn, ohne großen Aufwand, von der Farm, einfach zu sich holte, dann musste sie wirklich Macht besitzen. Hauptsache er und Fernando sahen kein Strafe.
„Mütterchen, du müsst mir sagen, was mich und meinen Freund Dada, verriet, bitte?“
„Na der Hund, ist doch klar!“ Mutter Abigail lachte herzlich und offen, wie schon lange nicht mehr. Der Junge durchschaute sie. Zumbi schaffte es gerade noch, Trovão mit ernster Miene zu betrachten, bevor er selbst zu lachen anfing. Fernando beobachtete die beiden lachenden Schwarzen, der Jung und der Alt, schaute auf Trovão´s heraushängende Zunge, und entspannte sich endlich. Die alte Frau sah gar nicht so bedrohlich aus, wenn sie herzlich lachte. Zumbi’s brüllte beim lachen wie immer, und Fernando frohlockte einfach mit.



__________________
„Alles beginnt mit einem Märchen, weil Märchen Träume sind, die die Realität beherzigen. Einmal Augen auf, einmal Augen zu …, ein Augenblick genügt, um die Ewigkeit zu verbergen, oder zu verändern.

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Christoph
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Ola Nimroc,

einige Anmerkungen zu Deiner Geschichte halte ich für nötig:

1. Bist Du sicher, dass es eine Kindergeschichte sein soll?
Mir erscheint es mehr wie eine Legende aus der schwarzen Welt Brasiliens für Erwachsene. Du setzt voraus, dass sich ein deutschsprachiges Kind (bis 12 oder 13 Jahre, dann gilt es als Jugendicher) mit "Abtreibung","Totem", "Medium", "Nyphomaninnen", "Inquisition", ... befasst hat, um die Geschichte verstehen zu können.

2. Die Welt der Brasilianischen (Afrikanischen) Naturreligionen ist selbst für mitteleuropäische Erwachsene schwer zu verstehen. Für Kinder ist sie mit Sicherheit -angesichts der vielen fremden Namen, Symbole und vor allem der fremdartigen Gedankengebäude - völlig unverständlich. Wenn Du - wie ich annehme - die Kultur und Religion der schwarzen Sklaven im 19. Jahrhundert den Kindern näher bringen möchtest, braucht es viel mehr Erläuterung und behutsame Einführung in die Materie.

3. Noch ein Tipp: viele der sprachlichen Fehler sind typisch für einen Auslandsdeutschen. Das will ich nicht vorwerfen, aber die Verständlichkeit leidet sehr darunter. Hast Du niemanden, der Deine Texte auf Fehler gegenlesen kannst, bevor Du sie ins Forum stellst?

Nichts für ungut. Ich habe die Geschichte mit Interesse gelesen. Allerdings bin ich schon deutlich aus dem Kindesalter heraus und habe mich mal mit dem Thema "Schwarzes Brasilien" näher befasst.
__________________
Christoph Höver
Fuseta / Portugal
christoph.hover@iol.pt

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