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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Clan oder : Nimm dir, was du kriegen kannst
Eingestellt am 20. 06. 2002 12:23


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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„Ich geh dann mal los um das Garagentor anzustreichen!“ Diesen Satz hatte sie zu Hause gesagt bevor sie losging, doch da wusste sie noch nicht, was sie jetzt wusste und vermutlich w├╝rde sie nie mehr in die Verlegenheit kommen dort auf dem einsamen Grundst├╝ck, welches mitten zwischen den H├Ąusern lag ein Tor, welches blau gestrichen war und dessen Farbe schon abbr├Âckelte und welches in der gepflegten H├Ąuserreihe einen Schandfleck darstellte zu renovieren.

Denn heute war sie schlauer. Sie wusste inzwischen einiges. Sie wusste jetzt, dass die Wohnstra├če von einem Familienclan bewohnt wurde, der ├╝berall und nirgends seine Nase reinsteckte, was zum Teil fatale Folgen haben konnte f├╝r einen Fremden, so wie sie es war und dass diese Gro├čfamilie Kinder hatte und nicht so knapp und dass sie alle die gleiche dumme Angewohnheit besa├čen: Sie waren ausgesprochen neugierig.

Arglos fuhr sie also in den Ort, bewaffnet mit einigen neuen Pinseln, einem Topf gr├╝ner Farbe, Sonne im Gep├Ąck und jede Menge guter Laune, ohne die sie das ganze Unterfangen besser gelassen h├Ątte.

Einen Strohhut hatte sie ├╝ber ihren Kopf gest├╝lpt und bevor sie mit der Arbeit begann inspizierte sie noch einmal das ganze Grundst├╝ck. Idyllisch lag es dort und stellte die Fl├Ąche f├╝r mindestens noch zwei H├Ąuser dar, sofern diese Garage, dessen Tor zu streichen sie sich vorgenommen hatte abgerissen w├╝rde. Das Dumme an der Sache war, und das kam ihr erst jetzt zum Bewusstsein, dass sie zwar eine gro├če Garage, aber keinen Strom hatte und damit war bereits der ├ärger vorprogrammiert.

Eine neugierige erste Nase kam an den Zaun. „Ach, wird hier endlich einmal etwas getan?“ kam die Stimmer der freundlichen Nachbarin von gegen├╝ber. Verlegen r├Ąusperte sie sich mit der Bemerkung: „Nunja, es sollte ja schon lange geschehen, aber es ist nicht einfach, so allein und noch dazu ohne Strom!“ „Das ist doch kein Problem, Strom k├Ânnen Sie von uns haben, wozu brauchen sie ihn denn?“ Ja wozu brauchte sie Strom? Sollte sie es ihr sagen, dass das mit dem Anstrich nur ein Vorwand war und sie eigentlich dieses Grundst├╝ck und die Garage nutzen wollte, weil sie sich dort ein Reitpferd halten wollte? Sie behielt es vorl├Ąufig erst einmal f├╝r sich und gab an, das hohe Gras schneiden zu wollen. Die junge Frau war bereit alles zu tun, wenn es nur endlich aufh├Âren w├╝rde, wie letztens mit dem L├Âwenzahn, dass der Dreck sich durch ihren Zaun dr├Ąngen w├╝rde und ihr ach so gepflegter englischer Rasen aussehen w├╝rde, wie eine ganz normale Kuhwiese. Das sa├č! Nun wusste sie woran sie war und ihr Entschluss stand fest: Niemals w├╝rde sie die Frau jemals bitten, ihr Strom zu leihen und sie t├Ąuschte Arbeitseifer vor.

Kaum hatte sie die Farbdose ge├Âffnet stand auch schon die zweite neugierige Nase am Zaun: ein etwa 8-j├Ąhriger Junge „Was tust du da?“ seine ├╝beraus intelligente Frage. „Siehst du das nicht?“ kam es von ihr zur├╝ck und sie ├╝berlegte, w├Ąhrend sie mit ruhigen Pinselstrichen ├╝ber das Tor strich, ob ihre Stimme nicht ein wenig gereizt geklungen hatte.

„Willst du hier wohnen?“ fragte er sie allen Ernstes mit einer skeptischen Stimme. „Was denn, hier in der Garage? Das ist doch nicht dein Ernst!“ Sie bemerkte einen erleichterten Seufzer bei ihm. „N├Â, ich dachte nur!“ „Lass es lieber, das Denken, Junge. Worum geht’s denn?“

„Ich finde es schade, dass du das Tor streichst!“ griff er wieder seine ├ťberlegung auf, die noch nicht so recht abgeschlossen zu sein schien. „Es war immer so ein prima Fu├čballtor f├╝r uns.“ r├╝ckte er dann mit seiner Sprache heraus und allm├Ąhlich ging ihr ein Licht auf.

„Aha“ antwortete sie sarkastisch und der Junge kl├Ąrte sie dar├╝ber auf, dass sie dabei war ihm und seinen Freunden das sch├Ânste Vergn├╝gen zu missg├Ânnen und ihnen jetzt mit Sicherheit das Spiel dort verboten w├╝rde.

Sie steckte nachdenklich den Pinsel zur├╝ck in den Farbtopf und legte eine Pause ein. „Lass uns ├╝berlegen, was da zu tun ist!“ schlug sie dem Jungen vor und sie hockten sich mitten ins hohe Gras, welches zum Nachdenken Anlass genug gab. „Du willst also damit sagen, dass ihr dieses Grundst├╝ck als Spielplatz missbraucht, aber es ist doch abgez├Ąunt und es geh├Ârt euch nicht.“ „Aber der Zaun hat ein Loch, jeder wei├č es und hier spielen alle Kinder aus der Nachbarschaft!“ Kaum hatte er es ausgesprochen, kam das kleine neugierige Gesicht eines etwa 4-j├Ąhrigen M├Ądchens durch das Loch im Zaun geschoben und ihr kleiner K├Ârper presste sich geschickt durch die winzige ├ľffnung. Ja, was war da zu tun? Tanjas Gedanken waren noch mit dem Garagentor besch├Ąftigt, welches mit Sicherheit selbst nach ihrer m├╝hevollen Anstricharbeit nicht h├╝bscher sein w├╝rde, wenn es weiterhin als Fu├čballtor benutzt w├╝rde. „Das geht aber nicht!“ versuchte sie es bei dem Jungen mit der Aufkl├Ąrungsarbeit. In der Zwischenzeit hatte sich die Kleine zu ihnen gesetzt und dem Jungen lag etwas daran, dass sie den Mund hielt; er wollte sie sogleich wieder fort schicken. Tanja jedoch lag etwas daran, die ganze Wahrheit zu erfahren und die erhoffte sie sich eher von der Kleinen und naiv wie das Kind war, erfuhr sie sie jetzt auch, nat├╝rlich unter den finsteren Blicken ihres Vetters, dem die Wahrheit nicht so recht passte.

„Siehst du dahinten diesen Haufen mit ├ästen?“ fragte das Kind. „die verbrennen wir manchmal, aber nur wenn es keiner von den Erwachsenen sieht.“ „Aha“ sagte sie nur und stocherte dabei mit dem Pinsel in dem Farbtopf herum, was der Kleinen Mut machte, weiteres zu erz├Ąhlen. „und Benny und Lea treffen sich hier immer und sie wissen auch wie man in die Garage kommt, n├Ąmlich durch das Fenster, es schlie├čt nicht richtig und Lullu und Andy klettern immer im Kirschbaum herum und Onkel Nick sagt immer, wenn wir so laut sind, „Geht nach nebenan! Und wir gehen dann immer mit unseren Puppen hierher und spielen Mutter, Vater, Kind.“

„Aha,“ sagte sie wieder nur und ├╝berlegte, ob sie sich geschlagen geben sollte. Und wo blieb ihr Traum vom Pferd und was war mit einer ansehnlichen Garage und was mit ihrer guten Laune? Noch w├Ąhrend sie ├╝berlegte, erschien die Gestalt eines Erwachsenen am Zaun: „Hopp, hopp, Mittagessen!“ rief er seiner kleinen Tochter zu und hob sie ├╝ber den Zaun.

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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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hm,

eine der wenigen geschichten, wo mich das offene ende nicht st├Ârt, sondern anr├╝hrt. bin sehr angetan von deiner geschichte. schon, weil du die personen so klar und sauber gezeichnet hast. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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