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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Dealer vom Friedhof
Eingestellt am 09. 09. 2003 20:35


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Elessar
Festzeitungsschreiber
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Es war wieder einer dieser Tage. Fr├╝her Herbst, grauer Himmel, Regenwetter- Langeweile. Die triste Gro├čstadt beinahe bedr├╝ckend. Bedrohlich.

Alles hatte nichts gebracht- die Musik erschien ihr wie unertr├Ąglicher L├Ąrm, auf das Buch konnte sie sich nicht richtig konzentrieren und mit ihren Katzen zu spielen, dazu fehlte ihr der Nerv. Und ihre phlegmatische Art nervte sie selbst am Meisten. Die Universit├Ąt w├╝rde erst in gut sieben Wochen wieder ihre Pforten ├Âffnen f├╝r das neue Semester, Arbeiten musste sie auch nicht mehr- der Vertrag war ausgelaufen, nachdem man sie zwei Jahre lang besch├Ąftigt hatte. Zumindest was die Arbeit anging, war es ihr ganz recht, dass sie dort nicht mehr hin musste. Nach zwei recht anstrengenden Jahren hatte sie das Gef├╝hl, als habe sie sich einen langen, erholsamen Urlaub verdient.

Und dennoch. Sie musste heute irgendwas anstellen, irgendetwas tun, erledigen, denn sonst w├╝rde sie sich am Abend schlecht f├╝hlen, weil sie so faul gewesen war. Und das, obwohl das gar nicht notwendig war- denn es gab ja nichts zu tun.

Zu allererst nahm sie ein Bad mit Cocosmilch. Gut gegen die trockene Haut, roch herrlich und entspannte. Dann steckte sie sich das nasse Haar hoch, zog sich etwas warmes an und ging einfach aus der Wohnungst├╝r. Und sie lief die Stra├če hinunter, nicht wirklich wissend, was sie eigentlich vorhatte. Bis sie schlie├člich vor dem alten Gitterwerk des Friedhofes stand. Der Friedhof, auf dem sie gern spazieren ging, um etwas frische Luft, unber├╝hrte Natur und Ruhe zu genie├čen.

Dieses Mal lief sie sogar weiter als sonst. Verlie├č die mit Grabsteinen ├╝bers├Ąten Wiesen, ging immer weiter und weiter den asphaltierten Mittelweg entlang, sog die frische Luft tief in sich ein und lauschte den heiseren Schreien der Kr├Ąhen in den Baumwipfeln ├╝ber sich. Es war himmlisch, trotz des grauen Wetters. Irgendwann, weit hinten wo sich kaputte Grabsteine und gef├Ąllte B├Ąume in Bergen t├╝rmten, fand sie eine kleine Bank und lie├č sich auf ihr nieder, schlo├č die Augen und lauschte in die Stille.

Dann vernahm sie ein Klingeln und Klappern, dass sie sofort an ein altes Fahrrad erinnerte, dass ├╝ber Holpersteine fuhr. Und tats├Ąchlich kam ihr von einem kleinen Pfad hinter der Bank ein Junge auf einem Fahrrad entgegen, eine Wasserflasche unter den Arm geklemmt und eine Zigarette im Mundwinkel.
Er kam wenige Meter neben ihr zum Stehen, f├╝llte an einem der vielen Wasserbecken seine Flaschen auf und verweilte dann dort. Sie stand auf, wollte noch ein St├╝ck weiter laufen ehe sie umkehrte. Irgendwie war es ihr sehr unheimlich, ganz allein im hintersten Teil des Friedhofes zu stehen mit einem fremden Jungen neben sich, t├╝rkischer Herkunft, wie sie mit einem Blick feststellte. Und ebenso makaber schien es ihr, einen Friedhof als Radweg zu benutzen.

Sie war nur wenige Meter gelaufen, als sie auch schon h├Ârte:

„Suchst du jemanden?“

Innerlich fluchte sie- sie wusste nicht, was der Typ von ihr wollte und sie hatte noch weniger Lust, in der Abgeschiedenheit hier hinten irgendwelche Schwierigkeiten zu bekommen. Also wandte sie sich mit einem netten L├Ącheln um und sch├╝ttelte den Kopf. Er nickte ihr mit einem doch recht freundlichen L├Ącheln zu und setzte sich dann auf die Bank, auf der sie nur wenige Augenblicke zuvor gesessen hatte.
Sie setzte ihren Weg fort, lief ein ganzes St├╝ck, erleichtert dar├╝ber, dass er sie nicht mit weiteren Fragen qu├Ąlte oder ihr gar nachging. Leicht nerv├Âs z├╝ndete sie sich eine Zigarette an, als sie sich auf den R├╝ckweg machte; immerhin musste sie erneut an ihm vorbei.

Als sie ihn passierte, l├Ąchelte sie ihm abermals zu, wie zur Verabschiedung und er l├Ąchelte zur├╝ck. Doch kaum wandte sie ihm den R├╝cken zu und hatte sich ein paar Meter entfernt, rief er abermals:

„Bitte nimm die Frage vorhin nicht zu pers├Ânlich!“

Erstaunt wandte sie sich zu ihm um.

„Tu ich nicht, war ja nett das du gefragt hast!“ gab sie l├Ąchelnd zur├╝ck und fragte sich, ob sie so verloren auf ihn gewirkt hatte.

„Es ist nur so“, fuhr er fort, „ich verkaufe hier ab und zu Gras und es h├Ątte ja sein k├Ânnen, dass du deswegen da warst.“


Na, das war ja etwas. Da hatte sie an einem Dealertreffpunkt gesessen ohne es geahnt zu haben. Und dieser freundlich l├Ąchelnde Kerl war tats├Ąchlich verr├╝ckt genug, ihr auch noch zu sagen, was er hier tat. Wirkte sie so vertrauensw├╝rdig? Hatte er nicht die Bef├╝rchtung, dass sie eine getarnte Polizistin sein konnte, die darauf spezialisiert war, kriminelle Jugendliche zu stellen? Oder das sie nun, sobald sie den Friedhof verlie├č, die Polizei rufen k├Ânnte?

Tausend Dinge schossen ihr durch den Kopf, wie, ihn zu warnen dass er vorsichtig sein solle, ihn zu fragen ob er verr├╝ckt genug sei, dass jedem fremden M├Ądchen auf die Nase zu binden dass er auf dem Friedhof traf. Oder ob er sich sicher war, dass er sein noch so junges Leben dadurch gef├Ąhrden wollte, dass er etwas illegales tat. Ja, eine ganze Rede w├Ąre ihr zu diesem Thema eingefallen.

Doch alles, was sie tat, war l├Ącheln und sagen: „Ist kein Problem, wirklich. Mach’s gut!“

Und dann ging sie.

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo elessar,

deine geschichte gef├Ąllt mir gut. sch├Âner spannungsaufbau, die gedanken deiner prot zeichnen klare bilder ohne viele vorgaben zu machen und die pointe wirkt nicht konstruiert.

allerdings sind mir die dialoge zu holprig, bzw. scheinen mir unreal zu sein. ich erwarte keinen typischen slang, aber mir scheint es mehr so, als w├╝rden sich ├Ąltere leute unterhalten.

den vorletzten, und sicher nicht nur in meinen augen wichtigsten satz, w├╝rde ich anders formulieren.
vielleicht etwas in der folgenden art:
"Kein Problem, ciau", brachte sie gerade noch heraus und ging.
damit h├Ąttest du den clou im letzten satz.

den titel w├╝rde ich auch ├Ąndern; nimm irgendetwas unverf├Ąngliches.

ein tippfehler ist mir in erinnerung geblieben:

ziemlich am ende hast du "Illegales" klein geschrieben.

sind aber nur vorschl├Ąge; es ist ja dein text.

viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
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Sorry, Rainer ...

... aber "brachte sie gerade noch heraus" w├╝rde ich nicht setzen.

Das klingt so, als fehlten ihr die Worte. Aber so ist es ja gerade nicht. Sie w├╝├čte jede Menge zu sagen, aber sie beh├Ąlt es f├╝r sich.

Aber Du hast recht, das "Und dann ging sie" klappert nach. Ich w├╝rde diesen Satz einfach streichen; da├č sie geht, ergibt sich ja schon aus dem Abschiedsgru├č.

In dem Satz
>>... wie, ihn zu warnen dass er vorsichtig sein solle, ihn zu fragen ob er verr├╝ckt genug sei, dass jedem fremden M├Ądchen auf die Nase zu binden dass er auf dem Friedhof traf. <<
... m├╝├čte es statt der beiden letzteren "dass" jeweils "das" hei├čen.

Und den Titel w├╝rde ich auch ├Ąndern, da hat Rainer recht; das Wort "Dealer" sollte noch nicht drin vorkommen.

lG, Zefira

__________________
schmollfisch

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Elessar
Festzeitungsschreiber
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Hallo Rainer und Zefira,

@ Rainer: Zu allererst zu deinem Kommentar. Was die Dialoge angeht, so kann ich sie nicht ├Ąndern, denn sie sind genauso abgelaufen- ich selbst bin die Prot. Ich wollte es allerdings lieber in der dritten als in der ersten Person schreiben. Ich wei├č nicht, wie sich junge Leute in der Umgebung unterhalten, aber hier ist es durchaus ├╝blich, dass sich Teenager bzw. junge Erwachsene auch ganz ohne Slang unterhalten. Auch wenn er vielleicht T├╝rke ist, er sprach sehr gutes Deutsch. Was das kleine "illegal" angeht...illegal ist ein Adjektiv...nat├╝rlich kann man es auch gro├č schreiben, aber soweit ich es mal gelernt habe, ist es klein genauso richtig.

@ Zefira: Wenigstens sind wir uns mit dem letzten Satz einig. Es ist richtig, man k├Ânnte dieses "Und dann ging sie." auch weglassen. Das mit dem Rechtschreibfehler von "dass und das" gebe ich zu. Allerdings frage ich mich langsam ob mein Word mir da st├Ąndig einen Streich spielt, denn ich hatte nie Probleme damit und letztens fiel schon einer Freundin auf, dass ich das in meinem Roman oft falsch gemacht habe (mein PC und ich sind sowieso ├╝belst verfeindet!).

Gut, was den Titel angeht, was ihr ja beide auch anspricht...das hier ist ja kein Kurzkrimi, sondern nur etwas, was ich vor einer Woche erlebt habe. Deswegen fand ich pers├Ânlich es nicht notwendig, irgendeinen geheimnisvollen Titel auszudenken- denn das hier sind zwei Seiten Text ├╝ber ein kleines Erlebnis und meine Begegnung ist was es ist- ein Dealer auf dem Friedhof. Ich mag den Titel daher recht gerne. W├Ąre das jetzt ein l├Ąngerer Text mit einer voll ausgedehnten Handlung usw., w├Ąre es was anderes, da lohne es sich vielleicht eher. Aber hierbei fand ich es unn├Âtig.

Ich danke euch f├╝r eure Kommentare.

Lg, Elessar

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Zeder
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"Was die Dialoge angeht, so kann ich sie nicht ├Ąndern, denn sie sind genauso abgelaufen- ich selbst bin die Prot."

Hallo Elessar,

ich sage es ganz offen: Wenn ich solch einen Autorenkommentar lese wie oben von Dir zitiert reicht es mir schon - zum Weiterklicken.
Ich habe es nicht getan, weil ich Deine selbsterlebte Geschichte im Grundsatz f├╝r gut halte.
Allerdings geht es bei Texten, die auf diesem Forum ver├Âffentlicht werden, nicht um Autobiografie (daf├╝r ist das Forum "Tagebuch" zust├Ąndig), sondern darum, die Texte f├╝r einen potentiellen Leserkreis zug├Ąnglich zu machen.
Wenn Du die oben zitierte Meinung vertrittst, bist Du sicherlich DER geeignete Leser f├╝r DEINE Texte, wirst aber die hier schon aufgezeigten Schwierigkeiten haben, Verst├Ąndnis und Nachvollziehbarkeit bei Fremdlesern zu erreichen.

Vielleicht k├Ânntest Du unter den genannten Umst├Ąnden doch noch einen Blick auf Deinen Text und die Verst├Ąndnisbereitschaft fremder Leser werfen?

Viele Gr├╝├če,
__________________
"Die Ceder ist ein hoher Baum, oft schmeckt man die Citrone kaum" (Wilhelm Busch)

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