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Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Delphine Mahl
Eingestellt am 19. 07. 2005 21:50


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Madensang
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Registriert: Jul 2005

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Das Restaurant war halbrund verglast und bot einen Blick auf den Parkplatz. Der Blick auf den Parkplatz war wichtig, denn dort schwammen die Delphine und machten ihre so beliebten KunststĂŒcke. Sie sprangen euphorisch aus dem Asphalt und glitten elegant wieder in ihn hinein. Mal ein Einzelner, dann Dreiergruppen. Sie waren perfekte Synchronspringer – und Schwimmer. Ihre freundlich glĂ€nzenden Augen lugten durch die Scheiben und mit ihrem ganz eigenen LĂ€cheln nahmen sie jeden der GĂ€ste wahr. Sie waren grau. Der Asphalt war grau. Das Wetter war es auch. Aus grauen Wolken lief grauer Regen.
Im Restaurant war es gelb. Die schweren VorhĂ€nge, die devot an den Seiten hingen, weil man ihnen untersagte, das Schauspiel am Parkplatz zu verstecken waren in sattem Rot gehalten, und wenn man seinen Blick intensiver ĂŒber das Inventar streifen ließ, entdeckte man vieles, das dem gelben Eindruck hĂ€tte wiedersprechen können. Wie etwa die weißen Möbel die in grĂŒnen Streifen gepolstert waren, oder der Boden, weiß gefliest mit grauen Fugen. In der Tat war nichts in diesem Raum wirklich gelb, mit der Ausnahme einiger Kleinigkeiten die nicht im Mindesten ausreichten, den Gesamteindruck eines ganzen Raumes zu definieren. Vielleicht war es das Licht, der Rauch, die GemĂŒtlichkeit im Kontrast zum trostlosen Draußen.
Die Menschen taten, was auch immer man in einem Restaurant tat. Nichts ungewöhnliches beherrschte die Szene, wenn man so wollte, auf den ersten Blick. Besteck klapperte, Stimmen schlĂ€ngelten sich zwischen Mund und Ohren hin und her und verfehlten ihr Ziel nicht anders als anderswo. Lediglich die Ignoranz den Delphinen gegenĂŒber mochte im ersten Augenblick eigenartig anmuten und das Bild kĂŒnstlich erscheinen lassen. Man kennt die Menschentrauben in diversen Tierparks. Zumindest hĂ€tte man damit gerechnet, dass sich Köpfe regelmĂ€ĂŸig gegen das triste Grau richteten, sich gegenseitig auf das Geschehen aufmerksam machten. Man sollte nicht außer Acht lassen, dass die Tierchen aus und in den Asphalt sprangen und sich ziemlich vehement prĂ€sentierten, fast so, als kĂ€mpften sie gegen diese Ignoranz an.
Kannte man die Wahrheit hingegen, verwunderte man sich darĂŒber, dass die Menschen ĂŒberhaupt fĂ€hig waren, auch nur einen Bissen zu schlucken.
Das vorletzte Auto bog in den Parkplatz ein, das Licht der Scheinwerfer kĂ€mpfte gegen das viel stĂ€rkere Grau an. Allenfalls erzeugte es ein nettes blitzen auf dem Nass oder auf der Haut eines Delphins. Delphine sind sehr schlaue Tiere. Sie hatten mitgezĂ€hlt. Ich auch. Sie wurden unruhig. Ich gab ein Zeichen. Die Zeit war gekommen. Ich holte den großen schwarzen MĂŒllsack und schleppte ihn zu EingangstĂŒre. Die Menschen rĂŒckten mit ihren Geldbörsen heraus, die Kellner eilten beflissen von Tisch zu Tisch wie Bienen in einem Blumenbeet. Ich hatte diesen Moment schon tausend mal genossen, und ich genoss ihn auch heute. Eilig und auf den Boden blickend schlĂŒrften Arme in MĂ€ntel und Jacken. Bloß nicht hinaus sehen. Nicht hinaus sehen, wo die Delphine immer unruhiger aus dem Asphalt sprangen und ihren glĂ€nzenden klaren Augen keine noch so kleine Bewegung entging.
Man war schon öfters an mich heran getreten, ob man die VorhĂ€nge nicht schließen könne. Aber das ging doch nicht. Wie sollte ich wissen wann es Zeit war? NatĂŒrlich wĂ€re es gegangen, aber ich studierte. Auch nach so langer Zeit faszinierte mich einfach die Situation und wie jeder damit umging. Nicht einmal das Personal wagte einen Blick ins Freie. Von der Ferne schon sah ich die beiden gelben Scheiben, die nur da waren um gesehen zu werden – geben konnten sie heute einfach nichts. Der Motor des letzten Wagens verstarb. Die Zeit war da. Die Delphine wussten es. Die Menschen wussten es. Und ich wusste es. Ich schnitt das schwarze Plastik auf.
Die folgenden Sekunden waren Adrenalin pur. Alle Sinne waren gefordert, alle Instinkte lagen frei. AutotĂŒren knallten, Menschen kreischten, FĂŒĂŸe trippelten und Delphine fiepten. Man konnte nicht planen wie es ablief. Man konnte es einfach nicht. Ich hatte es versucht, aber man konnte Panik, Mordlust, Jagdinstinkt, Todesangst nicht koordinieren. Es war ein Tanz der jedes mal neu erfunden wurde.
Ich nahm je nach VerfĂŒgbarkeit eine tote Ziege oder ein Schaf, manchmal auch Teile einer Kuh oder eines Schweins aus dem Sack und warf sie in immer eine andere Richtung um den Menschen Zeit zu geben – um die Delphine abzulenken. Ich musste behutsam vorgehen und schlau. Die Delphine kannten mich und sie mussten der Illusion erliegen zu jagen. Das war mittlerweile nicht mehr so einfach. So wie ich sie beobachtete, beobachteten sie mich. Es galt also, schnell und unerwartet zu agieren. Ich hatte eine eigene Art des Denkens entwickelt, um mich nicht in meinen Bewegungen und Blicken zu verraten. Ihre Beobachtungsgabe war so ausgeprĂ€gt, dass man meinen konnte, sie beherrschten die Telepathie. Taten sie wohl nicht, sonst hĂ€tten sie meine Tricks schon durchschaut.
Heute kam alles anders. Als ich den Vorderteil eines Schweins wegschleudern wollte sprang mir ein Delphin direkt in die Arme. Ich wich aus und bekam den Angreifer so zu fassen, dass ich ihn mit Schwung in das Restaurant schleudern konnte. Auf seinem Bauch schlitterte das Tier dahin und erlag einer tödlichen Verwechslung. Einen ganz neuen Trick erwartend, und in ihrer unsĂ€glichen Gier rutschte die Meute hinter ihrem Artgenossen her und riss ihn, noch ehe sie den Irrtum erkannte. Eine Blutlache ergoss sich ĂŒber die Fliesen. Es was ein Anblick, der selbst mir zusetzte, obwohl ich seit meiner TĂ€tigkeit hier so einiges erlebt hatte. Es waren nur kurze Momente, denn als sie den Irrtum entdeckten rutschten sie ebenso schnell wieder hinaus wie sie hereingekommen waren und zogen eine tiefrote Spur.
In wenigen Sekunden war alles vorbei. Doch etwas war anders als sonst. Keine GĂ€ste. Alle waren wieder gefahren. Noch nie hatten sich Menschen abschrecken lassen – bis heute. Noch nie hatte ein Delfin einen Delfin gerissen – bis heute. Und noch nie konnte ich ein Exemplar von dieser NĂ€he bestaunen. Und noch nie wurde ich von den Delfinen so betrachtet wie heute.
Ab nun wĂŒrde es kein Spiel mehr sein. Sie wĂŒrden diesen Irrtum nicht auf sich beruhen lassen. Ich berĂŒhrte den toten Delphin ehrfĂŒrchtig, und sah ihm in seine glĂ€nzenden Augen. Nicht zu glauben zu welch mörderischen Rasse diese Tiere wurden. Draußen im Grau fand etwas anderes statt...

Es stellte sich heraus, dass die Delphine doch ĂŒber telepathische FĂ€higkeiten verfĂŒgten. Die Kellner beobachteten, wie der Delphine Mahl aufstand und vor die TĂŒre trat...

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