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Leselupe.de > Science Fiction
Der Denkprozess
Eingestellt am 27. 08. 2005 18:52


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Horstingo
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2005

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Der Denkprozess
Unsere Welt ĂĽbermorgen:
Die Epoche der Globalisierung liegt Jahrhunderte zurück und kennzeichnet eine Zeit des Aufbruchs und des Umbruchs, ähnlich der Frühzeit des individuellen Denkens, der sogenannte Zeit der Aufklärung, welche heute als Zeit der geistigen Verführung und des geistigen Terrors bezeichnet wird.

Die 3. Welle der Sezessionskriege auf dem amerikanischen Kontinent hat die "Kontinentalen Nordstaaten" und "Kontinentalen Südstaaten" politisch, kulturell und ethnisch endgültig gespalten. Millionen Hellhäute wurden nach verlustreichen Auseinandersetzungen aus dem Norden des Kontinents in den armen und von Umweltzerstörungen geprägten Südkontinent vertrieben.

Die Bundesrepublik Groß-China leidet in kurzer Folge an ihrer zweiten und damit außerordentlich tief greifenden Wirtschaftskrise, die das riesige Land bis in die Grundfesten erschüttert und die immer wieder neue Umweltkatastrophen in einem nie zuvor gekannten Ausmaß zu Tage bringt. Epidemische Krankheiten haben die Bevölkerung von ehemals fast 2 Milliarden auf 1,485 Milliarden dezimiert. Die stetig sinkende Minderheit des männlichen Bevölkerungsanteils ist besorgniserregend.

Die Republik Sibirien – nach China das zweitgrößte Land der Erde - befindet sich in einem bereits mehrere Jahrzehnte andauernden Partisanenkrieg mit dem ehemaligen Mutterland um die Rohstoffe in den Weiten der Taiga und Tundra.

Die immer wieder aufflammenden Kriege der islamischen Republiken untereinander sind jedoch der Welt größter Unruheherd, insbesondere seit die Ölquellen weitgehend versiegt sind.

Die Alte-Welt-Entwicklungsländer Europas darben dahin wie eh und je. Der Entvölkerungsprozess schreitet scheinbar unaufhaltsam voran. Die Minderheiten der Urvölker ziehen sich immer weiter in ihre Reservate zurück, um wenigstens Reste ihrer alten Kultur erhalten zu können. In den "Paneuropäischen Statuten der Reservatsreservierungen" steht unter § 2 geschrieben: …und jedes Volk erhält eine Fläche von 15 qkm je 1.000 Mitglieder. (Damit besitzt das "Volk der vereinigten Altdeutschen" mit seinen 1.2 Millionen Menschen eine Fläche, die etwa der Größe des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz entspricht. Der Paneuropäische Rat wies den Deutschen die ehemalige "Unterprovinz Baythür-Nord" zu. Etwa die Region des heutigen Frankens mit Teilen Osthessens und Thüringens.) Die Reservate sind Volkseigentum. Die Völker verwalten sich selbst und sind unabhängig. Besuchsaustausch der Reservate untereinander ist gestattet. Auf Antrag kann der Monopolrat einzelnen Volksmitgliedern - zu bestimmten Anlässen auch kleineren Gruppen - einen Reservatsfreigangschein ausstellen, der beim Verlassen des Reservats immer mitzuführen ist.

Monopolistische Mammutkonzerne regieren die Welt. Politische Führung orientiert sich ausnahmslos am Sponsorentum der Wirtschaftsmächtigen, die sich untereinander eifersüchtig beäugen, wer wen in welchem Maße korrumpiert. So ist das wichtigste Ereignis während der jährlichen Vorstandsklausuren die Veröffentlichung der Sponsorenstatistik. Mit Höchstspannung wird erwartet, welchen Rang der eigene Konzern darin einnimmt. Die Platzierung bestimmt über die Qualifikation oder auch Disqualifikation der Vorstände.

So ist es der "Denkfabrik AG" trotz großzügiger und mit einem ausgefeilten System operierenden Sponsorentechnik immer noch nicht gelungen, das Denken bei den Untergebenen abzustellen. Von Zeit zu Zeit müssen sich die Gerichte mit Verstößen gegen die Monopole – in diesem Fall das Denkmonopol – befassen.

Sokrates Kantlein junior ist schon mehrfach als Querulant aufgefallen. Seine Punktzahl in der "Denkverdächtigten-Kartei" hat ihr Limit erreicht. Eine Ladung zur gerichtlichen Verhandlung in einem "Denkprozess" ist damit obligatorisch geworden. Er wird des "Querulantentums und des Querdenkens", eines der schlimmsten Vergehen gegen das Monopol, bezichtigt.

Der Vorsitzende des Gerichts verliest folgende Anschuldigung:
"Der Denkverdächtigte mit dem Namen Sokrates Kantlein junior, geboren im "Reservatsbezirk Rote Erde", vertreten durch den ihm zugeordneten Rechtsbeistand" R drei eins eins vier Strich B"(R 3114/B) ist angeklagt, gegen das Monopol der Monopolinhaberin "Denkfabrik AG" durch querulante Aktivitäten und querdenken verstoßen und so das Monopoleigentum der Denkfabrik AG in erheblichem Maße geschädigt zu haben. Seine Denkverdächtigtenkarte weist die Höchstpunktzahl von 33 Punkten auf.
Ich erteile das Wort dem Vertreter der Anklage "A vier vier sieben Punkt 2". (A 447.2)

Anklagevertreter:
"Vorsitzender, Verteidiger, Anwesende!
Der Angeklagte Sokrates Kantlein junior ist wiederholt als Denkverdächtigter aufgefallen, wie seine Denkverdächtigtenkarte ausweist. Selbst wiederholte Ordnungsstrafen gegen den Verdacht des Denkens und das Gebot des Nichtdenkens konnten ihn nicht davon abhalten, weitere Denkverstöße in fortschreitendem Maße zu begehen. Diese eklatante Uneinsichtigkeit des Querulanten, Querdenkers und Denkverdächtigten Sokrates Kantlein junior stellt zweifelsfrei eine gewollte und beabsichtigte Schädigung des Denkmonopols der Denkfabrik AG dar und ist darüber hinaus als staatsfeindlicher Akt gegen die Charta der Monopole anzusehen. Ich verweise auf die Paragraphen 0815 und 4711 STGBH, sowie 2Strich9 und 4Strich7 MPO. Die Anklage fordert daher Denkamputation mit anschließender dauerhafter Verbringung in eine Einrichtung der monotonistischen Anstalten."

Vorsitzender:
"Ich erteile nunmehr dem Rechtsbeistand des Angeklagten das Wort:"

Rechtsbeistand:
"Vorsitzender, Ankläger, Anwesende!"
Der des Querdenkens bezichtigte und als Querulant bezeichnete, hier anwesende Sokrates Kantlein junior ist Bewohner des Reservats "Rote Erde" und als solcher tagtäglich vielfältigen Versuchungen des Denkens ausgesetzt. Wie in den Statuten der Reservatsreservierungen § 7, Absatz 3, zu entnehmen ist, ist es den Reservatsbewohnern ausdrücklich gestattet, ihre alte Kultur und deren Bräuche zu pflegen. Im täglichen Miteinander bedingt dies geradezu Denkansätze und Denkanstöße. Auch das Verteilen von Denkzetteln, das Abhalten von Andachten, das Bewahren und Verteilen von Andenken, das Gehen auf gedachten Linien, sowie deren Verwendung, das Einhalten von Denkpausen, das Überdenken unter überdachten Räumen, sowie der Brauch ihrer alten Sprache mit Ausdrücken wie: Das dachtest du wohl.. oder… was denkst du dir eigentlich… oder… was hast du dir dabei gedacht… oder… denkste… oder… denk dir doch einen… oder… das hättest du dir doch denken können… und viele andere mehr sind durchaus übliche Stilmittel der verbalen Kommunikation der Reservatsbewohner untereinander. Auch Satzeinleitungen oder Gesprächseröffnungen beginnen in ihrer alten Sprache oft mit den Worten:
Ich denke……
Die dem Angeklagten zugeschriebene Denkerstirn mit Denkfalten sind typische ethnologische Merkmale seiner Volkszugehörigkeit. Sie selbst nennen sich aus althergebrachter Überzeugung "Volk der Dichter und Denker".
Nach Aussage des Reservatsmeisters, "Dialektus Hopenschauer", sind die Annalen seines Volkes mit dem Grundsatz "Cogito ergo sum" (Ich denke, also bin ich!) überschrieben, ein überlieferter Ausdruck in einer nicht mehr gesprochenen Sprache, die Latein genannt wurde. Auf diesem Grundsatz beruhe ihre gesamte Kultur. Und dass Sokrates Kantlein junior als Querdenker bezeichnet würde, werde in seinem Volk nicht als Makel oder gar Verbrechen angesehen, sondern es sei ein Ausdruck einer besonderen Befähigung oder Begabung, die ein Volk brauche, um seinen Fortbestand zu sichern.

Vorsitzender, Ankläger, Anwesende!
Aufgrund der besonderen Lebensumstände des Angeklagten plädiere ich auf Freispruch und die sofortige Freilassung des Angeklagten".

Die Entscheidung des Gerichts:
"Im Namen der monopolistischen Grundordnung ergeht folgendes Urteil:
1. Der Angeklagte Sokrates Kantlein junior wird zu 5 Akten zu je 3 Sitzungen in der
Umdenkanlage "Brainstorm" verurteilt.
2. Der Reservatsfreigangschein des Angeklagten Sokrates Kantlein junior wird eingezogen.
3. Das Urteil ist unverzĂĽglich zu vollstrecken.
4. Eine Revision ist nicht zulässig.

Es gelang dem Querdenker Sokrates Kantlein junior in die Umdenkanlage "Brainstorm" ein kleines Büchlein mit dem Titel "Cogito ergo sum" hineinzuschmuggeln. Daraus las er den Insassen allabendlich vor. Über die entstandene Neugierde und die große, schier unglaubliche Verwunderung über das Gehörte baten die Verurteilten ihre Verwandten in den Reservaten nach alten Schriften zu suchen und sie zu den Besuchsterminen gut versteckt mitzubringen. Alsbald entwickelte sich in der Umdenkanlage "Brainstorm" so etwas wie ein literarischer Zirkel. Die Gedanken kehrten zurück und griffen epidemisch um sich. Dies war der Auslöser für eine Revolte, welche nach blutigen Auseinandersetzungen zur Schließung der Anlage führte. In den Reservaten wurden aus den Querdenkern Rebellen und die Aufstände gegen das Denkmonopol begannen. Die Reservate vereinigten sich zu einer von den Monopolen unterschätzten Denkstreitmacht und dachten ihre monopolistischen Gegner bis an den Rand der Gedanken- und Sprachlosigkeit. In langwierigen Verhandlungen zwischen der Reservatsunion und den Monopolvorständen erreichte das kleine, widerspenstige Volk der Deutschen letztlich die Freiheit des Denkens.

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jon
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Was hat das ganze Palaver über den politischen Zustand der Erde mit dem eigentlichen Geschehen – dem Prozess – zu tun? 1/3 des ganze Textes geht für diese überflüssigen und in ihrer Kompaktheit schwer verdaulichen infos drauf.

Und: Natürlich kann man so "berichtend" schreiben, aber damit es spannend wird, muss man den Berichtstil heimlich unterlaufen – und das muss gekonnt sein. Hier wirkt es nicht gekonnt. Hier wirkt es nur wie ein etwas detalierteres Arbeits-Exposee. Schade.
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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