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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Ersatzopa
Eingestellt am 26. 11. 2012 19:18


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Maribu
???
Registriert: Jun 2012

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"Du kannst dich ja neben den Opa setzen", sagte einer der beiden Jungen zu der ├Ąlteren Frau.
"Erst mal muss man fragen! Und der Herr ist f├╝r dich nicht der Opa!" antwortete sie bestimmt und dann leiser zu dem schmunzelnden Mann: "Sie m├╝ssen schon entschuldigen! Mein Mann ist letztes Jahr verstorben. Sie vermissen ihn noch immer."
Er r├╝ckte von der Bankmitte ans Ende und antwortete: "Bitte, setzen Sie sich doch! Der Junge hat ja recht mit 'Opa'. Von hier aus hat man den besten ├ťberblick auf den Spielplatz."
Der zweite hatte seine Jacke bereits auf die Bank geschleudert und lief auf die Wiese in Richtung Seilbahn, blieb kurz stehen und rief: "Komm Arne!"
Der zog sich sein Sweatshirt ├╝ber den Kopf, warf es gezielt ├╝ber die Lehne und rannte seinem Bruder hinterher.
Die Frau legte die Kleidungsst├╝cke ├╝ber ihre Tasche und stellte sie neben sich und dem Mann. "Bin ich froh, dass ich sitzen kann!" Sie atmete tief durch. "Die k├Ânnen einen ganz sch├Ân auf Trab halten. Wir sind schon zwanzig Minuten unterwegs. Immer muss ich aufpassen, dass sie nicht auf die Stra├če laufen."
Er lachte. "Ja, in diesem Alter sind sie wie Fohlen. Aber hier ist der gr├Â├čte und beste Spielplatz im Alstertal. Daf├╝r lohnt sich ein l├Ąngerer Fu├čweg."
"Sind Sie denn ├Âfter hier? Ich habe Sie noch nie gesehen."
"Einmal in der Woche Mittwochs."
"Ach, der Gro├čelterntag! - Haben Sie Ihr Enkelkind denn noch im Blick?"
Der Mann ├╝berh├Ârte diese Frage und sie sagte: "Ich bin froh, dass ich sie jeden Tag habe. Meine Tochter ist allein erziehend."
"Wer ist denn der ├Ąltere? Sie sind ja fast gleich gro├č."
"Arne kam zw├Âlf Minuten fr├╝her als Lars. Sie sind im August f├╝nf Jahre alt geworden."
"Huhu Omi!" h├Ârte man einen der Jungen. Und der andere winkte und rief: "Hallo Oma, Hallo Opa!" Sie fuhren fast nebeneinander, wurden am Ende abgebremst, der Sitz schwang nach oben, und mit Armen und Beinen hampelnd und viel Geschrei rollten sie in die Gegenrichtung.
Sie winkten beide zur├╝ck. "Die 'Zwillingsseilbahn' scheint ja extra f├╝r die beiden geschaffen zu sein!" sagte er am├╝siert.
"Zwillingsseilbahn?" Sie lachte. "Die Bezeichnung hab ich ja noch nie geh├Ârt! - Aber wo ist Ihr Enkelkind? Rutscht oder schaukelt es? Ist es auf dem Kletterger├╝st oder spielt es im Sand?"
Er antwortete nicht sofort. "Das kleine M├Ądchen, das gerade den Sitz von Ihrem Enkel ├╝bernimmt, ist in ihrem Alter. Anfangs war Laura ├Ąngstlich und wollte nur mit mir, auf meinem Scho├č, auf die Seilbahn. Zum Schluss war sie ebenso ├╝berm├╝tig wie Ihre Jungen."
"Das hei├čt, sie ist gar nicht da?"
"Nein. Ich hoffe aber, dass sie sich erinnert und eines Tages kommt!"
Die Frau war betroffen und fragte z├Âgernd: "Was ist passiert?"
"Haben Sie schon mal was von Kindesentzug geh├Ârt?"
"Nur in Verbindung mit unverheirateten V├Ątern."
"Mein verheirateter Sohn hat ein Verh├Ąltnis mit einer Arbeitskollegin und ist vor zwei Monaten zu ihr gezogen. Angeblich soll meine Frau davon gewusst und es unterst├╝tzt haben."
"Ach so, die b├Âse Schwiegermutter!"
"Seitdem haben wir unser Enkelkind nicht mehr gesehen. Unsere Schwiegertochter behauptet, der Umgang t├Ąte dem Kind nicht gut."
"Was k├Ânnen Sie daf├╝r?" entr├╝stete sich seine Banknachbarin.
"Wie lange soll man f├╝r seine Kinder verantwortlich sein? Bei aller Dem├╝tigung der Schwiegertochter kann ich ihr Verhalten nicht verstehen! Das ist ja Sippenhaft! Und was tut sie ihrem Kind damit an!"
Er schwieg und seine feuchten Augen suchten den Spielplatz ab.
Schlie├člich fragte sie: "Wie wehren Sie sich dagegen?"
"Gar nicht. Wir hoffen auf Einsicht und Vernunft unserer Schwiegertochter. Wir waren bei der '├ľffentlichen Rechtsauskunft' und erfuhren, dass es ein Umgangsrecht der Gro├čeltern gibt, sofern es dem Kinde dient. Unser Berater ist hauptberuflich Richter und hat uns wenig Mut gemacht."
"Und wer entscheidet dar├╝ber?"
"Das Gericht. Aber welches Urteil dient dem Kinde? Egal was entschieden wird, es wird darunter leiden. Es m├Âchte, dass Mama und Papa wieder zusammen sind und vermisst die Gro├čeltern. Der Richter hat uns von einem Fall erz├Ąhlt, wo das Kind manipuliert wurde vor Gericht zu behaupten, Oma und Opa nicht sehen zu wollen. Daraufhin hat die Gro├čmutter eine Geburtstagskarte gezeigt auf der die Enkelin geschrieben hatte:'Oma, ich hab dich so lieb! Warum darf ich nicht mehr zu euch kommen?' - Wie soll das Gericht..." Er brach den Satz ab. Die Jungen kamen au├čer Atem angelaufen und stoppten kurz vor der Bank. "Erster!" sagte Arne. "Nein, ich war erster!" widersprach Lars. Und dann wie aus einem Munde: "Oma, wir m├Âchten Eis!"
"Was hab ich heute morgen gesagt, als ich euch die Franzbr├Âtchen gekauft habe?"
"Ach Oma, nur ein Eis!"
Bevor sie sich erweichen lie├č, hatte der Mann sein Portemonnaie herausgeholt und dr├╝ckte jedem zwei Euro in die Hand.
Lars l├Ąchelte verlegen und Arne sagte: "Danke, Opa! Kommst du n├Ąchste Woche wieder?"
Bevor 'Opa' antworten konnte, waren sie schon davongerannt.
Er stand auf. "Ich muss jetzt gehen! Meine Frau wartet mit dem Kaffeetrinken auf mich. Auf Wiedersehen!"
Sie nickte. "Das war gro├čz├╝gig von Ihnen. W├Ąre aber nicht n├Âtig gewesen! Ich will sie nicht zu sehr verw├Âhnen! - Aber Sie haben Arnes Frage nicht beantwortet.
Er lachte. "Selbstverst├Ąndlich bin ich n├Ąchsten Mittwoch wieder hier! - Vielleicht haben die Zwillinge ja Appetit auf Eis?!"



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