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Leselupe.de > Humor und Satire
Der Erstschlag oder Schlag auf Schlag
Eingestellt am 19. 02. 2002 08:30


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MĂ¶ĂŸner, Bernhard
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Der Erstschlag, oder Schlag auf Schlag.

Am Ende ging es Schlag auf Schlag, obwohl sich alle tapfer geschlagen hatten: Die Außenminister, die internationale Staatengemeinschaft, die UNO. Sie machten den verfeindeten Regierungen der Staaten (A) und (B) fast pausenlos VermittlungsvorschlĂ€ge, die versprachen, die vorliegenden VorschlĂ€ge zu prĂŒfen, wiesen diese danach aber stets als ScheinvorschlĂ€ge zurĂŒck. GegenvorschlĂ€ge befreundeter Regierungschefs wurden in seltener EinmĂŒtigkeit abgelehnt.
Selbst beschlagenen Spitzendiplomaten mit einschlĂ€gigen Krisen-Erfahrungen verschlug es die Sprache: Ihr ausgewogenes VorschlagsbĂŒndel samt geheimen ZusĂ€tzen wurde unbesehen ausgeschlagen.
Um etwaige RĂŒckschlĂ€ge von vorne herein auszuschließen, schlug man auf einer hochkarĂ€tig besetzten Konferenz vor, ganz neue diplomatische Wege einzuschlagen: Die PrĂ€sidenten der Staaten (A) und (B) wurden als Friedens-Nobel-Preis-Kandidaten vorgeschlagen! Die Vorgeschlagenen wurden sofort ausgezeichnet und trafen sich danach heimlich zum verbalen Schlagabtausch. Sie begrĂŒĂŸten sich per Handschlag. Bei der abschließenden Pressekonferenz reichten sie sich die HĂ€nde und schlugen sich kameradschaftlich auf die Schultern. Mehrere SchlagbĂ€ume an ihren Grenzen wurden daraufhin abgebaut und in einigen SandwĂŒsten begannen halbverdorrte Friedenspalmen zu grĂŒnen und auszuschlagen!
Leider fielen die beiden PrĂ€sidenten feigen MordanschlĂ€gen ihrer eigenen Partei zum Opfer. Das war ein harter RĂŒckschlag. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Zeitungen und Nachrichtensender ĂŒberschlugen sich mit Mutmaßungen, aber genaue Nachforschungen wurden von beiden Regierungen niedergeschlagen. Ihre Regierungspresse schlug wieder schĂ€rfere Töne an. Bekannt gewordene Tatsachen wurden durch Schlagworte verdrĂ€ngt.
Die eilig nach (A) und (B) delegierten Diplomaten, ohnehin mit schussfesten Westen und gepanzerten Limousinen ausgestattet, forderten Gefahren- und RisokozuschlĂ€ge. Die abmontierten SchlagbĂ€ume an den Grenzen wurden neu installiert. Alle TĂŒren zu Verhandlungen waren zugeschlagen.
Die Heeresleitungen beider Staaten hielten ihre Truppen fĂŒr unschlagbar.
Schlag fĂŒnf Uhr morgens schlug die Armee von (A) zu! Nicht etwa, um einen Erstschlag auszufĂŒhren, sondern um einem lĂ€ngst geplanten Gegenschlag des Feindes zuvor zu kommen. Der Nachrichtendienst legte schlagende Beweise dafĂŒr vor, dass das Heer von (B) kurz davor stand, loszuschlagen! Hier widersprachen sich die Informationen.
Um die geringe Schlagkraft des Gegners möglichst schnell zu zerschlagen, verfolgte die Heeresleitung von (A) die Taktik, ihre Truppen mittels heftiger SchlĂ€ge zentriert in Richtung feindliche Hauptstadt vorstoßen zu lassen, um dort die angeschlagene Armee des Gegners vernichtend schlagen zu können.
Doch der Vormarsch von (A) erwies sich als Fehlschlag, denn der verheerend geschlagene Gegner schlug heftig zurĂŒck. Nach unzĂ€hligen gegnerischen Bomben- und RaketeneinschĂ€gen schlug fĂŒr die Soldaten der Staaten (A) und (B) die bittere Stunde der Wahrheit: Sie waren grĂŒndlich geschlagen!
Das war ein harter Schlag. Alles irgendwie Zerschlagbare war zerschlagen, die Moral des Volkes niedergeschlagen, die Entwicklung der LĂ€nder auf Jahrzehnte zurĂŒckgeschlagen. Schlaglöcher ĂŒberziehen seither die Straßen. Es ist zum Dreinschlagen. Allein die Heeresleitungen fĂŒhlen sich ungeschlagen. HĂ€nde werden wieder feierlich an die Brust geschlagen, FĂ€uste drohend zum Himmel gestreckt, Finger siegesgewiss zum V geformt. Viktoria! Wer könnte uns schlagen?
Wie die Geschichte weitergeht? Ich schlage vor, Sie werfen einen Blick auf Ihre Tageszeitung. Irgendwo auf der Welt geht es immer Schlag auf Schlag.
__________________
-Bernhard MĂ¶ĂŸner-

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