Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
97 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Fahrer
Eingestellt am 15. 09. 2003 20:36


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
bookwriter
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2003

Werke: 5
Kommentare: 21
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Der Fahrer


Der Mensch lebt solang
wie die Vernunft in ihm.
von mir... :-)



Ein tiefschwarzer Mercedes fuhr vor. Eine der verdunkelten Scheiben wurde
nach unten gekurbelt. "Tach Chefchen!", wurde Berlin förmlich ins Gesicht
geworfen.
Seine ausdrucklose Mine veränderte sich auch jetzt nicht. Er bewegte langsam
und bedeutend seine rechte Hand nach vorn, lockerte die Faust und gab dem
Fahrer des Luxuswagens mit einer Fingerbewegung zu verstehen, heraus zu
kommen. Dessen Blick bewegte sich von Berlins Hand aufwärts, an dem
dunklen, makellosen Armani-Anzug entlang zu dessen Augen. Dieser stand
noch immer unverändert neben dem Wagen auf dem von der Mittagssonne
aufgeheizten Straßenrand, der zu jener Zeit seltsam leer war. Das nachtfarbene
Augenglas des Chauffeurs wurde zögernd von der Nase gehoben und bewegte
sich ebenso gemächlich in die Brusttasche der gleichfarbigen Kluft. Eine
Schweißperle rann dem Brillenträger herab. Dieser schluckte einen Angst
erf√ľllten Klos herunter, √∂ffnete die schwere Fahrert√ľr, stieg aus und kam mit
bedächtigen Schritten zu Berlin, der immer noch mit dem gleichsam leeren
Ausdruck zu der Stelle blickte, wo sich vor wenigen Sekunden der Fahrer
befand.
"Hören Sie mir genau zu, Jack! Ich werde Ihnen das nur einmal sagen; und ich
w√ľnsche mir, dass Sie dies f√ľr Ihre folgenden Vulgarit√§ten beachten. Tun Sie
dies nicht, werden Sie f√ľr den Rest Ihres erb√§rmlichen Lebens in die Gosse
zur√ľckkehren, wo ich Sie hergeholt habe." Der Brustkorb des erfolgreichsten
Immobilienunternehmers in den Staaten bewegte sich auf und ab, als der
mehrfache Million√§r tief Luft holte. Sein Gegen√ľber stand nahezu regungslos da;
nur Daumen und Zeigefinger schnippten leise - während der Arm lässig an der
Seite hing - und dr√ľckten die Wut aus, die in ihm hochstieg.
'Seit einem halben Jahr schikaniert er mich. Wie diese Natter mich anschaut. Umbringen
könnte ich ihn...', dachte er.
"Ich bin nicht Ihr 'Chefchen', verstehen Sie mich?" Berlin wandte seinen Kopf
ohne, dass sich ein Muskel in seinem Gesicht bewegte, etwas nach rechts zu dem
Fahrer. "Es w√ľrde mich entz√ľcken, wenn Sie mich zuk√ľnftig als 'Mr. B'
ansprechen; und dann w√ľrde ich es vorziehen, von Ihnen ein sauberes
Amerikanisch zu h√∂ren. Ihr Unterweltler-Slang ist nicht erw√ľnscht." Seine
Stimme hatte keinerlei Unterton während er sprach. Jack wusste nie, wie die
Stimmung seines Gastes war. Nur selten hatte der sonst so freundliche Fahrer
seinen Boss durch die verkehrsreiche Stadt gefahren. Mit Fahrt zu Fahrt
veränderte Jack sich. Immer mehr wurde er von dem Unternehmer zum
Negativen beeinflusst. Seine Freundin war schon lange in D.C.
"Nat√ľrlich, Sir. Ich werde mich bem√ľhen", antwortete er. Berlin erwiderte nichts,
w√§hrend Jack die T√ľr des Gastabteils √∂ffnete. Diese wurde lautlos geschlossen,
nachdem der Großunternehmer auf der hinteren, ledernen Sitzbank Platz
genommen hatte.
Der Chauffeur schritt um die Motorhaube des Wagens herum und ber√ľhrte
dabei leicht, den sauberen, kratzfreien Lack mit den Fingerspitzen und stieg
schließlich auch ein. Er startete den sanft schnurrenden Motor; und wurde von
dem Geräusch in leichte Erregung versetzt, die ihn erzittern ließ.
"Nun machen Sie schon!", hörte Jack von hinten. Es war nicht mehr dieser
erschreckend gleichg√ľltige Ton. Nun h√∂rte er absto√üende Verachtung heraus.
Der Fahrer erwiderte nichts, schaute durch den R√ľckspiegel zu seinem Gast und
schreckte etwas zusammen, als er bemerkte, dass dieser ihn mit leicht zusammen
gekniffenen Augen beobachtete.
'Schau nur! Solange du kannst. Irgendwann wird hoffentlich irgendein Bekloppter dich
vor dem Hauptgeb√§ude abfangen und mit ein paar Sch√ľssen niederstrecken. Dann ist
dein beschissenes Millionärs-Leben endlich zu Ende. Wenn ich doch nur irgendwie...'
In dem Moment bog ein Tanklaster in die Main Street, auf der sich der schwarze
Mercedes befand, ein. Das silberne Blech der mit Diesel gef√ľllten Tankr√∂hre
glänzte blendend in der Sonne. Eine Idee huschte durch Jacks Gedanken, eine
fiktive Träumerei, klar und doch nur kurz. Der Wagen beschleunigte etwas. Er
wusste nicht, ob es sein Fuß war, der sich eigenmächtig der Macht seines
Besitzers entzog oder ob es der Verstand war, der sich scheinbar gleichsam mit
der Idee verfl√ľchtigte. Merkw√ľrdig verlassen war die Stra√üe. Keine Fahrzeuge.
Keine Passanten.
'Vielleicht...'
Konnte er es tun? Der Wagen fuhr weiter gerade auf den Lastkraftwagen zu, der
anscheinend eine Panne hatte; denn mitten auf der Kreuzung blieb er stehen.
Dass das Fahrzeug vor ihnen Schwierigkeiten hatte in die Einfahrt einer
Tankstelle zu kommen, konnte Jack nicht sehen. Zu sehr war er mit sich und der
Fiktion beschäftigt.
"Was tun Sie?", rief der Unternehmer, doch Jack konnte ihn nicht hören; und so
nahm er auch nicht die Verunsicherung in Berlins Stimme wahr.
Der n√§chste Gang und das Aufheulen des Motors verk√ľndete die Nachricht:
'Nun ist Schluss!'
Der Abstand verringerte sich von Sekunde zu Sekunde. Ein Lachen aus Jacks
Mund durchfuhr die Totenstille. Er konnte seine Stimme nicht wieder erkennen.
War er das? War er der Wahnsinnige, der direkt auf den Tankwagen zusteuerte?
Doch was war das?
Die Explosion ersch√ľtterte die alten Backsteinbauten in der Umgebung; und die
Gem√ľter der Menschen, die die Nachricht von einer Radiosprecherin bekamen:
"...meinte, dass drei Menschen ums Leben kamen: Der Fahrer eines Tanklasters,
und zwei Weitere. Anscheinend hatte der Fahrer des dunklen Mercedes die
Kontrolle √ľber den Wagen verloren und raste direkt und ungebremst in den
Tank, der sofort explodierte. Zum Gl√ľck, meinte der Experte, waren die Beh√§lter
der Tankstelle nicht auch explodiert. Und nun das Wetter..."

Ein Monat später:
"Tach Chefchen!", hörte Berlin aus dem Wagen. Der Tag war wieder heiß, doch
die Menschen trieb es nun auf die Straßen.
Was veranlasste ihn, nicht die Beherrschung zu verlieren? Er wusste es fast selber nicht. Er hatte sich auch nicht weiter den Kopf dar√ľber zerbrochen. Eines war ihm klar: Das Erlebnis hatte Spuren hinterlassen. Nicht nur im Lack des Wagens, sondern auch in Berlin.
Der Anblick eines Wagens, der in einen Dieseltank raste, war nun wirklich nicht
seine Vorstellung von einem erholsamen Feierabend.
Der Unternehmer stand wie einst auf dem Fußgängerweg neben dem schwarzen
Mercedes und beobachtete die eifrig schlendernden Leute.
Der Millionär beugte sich nach vorn, um den Fahrer richtig sehen zu können und
sagte: "Hallo, Jack!" Der Mann l√§chelte seinen Fahrer an. Dieser l√§chelte zur√ľck.
"Was gibt’s Neues?" Er stieg ein.
Der Chauffeur legte die 'Times' beiseite, aus der er noch vor wenigen Momenten
las.
"Die haben mittlerweile die Opfer des "Diesel-Ungl√ľcks" identifiziert. Es soll ein
Ehepaar gewesen sein, dass einer Sekte angehörte. Die Beiden haben doch
tatsächlich geglaubt, dass sie durch diese Selbstmordaktion mit Knalleffekt
in eine h√∂here Bewusstseinsebene gelangen w√ľrden. Das sagt jedenfalls der
Sektenf√ľhrer, der √ľbrigens mehrere Male in deren Testament erw√§hnt
wird. -Was es nicht alles gibt? ... Und wohin soll's gehen, Boss?"
Berlin √∂ffnete die T√ľr und stieg neben dem Fahrer ein.
"Ach... Kennen Sie ein gutes Restaurant? Ich hab so richtig Hunger. Und nenn
mich Pete!"
Jack nickte und fuhr los.

__________________
"Der ist kein Schriftsteller, der den Blick des Menschen nicht ein wenig klarer gemacht hat!" (Paustowskij, russ. Schriftsteller)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo bookwriter,

um nicht zu hart zu sein:
der größte logikfehler besteht darin, daß du den dieseltransporter explodieren läßt. da muss schon ein großer meteorit drauffallen, damit das passiert.
zum rest kann ich wenig unhartes sagen, deshalb empfehle ich dir die schreibwerkstatt.
es ist noch kein bookwriter vom himmel gefallen...

gruß

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

Bearbeiten/Löschen    


" Le Lecteur"
Guest
Registriert: Not Yet

Hi Bookwriter,

ich habe dein Werk gelesen, allerdings zweimal.
Vorab möchte ich dir sagen, dass ich ebenfalls zu den Anfängern gehöre, und ich mich deshalb nicht als großer Kritiker zeigen will.
Meine Meinung als Leser w√ľrde ich dir aber gerne mitteilen.
Den Grundgedanken deines Textes habe ich erkannt, nur am Verständnis mangelt es.
Was mich beim Lesen beschäftigt hat, ist der letzte Teil, ab:
>> Die Explosion ersch√ľtterte ... <<
Du könntest den Schluß klarer schreiben.
Damit verbunden ist meine Frage: Warum dieser Sinneswandel im Verhältnis zwischen den Hauptfiguren?
Vielleicht kannst du mich da aufklären.
Was mir noch aufgefallen ist:
- Du verwendest Passiv-Formen, die du nach meinem Empfinden
weglassen könntest ( z.B.: ... wurde zögernd von der Nase gehoben und bewegte sich ...(Unbedingt weglassen!);
... geöffnet wurde ...(Zeile 47))

- Inhaltlich am√ľsiert mich, dass der Unternehmer, den Fahrer auffordert, diesen "Unterwelt-Slang" zu unterlassen , aber darum bittet mit "Mister B." angesprochen zu werden.

- " Er umging ..."
In diesem Fall solltest du etwas w√§hlen, dass die momentane Gef√ľhlslage des Fahrers trifft.
Vielleicht:" Er schlenderte(gleichg√ľltig, trotzig, etc.)um den Wagen und ..."

Aber wie gesagt, sind das einige Dinge, die mir als Leser aufgefallen sind.Wenn du deine Texte mit Abstand betrachtest, fallen dir sicher selbst einige Dinge auf.

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!