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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Fahrstuhl
Eingestellt am 19. 01. 2010 11:16


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lapismont
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Der Fahrstuhl

Das Haus mit seinen Venen zittert, wenn der Fahrstuhl an den dĂŒrren Seilen hoch und runter fĂ€hrt. Erregung schlĂ€ngelt sich den Schacht hinab, lĂ€sst graue Flocken schweben, bis sie an öligen Maschinenteilen kleben bleiben und zu Pilzgebirgen wachsen.
Ein anderer Berg Vergessen sammelt in der Tiefe Staub und Reste, die dem engen Spalt zwischen Wand und TĂŒr entkamen, kein Fingerbreit, ein Schlitz fĂŒr böse Zettel oder Testamente. Aus der Kabine fortgeschoben, mit Absicht oder aus Versehen, ein Hauch des Zufalls.
Und der Berg bewegt sich bei dem Auf und Ab, die Lunge der Geschichte, stummer Zeuge der nichts aussagen will. Selbst wenn hier gesĂ€ubert wird. Doch wird das nie, solange brav die TĂŒren schließen und sich wieder öffnen.
Stahl, verspiegelt, reflektiert meist Leere, tags auch Menschen, lÀchelnd, eine Figur in Spiegel pressend. Oder kleine Klumpen Kaugummi.
Die gute Figur grĂŒĂŸt mit frechem Klimpern, das Wrack kratzt Narben in das Glas. So bleiben sie im Innenraum gefangen, ein Bildabdruck der Einsamkeit und voller stummer Qualen, deren Richtung abwĂ€rts weist, selbst wenn der Motor laut den Raum nach oben zerrt und sein eigenes Liedchen summt.
Manchmal klaffen die TĂŒren auseinander und den Gang hinab klaffen die TĂŒren ganz genauso weit, dann sehen sich die FahrstuhlbrĂŒder tief in ihre Seelen, tauschen die Gespenster aus. Ganz kurz nur binden sich Spiegelwunden aneinander, bis ein Pling die Zeit vernĂ€ht und beide Zellen amputiert.
So wechseln sich GĂ€nge mit der Guillotine ab, Wachsen, Sterben, Schmerzphantome die dem Haus als Wahnsinn reichen, wenn die Luft aus Kellerfenstern Böses in die Venen speist. Dann frisst der Fahrstuhl seine Fleischpartikel, portioniert die langen Knochen, lĂ€sst den Rest der FlĂŒssigkeiten in die Tiefe tröpfeln, wo der Staub sich satt an ihnen trinkt und glĂ€nzt.
Kein Laut entkommt der Stille, keine Schreie, auch kein Knacken, und am Morgen blutet an der Notrufleiste eine Lampe, doch sie half dir nicht.

__________________
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Spaetschreiber
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So mien Jung.

Erst mal "Hut ab", schöne Idee. Aaaaaaber, mein kleener Pointenmörder. Warum der Titel? Musstest Du denn gleich alles verraten? tz tz tz

Ich hab mir mal eine Version gebastelt, die das Ganze Szenarium noch weiter verdichtet. Guck mal rein, vielleicht kannst Du etwas brauchen, vielleicht sogar stupst es Dich - Hoffentlich nicht runter. Du weißt wohin! Vielleicht sogar ist Meines Unfug.



Liebe GrĂŒĂŸe
T.



Marionette?

Die gute Figur grĂŒĂŸt mit frechem Klimpern, das Wrack kratzt Narben in das Glas. So bleiben sie im Innenraum gefangen, ein Bildabdruck der Einsamkeit und voller stummer Qualen. Die Richtung? AbwĂ€rts!
Das Haus mit seinen Venen zittert, wenn er an dĂŒrren Seilen hoch und runter fĂ€hrt. Erregung schlĂ€ngelt sich den Schacht hinab, lĂ€sst graue Flocken schweben, bis sie an öligen Maschinenteilen kleben bleiben und zu Pilzgebirgen wachsen.
Ein Schlitz fĂŒr böse Zettel oder Testamente.
Vergessen sammelt in der Tiefe Staub und Reste, tĂŒrmt sie auf. Manchmal stöhnen TĂŒren, tauschen Gespenster aus, bis ein Pling die Zeit vernĂ€ht. Stahl, verspiegelt, reflektiert meist Leere, tags auch Menschen.LĂ€chelnd? Kein Laut entkommt der Stille, keine Schreie, auch kein Knacken, und am Morgen blutet an der Notrufleiste eine Lampe, doch sie half nicht.

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Nur ein mittelmĂ€ĂŸiger Literat ist immer in Höchstform. (W.S. Maugham)

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lapismont
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jaja, Du hast es erkannt Tom, das ganze kam tatsÀchlich zunÀchst als symbolistisches Gedicht daher, gar nicht so unÀhnlich Deiner Marionette.

Aaaaber, dann wurde mir klar, dass ich gar kein RĂ€tsel oder eine Pointe haben wollte. Es geht um den Fahrstuhl und der Leser soll das von Anfang an wissen.
Ich hoffe, dass hier beim Lesen Bilder auftauchen. Fahrstuhlbilder. NetzhautabdrĂŒcke lebendig werden. Kleine splitternde RĂŒckstĂ€nde.


Und wegen FlÀmmchen ist auch kein Frosch dabei gestorben.

cu und danke
lap

PS: Welcher Frosch ist nach dem Öffnen wiederverwendbar?
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Vera-Lena
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Lieber Lapsi,

ich bewundere Deine Vorstellungskraft, mit welchen Bildern Du Deine Gedankeninhalte zu ĂŒbermitteln verstehst. Auch die Tatsache, dass ein alltĂ€gliches GerĂ€t, wie ein Fahrstuhl es darstellt, so viel hergibt, um ĂŒber das Miteinander von Menschen,selbst ĂŒber Leben und Sterben deutlich zu machen.

Alle Achtung!

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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