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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Der Fall Dominique Strauss-Kahn (2)
Eingestellt am 29. 08. 2011 12:01


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Herbert Schmelz
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Vorhang zu und alle Fragen offen

Im Mai wurde IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in Ketten vorgef├╝hrt. Drei Monate sp├Ąter, am 23. August 2011, stellt die New Yorker Staatsanwaltschaft das Strafverfahren wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Bel├Ąstigung und Freiheitsberaubung ein. Beweise f├╝r die Schuld des Politikers sind vage. Das mutma├čliche Opfer, Nafissatou Diallo, gilt nicht mehr als glaubw├╝rdig.

>Einvernehmlichen Sex< mit der aus Afrika stammenden Frau hat Strauss-Kahn einger├Ąumt. Ist sein Sozialcharakter anf├Ąllig f├╝r amour├Âse Aff├Ąren? Sicher hat er seine Chancen bei den Wahlen zum Staatspr├Ąsidenten verspielt. Denn die intakte Familie soll auch in Frankreich nach au├čen als stabilisierende Quelle des gesellschaftlichen Zusammenlebens gelten.

Als Diallos Kontakte inÔÇÖs kriminelle Milieu bekannt werden, verliert das Strafverfahren gegen den Politiker sofort an Gewicht. Und die zivilrechtlichen Anspr├╝che der im US- Asyl lebenden Frau werden offen als taktischer R├╝ckzug gewertet. Ein alter, kulturimperialistischer Reflex wirkt unauff├Ąllig im Hintergrund, wenn ├╝ber ihrem Fall der Vorhang des Schweigens und Vergessens herunter gelassen wird.

Der federf├╝hrende Staatsanwalt, Cyrus Vance jr., macht durch voreilige Anklagen auf seine fragw├╝rdigen politischen Ambitionen aufmerksam. Sein Ehrgeiz treibt ihn zu ├╝berzogenem Aktionismus. Er verliert Verfahren gegen vergewaltigende Polizisten und Terrorverd├Ąchtige. Wie passt das zum Nervensystem des Staates, dessen Repr├Ąsentanten daran festhalten, sich Gef├Ąngnisse und Lager auf fremden Territorien im rechtsfreien Raum zu leisten? Eine offene Frage, die eine gr├╝ndliche Antwort verdient.

L├Ąsst die Provinzposse in New York Einblicke zu, durch die hinter der Oberfl├Ąche des gescheiterten Strafverfahrens handfeste Interessen auszumachen sind? F├╝r einen politischen Beobachter ist die Wahrnehmung ├╝berraschend, dass der IWF, der aus der internationalen Schuldenkrise mit Schocktherapien herauszukommen hofft, pl├Âtzlich und unfreiwillig im menschlichen Treiben von Individuen auftaucht. Er ├Ąhnelt dem Zaungast, der verst├Ąndnislos mit anschauen muss, wie zwanghaft selbstsch├Ądigend individuelle Akteure sich verhalten.

Strauss-Kahn wusste, dass sein billiges Vergn├╝gen nicht immer durch den Schein der anonymen Luxuswelt gesch├╝tzt sein kann. Warum ging er dennoch das Risiko ein, eventuell einen unangemessen hohen Preis f├╝r seine Eskapaden bezahlen zu m├╝ssen.?

Diallo hatte erfahren, dass ihre problematische Flucht aus dem Elend Afrikas sie in eine prek├Ąre Asylsituation brachte. Die st├Ąndige Versuchung zu falschen Angaben, ungesetzlichen Konfliktl├Âsungen ist ein Risiko. Warum ging sie gegen die gelegentliche, aber relativ sichere Aufbesserung ihres Einkommens ein so gro├čes Risiko ein? Was zwingt Jemanden dazu, gleich den Staatsapparat f├╝r unsichere M├╝nze einzuspannen?

Vance sucht offenbar mit einer gewissen Verbohrtheit die Zockerei. Im irrationalen Risiko entgleiten die Argumente seiner Kontrolle. Hat da nicht Sex stattgefunden? Ist somit Vergewaltigung unwahrscheinlich? Der Zufall, die reine, unabgesicherte Hypothese regiert. Aber die konkreten Fakten, Interessenswiderspr├╝che des Falles lauern hinter den geschlossenen Aktendeckeln.

__________________
Ernst H.Stiebeling,EHS

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