Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92210
Momentan online:
409 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Der Fall Kachelmann(3)
Eingestellt am 02. 06. 2011 15:53


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Herbert Schmelz
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2009

Werke: 80
Kommentare: 102
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Herbert Schmelz eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Der Fall Kachelmann (3)

Das Urteil: Die Verdächtigen sind leider freizusprechen

Die Worte des Mannheimer Landgerichts vom 31.Mai 2011 atmen Rank√ľne. Ankl√§ger und Gericht waren befangen. Sie hatten sich zun√§chst auf den Vergewaltiger festgelegt, der per se schuldig ist, mussten aber, unsicher wie sie waren, mit dessen Stigmatisierung als r√ľcksichtslos sexs√ľchtigem Rowdy kalkulieren. Sie r√§umten deshalb J√∂rg Andreas Kachelmann keine Chance ein, aus Untersuchungshaft freizukommen, bevor endlich ein h√∂herrangiges Gericht die Mannheimer Linie korrigierte. Die so genannte Unschuldsvermutung war leider nicht nur in der √Ėffentlichkeit verdunkelt, sondern befand sich auch aus Sicht der Staatsjuristen im Zwielicht.

Der Angeklagte hatte in Folge des gemeinsamen Fahrplans von Staatsanwalt und Gericht keine Chance, sein promiskuitives Sexualleben aus dem schwerwiegenden Vorwurf der Vergewaltigung herauszuhalten, den das Pseudonym Sabine W., wahlweise Claudia D., erhoben hatte. Promiskuität ist ja nicht strafbar und wird als Abweichung vom nicht einhaltbaren Ideal der Monogamie moralisch toleriert - soweit gewisse finanzielle und vermögensrechtliche Sicherheiten gewährleistet sind. Auf dem gleichen Blatt stehen Doppelmoral und jede Art von Geschäftemacherei.

In unserem Fall war der >egomanische Gewaltt√§ter< nicht nur das Gesch√∂pf phantasievoller Moralapostel, sondern in dem Ma√üe auch der fachlichen Repr√§sentanten des Rechtsstaats, in dem diese die inszenierte Doppelz√ľngigkeit unfairer Gesch√§ftemacher im Gerichtssaal nicht stoppten. Es ist hier zu fragen, was sich ernsthafte Juristen √ľberhaupt versprechen von den bezahlten Geschichten >betrogener Geliebter<, die dann auch noch vor Gericht aussagen, nachdem sie abkassiert haben.

Vielleicht setzten sie auf die voyeuristische Methode, den aus guten Gr√ľnden mal wieder gesperrten Gerichtssaal auch f√ľr sich zu nutzen. War dort nicht die relativ risikolose Inszenierung eines angeblich ausufernden Sexualverkehrs zu erwarten, die den Angeklagten K. stets am Rande der Vergewaltigung seiner Partnerinnen zeigt? So jedenfalls hatte eine Richterin mehrmals in der Art ihrer Fragestellung einer Zeugin das Schl√ľsselwort >gewaltt√§tig< entlocken wollen, obwohl diese Kachelmann offensichtlich nicht belasten konnte, vielleicht auch nicht wollte . Die Nebenkl√§gerin und Ex- Freundin hatte schon im Ermittlungsverfahren -nach Feststellungen der Anklagebeh√∂rde selbst- ihre Vergewaltigung mit unwahren Angaben untermauert und nicht beweisbare Anschuldigungen erhoben. Hier sollte auf Biegen und Brechen etwas ausprobiert werden.

Die Inflation nutzloser Gutachten hat gr√∂√ütenteils das Gericht zu verantworten. Diese Elaborate haben, neben dem Schmierenst√ľck >betrogener Geliebter<, ma√ügeblich zu den 42 Tagen der Beweisaufnahme beigetragen. So musste der Eindruck entstehen, das Gericht sei nicht mehr Herrin des Verfahrens. Wenn ich so von >nutzlosen Gutachten< rede, meine ich ihre offenbar gediegene Qualit√§t, denn sie boten wohl nach Ansicht des Gerichts keine echten Ansatzpunkte f√ľr eine Verurteilung.Interessant an dieser R√ľckzugsvariante der staatlichen Moralphilister ist der Vergleich mit dem ungerechten Urteil gegen die Pop-Musikerin Nadja Benaissa. Auch hier gab es nat√ľrlich keinen Beweis durch ein >wissenschaftliches Gutachten<. Lediglich die Angeklagte hatte sich selbst beschuldigt, als HIV positive Person einen Sexpartner infiziert zu haben - zweij√§hrige Bew√§hrungsstrafe.

Trotzdem sollte nicht √ľbersehen werden, dass die verschlungenen Pfade freierer Sexualnormen wahrlich mit Opfern gepflastert sind, was auch das feministische Schutzanliegen Alice Schwarzers insoweit legitim erscheinen l√§sst. Aber nicht die ausufernden Spekulationen des Gerichts. Denn von Wahrheiten darf die Gesellschaft sprechen, ja sie muss sie diskutieren. Das Gericht jedoch hat sich an Fakten und Beweise zu halten, die die Hypothese einer Norm verletzenden Tat plausibel machen.

Das Verfahren h√§tte in einem Zehntel der Zeit dieselbe Beweislast zusammentragen k√∂nnen, die den Freispruch Kachelmanns bewirken musste. Allerdings leistet sich dieses Gericht auf Irrwegen einen unertr√§glichen Zynismus. Es spricht den Angeklagten wegen mangelnder Beweise von Schuld frei, und konstruiert aus der eigenen begrenzten Erkenntnisf√§higkeit zugleich zwei Verd√§chtige: >eine potenzielle L√ľgnerin< und einen >potenziellen Vergewaltiger<. Wie gerne h√§tte es von Anfang an Kachelmann, dann aber auch die Nebenkl√§gerin schuldig gesprochen. F√ľr was eigentlich?

Der Strafprozess war fahrl√§ssig, unvern√ľnftig und verantwortungslos. Da alle Beteiligten wussten, dass die beiden Sexpartner wahre Angaben zu den gesamten Begleitumst√§nden ihrer zehnj√§hrigen, sporadischen Beziehung sich nicht leisten konnten, waren nach den ersten Ermittlungspleiten die U-Haft und die Er√∂ffnung des Hauptverfahrens ein hohes Risiko. Dies hat das Misstrauen in staatliche Willk√ľr befeuert, und wird es aus weiteren Gr√ľnden zus√§tzlich anheizen. Das mag man, je nach Standpunkt, bedauern oder nicht. Jedenfalls wird wohl noch genauer hinzusehen sein, denn gesunde Skepsis und leichtsinnige Kritik am rechtsstaatlichen Gebilde wohnen nicht selten dicht beieinander.

Kachelmann brauchte im Prozess blo√ü zu schweigen, um au√üerhalb sein bisheriges Sexualleben selbstkritisch zu revidieren und auf eine monogame Linie einzuschwenken. Sogar mit dem Hetzblatt BILD hat er sich eingelassen, um nicht im Abseits zu stehen und seiner publizistischen Prozessgegnerin Alice Schwarzer Paroli bieten zu k√∂nnen. Er heiratete und versucht nun als erfolgreicher Medienunternehmer wieder Fu√ü zu fassen, kann auf erhebliche Blessuren hinweisen. Ob er wei√ü, dass es eine bessere M√∂glichkeit der L√∂sung dieses moralischen Konflikts gegeben hat, verglichen mit dem unw√ľrdigen Prozessspektakel, bleibt sein Geheimnis.

Unser Mitempfinden muss sich aber auf die Person der Nebenkl√§gerin und Haptbelastungszeugin richten, die nun 16 Monate in der Zwangsjacke des Opfers und Pseudonyms ausgeharrt und unw√ľrdige Spielchen mitgemacht hat. Sie gab an, von ihrem >Freund< vergewaltigt worden zu sein, und das von ihr herbeigef√ľhrte Ende der Beziehung als ein >Sterben< erlebt zu haben. Sie wurde in ihrer Vergewaltigungsanzeige und Klage, die sofort den Beteiligten als Falschaussage verd√§chtig erschien, von staatlicher Seite ermuntert, best√§rkt und am Ende der L√ľge verd√§chtigt. Kachelmann konnte uns von den olympischen Winterspielen in Kanada die Wetterlage nur servieren, weil in Mannheim an einer konstruierten Anzeige und Anklage gebastelt wurde.

Ist diese Claudia D. wirklich suizidgef√§hrdet, so scheinen mir der Mannheimer Ankl√§ger und die Strafkammer des Landgerichts versch√§rfend beteiligt zu sein. Der Prozess mit seinen offenen und verborgenen Inszenierungen kann nur noch als Lehrbeispiel f√ľr manipulierte √Ėffentlichkeit gelten. Kam es dem >Opfer< aber auf eine Entsch√§digung der mit Kachelmann verlebten Zeit an, so war der Strafprozess garantiert das falsche Mittel.


__________________
Ernst H.Stiebeling,EHS

Version vom 02. 06. 2011 15:53
Version vom 03. 06. 2011 12:02
Version vom 11. 06. 2011 09:34
Version vom 13. 06. 2011 12:32
Version vom 13. 06. 2011 18:49
Version vom 15. 06. 2011 23:07
Version vom 16. 06. 2011 08:10
Version vom 16. 06. 2011 22:51
Version vom 30. 06. 2011 18:40
Version vom 09. 07. 2011 16:12
Version vom 09. 07. 2011 16:28

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


1 ausgeblendete Kommentare sind nur f√ľr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur√ľck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!