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Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Fall Legrand
Eingestellt am 05. 01. 2007 19:59


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knudknudsen
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In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erregte in ganz Paris der mysteri√∂se Fall des Monsieur Eric Legrand viel Aufmerksamkeit. Zeitungen, wie der Pariser ‚ÄěLeFigaro‚Äú widmeten diesem Ereignis einen kleinen Artikel auf ihrer Titelseite. Erst viele Jahre sp√§ter wurde der Fall aufgekl√§rt und gelangte erneut in die Presse.

Warum Monsieur Legrand dem Wahnsinn verfiel, nachts mit irrem Blick, nackt und schreiend durch Paris torkelte, wurde nicht restlos gekl√§rt. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Meldung in der Presse zum ersten Mal eine breitere √Ėffentlichkeit erreichte. Fakt war, dass dieser Mann umgehend in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde. Daraufhin versuchten nicht wenige Psychologen und andere Seelenheiler sich mit jenem Fall zu profilieren. Doch scheiterten sie kl√§glich. Die wahren Hintergr√ľnde Legrandes Wahnsinn zu erfassen, blieb ihnen versagt. Vergeblich versuchte die Polizei bereits im Vorfeld, die Identit√§t jenes geheimnisvollen Mannes zu kl√§ren. Entweder verweigerte er die Aussage, oder er entfernte sich soweit von der realen Welt, falls er sich nicht schon l√§ngst in einer anderen Sph√§re befand, in dem er v√∂llig geistesabwesend vor sich hin stierend in ein irres kichern verfiel. Eben jene hysterischen Laute konnten dann √ľber mehrere Stunden andauern, und unter Umst√§nden den ihn verh√∂renden Polizisten oder Psychiater den Verstand rauben, wenn sie nicht umgehend den Raum verlie√üen.

Erst einige Tage sp√§ter konnte die Identit√§t, durch die Ver√∂ffentlichung seines Fotos, mit Hilfe seiner Nachbarn, die sich daraufhin bei der Polizei meldeten, gekl√§rt werden. Die Durchsuchung seiner Wohnung brachte keine n√§heren Erkenntnisse √ľber seinen Wahnsinn. Die Wohnung wurde trotz allem zun√§chst f√ľr einen unbestimmten Zeitraum versiegelt. All jene Geschehnisse ereigneten sich innerhalb einer Woche. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen blieb dieser ungew√∂hnliche Fall zun√§chst ohne weitere Ergebnisse. So kam es das das Polizeiarchiv, nach einigen Monaten, eine zus√§tzliche Akte im Bereich der ungel√∂sten F√§lle aufnehmen musste. Zwar entschwand jenes Vorkommnis kurz darauf aus dem Bewusstsein der √Ėffentlichkeit, von Zeit zu Zeit jedoch wurden durch die Presse immer wieder Fragen gestellt, ob sich denn nicht etwas neues ergeben habe. Was allerdings negativ beantwortet wurde. So schien es bereits als ob dieser Fall im Sande verlaufen w√ľrde.

Einige Jahre nach der Einweisung Legrandes wurde sein Fall, v√∂llig √ľberraschend, aufgekl√§rt. Das Haus, indem er gewohnt hatte, war nach den Ereignissen innerhalb k√ľrzester Zeit ziemlich heruntergekommen. Der Putz br√∂ckelte von den W√§nden, das Glas der Fenster war entweder verdreckt oder von irgendwelchen Halbstarken eingeworfen worden. Niemand wohnte mehr dort. Kurz nach dem Aufgreifen Legrandes √ľberkam die Bewohner ein ungutes Gef√ľhl in diesem Haus. Doch konnten sie sich diese Empfindungen nicht erkl√§ren. Einer nach dem anderen verlies das Haus, es verwaiste. In den Jahren des Zerfalls schlugen dort Wohnungslose und Jugendliche ihr Quartier auf. Doch niemanden hielt es l√§nger als zwei, drei N√§chte.

Am 5. Oktober 1978 nahm sich der zweiundvierzigj√§hrige desillusionierte und dem Alkohol zugeneigte Inspektor Jean-Pierre Duvall des Falls Legrand an. Duvall wurde des √∂fteren mit dieser Art Fall besch√§ftigt. Er zeichnete sich nicht gerade durch besonderen Ehrgeiz aus, und als ihn dann noch seine Frau verlie√ü und er zu trinken begann fiel er endg√ľltig in Ungnade bei seinen Vorgesetzten. Duvall arbeitete sich durch intensives Aktenstudium in den Fall ‚ÄěLegrand‚Äú ein. Daraufhin beschlo√ü er Legrand pers√∂nlich aufzusuchen.

In einem Besuchszimmer der Psychiatrie sa√üen sich beide gegen√ľber. Legrand war ziemlich gealtert, hatte eine faltige und leicht gr√ľnliche Gesichtsfarbe. Er wirkte v√∂llig abwesend und machte auf den Inspektor den Eindruck eines unter Drogen stehenden Abh√§ngigen. Der Inspektor versuchte ihm einige Fragen zu stellen. Aber es kam keine Antwort, nichts. Keine Regung war im Gesicht des Wahnsinnigen zu verzeichnen. Dann fing er pl√∂tzlich an zu kichern. Leise ging dieses irre kichern in ein lautes h√∂hnisches Lachen √ľber. Es war hoffnungslos.

Duvall sah ein, dass er so nicht weiterkam. Also entschied er sich mit jenen zu reden, die dazu noch in der Lage waren, wie die ehemaligen Nachbarn Legrands. Zwar konnten sie ihm auch nicht viel berichten, aber durch diese Befragungen fokussierte sich sein Blick auf das ehemalige Mietshaus welches Legrand damals bewohnte. Einige Tage nach der Einweisung Legrands berichteten manche seiner einstigen Nachbarn √ľber merkw√ľrdige Vorg√§nge im Haus. So schien es, als ob des n√§chtens in der Wohnung des Ungl√ľcklichen jemand auf und ab ging. Andere meinten, dass wehklagende Seufzen eines Kindes zu h√∂ren. Wiederum andere vernahmen ein kratzen an den W√§nden. Nicht wenige erkl√§rten, sie h√§tten das Tropfen eines undichten Wasserhahnes geh√∂rt. Offenbar mussten die W√§nde dort sehr d√ľnn sein. In einem Punkt jedoch waren sie sich alle einig. Ging jemand an der Wohnungst√ľr Legrands vorbei befiehl diesen unweigerlich ein unangenehmes Schwindelgef√ľhl und ein fr√∂steln.

Inspektor Duvall entschlo√ü sich daraufhin einige N√§chte in dieser Wohnung zu verbringen. Die zerfallene Fassade des Geb√§udes best√§tigte seine Vorstellungen, die sich in seiner Fantasie entwickelt hatten. Er stapfte durch das staubige Treppenhaus in die zweite Etage bis zu Legrands Wohnung. Das Polizeisiegel war immer noch unversehrt. Noch bevor Duvall die T√ľr √∂ffnete, √ľberkam ihn ein leichter Schwindel. Er versuchte ihn abzusch√ľtteln und trat ein.

Ein Zimmer, K√ľche, Bad. Das Mobiliar war sp√§rlich. Im einzigen Zimmer stand ein altes Drahtbett, daneben ein Nachttisch, an der Fensterseite stand ein Tisch mit einer Lampe darauf. Der Lampenschirm war verziert mit chinesischen Schriftzeichen. Die Polizei ermittelte damals, dass die Tischlampe von einem Flohmarkt stammte. Der Verk√§ufer konnte nicht gefunden werden. Der Bedeutung der Schriftzeichen konnte nicht g√§nzlich auf den Grund gegangen werden. Man brachte nur so viel in Erfahrung, dass es sich um die alt-chinesische Art einer mystischen Lampe handeln musste. Hatte jemand ein Verbrechen begangen oder gelogen, so w√ľrde diese Lampe den Schuldigen √ľberf√ľhren. So die √úberlieferung einer alten chinesischen Religion.

Nachdem sich Duvall in der Wohnung umgesehen hatte bereitete er sich auf die Nacht vor. Er hatte eine Liege mitgebracht auf der er sich nun ausstreckte. Langsam schlief er ein.

Es war nach Mitternacht als Duvall erwachte. Er schwitzte und f√ľhlte sich unwohl. Irgendetwas schien zu tropfen. Von M√ľdigkeit geplagt richtete Duvall sich auf.

Tropf, tropf, tropf...

Dem Inspektor √ľberkam das beklemmende Gef√ľhl nicht allein zu sein. Langsam tastete er sich in Richtung des Tisches, von dem das Tropfen herr√ľhrte. Bei dem Versuch die Taschenlampe zu ergreifen, die er dort abgelegt hatte, fasste Duvall in eine Fl√ľssigkeit. Er fr√∂stelte. Der Lichtkegel der Taschenlampe streifte √ľber den Tisch. Diese Fl√ľssigkeit war Blut. Blut, dass aus der Tischlampe tropfte. Ein Rinnsal floss √ľber den Tisch, tropfte auf den Fu√üboden und bildete einen Blutstrom, der bis in den Korridor reichte, wo er an einem bestimmten Punkt in einer Blutlache endete.

Duvall kam dies sehr merkw√ľrdig vor. Entsetzt sprang er zur√ľck. Eine furchtbare Ahnung √ľberkam ihn. Er musste den Boden aufbrechen. In der Wohnung fand er einen Hammer mit dem er sofort begann die Dielen aufzubrechen. Holz splitterte. Duvall arbeitete wie besessen. Seine H√§nde bluteten. Ein gro√ües Loch tat sich auf, in das er mit seiner Taschenlampe hineinleuchtete. Langsam kam er mit dem Gesicht n√§her an die √Ėffnung heran, blickte hinein ... und wurde fast wahnsinnig.

Er blickte in die Gesichter zweier halbverwester Leichen, noch im Angesicht des Todes fest umschlungen, die ihn anzustarren schienen. Fast hatte es den Anschein, als ob diese ihn angehen w√ľrden. Doch nichts geschah. Als Duvall sich von diesem Schock erholte beschlo√ü er noch einmal mit Legrand zu sprechen nachdem er die Spuren in der Wohnung sichern lie√ü. Als er Legrand mit seiner Entdeckung konfrontierte, brach dieser sein Schweigen.

Legrand hatte in seiner Jugend ein Verh√§ltnis mit einer jungen Zigeunerin gehabt, die eines Nachts mit einem Kind vor seiner T√ľr stand und behauptet hatte es w√§re von ihm, und da sie damals noch minderj√§hrig war drohte sie zur Polizei zu gehen, wenn er sich nicht um sie beide k√ľmmern w√ľrde. Er lachte sie aus und schickte sie weg. Die n√§chste Nacht kam sie wieder und so wiederholte sich das √ľber mehrere Tage. Schlie√ülich hatte er genug und bat beide in seine Wohnung, wo er die Frau und das Kind erschlug und sie bei Nacht irgendwo au√üerhalb von Paris begrub. Fortan qu√§lten ihn Alptr√§ume, bis zu jener Nacht als beide in der Gestalt von Wiederkehrern, mit herabh√§ngenden Hautfetzen und hervorstehenden Knochen, vor seinem Bett standen und ihn mit leuchtenden Augen anstarrten und ihn auslachten. Da verlor er den Verstand und lief schreiend auf die Strasse.

Nach dieser Beichte brach Legrand tot zusammen. F√ľr Duvall war der Fall erledigt. Wie die Frau und das Kind unter die Diele kamen wurde niemals gekl√§rt.


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Isildur
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Mein lieber knud, also das ist sehr gut!

Mir gefällt dein Stil, und deine Sprache, die, meiner Meinung nach, sehr bildhaft und kräftig ist.

Eine Kleingkeit hab ich aber doch anzumerken.
Ist es wirklich n√∂tig besagte Tischlampe so ausf√ľhrlich zu beschreiben? Ich denke nicht das diese der Gegenstand einer polizeilichen Ermittlung sein w√ľrde. Das st√∂rt ein wenig den Leseflu√ü, und nimmt die, sonst durchgehend vorhandene, Spannung raus. Ich denke in diesem Fall w√§r weniger mehr.

Conclusio: Dankeschön und bitte mehr davon!

mfg
Isildur

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knudknudsen
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Hallo,

erstmal danke f√ľr die Kritik.

Die Frage ist ja meist,zumindest bei mir,was beschreibe ich ausf√ľhrlicher und was nicht.
Manche Kritik, die ich bekomme, geht oft in Richtung Spannungsbogen. Also das ich zu schnell zum Schluß komme bzw. 'auflöse'.Wurde mir z.B. mal von nem "Bastei"-Lektor gesagt.

ahoi
knudsen
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Isildur
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Naja ich meine die Geschichte ist so gut, sie braucht kein mysthisches Objekt um zu funktionieren.
Mir scheint, als willst du hier eine Erkl√§rung f√ľr die Vorg√§nge abliefern, die sich ereignen. Ich finde das ist nicht n√∂tig.

Evtl. könntet du dann auch am Titel feilen? Er bereitet einen nicht auf das vor, was man zu lesen bekommen wird (Titel langweilig, Geschichte das Gegenteil). Mir fällt zb. spontan "Legrands Wahnsinn" ein. Aber bei einem Titel sind Autoren heikel, ich weiß

Alles andere finde ich, wie schon erwähnt, hervorragend.

mfg
Isildur

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knudknudsen
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naja-Titelfindung ist ein Kapitel f√ľr sich.

Es sollte auch nicht zu reißerisch sein.Erinnert mich immer an das große Hetzblatt mit den 4 Buchstaben.
Aber stimmt schon, die √úberschrift sollte Neugier wecken...werd mir M√ľhe geben.
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dpunkt
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spannend und gruselig, es war ein vergn√ľgen, die geschichte zu lesen.
die "lampe" sticht tatsächlich etwas aus der erzählung heraus, die sich ja sonst eher mit der aufzählung der fakten beschäftigt und mich persönlich hat auch das tropfende blut ein wenig gestört, zumal ich mich sofort gefragt hab, wie lange aus einer verwesenden leiche denn noch blut tropft -gerinnt das nicht recht schnell (quincy sei wachsam!)?
ich war durch deinen stil schon gefesselt genug, so dass es meiner meinung nach solcher "kunstgriffe" nicht bedarf. (duvall könnte den leichen doch auch aufgrund von modergeruch oder dem regen treiben von aaskäfern an der decke auf die spur kommen)
aber das sind kleinigkeiten,
und die geschichte ist prima!

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