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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Der Fall Strauss-Kahn (1)
Eingestellt am 29. 05. 2011 23:05


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Herbert Schmelz
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Macht und Widerspruch des >einvernehmlichen< sexuellen √úbergriffs

Arno Widmanns Leitartikel >Macht und Sexualität< * zur Unverfrorenheit der Herrschaften in der politischen Arena sieht im klugen und entschlossenen Handeln der Frauen ein wirksames Gegenmittel auf die männliche Gewalttat. So hatte ein >Zimmermädchen< der Luxusherberge >Sofitel< in New York Dominique Strauss-Kahn (DSK), Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Das war am 14. Mai 2011 und mobilisierte die geballte Staatsmacht der USA. Am gleichen Tage noch, offenbar unmittelbar nach der Anzeige, soll DSK kurz vor dem Start aus einer Air France Maschine herausgeholt worden sein.

Dass im Moment des Zugriffs Bedenken gegen die 32-j√§hrige Nafissatou Diallo, aus dem westafrikanischen Guinea stammend und im Asyl der USA lebend, aufgekommen sind, ist nicht wahrscheinlich. Hingegen ist bemerkenswert, wie schnell und pr√§zise die USA reagieren, wenn politische mit moralischer Brisanz zu einem noch verschwommenen Bild sich mischt. Kaum sitzt DSK im Knast, die Welt√∂ffentlichkeit geht bereits schwanger mit seinem gl√ľcklichen Familienleben und seinen notorischen >Sex-Aff√§ren<, erkl√§rt US-Finanzminister Timothy Geithner treffend: >Er ist offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten<.

Die Machtstrukturen, die in globalen Absprachen zwischen den st√§rksten Gruppen des Finanzkapitals auf intransparente, undemokratische Weise besetzt werden, sind hochgradig unsicher, - als w√§ren sie aus den wildesten Spekulationen von Verschw√∂rungstheorien geschaffen worden. Ist hier der sexualisierte √úbermut mit dem √ľberm√ľtigen Sex zu Hause? Jedenfalls tritt am 18.Mai 2011 DSK von seiner F√ľhrungsposition zur√ľck. Seine politische Karriere scheint beendet. Erstmals steht seit dem 05. Juli 2011 eine Frau an der Spitze des IWF, die Franz√∂sin Christine Lagarde.

Die >guten Sitten< haben in der globalisierten Welt einen schweren Stand. Sozial-√∂konomische Verwerfungen bedingen den Handel mit sexuellen Dienstleistungen und lassen besonders widerliche, sklavenhalterische Herrschaft neu aufleben. Wir kennen die verz√∂gert gef√ľhrten K√§mpfe um Anerkennung ihrer Pers√∂nlichkeit, wo die betroffenen Opfer vorwiegend Frauen, aber auch M√§nner sind. Wenn Wissen schuldig macht, dann sind wir alle nicht mehr frei von Schuld. Denn gerade der Zusammenhang des demokratischen mit dem menschenrechtlichen Anspruch zwingt uns, sensibler und aktiver zu werden, wenn in unserem eigenen Hause die Anschuldigung des >sexuellen Missbrauchs<, nicht als singul√§res Ereignis, sondern als systematisch bedingte Gewalttat, Hochkonjunktur hat.

Die Gewalttaten im Medium der sexuellen Triebbet√§tigung werden oft als voyeuristisch aneigenbarer Skandalbrei verharmlost, gleichg√ľltig, ob sie unter Verantwortung der Kirchen, Bildungseinrichtungen, wirtschaftlichen Unternehmen, nationalen wie internationalen Machtstrukturen stattfinden. Die ungleiche Macht als reflektierbare Ausgangssituation von T√§ter und Opfer ist jedes Mal das Grundmotiv der verletzenden Handlungen.

Die richtige, hoffnungsvolle Erwartung, auch das Sexualverhalten habe das Prinzip der Menschenrechte einzuhalten und d√ľrfe keine Person zu fremden Zwecken missbrauchen, trifft leider auf eine Realit√§t, in der klassenlose Gewaltt√§ter freie Lustbefriedigung in erster Linie f√ľr sich reklamieren. √Ąhnelt das nicht der Freih√§ndlerideologie in der Kindheit des b√ľrgerlichen Zeitalters? Da wurde die Freiheit des Handels allgemein geltend gemacht, aber dem Konkurrenten nur ungern zugestanden.

Es geh√∂rt die Willk√ľr des √úberm√ľtigen hierher, der den eigenen Vorteil stets an erste Stelle setzt, sei das auch noch so borniert. Bei der Verwandlung egozentrischer Triebenergie in solche, die sozialen Zwecken dient, l√§uft offenbar √∂fters was schief. Daher der unberechenbare √úberschuss der Kr√§fte, die, Anlage suchend, umherschweifen. Daher auch die Zuf√§lligkeiten -anscheinend evolution√§r bedeutsame Tatsachen-, mit denen T√§ter und Opfer regelm√§√üig aufeinander treffen. Ein Unterschied ist jedoch zu kl√§ren. Nicht um einen imagin√§ren Gewaltt√§ter geht es, f√ľr den sich autorit√§r gewirkte Selbstentschuldigungen finden lassen. Wir polemisieren gegen einen konkreten gesellschaftlichen Rollenspieler, dessen problematische Identit√§t √∂ffentlich diskutiert werden soll.

Der hat sein Verhalten in hohem Ma√üe selbst bewusst zu steuern gelernt. Er sp√ľrt, und wei√ü teilweise auch, was er anderen und der Gesellschaft zu verdanken hat. Aber er verschlie√üt sich der Gesellschaft, kooperiert und kommuniziert nicht. Entgegen seinen allgemeinen Einsichten bestreitet er, die Gesellschaft gesch√§digt zu haben, indem er ihre Individuen besch√§digt. Er bestreitet Verantwortung f√ľr seine Taten. Diesen Punkt zu kl√§ren, kann nur das Ziel der Polemik sein. Der politische und rechtliche Wirrwarr dagegen verschleiert oft, gern und absichtsvoll. Um da durchzusteigen, ist wahrlich ein langer Atem erforderlich. Dass er n√∂tig ist und in w√ľnschenswertem Ma√üe zur Verf√ľgung steht, darf nicht bezweifelt werden.

Wird aber die Verantwortung, von der ich spreche, greifbar, wenn kluge und entschlossene Frauen dem √ľberm√ľtigen T√§ter entgegentreten? Im Falle von DSK darf man gespannt sein, ob und wie gegebenenfalls Geldbetr√§ge oder gar finanzielle Kalkulationen, von denen ja nach den ersten Vernebelungen gleich geredet wurde, die Beschuldigungen und die Anklageerhebung selbst beeinflussen. Was also Frau Diallo in New York schlie√ülich erreichen wird, dabei k√∂nnte es sich leicht um ein unbefriedigendes Ergebnis handeln, weil der Nebelschleier der >Glaubw√ľrdigkeit< mal wieder die Tatsachen verdeckt.

Und im Vergleich damit k√∂nnte bei uns Kachelmanns t√§tige Reue, sein R√ľckzug aus promiskuitiven Sex-Bekanntschaften in den >sicheren Hafen< der Monogamie der Preis f√ľr die aussichtslose juristische Wahrheitssuche gewesen sein. Die kluge und entschlossene Frau ist in diesem Fall eine traurige, angstvolle Gestalt, √ľber deren tats√§chliche Anschuldigungsmotive ger√§tselt werden darf. Aber gerade diese sind eigentlich wichtig und von gro√üem Interesse, ebenso das Motiv des von DSK eingestandenen >einvernehmlichen< sexuellen √úbergriffs. Hier f√§ngt eine produktive Entschl√ľsselungsarbeit erst an.

* Frankfurter Rundschau am 17. Mai 2011


__________________
Ernst H.Stiebeling,EHS

Version vom 29. 05. 2011 23:05
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Herbert Schmelz
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Sexualisierter √úbermut

Hallo jon,

mir wäre es lieb, die Formulierung des Themas zu ändern in

Der Fall Strauss-Kahn (1)

MfG herbert
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Ernst H.Stiebeling,EHS

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