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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Fehltritt
Eingestellt am 02. 08. 2002 14:19


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Helmut D.
???
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Der Fehltritt

GrĂŒĂŸt euch Gott, liebe BrĂŒder und Schwestern !
Mein Name ist Haselbaum und ich bin Pfarrer. Wenn Ihr in Bischofsfelden wohnt, kennt Ihr mich bereits, wenn nicht, werdet Ihr mich bald ein bißchen kennenlernen. Hoffe ich jedenfalls. Nun an, ich möchte Euch eine Geschichte erzĂ€hlen, die mir vor einigen Wochen hier in meiner seligen Gemeinde widerfahren ist.
Es begann damit, daß ich gerade an meiner Sonntagspredigt fĂŒr den Hauptgottes- dienst saß und ĂŒber Gott und die Welt nachdachte. Das Leben eines Pfarrers ist ja fĂŒrwahr kein besonders aufregendes und manchmal sogar ziemlich eintönig, denn die vielen Stunden zwischen den Abendmahlen vergehen nicht immer, wie im Fluge und nicht jeden Tag muß einem verblichenen SchĂ€flein die letzte Ruhe gewĂ€hrt werden.
WĂ€hrend ich also damals gerade so nachdachte, was ich meiner lieben Herde am nĂ€chsten Morgen verkĂŒnden könnte, klingelte es plötzlich an der Pforte und ich erhob mich, um den Besucher Einlaß zu gewĂ€hren. Dieser Besucher war eine Frau und hieß Kuckuck, Marget mit Vornamen. Sie war die Gattin des ortsansĂ€ssigen Schreinermeisters Achim Kuckuck, der hier eine kleine Werkstatt hat und auch schon in meiner Kirche einige, kleinere Arbeiten vorgenommen hat. Nachdem sie auf meinem schöne, alten Sofa Platz genommen hatte, erzĂ€hlte sie mir sofort, wo ihr der Schuh drĂŒckte: "Lieber Herr Pfarrer!" sprach sie in ziemlich aufgeregten Ton." Ich komme zu Ihnen, wegen einer dringenden Angelegenheit, bei der ich mir nicht mehr anders zu helfen weiß, als sie um Rat zu fragen." "Fragen Sie nur!" lud ich sie ein, mir offen und ohne Scheu ihr Leid vorzutragen, was sie dann auch umgehend tat. "Es geht um meinen Mann. Sie kennen Ihn ja, er hat damals Ihren Beichtstuhl renoviert und ist auch jeden Sonntag in der Messe zu finden." "Was ist denn mit ihm?" unterbrach ich sie. "Also. Ich glaube und bin mir eigentlich sicher, daß es stimmt, daß er....., wie soll ich sagen...?.....nun, er geht fremd!" "Ach, herje!" entfuhr es mir und ich konnte mir im ersten Moment ĂŒberhaupt nicht vorstellen, wie ich ihr dabei helfen sollte. "Daß er jeden Samstag Abend in sein Stammlokal geht und erst spĂ€t nach Mitternacht mit einem Bierrausch heimkommt, daran habe ich mich ja schon gewöhnt. Das ist MĂ€nnersache und muß wohl so sein. Daß er mich aber seit einiger Zeit mit einer anderen Frau betrĂŒgt, daran werde ich mich nie gewöhnen. NIE!" schrie sie und ich mußte einige wohltemperierte Worte gebrauchen, um sie wieder etwas zu beruhigen. "Woher wissen Sie denn," fragte ich nach" daß Ihr Gemahl fremd geht?" "Uuuuh!" brach es aus ihr heraus" Alle Welt weiß das schon. Die Metzgerin und die Malerswitwe und die alte Domuckl, alle wissen es und jede spricht mich fortlaufend daraufhin an. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich sagen soll, daß dieser Erzhalunke mich hinter meinen RĂŒcken mit einer anderen be..."-"Nun gut, nun gut" sprach ich sanftmĂŒtig auf sie ein, um ein paar Sekunden nachzusinnen, was ich denn fĂŒr dieses verirrte SchĂ€flein, dessen treue Gattin völlig aufgelöst vor mir stand, tun könnte. "Helfen Sie mir!" ging sie mich noch vor dem Ende meiner Überlegungen an "Bitte, tun Sie irgend etwas, was ihn wieder auf dem rechten Pfad der Tugend zurĂŒckbringt. Ich flehe Sie an, helfen Sie mir! Sie sind meine einzige Hoffnung." "Haben Sie denn selbst schon mal mit Ihm darĂŒber geredet?" "Reden? Mit dem? NIE!" schrie sie wieder, wie vorher und machte dabei ein so entschlossenes Gesicht, daß ich es vermied, diesen Weg weiter zu verfolgen. "Also gut" beruhigte ich sie" ich werde schauen, was ich fĂŒr sie tun kann. Mir schwebt schon eine Lösung vor, wie ich Ihren gefallenen Mann wieder auf treue Beine zurĂŒckbringen könnte." Dann verabschiedete ich sie mit der Bitte, unbedingt dafĂŒr zu sorgen, daß der Frevler am nĂ€chsten Sonntag in meine Messe kĂ€me.
Und er kam dann auch. Mit brav gefalteten HĂ€nden kniete er in der vierten Reihe links und betete derart ehrfurchtsvoll und fromm, daß man hĂ€tte meinen können, er sei der heilige Nikodemus anselbst. Als dann die Predigt kam, ging ich direkt auf sein Vergehen ein, ohne ihn aber beim Namen zu Nennen. "Die sollten sich was schĂ€men!" rief ich mit energischer Stimme, nachdem ich von den bösen MĂ€nnern berichtet hatte, die hinter dem RĂŒcken ihrer guten Frau diese betrĂŒgen und belĂŒgen. "Jawohl, schĂ€men sollten sie sich, diese falschen Kuckucke!" Bei diesem Wort Ă€ugte ich verstohlen zu dem richtigen Kuckuck hin, um zu sehen, ob meine Predigt Wirkung zeigte. Doch der saß ,wie zuvor sehr fromm dreinblickend da und schaute so, als wenn ihm die ganze Sache gar nichts an ginge. Ich muß einen schĂ€rferen Ton anschlagen, dachte ich mir, damit der Arme zur Besinnung kommt. "Nein!" schrie ich mit warnender Stimme" so geht man nicht mit seiner Frau um! Und was das schlimmste ist, liebe HerdenschĂ€flein: auch in unserer Gemeinde soll es derartige Haderlumpen geben. Jawohl! Auch in unserer Gemeinde hat sich der Teufel in diese ĂŒblen MĂ€nner reingeschlichen. Deshalb rufe ich all denjenigen zu, die sie jetzt angesprochen fĂŒhlen : Hört auf! Kehrt um! Tut Buße, bevor es zu spĂ€t ist!" FĂŒr einen Moment schwieg ich, um wieder nach Kuckuck zu spĂ€hen, aber der rĂŒhrte sich ĂŒberhaupt nicht und sah nur gelangweilt zur Decke, meine harschen Worte völlig außer acht lassend. Da ich nicht noch direkter und lauter werden konnte, einige Ă€ltere Frauen schauten schon völlig verstohlen zu mir herauf, was wohl heute in mich gefahren sei, ließ ich die Sache fĂŒrs erste bewenden.
Einige Tage spĂ€ter erschien erneut seine Frau, um sich fĂŒr meine schöne Predigt zu bedanken. "Es hat geholfen" sprach ich, eine Bejahung erhoffend, zu ihr. "Nein!" gab sie mir, jede Freude nehmend, zurĂŒck. "Aber ich danke Ihnen trotz- dem, daß sie es wenigstens versucht haben." Dann erzĂ€hlte sie mir von der neuesten Schandtat Ihres Mannes, die dieser noch am gleichen Sonntag verĂŒbt hatte und zu der ihr ein paar lange Haare brauner Farbe, den Beweis geliefert haben.
Da die Frau mir leid tat, versprach ich ihr, noch einen Versuch zu wagen und zwar wĂ€hrend der großen Osterbeichte, die unmittelbar bevorstand und zu der auch der liebe Kuckuck immer erschien.
Eine Woche darauf war es dann soweit. Der Beichtreihen waren voll und nach vielen alten MĂ€nnern und jungen MĂ€dchen, die mir ihre mehr oder minder harmlosen SĂŒndlein aufzĂ€hlten, öffnete sich plötzlich die TĂŒr und der Ehebrecher persönlich kam herein, sich brav vor mich hinkniend. "Ich komme zur Beichte" sprach er und listete gehorsam, wie ein GrundschĂŒler seine Untaten auf, ohne aber die grĂ¶ĂŸte dabei zu erwĂ€hnen. "Hast Du nicht etwas vergessen" fragte ich ihn am Ende seiner AusfĂŒhrungen. "Nicht das ich wĂŒĂŸte" flĂŒsterte er leise. "Denk doch mal nach, mein Sohn! Du weißt ja, eine Vergebung ist nur dann gĂŒltig, wenn alle SĂŒnden aufgezĂ€hlt wurden." Er schwieg fĂŒr ein paar Sekunden und hob urplötzlich mit lauter Stimme zur Fortsetzung seiner Beichte an: "Ach, ja! Eine Sache hĂ€tte ich fast verschwiegen!" "Psst mein Sohn, nicht so laut!" mahnte ich ihn, die böse Untat nun erwartend. "Letzten Sonntag abend, nach dem Wirtshaus, habe ich dem Brunner sein Fenster eingeworfen, weil er mich beim Kartenspielen so hinterlistig beschissen hat."
Ich war völlig zerknirscht. Ein Fenster eingeworfen, dachte ich mir und wußte erst gar nicht recht, was ich dazu sagen sollte. Doch dann ging ich aufs Ganze und sprach ihn direkt auf sein Vergehen an: "Hast Du Deine Frau betrogen?" "Ich?" schrie er. "Ja" flĂŒsterte ich. "Wie kommen Sie denn darauf?" "Deine Frau hat es mir berichtet?" "Meine Frau?" "Ja. Und alle anderen Frauen wĂŒĂŸten es auch schon. Außerdem hĂ€tte sie lange, braune Haare an Deinen Kleidern gefunden." "Oh Gott" plĂ€tscherte es aus ihm heraus, "das FrĂ€ulein Ursel!" "Also doch?" faßte ich nach. "Nein. Das hat eine ganz andere Bewandtnis." Dann erzĂ€hlte er mir, daß er mit seinem Freund Waldkammerer jeden Sonntag auf die Jagd ginge, wobei sie das FrĂ€ulein Ursel begleitete. Daß die Leute ĂŒber alles mögliche redeten, sei alt bekannt und die braunen Haare von der Ursel an seinen Kleider wĂ€ren nichts unanstĂ€ndiges. Aber, daß sie deshalb ein VerhĂ€ltnis miteinander hĂ€tten, sei schon aus natĂŒrlichen GrĂŒnden völlig unmöglich. Aber völlig unmöglich! "Warum denn?" wollte ich, neugierig geworden, wissen. "Weil das FrĂ€ulein Ursel ein Hund ist." "Ein Hund?" "Jawohl, ein hellbrauner Rauhaardackel, den der Waldkammerer nach seiner Schwester Ursel benannt hat, die seinerzeit bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist."
FĂŒr einige Augenblicke war ich sprachlos, erteilte ihn dann aber die Absolution und vergaß vor lauter Freude ĂŒber den gĂŒtlichen Ausgang der Sache, ihm eine Buße zu erteilen.
"Dann bet' ich halt wieder drei Vaterunser" sprach er. "Ja, ja" flĂŒsterte ich zu ihm hin, in Gedanken einen treuen, braven Hund vor mir sehend, der FrĂ€ulein Ursel hieß. FrĂ€ulein Ursel. Heiliger Kuckuck!


Geschrieben 1986

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loona
Wird mal Schriftsteller
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Hallo Helmut,

die Pointe war (fast) klasse! Insgesamt eine bayuwarische Landposse mit ĂŒberzogenen Charakteren mit dem einzigen Haken, daß Rauhaardackel meines Wissens keine Haare haben, die sich mit langem Frauenhaar verwechseln lassen (ich glaube, nicht einmal ein Windhundhaar wĂ€re Ă€hnlich genug - vielleicht PferdemĂ€hne? (die ist aber ziemlich dick))

Ein Fazit am Ende: a bisserl zu lang geraten.

GrĂŒĂŸe

loona

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Helmut D.
???
Registriert: Jan 2002

Werke: 81
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Danke Ioona

Danke Ioona!

War alles satirisch gemeint, aber wahrscheinlich mein letztes Werk, obwohl ich noch tonnenweise solcher Kurzgeschichten habe, die ich 1986 schrieb und auch veröffentlichen hÀtte können.

Aber wie ich heute unter "Plauderecke" mitgeteilt habe, verlasse ich nun fĂŒr immer, wegen Divergenzien die Leselupe.

TschĂŒs

Helmut

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