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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Felsenlacher
Eingestellt am 20. 02. 2015 08:01


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Martin Kirchhoff
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2014

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Der Felsenlacher

Einmal, es war ein Novembertag, durchquerte Marcel Zweygarth erneut mit den Gedanken k├Ąmpfend den Wald. Unerwartet pochten fremde, ungewohnt gewordene Gedankenbilder an und dr├Ąngten die D├Ąmonen mehr und mehr in den Hintergrund. Fremd waren diese Gedanken nicht. Es waren Bilder einer abgelegten Liebe, wie so oft, doch zeigten sie sich n├╝chtern, verschwommen im ersten Moment, die sich dann formten, ihn umt├Ąnzelten, ihm dann eine andere Sicht ├Âffneten. Wie Rosalinde beteuerten sie ihm, er sei der beste Mensch dieser Welt. Oft schwor Rosalinde z├Ąrtliche diese Worte in sein Ohr und bekr├Ąftige diesen Schwur mit einem z├Ąrtlichen Kuss. Benommen nahm er diese Beteuerung auf, schwindelig wurde ihm mit diesen Lobeserhebungen. Marcel l├Ąchelte zaghaft ├╝ber die Erinnerungsrevue vor seinen Augen. Seit langer, langer Zeit konnte er keine Heiterkeit in sich f├╝hlen. In diesem Augenblick wirkte sein L├Ącheln wie eine befreiende Revolte. So zog er weiter durch den Wald, die Wortbilder f├╝hlend, und fragte sich, woher Rosalinde wissen konnte, dass ausgerechnet er der beste aller lebenden Menschen sei und auch wie er selbst Rosalinde so titulieren konnte. Um diese Feststellung treffen zu k├Ânnen muss jeder von uns jeden lebenden Menschen kennen. Ob dem so sei, fragte Marcel einen der vielen B├Ąume, der schwieg und nachzudenken schien. Marcel beabsichtigte nicht den Baum zu st├Âren und setzte den Weg fort.
Das zunehmende Licht deutete an, dass der Wald wenige Meter vor seinen F├╝├čen endete. Marcel blieb stehen, ├Ąugte dem D├Ąmmerlicht zu, ├╝berdachte erneut die Liebesschw├╝re, die sie sich gaben und wie weit sie von der M├Âglichkeit lagen verwirklicht zu werden, dann fl├╝sterte er vor sich hin, die irdische Liebe sei ein Tanz zwischen den Extremen. Am Waldrand angekommen, fasste er die Erkenntnis ├╝ber die Liebe mit den Worten "Tanz auf dem Vulkan" zusammen und lehnte sich an einen Baumstamm.
Das Zwielicht des Abends warf Kontraste in die Landschaft. Dort das grelle Orange der entschwundenen Sonne, da die Dunkelheit der B├Ąume, B├╝sche, H├╝gel. Der Himmel loderte im Westen und verh├╝llte sich violett, dann dunkelblau, dann schwarzblau. Ein Flugzeug wob einen Kondensstreifen, der eindringlich am schwarzen Himmel aufleuchtete. Das Zwielicht verwandelte das Land, tauchte es in Zwiespalt. "Zwiesp├Ąltiges Licht", dachte Marcel. "Zwiesp├Ąltig wie die Liebe!" Hei├čhungrig durchzogen seine Augen den Himmel und die Landschaft. Sie unterhielten sich mit dem Schauspiel des Lichtes und der Schatten und er dachte an die gespaltenen Gespr├Ąche und Augenblicke der vergangenen Zeiten.
Benommen stapfte Marcel nach wenigen Minuten in die Lichtorgie. Die Dunkelheit schwieg, nahm ihn auf und zog ihn in das unbekannte Land. Marcel f├╝hlte sich ratlos und froh zugleich, kam sich wie ein Wanderer vor, der ├╝ber die Grenzen tanzt. Zweifel und Hoffnung verbanden sich zu einem Strom, vereinten sich zu Schwingungen, die ihn einnahmen und erf├╝llten.
Pl├Âtzlich nahm er auf einem nahe liegenden H├╝gel eine Gestalt wahr, die unruhig von Ort zu Ort zog, sich einen Moment niederlie├č, dann weiterzog in fremde Regionen. Ein Grenzg├Ąnger wie er. Ja, er selbst war ein Grenzg├Ąnger seit seiner Kindheit, wie dieser Fremde, der sich in den Nachtschatten aufl├Âste und Marcel verstand, er selbst war dieser Fremde, den er gesehen hatte.
Er lenkte seinen Schritt zu diesem H├╝gel. Eine unsichtbare Hand zog ihn dorthin. Ohne einen Sinn zu suchen lie├č Marcel sich von dieser Kraft treiben, bis er vor einer Felswand des H├╝gels stand.
Auf der rechten Seite lagen Papiere, rostige Dosen, leere Plastikflaschen. Eine vergessene M├╝lldeponie, die verwitterte, die ihn nicht befremdete. Langsam trat er an ihren Rand, sein Blick schweifte ├╝ber den Abfall, machte da und dort junge, gr├╝ne Pflanzentriebe aus, die sich durch den Unrat bohrten. Das Bild war ihm vertraut und er f├╝hlte eine vage Verbundenheit mit dem Abfallhaufen.
"Ich bin so gut, so schlecht ich bin", h├Ârte er seine Stimme und f├╝hlte sie aus seiner Seele kommen. Hastig fuhr Marcel auf, sch├╝ttelte den Kopf, raufte beide H├Ąnde und lief vor die Felswand, die sich von seinem Standpunkt aus betrachtet in schwindelerregende H├Âhen erhob. Er trat einige Schritte zur├╝ck, hielt inne und sah wieder auf die Wand. Die Zeit verging, bewegungslos erhob sich die Wand. Marcel verwurzelte sich, wurde bewegungslos, steinern, still. Die Wand schwieg. Das Licht verschwand in der Dunkelheit. Marcel verschwand in seinen Gedanken im Felsen, bleib stehen, ging und stand. Der Felsen ging in die Nacht und Marcel, der vor dem Felsen stand, auf seinen Atem lauschend und einen fremden Atem h├Ârend, der von der Felswand kam, sich mit Marcels Atem verband, erneut sich l├Âste und verband.
Kein Mensch au├čer Marcel hielt sich hier auf. Er verstand, wessen Atem er wahrnahm ohne zu verstehen. Der Felsen atmete. Der atmende Stein wartete, hatte Ohren so gro├č wie die Nacht. Ohren des Steins, die Marcels Ohren waren, die h├Âren wollten und h├Ârten.
"Wer bin ich", schrie Marcel in die Wand.
"Ich", war die Antwort.
"Sag mir, wer ich bin."
"Bin"
"Bin ich Ich?"
"Ich?"
Ein Lachen kullerte aus Marcels Bauch dem Mund zu. Ein Lachen, das nur Lachen war. Laut stob es der Felswand entgegen, purzelte aus seinem Bauch, hielt an, verschmolz mit der Seele, dem K├Ârper und der Welt zu einer Harmonie aus Klang, in der Marcel sein Gesicht erkannte. Da stand er, Marcel, der Felsenlacher, geboren aus einem Augenblick, der nicht endete.

Martin Kirchhoff

Version vom 20. 02. 2015 08:01
Version vom 22. 02. 2015 13:50
Version vom 22. 02. 2015 13:51
Version vom 22. 02. 2015 13:52
Version vom 22. 02. 2015 13:54

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Profatus
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2014

Werke: 2
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Hallo Martin,

zun├Ąchst sind mir ein paar Fl├╝chtigkeitsfehler ins Auge gefallen:

quote:
Um diese Feststellung treffen zu k├Ânnen muss jeder von von uns jeden lebenden Menschen kennen.

quote:
Marcel blieb stehen, ├Ąugte dem D├Ąmmerlicht zu, ├╝berdachte erneut die Liebesschw├╝re, die sie sich gaben und wie weit sie von der M├Âglichkeit lagen verwirklicht zu wrden, dann fl├╝sterte er vor sich hin, die irdische Liebe sei ein Tanz zwischen den Extremen.

quote:
Die Dunkelheit schwieg, nahm in auf und zog ihn in das unbekannte Land.

quote:
Ohne einen Sinn zu suchen lie├č marcel sich von dieser Kraft treiben, bis er vor einer Felswand des H├╝gels stand.


quote:
Marcel verschwand in seinen Gedanken im Felsen, bleib stehen, ging und stand.

quote:
Sag mit, wer ich bin.

Der folgende Satz fiel mir ebenfalls auf. Er klingt so, als h├Ąttest Du den ├ťberblick verloren und dabei vergessen zu sagen, was genau Marcel jetzt eigentlich tut:
quote:
Der Felsen ging in die Nacht und Marcel, der vor dem Felsen stand, auf seinen Atem lauschend und einen fremden Atem h├Ârend, der von der Felswand kam, sich mit Marcels Atem verband, erneut sich l├Âste und verband.


Die Fehler mindern leider etwas den Lesespa├č. Trotzdem bin ich dabei geblieben. Mir gef├Ąllt der Ausdruck, die Wortwahl, das Spiel mit den W├Ârtern. An einigen Stellen wurde ich an Poetry Slam Texte erinnert. Sehr gut!
Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass ich mich nach dem ersten Lesen fast etwas erschlagen f├╝hlte. So sch├Ân und faszinierend einige Passagen von Dir erz├Ąhlt werden, so wirr und ├╝berladen wirken dann wieder andere Stellen (siehe Beispiel des "unvollst├Ąndigen Satzes" oben).
Dadurch bekommt man unfreiwillig den Eindruck, dass der Autor sich etwas ├╝bernommen hat bzw. zu viel auf einmal wollte.

Trotz allem habe ich Deine Geschichte gern gelesen und ich hoffe, dass meine Kritik nicht allzu negativ bei Dir ankommt.

Gru├č, Profatus

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